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Cuba Libre: Von Cola, Rum, Freiheit, Cocktails und dem Cuba Libre Preparado

Wir mixen unseren Cuba Libre mit Rum, Cola, Limetten, Gin und Bitters. Da guckt ihr, wa?
Wir mixen unseren Cuba Libre mit Rum, Cola, Limetten, Gin und Bitters. Da guckt ihr, wa?

Cuba Libre. Caipi. Wodka Bull. Wer wie wir in einem Dorf oder einer Kleinstadt aufgewachsen ist, wer seine Trinker-Karriere auf Feuerwehrfesten und in Großraumdiscos begonnen hat, für den sind diese Cocktails untrennbar verbunden mit einer Zeit und vielen verschiedenen Orten, an denen man etwas, das im besten Fall als Nagellackentferner durchgeht zusammen mit Coke in ein Glas voller Crushed Ice geschüttet hat. Im Bar-Zelt der Feuerwehr hieß das Rum Cola, in der Disse großspurig Cuba Libre. Geschmeckt hat’s nirgendwo, aber darum ging’s damals ja auch nicht. Einfachere Zeiten und so. Außerdem trug man T-Shirts mit Che Guevara und der kannte mal Fidel Castro und der regierte Cuba – ergo war Cuba Libre trinken ein bisschen Revolution. Ein bisschen Havana auf dem Dorf.

Dieses etwas verlotterte Bild, das nicht nur wir, sondern wahrscheinlich viele von euch mit diesen Drinks verbinden, das möchten wir in dieser Reihe ändern. Dass man Caipirinha auch in lecker machen kann, wisst ihr wahrscheinlich schon, zuletzt haben wir mit Whisky Cola herumexperimentiert. Und wenn wir irgendwann mal richtig experimentierfreudig sind, dann machen wir sicher auch aus der unheiligen Allianz von Neutralalkohol und Gummibärchenwasser was Tolles. Aber heute geht’s um den Cuba Libre – dem tut ihr fiesen Leute da draußen nämlich alle Unrecht.

Woher kommt der Cuba Libre eigentlich?

Entstanden ist die Kombi aus Rum und Cola um die Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts, zum spanisch-amerikanischen Krieg. Nach der Befreiung von Kuba soffen angeblich die amerikanischen Soldaten – die hatten die schwarze Zuckerplörre im Gepäck – mit den Kubanern, die auf Kisten voller kubanischem Melasseschnaps saßen und eins führte zum anderen. Der Name – freies Kuba – war der zugehörige Trinkspruch zu dieser fantastischen neuen Kreation. Egal, welche Entstehungsgeschichte man sich anhört, jede davon klingt so oder zumindest so ähnlich und auf die eine oder andere Weise findet stets noch eine Limettenspalte mit ins Glas. Dass der Drink dann irgendwann nach dem zweiten Weltkrieg auch zu uns rüberschwappte, lag wohl auch ein bisschen an diesem Song:

Dass der Cuba Libre selbst in Zeiten noch Hochkonjunktur hatte, da die Kunst gerade praktisch ausgestorben war – wir reden mit euch, 80er und 90er! -, lag wohl an der Cola. Wir sprechen hier schließlich von Zeiten, in denen die Leute auf Sachen standen wie Jack, Korn mit schwarzer Limo und die Betonmaß (gibt’s auf dem Land, kurz bevor die Bar schließt – mixt euch einfach mal sturzbesoffenen einen Zombie, kommt das gleiche bei raus). Noch ordentlich Bacardi (ist ja schließlich aus Kuba, oder?) mit rein, schließlich galt es als schick, dass man den Alkohol klar herausschmeckt. So müssen Cocktails schließlich sein, oder? Nein, müssen sie nicht. Aus, böse 90er!

Wie macht man einen ordentlichen, leckeren Cuba Libre?

Die Suche nach leckeren Rezepten für diesen Drink schlaucht gewaltig – das fängt schon beim Namen an. So mancher besteht nämlich auf die Unterscheidung zwischen dem Longdrink Rum Cola und dem richtigen Cocktail Cuba Libre. Der Unterschied wäre demnach die Limette. Andere Stellen, an denen man eigentlich saugute Drinks findet, verweigern sich komplett allen Drinks mit der amerikanischen Limo, aus Prinzip. Auf der anderen Seite findet man dann Leute, die drei bis vier Löffel Zucker mit in die koffeinierte Zuckerplörre kippen, wahrscheinlich Undercover-Karies-Piraten. Wir möchten nicht sagen, dass wir auf uns allein gestellt waren – wir haben jede Menge Anregungen gefunden. Aber nichts davon klang so definitiv, dass das hier einfach gewesen wäre.

Grundsätzlich haben wir hier erst einmal drei Stellschrauben: Cola, Rum, Limetten. Bei der scharzen Limonade findet sich inzwischen in jeder mittelgroßen Stadt ein Getränkemarkt, der neben Coke, Pepsi und Billig-Cola auch Fritz Kola, die Mate-Variante oder einige andere Marken auf Lager hat. Es lohnt sich, damit zu experimentieren, denn in einem klassischen Cuba Libre – oder dem, was wir als klassisch kennen – ist die Cola der Leitwolf. In einem miesen Drink überdeckt sie eh alles; für den Fall, dass wir alles versauen, sollte das Zeug also schmecken.

