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Bahama Mama Cocktail: Tiki-Drink, Klassiker oder nur Saftplörre mit Rum?

Der Bahama Mama Cocktail ist der komplexere Rum-Bruder des Tequila Sunrise - nicht nur optisch.
Der Bahama Mama Cocktail ist der komplexere Rum-Bruder des Tequila Sunrise - nicht nur optisch.

Der Bahama Mama ist eine ganze arme Sau. Wie Dutzende andere Cocktails, die im Wesentlichen aus Saft und Rum bestehen, wurde er in den letzten Jahrzehnten bis zur Unkenntlichkeit entstellt und in Großraumdiscos und auf Freibadpartys mehr malträtiert als gemixt. Frauen bestellen ihn, weil sie eigentlich einen Saft wollen, Männer bestellen ihn, weil sie gerade total ironisch drauf sind und der Drink so toll zu ihrem (ironischen) Hawaiihemd passt.

Andere Tiki-Cocktails haben eine Geschichte, einen Hintergrund. Wurden wie der Mai Tai oder der Zombie von Trader Vic oder Donn the Beachcomber erfunden und sind essentieller Bestandteil der Tiki-Kultur, die in den letzten Jahren die Barwelt von hinten aufrollt mit ihrer Mischung aus Unbekümmertheit und manischer Detailversessenheit. Der Bahama Mama dagegen hat keine Geschichte. Er war einfach irgendwann da. Auf den Bahamas wird er zwar getrunken, aber wohl eher, weil die Touristen das erwarten. Und weil Bacardi hier mal eine Weile zu Hause war. Der Bahama Mama hat schlicht und ergreifend keine Lobby – außer uns. Und Bob Kelso.

Das kleine Revival: Scrubs und der Bahama Mama

In den 2000er-Jahren gab es eine Krankenhausserie namens Scrubs (ja, das ist so lange her, das man das so einleiten muss, sorry!) mit einer eingeschworenen Fan-Gemeinde. Die nahm die oft kruden Drink-Vorlieben der Protagonisten gerne mal mit in die nächste Bar. Das bescherte zwar vor allem dem Appletini (Wodka, Apfellikör, Zitrone) ein Hoch, das sogar in anderen Comedy-Serien wieder aufgegriffen wurde (Two and a half men, How I met your mother), aber auch der Bahama Mama hatte seinen Auftritt als neues Lieblingsgetränk des ehemaligen Chefarztes Bob Kelso in einer der letzten Folgen.

Jetzt könnte man diese zwei Episoden andauernde wiederkehrende Erwähnung eigentlich getrost unter den Tisch fallen lassen im Angesicht eines Drinks, der seinen eigentlichen Ursprung vor Jahrzehnten im Nachgang der ersten großen Tiki-Zeit hatte. Dagegen sprechen zwei Dinge: Wer auf Youtube nach „Bahama Mama“ sucht, findet neben einem Video von Boney M. vor allem Scrubs-Clips – und Cocktail-Videos, die sich auf die Serie beziehen. Und außerdem hat der verdammte Drink halt einfach keine andere nennenswerte Hintergrundgeschichte. Euch ohne Vorspiel mit Cocktail-Rezepten zu bewerfen ist halt einfach nicht unser Stil. Trotzdem jetzt zum Wesentlichen:

Das Rezept für den Bahama Mama

  • 2 cl Ungereifter Rum (vorzugsweise fruchtig)
  • 2 cl Gereifter Rum (vorzugsweise ein milder Jamaica Rum)
  • 3 cl Kokosnuss-Rum-Likör
  • 2 cl Zitronensaft
  • 5 cl frischgepresster Orangensaft
  • 7,5 cl frischer Ananassaft
  • 3 Spritzer Angostura Bitters
  • 1 cl Grenadine

Alles zusammen auf Eiswürfeln hart schütteln und in ein Fancy Cocktail-Glas mit frischen Eiswürfeln abseihen. Die Grenadine ins Glas geben. Mit Orangen- und/oder Zitronenschnitzen, Ananas und/oder Maraschino-Kirsche dekorieren. Trinken.

