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Moose Milk: Wenn die kanadische Marine Silvester feiert

Moose Milk ist eine Bowle aus Whiskey, Rum, Kaffeelikör Ahornsirup, Vanilleeis und Milch und stammt von der kanadischen Marine.
Moose Milk ist eine Bowle aus Whiskey, Rum, Kaffeelikör Ahornsirup, Vanilleeis und Milch und stammt von der kanadischen Marine.

Kanadier spielen Eishockey bis zum Tod, haben Elche und Biber als Haustiere, trinken Ahornsirup pur und sind immer freundlich. Wir würden die Klischee-Kiste an dieser Stelle gerne wieder zumachen, aber das wird ein Artikel über Moose Milk, zu Deutsch: Elch-Milch. Im Gegensatz zur hierzulande weit geläufigeren Beef Milk (eine kollodiale Dispersion aus Fett, Zucker und Wasser, wird aus Kühen gewonnen) ist die Moose Milk eine hochprozentige Bowle, die ihren Ursprung bei den kanadischen Streitkräften hat. Eine Bowle, die mit militärischer Präzision Weihnachtsstimmung verursacht. Das Zeug schmeckt so süßlich-rumig-weihnachtlich, das es nur selten beim ersten Glas bleibt.

Hinter der Moose Milk steht weder ein findiger Bartender noch eine jahrhundertealte Cocktail-Tradition: Irgendwann haben ein paar Jungs und Mädels von der Canadian Navy zusammengeschüttet, was sie da hatten – Schnaps, Kaffee-Likör, Milch und Vanilleeis -, ein paar  weihnachtliche Gewürze reingekippt und das Zeug dann kellenweise gesoffen. Deswegen gibt es dazu auch nicht nur ein Rezept sondern gefühlt Hunderte. Vor allem, weil neben der Navy auch die Army und die Air Force steif und fest behaupten, die Moose Milk erfunden zu haben. Wir haben uns nach ein wenig Herumprobieren für folgende Variante entschieden:

Das Rezept für Moose Milk

  • 4 cl Dunkler Rum
  • 2 cl Bourbon
  • 2 cl Kaffeelikör
  • 3 cl Ahornsiurp
  • 20 cl frische Vollmilch
  • 2 dicke, fette Löffel Vanilleeis

Alles zusammen in den Mixer geben und kurz anpürieren, sodass noch Vanilleeis-Batzen im Glas bleiben, aber die Moose Milk eine cremige Konsistenz erreicht. Anschließend in ein großes Glas füllen (Copa Ballons für Gin Tonic eignen sich hervorragend) und mit geriebenem Muskat dekorieren. Trinken. Die Mengen an Milch und Vanilleeis können etwas variieren, je nachdem welches Glas ihr nehmt. Eine Moose Milk ist keine exakte Wissenschaft. Mixt ihr das Zeug als Bowle, rechnet ihr ein Verhältnis von 1:2,25 (Schnaps/Likör zu Milch und Vanilleeis) und schüttet Ahornsirup nach Geschmack dazu.

Der geriebene Muskat auf der Moose Milk sieht nicht nur gut aus, sondern sorgt auch in der Nase für den kleinen Extra-Kick.
Der geriebene Muskat auf der Moose Milk sieht nicht nur gut aus, sondern sorgt auch in der Nase für den kleinen Extra-Kick.

Warum dieses und kein anderes Rezept?

Eine Moose Milk besteht, egal welches Rezept man befragt, aus den immer gleichen Komponenten. Schnaps, Likör, Milch, Eis, Zucker. Dazwischen und darüberhinaus ist praktisch alles möglich, was man sich vorstellen kann. Einige Rezepte machen sogar mithilfe von Eiern aus der Moose Milk selbst eine Art Eis. Das ist uns im Test aber etwas zu aufwendig – wir sehen die Moose Milk nicht als aufwendigen Cuisine Style-Cocktail, sondern als Weihnachts- und Silvester-Bowle. Die soll schnell und einfach 30 Leute in Partystimmung versetzen und uns im Gegensatz zum Weihnachtsbraten nicht für Stunden an die Küche fesseln. Ergo bleiben wir bei den einfacheren Varianten des Rezepts. Unsere bevorzugte Zutatenkombi an sich dagegen, die entstand durch eine Reihe von Experimenten.

