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Dry Martini: das Rezept für den König aller Cocktails, den trockenen Martini

Ein trockener Martini mit einer untypischen Limettenschale. Quelle: Fotolia © Francesco Italia
Ein trockener Martini mit einer untypischen Limettenschale. Quelle: Fotolia © Francesco Italia

Trockene Martinis sind Shots für Snobs. Kein anderer Cocktail bietet für so wenig Aufwand ein solch gewaltiges Angeber-Potenzial: Ihr schüttet 6 cl Gin und ein winziges Tröpfchen Wermut in ein gekühltes Glas, garniert den Spaß mit Zitronenschale und tadaa: Aus dem Nichts heraus seid ihr Barkeeper-Götter und Stil-Ikonen – Frauen wollen sein wie ihr und Männer mit euch schlafen (oder umgekehrt, was euch mehr Spaß macht).

Ja, wir übertreiben. Aber tatsächlich ist der Dry Martini gemessen an seinem Ruf unglaublich simpel: Er besteht wie alle Shortdrinks komplett aus Spirituosen und bleibt trotz Hunderten Rezept-Varianten immer doch nur eine Möglichkeit, sich mit Stil einen Kurzen zu genehmigen. Man kann jetzt voller Inbrunst auf innovativere und mutigere Drinks zeigen, kann ein flammendes Loblied auf Experimentierfreudigkeit singen. Oder man genehmigt sich einen Kurzen. Mit Stil.

Das perfekte Martini-Rezept:
– 6 cl (Lieblings-Gin)
– 1 cl Wermut
– 3 Oliven mit Stein
Martini-Glas vorkühlen (im Ernst: das ist keine Übung, packt das verdammte Glas in den Tiefkühler). Gin und Wermut in ein Glas voller Eis geben, 30 Sekunden rühren. Drink ohne Eiswürfel in das Glas kippen. Die drei Oliven an einem Zahnstocher/Cocktailpiekser ins Glas packen. Trinken. Essen. Wieder trinken. Wieder essen. Austrinken. Letzte Olive essen.

Amazon.de-Tipp: Den perfekten Trockenen Martini mixten wir im Test mit  Tanqueray No TEN Small Batch Gin (1 x 0.7 l)* und Noilly Prat French Dry Vermouth*.

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Ein trockener Martini ist mit Gin? Seid ihr sicher?

Der erste große Schock für die meisten, die sich zum ersten Mal im privaten Bereich einen Martini mixen, kommt bei der Schnaps-Auswahl: „Den macht man ja mit Gin. James Bond trinkt den doch immer mit Wodka?“ Tatsächlich trinkt Bond den Cocktail meistens mit russischem Neutral-Alkohol – dann nennt er ihn aber auch ganz explizit „Wodka Martini“. Einen klassischen Martini mixt man aber mit Gin.

Der macht dann auch den Löwenanteil des Drinks aus, ähnlich wie zum Beispiel der Whisky beim Old Fashioned. Entsprechend sollte euch der Gin, mit dem ihr arbeitet, auch schmecken. So gut, dass ihr ihn auch ohne einen halben Liter Tonic Water runter bekommt – genau darum geht’s nämlich beim Martini. Wenn euch der benutzte Gin schmeckt, schmeckt euch der fertige Cocktail – das ist die einfache Formel. Trotzdem kann man danach noch Fehler machen.

Der richtige Wermut, oder: Warum ist im Martini kein Martini?

Dass es einen Wermut gibt, der Martini heißt, der aber nichts mit dem Cocktail-Rezept zu tun hat, in dem Wermut ist, das sorgt bei sehr vielen Leuten für ordentlich Verwirrung. Das bedeutet nämlich, dass in einem Martini durchaus Martini sein kann, aber nicht muss. So, ist gut jetzt. Tatsache ist: In einen Martini gehört Wermut, in die klassisch-trockene Variante im Verhältnis 5:1. Weil uns das im Test aber immer ein bisschen zu mickrig war, arbeiteten wir mit 6cl, was geschmacklich noch keinen Unterschied macht.