Warum genau diese Variante?

Weil anscheinend niemand jemals die Vaterschaft für den Bahama Mama beansprucht hat, besitzt er kein echtes Originalrezept. Vielmehr ist der Name der Sammelbegriff für einen Drink mit den Basis-Zutaten Ananassaft, Kokosnuss-Rum-Likör und Rum(s). Die Bandbreite an Varianten ist riesig, was aber auch bedeutet: Die Bahama Mamas von der „Strandparty“ in der Großraumdisco, in der ihr diesen Drink hassen gelernt habt, die waren rein technisch eigentlich gar nicht falsch. Nur mies.

Auch, wenn die Details laut allgemeiner Auffassung unbedeutend sind, spaltet sich die Bahama Mama-Fangemeinschaft im Prinzip in zwei Lager: diejenigen, die ihre Mama mit Kaffeelikör trinken und diejenigen, die es nicht tun. Ist man Teil des ersten Lagers, gehört es zum guten Ton, darauf zu beharren, dass gerade der Kahlúa oder Tia Maria diesen Drink auszeichnet. Und außerdem wäre diese Variante ja eh das Originalrezept. Nach recht einhelliger Experten-Meinung ist die Kaffee-Variante zwar auch tatsächlich älter, allerdings fehlt ihr für uns vor allem geschmacklich ein wenig das Besondere. Deswegen bleiben wir eher auf der fruchtigen Seite des Cocktails.

Die Zutaten für einen Bahama Mama: Ananas, Orangensaft, Zitronensaft, Angostura Bitters, ungereifter Rum, gereifter Rum, Kokosnuss-Rum.
Die Zutaten für einen Bahama Mama: Ananas, Orangensaft, Zitronensaft, Angostura Bitters, ungereifter Rum, gereifter Rum, Kokosnuss-Rum.

Jetzt läge es zwar nahe, die „Original“-Variante mit den fruchtigeren Varianten zu kombinieren, schließlich ist die Kombi aus Kaffeenoten, Rum und Ananas durchaus spannend. Allein, wir kriegen den Kahlúa nicht ordentlich eingebaut: Man schmeckt ihn schlicht nicht heraus oder er flacht den ganzen Drink zu stark ab. Trotz gutem Willen bleiben wir deshalb am Ende bei der fruchtigen Variante, die – frische Säfte vorausgesetzt – mit Fruchtigkeit, Kokos-Aroma und Rum-Power protzt, ohne zu süß zu werden. Der Vollständigkeit halber hier allerdings noch einmal die Kaffeelikör-Version in geläufiger Zutaten-Kombination.

Das „originale“ Rezept für den Bahama Mama Cocktail

  • 0,75 cl Kaffeelikör
  • 0,75 cl Overproof Rum
  • 1,5 cl gereifter Rum
  • 1,5 cl Kokosnuss-Rum-Likör
  • 2,5 cl Limettensaft
  • 12 cl Ananassaft

Alle Zutaten zusammen auf Eis shaken und in ein Longdrink-Glas mit frischem Crushed Ice abseihen. Mit Orangen- und/oder Zitronenschnitzen, Ananas und/oder Maraschino-Kirsche dekorieren. Trinken.

Der perfekte Rum für die Bahama Mama

Die Bahama Mama wird gemixt aus einer Kombination von normalerweise drei Rums: einem gereiften, einem Kokos-Rum oder Kokos-Rum-Likör und einem ungereiften Rum. Auch, wenn der Saft hier später alles zu erschlagen scheint, sind es diese drei Komponenten, die ihr ausbalancieren müsst, damit der Bahama Mama ein Erfolg wird. Der ungereifte Rum, für den man auch einen Overproof Rum nehmen kann, sollte möglichst fruchtig sein. Er hebt später die Säfte nach vorn, gibt ihnen mehr Kraft. Wir arbeiten hier wahlweise mit Revolte Rum oder Compagnie des Indes Tricorne.