Ein klassischer Cuba Libre mit vielen frischen Limetten. Quelle: Fotolia.com
Ein klassischer Cuba Libre mit vielen frischen Limetten. Quelle: Fotolia.com

Beim Schnaps geht man normalerweise auf einen weißen, kubanischen, der ist für viele Pflicht – die Standardwahl ist die günstigste Bacardi-Variante, die man finden kann. Mit einem Havana Club 3 Jahre oder Havana Club Blanco fährt man schon besser. Gerne auch mal irgendein Destillat direkt aus Havanna selbst. Viele schwören auf den Havana Club Seleccion de Maestros oder Havana Club Añejo Especial, die wir leider nicht ausprobieren konnten. Für gute Ergebnisse greift man entweder auf einen dunklen, gelagerten zurück, einen Añejo oder – wie in unserem Fall – zu einer Aromabombe wie Revolte Rum. Der ist weiß und aus Deutschland und kann sich auch gegen Zuckerplörre durchsetzen, da stinken viele andere, auch kubanische Sorten ab dagegen.

Bei den Limetten schließlich sind Experimente schwierig; besondere Limettensorten sind normalerweise sauschwer bis gar nicht zu bekommen. Als schrauben wir lieber nur an der Menge – setzen auf ordentlich frisch ausgepressten Limette und Zeste, statt nur zwei Viertel kurz anzudrücken und mit reinzuschmeißen.

Von Experimenten, die scheitern

Wir probieren viel und lange herum, mixen Colas mit verschiedenen Destillaten, kippen an einem Punkt sogar knapp 4 cl Saft aus Limetten in 6 cl Rum und gießen mit Vanilla Coke auf. Wenn ihr glaubt, dass das schrecklich klingt: Probiert’s aus. Das schmeckt noch viel, viel schlimmer, als ihr euch das ausmalen könnt. Natürlich gelingen auch viele Varianten. Mehrmals muddeln wir die Limetten und werfen sie mit in den Drink, bleiben am Schluss aber bei der Zesten- und Saft-Version. Vor allem mit der zitronigen Fritz Kola und Fentimans Curiosity Cola bekommen wir einige ordentliche Ergebnisse, die man einwandfrei trinken kann.

2 cl Limettensaft, 5 bis 6 cl Rum, kurz shaken, in ein Longdrinkglas voller Eiswürfel geben, mit Limo auffüllen, mit Limette garnieren – dagegen kann man wenig sagen. Mit Revolte bekommt man so einen sehr leckeren Drink, mit gereiften, süßen Destillaten einen spannende Cubata – so nennt man den Drink, wenn man ihn mit fassgelagerten Sorten mixt. Problematisch ist nur: So anders und so lecker diese Drinks auch schmecken, sie triggern doch vom Grundaroma her immer noch die Scheunenfest-Romantik in unseren Köpfen. Das ist jetzt zwar unser privates Problem und nicht das der famosen Drinks – aber wir müssen trotzdem einen Schritt weitergehen.

Von Experimenten, die gelingen: Cuba Libre Preparado

Wir stoßen bei der Rezept-Recherche im Netz schon früh auf diese Variante – einen Twist des Barkeepers Paul Harrington, der der Legende nach einer Empfehlung eines Gastes aus Venezuela gefolgt ist. Für alle Erdkunde-Schwänzer: Das ist nicht so ganz in Havana, aber immerhin noch auf demselben Kontintent. Beim Preparado gibt man noch ein paar Spritzer Angostura Bitters und Gin mit in den Drink. Klingt zunächst nach „Hauptsache mehr Zeug drin.“ weswegen wir das Rezept ursprünglich auch komplett ignoriert haben. Schließlich haben wir uns aber rangewagt – und waren endlich da wo wir hinwollten. Ja, was hier herauskommt, das ist immer noch Cuba Libre – aber so fein und rund und so gar nicht „Limomit Schnaps“, dass wir mit einer 1,5-Liter-Flasche davon zum nächsten Feuerwehrfest gehen und ein bisschen missionieren möchten.

Das Cocktail-Rezept für den Cuba Libre Preparado

  • 2 cl Limettensaft
  • 2 cl Gin
  • 6 cl Rum
  • 3 Spritzer Angostura Bitters
  • Cola (wir greifen zur Curiosity von Fentimans)

Alle Zutaten außer der Cola auf Eis hart shaken. Anschließend in ein gekühltes Longdrinkglas mit frischen Eiswürfeln abseihen. Mit der Limonade auffüllen und nochmal kurz rühren. Mit Limettenzeste garnieren. Trinken!

Bei 10 cl Grund-Mischung passt in ein durchschnittliches Longdrink-Glas nicht mehr allzu viel Cola – der Drink wird deutlich stärker als das, was ihr normalerweise in die Hand gedrückt bekommt. Die Curiosity kann sich aber auch so ordentlich durchsetzen, ohne die restlichen Zutaten mit all ihrer Koka- und Ingwerpower zu erdrücken. Beim Gin solltet ihr einen auswählen, den man auch noch gut rausschmeckt, einen mit viel Aroma. Bei uns machte im Test der Niemand Dry Gin die beste Figur, dessen Wald- und Rosmarin-Noten brachten die Cola und die Limette auch näher zusammen. Der große Nachteil dieser Variante – die geringe Kohlensäure – kommt uns hier übrigens zu Gute. Der Preparado ist feiner, edler, nuancierter als die normale Variante und braucht gar keine große Perlage. Der funktioniert ohne sogar besser.

Und ihr so?

Unsere Lieblings-Variante des Cuba Libre haben wir damit gewählt. Aber was ist mit euch? Wie mixt man eure Lieblings-Version dieses oft nur heimlich geliebten Klassikers? Schreibt es uns in den Kommentaren!

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JohannTrasch

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