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Fog Cutter – wie Tiki kann ein Cocktail mit Cognac und Gin sein?

Der Fog Cutter ist ein Tiki-Cocktail aus Rum, Gin, Weinbrand und Sherry.
Der Fog Cutter ist ein Tiki-Cocktail aus Rum, Gin, Weinbrand und Sherry.

Tiki-Cocktails bestehen aus Rum, Säften und Sirup und wurden entweder von Victor Bergeron alias Trader Vic oder Don the Beachcomber erfunden. Das ist beim Zombie so, beim Mai Tai und auch beim Q.B. Cooler. Der Fog Cutter allerdings macht seinem nach Piraten, Säbeln und Abenteuer klingendem Namen alle Ehre und hält sich nicht nicht an Regeln. Oder zumindest nicht so richtig. Denn auch wenn er natürlich Rum im Rezept hat, sind da irgendwie auch noch Weinbrand und Gin drin gelandet. Plus Sherry. Und irgendwie ist der Drink dann auch im Dunstbereich der beiden Tiki-Legenden entstanden – aber vielleicht auch „nur“ als Erfindung eines Bartenders von Don the Beachcomber. Vielleicht aber auch nicht.

Die Geschichte hinter dem Fog Cutter

Tiki, das steht für die Zeit nach der Prohibition bis weit in die 60er, in der die Menschen bunte, süße, günstige Drinks voller Rum aus lustigen Gläsern mit Schirmchen trinken wollten, während sie chinesisches Essen in sich reinschaufelten, von dem sie dachten, es wäre polynesisch. In dieser Zeit erfand – so die am weitesten verbreitete Version – Trader Vic den Fog Cutter für seine nach ihm benannte Tiki-Restaurant-Kette. Die gibt’s übrigens bis heute noch, auch in Deutschland – und sie hat ihr Konzept kaum verändert. Im Kern ist das Ding aber ein Familienrestaurant – wer über die Feinheiten von Cocktails debattieren will, geht dann doch lieber in eine „normale“ Bar.

Jedenfalls schreiben wir von der „am weitesten verbreiteten“ Version, weil sich auch (unbelegte) Quellen für andere Varianten finden lassen, die den Fog Cutter etwa Tony Ramos zuschreiben, einem Bartender von Don the Beachcomber. Der hatte sich jedoch später mit Don verkracht und das Rezept weitergegeben, weswegen der Cocktail für lange Zeit von der Karte flog. Einige andere Artikel zu dem Thema führen an, dass es dabei nur um den Royal Navy Fog Cutter ging. Der ist allerdings nur eine Overproof-Rum-Variante des Fog Cutters. Spätestens seit Trader Vic das Rezept 1972 in Trader Vic’s Bartenders Guide veröffentlicht hat, wird das Cocktail-Rezept hauptsächlich ihm angerechnet. Was jetzt wahr ist? Weiß wahrscheinlich niemand so genau. Wenn ihr belastbare Infos habt, her damit. Ansonsten hier unsere Lieblings-Variante des Drinks, nämlich die von 1946:

Unser Lieblingsrezept für den Fog Cutter

  • 6 cl Weißer Rum
  • 3 cl Weinbrand
  • 1,5 cl Gin
  • 6 cl frischer Zitronensaft
  • 3 cl frischer Orangensaft
  • 1,5 cl Orgeat
  • 1,5 cl Cream Sherry (zum Floaten)

Alles bis auf den Sherry auf Eis hart shaken. Komplett mit den Eiswürfeln in einen Tikibecher oder alternativ ein Longdrink-Glas geben. Mit dem Cream Sherry floaten und – weil Tiki – mit irgendwas dekorieren. Zum Beispiel Fruchtzesten, ausgepressten Früchten oder Beeren. Trinken.

Warum dieses Rezept und kein anderes: Die vielen Varianten des Fog Cutter

Weil es bis in die 70er gedauert hat, bis das Rezept für den Fog Cutter offiziell bekannt wurde, mixen sich bis heute viele Bars diesen Cocktail, wie sie ihn gerade brauchen. Was im Zweifel nicht einmal besonders auffällt, denn rein von der Zutatenkombination her liest er sich wie der Long Island Iced Tea der Tiki-Welt. Er schmeckt auch ein wenig so. Anders als beim Long Island ist der Fog Cutter aber durchaus sensibel, was ein Ungleichgewicht der Zutaten oder eine Veränderung in der Zubereitung angeht. So sorgt vor allem die Menge des verwendeten Orangensafts für massive Geschmacksunterschiede.

Außerhalb des Tiki-Mugs ist der Fog Cutter gelblich - zumindest, solange noch kein Cream Sherry drin ist.
Außerhalb des Tiki-Mugs ist der Fog Cutter gelblich – zumindest, solange noch kein Cream Sherry drin ist.