Für den Kokos-Part nehmt einfach nicht gleich das billigste: Koko Kanu oder Clément Mahina Coco funktionieren gut, bringen ein natürlich wirkendes Kokos-Aroma und keine zu brachiale Süße mit. Der schwierige Part ist der gereifte Rum. Er bringt den tatsächlich Rum-Geschmack in den Bahama Mama, deswegen schielen wir auch auf die Jamaicaner – deren Geschmack verbinden die meisten Menschen am intensivsten mit Rum. Das Problem: ein zu kräftiger dunkler Rum unterdrückt das Kokos-Aroma massiv, selbst wenn es sich gegen die Fruchtsäfte noch gut durchsetzen kann, ein zu schwacher sorgt für einen faden Drink. Ein achtjähriger Appleton oder der Plantantion Jamaica 2002 leisten hier gute Dienste, Myer’s Rum oder Fassstärke-Jamaicaner übertönen alles andere.

Die Säfte für diesen Cocktail

Sind wir mal ehrlich: Die cl-genaue Abmessung der Fruchtsäfte in diesem Tiki-Drink ist recht unnötig. Orangensaft und Ananassaft ergeben zusammen dieses Gepansche, das Bartender und Cocktail-Enthusiasten in den letzten 25 Jahren so zu verabscheuen gelernt haben und das sicher viele von diesem Drink fernhalten wird. Tatsache ist aber: frischer Orangensaft ist eine ganze andere Baustelle als Tütenkrams und frischer Ananassaft ist sogar eine vollkommen andere Welt als die gelbe Suppe aus dem Tetrapack. Angenehm süß, fruchtig, cremig – ein Träumchen, das beim Shaken auch für die Schaumkrone verantwortlich ist. Genau die Ananas wird aber für viele wohl zur größten Hürde: Sie lässt sich kaum per Hand auspressen – ohne Entsafter kein Bahama Mama.

Der Zitronensaft balanciert den Drink ein wenig aus und gibt der Orange etwas Auftrieb. Limette funktioniert im Test auch, geschmacklich erkennen wir keine großen Unterschiede – der Zitrussaft ist hier tatsächlich mehr reine Säurequelle als geschmacksbildendes Element. Je nach Qualität eurer Zitronen ist es entsprechend durchaus sinnvoll, 1 bis 1,5 cl mehr Saft dazuzugeben, wenn ihr das Gefühl habt, euer Bahama Mama verträgt mehr Säure.

Angostura Bitters und Grenadine

Die Grenadine verleiht dem Drink die Sonnenaufgangs-Optik, die auch den Tequila Sunrise auszeichnet und verpasst ihm gleichzeitig noch etwas Süße. Wer die Mama allerdings mit dem Strohhalm schlürft, sollte aufpassen, dass er nicht die Grenadine-Pfütze am Boden des Cocktails aufsaugt. Da droht Zuckerschock. Ohnehin aber: Der Bahama Mama wird mit Eiswürfeln gemixt – man kann ihn also problemlos direkt aus dem Glas trinken und sollte das auch tun.

Die Angostura Bitters zum Schluss sorgen dafür, dass der Drink etwas mehr in die Breite geht – sie runden ihn ab. „Herausschmecken“ lassen Sie sich zwar (zumindest für uns) nicht im Geringsten, aber im Direktvergleich fehlt dem Cocktail ohne Bitters einfach das gewisse Etwas. Das gilt im Übrigen auch für die Garnitur: Ein Cocktail aus dem geschwungenen Hurricane-Glas ohne ein bisschen klischeebeladene Kitsch-Deko, ohne Kirschen, Schirmchen oder wenigstens einem Zitronenschnitz, der macht einfach keinen Spaß. Und um den geht’s schließlich bei einem Saft-Monster wie dem Bahama Mama.

Die Amazon.de-Einkaufsliste für den Bahama Mama

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JohannTrasch

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