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Der Zombie-Cocktail – die vielen Rezepte für den Tiki-Drink des Grauens

Beim mixen unseres Zombie-Cocktails sind wir in Sachen Deko einfach mal komplett ausgetikit. Hihi.
Beim mixen unseres Zombie-Cocktails sind wir in Sachen Deko einfach mal komplett ausgetikit. Hihi.

Vor langer Zeit, als das Cocktailbart-Team noch jung war, da war der Zombie-Cocktail der Long Island Iced Tea für Menschen, die sich möglichst schnell wegschießen wollten, aber gerade keine Lust auf Cola hatten. Typischer Satz: „Ein Zombie? Du bist ja drauf!“ Keiner wusste damals, was drin war, man ahnte grob, dass es um Rum ging, aber im Wesentlichen bestand das Ding aus Saft, Fusel und seinem Ruf als Killer-Drink. Jetzt kann man an dieser Stelle dazu überleiten, dass der Drinkja eigentlich als Ursprung der Tiki-Drink-Kultur gilt, dass seine ausgeklügelte Rezeptur tatsächlich große Cocktail-Kunst ist und dass ein gut gemachter Zombie weit mehr Aromen mitbringt als einfach nur Saft (weil kaum welcher drin ist, ehrlich gesagt).

Aber wenn man der Legende glauben möchte, dann hat der Erfinder dieses Tikis, Don the Beachcomber, das Cocktail-Rezept nur erfunden, um einem verkaterten Kumpel neues Leben einzuhauchen und ihn ein bisschen aufzuheitern, damit er sein nächstes Meeting und den Flug dahin übersteht. Weil der sich dann aber den kompletten Flug über „Wie ein Zombie“ gefühlt hatte, hieß das Ding dann später auch so. Wir sind zugegeben recht gut im schönreden. Aber wie willst du bitte große Trinkkultur in einen Drink hineinquatschen, der als Konter-Halbe konzipiert wurde? Für alle Menschen, außerhalb Bayerns: eine Konter-Halbe ist ein Bier, dass man trinkt, damit der Kater weggeht. Klingt ein bisschen kontraproduktiv, zugegeben. Bis man sich dann in Erinnerung ruft, dass Don seinen Kumpel mit 3 Zombie-Cocktails (nach dem Rezept unten) ausnüchtern wollte. Sprich: Mit einer halben Flasche Rum.

Das 1934er-Rezept für Zombie Punch

  • 4,5 cl Goldener Rum (Puerto Rico)
  • 4,5 cl Goldener Rum (Jamaica)
  • 3 cl Overproof Rum (Demarara)
  • 1,5 cl Falernum
  • 2,25 cl Limettensaft
  • 1,5 cl „Don’s Mix“ (1 cl Grapefruitsaft, 0,5 cl Zimtsirup)
  • 1 Dash Angostura Bitters
  • 6 Tropfen Pernod
  • 1 Barlöffel Grenadine
  • 1 Handvoll Crushed Ice

Alle Zutaten in den Mixer geben und für fünf Sekunden mixen. In ein Glas schütten, Eiswürfel dazugeben, bis das Glas voll ist, mit Minze dekorieren, trinken.

Die Irrungen und Wirrungen des Zombie-Rezepts

Das Rezept oben ist das Original-Rezept für den Zombie, das sein Erfinder Don the Beachcomber jahrezehntelang geheimgehalten hatte. Der Mann war schließlich gleichzeitig der Erfinder der Tiki-Bar an sich und im ständigen Wettstreit mit seinem Erzrivalen Trader Vic, dessen Restaurantkette Trader Vics  sogar bis heute existiert – im Gegensatz zu der von Don. Dieser Kleinkrieg zeigte sich vor allem bei den Tiki-Drinks; spätestens als Don das Urheberrecht für den wichtigsten davon – den Mai Tai – an Vic verlor, wurde er geradezu paranoid, was seine Rezepte anging.

So waren die Zutaten in seinen Restaurants teilweise nur mit Nummern versehen. Seine Bartender lernten lediglich wie viel von welcher Nummer in welchen Drink gehörte – was in den jeweiligen Flaschen war, konnten sie bestenfalls erraten. Diese Geheimnistuerei sorgte schlussendlich dafür, dass jahrzehntelang jeder seine eigene Variante mixen musste/durfte/konnte. Wobei wir ehrlich gesagt nicht glauben, dass die Großraumdiskos unser Jugend den Zombie-Cocktail nach dem Rezept oben gemixt hätten, wenn Sie’s gekannt hätten. „Ja, Grenadine ham wir da … und Bacardi. Das kann ich dir schon zusammenmixen, kommt auf’s Gleiche raus.“