Die Variante oben ist aus den vielen die wir ausprobiert haben, unsere liebste und lustigerweise auch eine der ersten, die wir gemixt haben, nachdem wir das Rezept bei Eye for Spirits gelesen haben. Er ist wuchtig, ja, säuerlich auch, aber im Großen und ganzen noch ein Cocktail. Der wesentlich gebräuchlichere, aber kaum so benannte Samoan Fog Cutter wird mit Crushed Ice im Mixer zubereitet, bringt weniger Spirituose mit und in den meisten Fällen tauschen die Bartender dann auch noch die Mengen von Orangen- und Zitronensaft. Damit wird der Drink etwas freundlicher, ja. Aber auch zu einer – wie wir finden – wässrig-saftigen Pampe, deren beliebiger Geschmack in keinem Verhältnis zum Aufwand steht.

Bekannte Twists des Fog Cutters wie den bereits erwähnten Royal Navy Fog Cutter und den Viking Fog Cutter testen wir auch. Ersteres ist eine Variante mit Pusser’s Navy Rum und der hat 54%. Sprich: Das Ding haut noch krasser rein, bringt mehr Rum-Aroma mit, ist aber ansonsten recht ähnlich. Beim Viking Fog Cutter bleibt ebenfalls alles gleich, nur dass statt mit Cream Sherry mit Aquavit gefloatet wird. Ihr haut euch also eine ordentliche Ladung Kümmel in den Tiki. Name: geil. Idee: geil. Geschmack: Streitbar.

Die richtigen Spirituosen für den Fog Cutter

Rum, Weinbrand, Gin – gleich drei alkoholhaltige Zutaten schickt der Fog Cutter ins Feld und tatsächlich ist die wichtigste davon der Weinbrand, zumindest wenn ihr euch an den weißen Rum haltet und nicht mit wuchtigen gealterten Späße aufwartet. Er ist die einzige Spirituose, die wir im Test tatsächlich rausschmecken können, ohne dass es stört. Nehmen wir einen milden Gin wie einen Gordon’s, geht er unter. Nehmen wir einen auffälligen Gin wie den Juniper Jack, dann haben wir eine Wacholdernote im Glas, die nicht passt. Sprich: Nehmt einen guten Cognac oder Armagnac. Wir arbeiten mit Remy Martin VSOP, weil der uns schmeckt und hier funktioniert, aber Cognac ist zugegeben nicht unser Fachgebiet.

Beim Gin bleiben wir bei Gordon’s. Achtung – nur weil der Gin nicht dominant sein soll, funktioniert noch lange keine Wodka. Die Gin-Noten sind unauffällig, aber ihr Fehlen tut weh. Wenn Weißer Rum, greifen wir eigentlich gern zu Revolte – allein, er passt hier mit seiner dominant-fruchtigen Art nicht, auch der Rum soll mitspielen, nicht anführen. Ergo tut’s ein Havana Club 3 Jahre oder ein weißer Don Q.

Zitronensaft, Orangensaft, Orgeat

Die starke Zitronensäure ist das, was dem Drink das Prädikat „Cocktail“ verleiht, entsprechend würden wir im Fog Cutter nie mit weniger Zitronensaft arbeiten. Der Orangensaft dagegen bringt die Fruchtigkeit und auch die Breite in den Tiki-Cocktail, aber zu viel davon verlagert den ganzen Drink zu sehr in Richtung Saft. Wer das mag – und uns ist bewusst, dass das viele von euch tun – der soll die Mengenangaben tauschen und sich an seinem Drink erfreuen. Wir schreiben hier schließlich davon, was uns gefällt, nicht davon, was euch unserer Meinung nach gefallen soll.

Bleibt die vorletzte Zutat, Orgeat. Normales Orgeat ist im Wesentlichen Mandelsirup. Gutes Orgeat ist ein nussig-blumiger Sirup, der einen Drink massiv aufwerten kann, der jedoch vergleichsweise teuer und vor allem schwer zu bekommen ist. Im Fog Cutter funktioniert beides, „Billig“-Orgeat dank der marzipanigen Note eigentlich fast noch besser als die etwas teurere Variante.

Sherry und Garnitur oder: was bedeutet floaten?

Einen Drink floaten, das bedeutet eine Flüssigkeit ganz bedächtig obendrauf zu gießen, damit sie obenauf schwimmt. So nimmt man beim Trinken immer eine kleine Prise dieser Zutat mit, ohne dass sie sich im Einheitsbrei vermengt. Aus ähnlichen Gründen gibt man einen Klecks Schmand in die Tomatensuppe. Wenn ihr den Fog Cutter mit süßlich-säuerlichem Cream Sherry floatet, also einem Likörwein, dann zieht ihr den gesamten Drink in eine etwas erfrischendere, gleichzeitig aber auch etwas weihnachtlichere Richtung. Das macht Spaß – ist für unseren Geschmack dann aber schon ziemlich weit weg von dem, was wir als Tiki kennen. Trotzdem oder gerade deswegen hat der Fog Cutter seine Fans.

Weitere Garnitur über das Floaten hinaus ist bin Fog Cutter eigentlich nicht angedacht – aber am Ende des Tages soll ja doch ein Tiki-Drink draus werden. Wenn ihr einen Cocktail im Tiki-Mug serviert, erwarten die Leute einfach ein bisschen Firlefanz im Glas – und wenn’s nur ein Schirmchen ist.

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JohannTrasch

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