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Violet Fizz – der Gin Fizz mit Crème de Violette

Je nachdem mit welcher Crème de Violette man den Violet Gin Fizz mixt, wird er mal blau, mal tieflila.
Je nachdem mit welcher Crème de Violette man den Violet Gin Fizz mixt, wird er mal blau, mal tieflila.

Wenn man sich einen Twist für einen bekannten Cocktail überlegt, kann man etwas hinzufügen oder wegnehmen. Man kann die komplette Zutatenliste durch „was ähnliches“ austauschen. Man kann die Deko behalten und den Rest durch Orangensaft mit Tequila ersetzen. Oder man ändert ein winziges Detail – und erschafft etwas komplett eigenständiges, neues, das den Geist des ursprünglichen Drinks bewahrt – wie den Violet Fizz. Auch, wenn ihn viele für einen Twist auf den klassisch-simplen Gin Fizz halten (Zitrone, Zuckersirup, Gin, Wasser), so besitzt er doch auch große Ähnlichkeit mit dem Aviation – einem Shortdrink, mit dem sich der Violet Fizz vor allem die farb- und namensgebende Crème de Violette teilt.

Tatsächlich liegt der Drink genau in der Mitte zwischen den beiden Cocktails. Tauscht man im Aviation Maraschino mit Soda, ist er ein Violet Fizz. Fügt man dem Fizz den Veilchenlikör hinzu, auch. Egal, von welchem Cocktail ihr euch dem bunten Drink nähert – er ist eine schweinegeile, spritzige Erfrischung, die man eigentlich im Sommer am Pool trinken muss. Aber weil uns in Flip-Flops vor der großen Pfütze in der Einfahrt friert, mixen wir uns das Zeug eben drinnen, als Sonnenschein-Methadon. Und zwar so:

Das Rezept für den Violet Fizz

  • 5 cl Gin
  • 2 cl Crème de Violette
  • 3 cl Zitronensaft
  • 1 cl Zuckersirup
  • Soda

Alle Zutaten außer dem Sodawasser auf Eis shaken und in ein Longdrinkglas mit frischem Eis abseihen. Weil farblich kaum was dazupasst und der Drink für sich schon lecker-blumig-zitronig riecht, könnt ihr auf Deko verzichten. Wer so gar nicht anders kann, reißt der Omma die Stiefmütterchen aus dem Garten und rupft ein paar Blütenblätter ins Glas. Danach: Trinken!

Die Geschichte des Violet Fizz

Jetzt, wo der einfache Teil erledigt ist und alle weg sind, die sich nur einen schnellen, unkomplizierten, leckeren Drink mixen wollten, können wir’s euch ja sagen: In Wahrheit ist der Violet Fizz nur das simplifizierte (und trotzdem leckere) Überbleibsel eines Cocktail-Monsters namens Fizz á la Violett, das seinerseits ein Twist auf den Ramos Gin Fizz ist. Wer keinen Bock hat, den Link zu klicken und diese Fizz-Variante nicht kennt: Stellt euch vor, ein Blumenbeet, ein Gin Fizz und irgendjemand, der gern 12 Minuten am Stück dieselbe Handbewegung macht, haben ein sehr, sehr intensives Meeting. Okay, das kam falsch rüber. Der Ramos Gin Fizz ist blumig, cremig und sehr aufwendig. Besser.

Der Fizz á la Violett ist im Prinzip ein nicht ganz so aufwendiger Ramos Gin Fizz mit Crème de Violette, der zum ersten Mal 1939 im Cocktailbuch „The Gentlemen’s Companion“ von Charles Baker erwähnt wurde. Leider finden wir keine Quellen, die uns erklären, wie aus diesem Fizz, der deutlich erfrischendere, leichtere und simplere Violet Fizz wurde – wahrscheinlich wurden den Bartendern ähnlich wie beim Ramos irgendwann das aufwendige Geshake zu viel. Aber wir haben den Fizz á la Violett natürlich probehalber auch gemixt, um zu gucken, wie stark man die Verwandschaft schmeckt:

Das Rezept für den Fizz á la Violett

  • 3 cl Old Tom Gin
  • 3 cl Crème de Violette
  • 1,5 cl Zitronensaft
  • 1,5 cl Limettensaft
  • 2 cl Zuckersirup
  • 1,5 cl Sahne
  • 1 Eiweiß
  • Soda

Alles bis auf das Sodawasser zunächst ohne Eis shaken, damit sich eine Schaumkrone bilden kann. Dann mit Eis shaken und in ein vorgekühltes Longdrinkglas ohne Eis abseihen. Mit Soda aufgießen. Trinken.

Violet Fizz vs. Fizz á la Violett

Fizz á la Violett verhält sich zu Violet Fizz wie Ramos Gin Fizz zu Gin Fizz:  Während der simple Fizz ein Freshness-Nobrainer ist, muss man das blumig-cremige Zeug mögen, um wirklich Spaß damit zu haben. Und weil kein Eis drin ist, muss man’s auch echt schnell reinsaufen, wenn man nicht auf warmer Veilchen-Eiweiß-Suppe sitzen will. Nicht falsch verstehen: der Fizz á la Violett ist kein schlechter Drink. Aber keiner, den wir uns jetzt jeden Monat mixen müssen. Violet Fizz geht immer. Deswegen wollt ihr jetzt vielleicht auch wissen, welche Zutaten wir verwenden.

Der Gin für diesen Cocktail

Im Test stellen wir fest: Zu kräftiger Wacholder-lastiger Gin zerfräst uns die Leichtigkeit und Unkompliziertheit des Violett Fizz. So sehr wir etwa einen Juniper Jack lieben und so großartig er in Gin Fizz und Aviation funktioniert, so anstrengend wirkt er hier. Trotzdem freuen wir uns über klassischer angehauchte Gins in diesem Fizz, denn ein leichter Wacholder in Kombination mit einer milden Zitronennote funktionieren toll: Hoos London Gin, Stockers Tschin oder der ohnehin etwas floralfruchtige B my Gin machen unglaublich viel Spaß.

Die Crème de Violette

Veilchen-Likör ist der Grund dafür, dass es diesen Cocktail jahrzehntelang nicht auf den Barkarten zu finden gab. Genauer gesagt ist ihr Fehlen schuld. Crème de Violette war eine nahezu vergessene Cocktail-Zutat, die erst Anfang der 2010er nach gefühlten Ewigkeiten wiederbelebt wurde – unter anderem vom The Bitter Truth-Team, die als eine der ersten in Deutschland wieder lila Likör auf den Markt warfen. Oder in diesem Fall besser: blauen Likör; ihre Crème de Violette ist tiefblau.

Wie ihr an unseren Cocktailbildern erkennen könnt, ist das auch genau die Crème, die wir verwenden. Nicht nur bietet das Aroma eine schöne, nicht zu aufdringliche Blumigkeit, auch die Farbe hat etwas besonderes. Natürlich funktioniert der Violet Fizz aber auch mit anderen Marken oder Parfait Amour. Nehmt nur nicht gerade die billigsten Knapp-über-10-Euro-Varianten – die meisten davon sind leider einfach nur blumig-zuckrig und lassen eine gewisse Eleganz vermissen. Und bei aller partytauglichen Coolheit: die braucht der Violet Fizz.

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JohannTrasch

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