Dass das Rezept inzwischen wieder aufgetaucht ist, verdanken wir einem Mann namens Beachbum Berry, bürgerlich Jeff Berry, der seit Ende der 90er versucht, alte Tiki-Gefühle wieder aufleben zu lassen, nach Original-Rezepten forscht, diverse Bücher zum Thema geschrieben hat und inzwischen auch eine Restaurant-Kette namens Beachbum Berry besitzt. Mitte der Zweitausender kam er an das Notizbuch eines ehemaligen Bartenders von Don, anhand dem er das Rezept entschlüsseln konnte. Die Story dahinter ist durchaus spannend, aber zu lang um sie hier auszubreiten. Bis zu diesem Moment musste aber auch Berry sich mit Ersatz-Zombies wie diesen zufriedengeben:

Das 1956er-Rezept für Zombie Punch

  • 3,75 cl Goldener Rum (Puerto Rico)
  • 3 cl Dunkler Rum (Jamaica)
  • 3 cl Demarara Rum
  • 2,25 cl Maraschino
  • 0,75 cl Falernum
  • 4,5 cl Ananassaft
  • 2 Dashes Angostura Bitters
  • 3 Tropfen Grenadine
  • 6 Tropfen Pernod
  • 1 Handvoll Crushed Eis

Alle Zutaten in den Mixer geben und für fünf Sekunden mixen. In ein Glas schütten, Eiswürfel dazugeben, bis das Glas voll ist, mit Minze dekorieren, trinken.

Diese Version stammt aus dem Cabaret Quarterly Magazine und direkt von Donn Beach. Das Cabaret war sowas wie die FHM der 50er-Jahre; für alle, die die FHM nicht mehr kennen: das war mal die BEEF für Leute, die nicht kochen können. Der 1956er-Zombie ist die Lieblingsvariante vieler Tiki-Freunde, was wohl hauptsächlich an den beiden neuen Zutaten Maraschino und Ananas liegt. Sie verleihen dem Drink mehr Frucht, mehr Süße aber gleichzeitig auch mehr geschmackliche Breite. Anders gesagt: Die Variante schmeckt einfach deutlich weniger nach Rum als das 1934er-Original, das seine monströse Alkoholwucht tatsächlich mehr feiert als sie zu verschleiern. Genau deshalb mag der Autor dieser Zeilen den ’34er Zombie-Punch lieber – aber mehr als einen würde er sich davon auch nicht hinter die Binde kippen.

Der 1964er-Zombie (der Aku Aku-Zombie)

  • 2,25 cl Dunkler Rum (Jamaica)
  • 2,25 cl Goldener Rum (Puerto Rico)
  • 2,25 cl Overproof Rum (Demarara)
  • 2,25 cl Zimtsirup
  • 2,25 cl Weißer Grapefruitsaft
  • 1 Spritzer Angostura Bitters
  • 3 Tropfen Triple Sec
  • 3 Tropfen Grenadine
  • 3 Tropfen Falernum
  • 1 Handvoll Crushed Ice

Alle Zutaten in den Mixer geben und für fünf Sekunden mixen. In ein Glas schütten, Eiswürfel dazugeben, bis das Glas voll ist, mit Minze dekorieren, trinken.

Diese Variante entwickelte Don für die Aku Aku Tiki Bar. Sie ist vor allem deshalb interessant, weil sie durch die weiße Grapefruit leichter (ja, da müssen wir selber grinsen) und generell ein wenig moderner schmeckt. Dies ist wahrscheinlich insgesamt die massentauglichste Version eines „klassischen“ Zombies. Die Zutatenliste ist geradlieniger, trotz der Menge an Zutaten ist der Drink gefühlt ein bisschen einfacher zu mixen. Was die Alkohol-Power angeht, ist der Drink aber ziemlich nah am Original.

Welche Farbe euer Zombie-Cocktail am Ende hat, hängt hauptsächlich vom verwendeten Rezept ab. Serviert ihr ihn im Tiki-Mug, ist sie aber eh wurscht.
Welche Farbe euer Zombie-Cocktail am Ende hat, hängt hauptsächlich vom verwendeten Rezept ab. Serviert ihr ihn im Tiki-Mug, ist sie aber eh wurscht.

Die vielen Rezepte, die wir hier vergessen haben

Der Zombie hat eine irre Varianz an Twists und noch viele weitere Rezepte, bei denen Don the Beachcomber mal mehr, mal weniger seine Finger im Spiel hatte, die wir unmöglich alle ausprobieren können – wir haben nur den wichtigsten möglichst ausführlich gewidmet. Wer selbst weiter in die Welt dieses komplexen Tiki-Cocktails abtauchen will, findet noch mehr Rezepte etwa beim Webtender oder in diversen guten Blogs.

Die optimale Rum-Kombination für einen Zombie

Wir haben in den Rezepten oben darauf verzichtet, spezielle Rum-Sorten anzugeben, weil es für den durchschnittlichen Hobby-Mixologen wahrscheinlich schon schwierig werden könnte, die richtige Kombi an Rum-Nationalitäten aus seiner Hausbar zusammenzukratzen. Für die puertoricanischen Rums setzen die meisten dieser Rezepte ursprünglich auf Cruzan Rum – der stammt von den Jungferninseln, genauer gesagt von St. Croix. Weil das aber quasi vor Puerto Ricos Haustür liegt, zählt das wohl noch.