Die optimale Schnaps-Kombination

Wir servieren die Moose Milk im Copa Ballon. Den waschen wir später mit Gin Tonic aus.
Wir servieren die Moose Milk im Copa Ballon. Den waschen wir später mit Gin Tonic aus.

Fast jedes Moose Milk-Rezept setzt in der einen oder anderen Form auf Rum. Selten mal weißen Rum, meistens auf dunklen. Tatsächlich passt diese Kombination aus Vanilleeis, Gewürzen und würziger Süße hervorragend zu einem guten Jamiaca-Rum, aber seien wir ehrlich: Wenn der Drink erstmal gemischt ist, schmecken nur die Aufmerksamsten heraus, ob da jetzt ein guter, gealterter Jamaicaner, eine überzuckerte Solera-Bombe oder ein tiefschwarzer, süßlich-überfrachteter Gewürz-Rum drin ist. Letzterer funktioniert in diesem Nicht-Cocktail-Rezept sogar erstaunlich gut. Wer sich also irgendwann mal der Optik wegen eine Flasche Kraken Rum gekauft hat, kann das Zeug hier bedenkenlos reinkippen.

So manches Rezept ergänzt an dieser Stelle Wodka und im Cocktailbart-Team bevorzugen das nach dem Test auch einige gegenüber dem Bourbon. Der ist hier eher auf der ungeliebten Seite der Hausbar zu finden. Aber der Autor dieses Artikels weiß einen guten Bourbon zu schätzen und hat das letzte Wort. Die 2cl Whiskey verbinden die Aromen von Rum und Vanilleeis hervorragend, unterstützen die Süße. Wir würden ja sogar einen Canadian Whiskey empfehlen, wegen der Authentizität – allein, in dem Feld kennen wir uns nicht aus. Also bleiben wir bei Bulleit und Michter’s.

Der richtige Likör

Einige Rezepte versuchen, die Moose Milk in Richtung Schokolade zu ziehen, setzen auf Schokolikör und Baileys. Wir testen mit Mozart Dark Chocolate Likör und sagen „Nö!“. Stattdessen bleiben wir beim gebräuchlicheren Kaffee-Likör und greifen zum MoCo. Der ist karamelliger und süßer als Kahlúa und das passt hier trotz aller übrigen verdammt süßen Komponenten einfach besser. Hier geht es nicht um Ausgewogenheit und konzentrierten Genuss – es geht um süße Bowle und Feierei. Weswegen ihr übrigens pro Glas Moose Milk auch wenigstens ein Glas Wasser trinken solltet und nach dem zweiten Glas auf was leichteres wechseln solltet, das nicht ganz so derbe ins Blut geht.

Vollmilch, Ahornsirup, Vanilleeis und die Garnitur

Der Großteil der Moose Milk besteht aus – der Name sagt’s – Milch. Entsprechend verwenden wir hier nicht fettarmes, weißes Wasser, sondern gute, frische Vollmilch. Die bringt auch ein eigenes Aroma mit und gibt nebenbei dank mehr Fett auch noch ein wenig Grundlage. Die braucht ihr, schließlich ist Silvester. Oder Weihnachten. Beim Vanilleeis nehmt ein halbwegs Gutes. Die große 1-Liter-Schüssel für 99 Cent schmeckt im Drink so künstlich, dass selbst der beste Jamaica-Rum in Kombi mit richtig gutem Bourbon plötzlich wie ein Fast-Food-Milchshake schmeckt.

Die Zutaten für die Moose Milk: Bourbon Whiskey, Rum, Ahornsirup und Kaffee-Likör. Dazu kommen Vanilleeis und Milch.
Die Zutaten für die Moose Milk: Bourbon Whiskey, Rum, Ahornsirup und Kaffee-Likör. Dazu kommen Vanilleeis und Milch.

Bleibt die süße Komponente. Bei einem kanadischen Drink namens „Moose Milk“ war für uns klar: da muss Ahornsirup rein. Auch, wenn’s selbst hier andere Varianten gibt. Aber tatsächlich ist die würzige Ahorn-Süße genau das, was den Drink perfekt macht. Von „rund“ sind wir bei der süßen Pampe zwar weit weg – aber lecker ist sie trotzdem. Als Garnitur eignen sich Zimt oder Muskat – wobei letzteres erdiger in der Nase ankommt und so ein wenig den Duck vom Zuckerkessel nimmt. Zimt ist dafür weihnachtlicher. Eure Entscheidung. Und egal wie die ausfällt: Wir wünschen euch ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch!

JohannTrasch

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