Ein Martini mit rotem Wermut ist ein Sweet Martini.
Ein Martini mit rotem Wermut ist ein Sweet Martini.

Für einen trockenen Martini braucht ihr einen trockenen, weißen Wermut. Roter, süßer Wermut resultiert in einem Sweet Martini mit rosa Färbung. Der ist – ungelogen – ziemlich lecker, aber nicht das, worüber wir heute reden möchten. Die bekannteste und meistbenutzte Marke ist wohl der Noilly Prat aus Frankreich, der auch zu den meisten Gins passt. Eine gute Alternative ist ein Lillet Blanc – der ist offiziell kein Wermut, erfüllt aber den Zweck. Vor allem aber ist er etwas intensiver und kann sich damit auch gegen kräftige Gins wie Professor Ampleforths Bathtub Gin behaupten. Feinsinnige Leichtgewichte wie den Botanist überfahrt ihr damit aber geschmacklich.

Die Garnitur: Olive oder Zitronenschale?

Trockener Martini mit Oliven
Trockener Martini mit Oliven

Die Olive im Cocktail ist so obskur und so auffällig, dass man sie überall wiedererkennt. Entsprechend sieht man in Filmen, Comics oder Serien fast immer die Variante mit der Olive. Um’s mal klarzustellen: es funktioniert beides, es gibt hier kein richtig oder falsch. Die Zitronenschale ist die optimale Garnitur, wenn ihr einen Gin verwendet, der von sich aus viele Zitrusaromen mitbringt, ein Tanqueray Rangpur zum Beispiel. Der beißt sich auch mit den Oliven. Wenn ihr Schale benutzt, schält sie möglichst dünn von der Zitrone und knickt sie einmal über der Oberfläche des Drinks, um die Öle und damit den Geschmack freizusetzen.

Im Test haben uns aber eher die Oliven begeistert. Nicht unbedingt geschmacklich: nimmt man Oliven in Lake (die in Öl sind eine sehr, sehr schmierige Idee), wirken sie sich kaum auf das Aroma des fertigen Drinks aus. Aber sie machen einfach mehr Spaß. Man kann mit dem Stäbchen spielen und hat was zu knabbern – das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil angesichts der Tatsache, dass man sich puren Schnaps mit Garnitur in den Hals schüttet.

Großer Fehler: entsteinte Oliven mit Paprikafüllung verwenden. Auch wenn alle jemals gemalten oder fotografierten Martinis der Welt diesen schicken roten Punkt in der Mitte haben; das Zeug schmeckt nicht nur wiederwärtig, es löst sich auch auf, wenn man gedankenverloren mit dem Zahnstocher den Drink umrührt. Das ist dann richtig, richtig eklig. Nehmt stattdessen Oliven mit Stein, auch wenn dann das Aufspießen etwas mehr Feingefühl erfordert: die schmecken deutlich besser und bieten in Kombination mit dem Gin dann sogar ein schönes, kleines Snack-Erlebnis.

Bitters im Martini

In älteren Martini-Rezepten aus der Zeit vor der amerikanischen Prohibition kommen fast immer Bitters zum Einsatz, meist Orange Bitters, seltener Angostura. Oft in Kombination mit Zuckersirup – damit wäre der Martini aber im Wesentlichen ein Gin Old Fashioned. Kann man machen – hat aber bei uns im Test dazu geführt, dass der Cocktail ganz weit von dem wegrückt, was wir uns unter einem Martini vorstellen.

Den Martini richtig mixen

Über die richtige Zubereitung eines Dry Martini gehen die Meinungen weit auseinander. Allen gemein: Ihr rührt den Drink auf Eis und gießt ihn dann ohne das Eis in eine eiskalte Cocktailschale oder ein Martini-Glas. Der Spaß an diesem Drink ist, dass er so pur ist – der Spruch mit dem Snob-Shot zu Beginn des Artikels war nicht einfach nur ein Witz. Entsprechend möchtet ihr, dass der Martini eiskalt ist und dass ein wenig Schmelzwasser die Aromen öffnet – aber er soll keinesfalls verwässern.