Bei den Demerara Rums greifen diese Rezepte zum Lemon Hart Rum, sowohl als Original wie auch in der Overproof-Variante als Lemon Hart 151-overproof. Nur bei den Jamaicanern werden die Tiki-Fans scheinbar etwas flapsig, hier haben wir keine spezifischen Angaben gefunden – die meisten empfehlen aber einen Appleton, den wir in unseren Experimenten auch verwendet haben. Für die Goldenen Puertoricaner empfiehlt sich ein 8jähriger Bacardi – im Gegensatz zum weißen Standardgebräu ist der durchaus trinkbar, wird auch in guten Bars zum mixen verwendet und auch wenn Bacardi ursprünglich nicht aus Puerto Rico stammt, wird er teilweise doch dort produziert. Zählt also.

Die Overproofs machten uns die meisten Bauchschmerzen und machen sie ehrlich gesagt noch. In Ermangelung eines Overproof-Demerara testen wir mit normalen Demerara (El Dorado 8 Jahre) und dem 57prozentigen Nicht-so-ganz-Overproof Smith and Cross, bleiben dann aber vor allem bei der 1934er-Variante beim Demerara – der macht in dieser Version einfach mehr Freude und der zusätzliche Aromen-Schub vom Overproof geht einher mit noch mehr Rum-Power, die der Drink unserer Ansicht nach nicht braucht. Sobald wir unsere Griffel an eine Flasche Lemon Hart 151-overproof bekommen haben, legen wir aber hier neue Ergebnisse nach.

Säfte immer frisch machen, Minze nicht vergessen

Egal, welche Variante ihr euch mixt, macht eure Säfte frisch, egal ob Limette, Grapefruit oder Ananas und garniert den Zombie am Ende mit frischer Minze. Wenn ihr euch von den Saft-Ungeheuern unserer Jugend abheben wollt, dann sind diese Zutaten viel wichtiger als die Frage nach der richtigen Rum-Mischung. Sie machen aus einer Rum-Panscherei zum abschießen einen richtigen, schmackhaften Cocktail, mit dem man sich zufällig wegschießen kann.

Das gilt übrigens auch für die Sirups, bzw. den Sirup: Für die 1964er-Variante braucht ihr Zimtsirup, für die 1934er den Don’s Mix, der teilweise aus Zimtsirup besteht. Für den braucht ihr lediglich Zuckersirup (1 Teil Zucker, 1 Teil Wasser, erwärmen, bis sich der Zucker aufgelöst hat). Den packt ihr zusammen mit ein paar Zimtstangen (am besten teilweise zerbrechen) in ein Glas und lasst es zwei Wochen ziehen. Filtern, Sirup fertig. Oder ihr packt beides zusammen in einen Vakuumbeutel und lasst den über Nacht im Tiefkühler. Filter, Sirup fertig. Oder ihr packt beides zusammen in einen Sahnesiphon, packt zwei Stickstoffkapseln dazu, lasst das ganze zwei Minuten ziehen, lasst den Druck ab. Filtern, Sirup fertig.

Weil Don’s Mix mit dem frischgepressten Grapefruitsaft irre schnell schimmelt, würden wir ihn nicht länger als einen Abend aufbewahren. Solange ihr keine Tiki-Party schmeißt, solltet ihr ihn also besser für jeden Drink einzeln anmischen oder Saft und Sirup einfach als einzelne Zutaten sehen.

Pernod oder Absinth?

Auch, wenn im Zombie-Cocktail nur ein paar Tropfen davon drin sind, die geschmackliche Wirkung ist ähnlich wie bei den Bitters; sie geben dem Drink einfach eine neue Note, machen ihn insgesamt runder. Unsere Rezept-Quellen sind sich jedoch relativ uneins, ob nun Absinth oder Pernod in den Zombie gehören. Das Missverständnis rührt wahrscheinlich daher, dass Pernod einst ein Absinth war und nach dem Absinth-Verbot ab 1910 in beinahe ganz Europa seine Rezeptur änderte. Aus Absinth wurde Anisée, ein Anis-Schnaps. Ouzo quasi. (Den Original-Pernod gibt es aber heute wieder zu kaufen.)

Das Absinthverbot gab es auch in den USA, es war sogar mit der Auslöser für die nur wenige Jahre später einsetzende Prohibition. Wegen seines Thujon-Gehalts blieb der Absinth in den USA jedoch bis 2007 verboten. Sprich: Im Original hat Don the Beachcomber viel wahrscheinlicher Pernod als Absinth eingesetzt. Was wir nur befürworten können, denn die merkliche Anis-Note in Kombination mit dem Zimt ist durchaus der absolute Oberhammer. Wie übrigens der gesamte Drink. Wir lieben den Mai Tai ja – aber der König der Tiki-Drinks ist er wahrscheinlich nur, weil er im direkten Vergleich so furzsimpel ist. Sorry, Mai Tai.

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JohannTrasch

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