Crushed Ice verwässert Drinks zu schnell - FInger weg.
Crushed Ice verwässert Drinks zu schnell – FInger weg.

In allen anderen Punkten aber gehen die Rezepte weit auseinander – zu weit, um alle Abwandlungen hier zu beschreiben. Die meisten davon betreffen aber die Behandlung des Wermuts: Mal wird der Martini zusammen mit dem Gin gerührt und kommt dann ins Glas – das ist im Test unsere bevorzugte Variante, weil man so den Wermut wirklich noch schmeckt. Andere Rezepte benetzen das Glas nur mit dem Wermut, spülen es einmal aus; in Barkeeper-Sprache nennt man diesen Vorgang einen „Wash“. Je nach Literatur ist diese Variante der echte „Dry“ Martini, sobald der Wermut mit ins Glas kommt, ist es nur noch ein Martini.

Beim Wash bleibt großteilig der Geruch im Glas, geschmacklich merkt man den Wermut aber kaum noch. Es geht aber noch verrückter: Andere Rezepte empfehlen, den Martini über das Eis zu schütten, und dann den Martini zusammen mit dem Schmelzwasser wegzuschütten, bevor man den Gin mit den Eiswürfeln rührt. Ja, das macht den Martini aufwendiger, beeindruckender und die Herstellung spannender. Aber es ist geschmacklich einfach nur Nonsens und bringt genauso viel, als würdet ihr den Wermut einfach weglassen.

Das geht übrigens auch, man spricht dann von einem „Extra Dry Martini“ oder bestellt seinen Drink mit einem besonders fluffigen Spruch Marke „Gin. 10 Sekunden rühren, dabei auf eine geschlossene Flasche Wermut schauen.“ wie im Film Kingsmen. Tut. Das. Nicht. Ihr wirkt nur wie ein Affe, der gerade seinen Affenausweis vom Affenbürgeramt geholt hat und zum ersten Mal in die Affenbar darf. Bestellt wie ein Mensch. Und wenn ihr nur Gin mit einer Zitronenschale drin wollt, ist das okay – aber tut bitte nicht so, als wäre das ein Cocktail.

Die Frage aller Fragen: geschüttelt oder gerührt?

/Insert James Bond-Witz. Wenn man einen Martini schüttelt, wird er trüb. /Insert oberschlaues Gelaber über Sauerstoff. Deshalb rührt man Cocktails, die aus klaren Teilen bestehen und zwar immer und in allen Lebenslagen.

Wodka Martini in drei "Geschmacksvariationen".
Wodka Martini in drei „Geschmacksvariationen“.

Die wichtigsten Varianten

Neben der Standard-Variante gibt es von diesem Cocktail noch Dutzende andere Versionen, alle spannend, alle lecker, alle anders. Die wichtigsten auf einen Blick:

  • Gibson Martini: So heißt der Cocktail, wenn er mit Silberzwiebeln garniert wird. Ansonsten ist er baugleich zur Dry-Variante.
  • Wet Martini: Das Verhältnis von Gin zu Wermut beträgt 2:1. Funktioniert gut mit Gins, die fruchtige Aromen vertragen, etwa The Duke.
  • Dirty Martini: Im Rührglas werden zwei bis drei Oliven zermatscht, die dann zusammen mit dem Eis zurückbleiben. Lecker, aber eher herzhaft.
  • Perfect Martini: Der Wermut-Anteil in diesem Drink besteht zur Hälfte aus süßem, zur Hälfte aus trockenem Wermut.
  • Sweet Martini: Statt trockenem Wermut kommt süßer, roter in den Drink.
  • Wodka Martini: Die Bond-Variante mit geschmacksneutralem Wodka statt Gin. Ist – unserer bescheidenen Meinung nach – mal so richtig belanglos. Aber gibt halt 97/100 Stilpunkte. Ist auch was wert.
  • Vesper: Der Ur-Drink von James Bond, bevor er mit der Schüttelei angefangen hat: Kina Lillet (gibt’s nicht mehr), Gin und Wodka

JohannTrasch

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