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Swimming Pool: Charles Schumanns missverstandenes Sahne-Monster

Die Ananas-Deko im Swimming Pool funktioniert noch besser, wenn ihr sie vorher kurz karamellisiert.
Die Ananas-Deko im Swimming Pool funktioniert noch besser, wenn ihr sie vorher kurz karamellisiert.

Mindestens die Hälfte der Artikel über den Swimming Pool, die wir bei der Recherche für diesen Artikel gelesen haben, begannen mit Ausreden. Mit Gelaber und Entschuldigungen dafür, dass man sich überhaupt mit diesem Crétin von einem Drink beschäft, den Charles Schumann in den 70ern in einem offensichtlichen Anfall kompletter geistiger Umnachtung erfunden hat. Überall nur „Wir haben das mal neu interpretiert.“ hier und „Da muss man mit ironischem Abstand jetzt mal drüber reden.“ da.

Sorry, Leute: Klar muss man solche Sachen zwischendrin mal neu denken, klar mixt man heute eigentlich anders. Aber dass Drinks wie der Swimming Pool sich auch in den 80ern und 90ern eisern gehalten haben, zu einer Zeit als man Neutralalkohol mit destilliertem Gummibärchenkoffein zum neuen geilen Scheiß erklärt, das hat einen Grund: Die Kombi aus Ananas und Kokosnuss ist geschmacklich einfach ganz großes Popcornkino – simpel, aber geil. Man muss halt nur nochmal zwei Barlöffel große Kunst reinschütten.

Das Rezept für den Swimming Pool

  • 6 cl Ananassaft (frisch)
  • 2 cl Cream of Coconut (keine Kokosmilch!)
  • 2 cl Rum
  • 2 cl Wodka
  • 2 cl Sahne
  • 1 cl Blue Curaçao

Alles außer dem Blue Curaçao auf Eis hart shaken, anschließend in ein entsprechen großes Glas voller Crushed Ice abseihen, mit Blue Curaçao langsam über einen Löffelrücken oder den Barlöffel entlang ins Glas floaten und mit Ananas und Maraschino-Kirschen garnieren. Trinken.

Swimming Pool, wie er mal gemeint war

Der Hass, den so mancher Cocktail-Enthusiast auf den Swimming Pool hegt, der kommt tatsächlich aus dem dunklen Cocktail-Mittelalter, als man ihn mit Ananassaft aus der Tüte, Kokosmilch und billigstem Rum gemixt hat, wenn überhaupt welcher drin war. Den Blue Curaçao goß man kistenweise in den Drink, das Ergebnis war dann eine süßliche, unausgewogene Sahnepampe – zumindest aus heutiger Sicht. Denn damals hatten wir in Discos und Kneipen schlicht nichts anderes – und haben uns dann eben an das geklammert, was es gab.

Trotzdem ist die Kombi gut – als Charles Schumann den Drink 1979 erfand, wusste er ziemlich genau, was er da tat. Klar, nach heutigen Maßstäben ist diese Colada-Variante etwas altmodisch. Aber gut gemacht, mit viel Liebe und den richtigen Zutaten, ist das Ding immer noch ein Wahnsinns-Drink, den man am besten dann trinkt, wenn man seine Zehen in heißem Sand vergraben kann. Hauptsache, die Zutaten stimmen.

Ananassaft und Cream of Coconut

Schon bei der Piña Colada haben wir uns ausführlich darüber ausgelassen, wie wichtig frischer Ananassaft ist. Keine Ahnung, was sich die Hersteller denken oder was die Käufer von Tüten-Ananassaft sich so wünschen, aber diese süßlich-gelbe Pampe mit dem Hauch von Ananas kann kein Mensch trinken. Frischer Saft ist das genau Gegenteil, extrem aromatisch, genau richtig süß. Das wirft allerdings auch ein Problem auf: ohne Entsafter kommt ihr da nicht ran. Die Lösung ist vergleichbar simpel: Schneidet eine etwa 0,5 cm dicke Scheibe Ananas in kleine Stücke und matscht die im Shaker schon vor dem schütteln leicht an. Den Drink müsst ihr zwar dann später doppelt abseihen, dafür bekommt ihr geschmacklich ein sehr vergleichbares Ergebnis.

Cream of Coconut ist eine sehr cremige, fettige, pampige – der Name sagt’s – Kokoscreme. Im Gegensatz zu Kokosmilch ist die Cream of Coconut deutlich intensiver und verleiht dem ganzen Drink zusätzlich noch ein wenig mehr Textur. Das einzige Problem: die Cream of Coconut ist vergleichsweise schwierig zu kriegen, in den meisten Fällen nur Online oder im Fach- oder Großhandel. Inzwischen haben jedoch auch immer Supermärkte die Creme im Programm, sortieren sie aber aus Prinzip überall ein, nur nicht bei Cocktail-Zutaten oder Sirup. Im Zweifel einfach mal nachfragen.

Rum und Wodka

Die Piña Colada soll durchaus einen alkoholischen Rum-Einschlag haben, beim Swimming Pool geht der Trend dazu, dass das Ding praktisch gar nicht nach Rum schmecken soll. Deswegen ist es auch so irre einfach, einen alkoholfreien Swimming Pool zu mixen: einfach 2 cl Ananas, 1 cl Sahne und 1 cl Cream of Coconut mehr reinmixen und dafür den Schnaps weglassen. Für die alkoholische Variante müsst ihr euch entscheiden: wollt ihr das volle Rum-Aroma oder eine fruchtig-süffige Kokossuppe?

Die Sache ist die: Wir haben durchaus gerne etwas Wumms im Swimming Pool, aber die volle Rum-Power steht ihm gefühlt nicht so richtig – deshalb bleiben wir hier tatsächlich bei der 2:2-Mischung aus Rum und Wodka, auch wenn die brutal nach Restverwertung klingt. Damit trotzdem Rum durchkommt, solltet ihr einen intensiven nehmen – etwa unseren weißen Lieblings-Rum Revolte oder gleich einen gelagerten, guten ab Appleton 12 aufwärts. Das kann jedoch das schöne weiß des fertigen Drinks etwas „verschmutzen“.

Den Swimming Pool mit Blue Curaçao floaten

Man kann den Blue Curaçao einfach in einen Swimming Pool schütten, umrühren und sich die hellblaue Suppe dann ins Gesicht kippen. Schließlich hat der Cocktail genau dann auch wirklich die Farbe eines Swimmingpools. Die deutlich schickere und elegantere Variante ist das floaten: der Blue Curaçao fließt dabei durch den Drink und verleiht ihm ein optisches Highlight, das die weiße Suppe nur zu gut brauchen kann. Zum floaten einfach 1 cl Blue Curaçao über einen Löffelrücken ins Glas fließen lassen oder den Barlöffel einsetzen: Halten den aufrecht über das Glas, so dass die Löffelspitze den Drink berührt und lasst den blauen Likör dann einfach über den kompletten Löffel ins Glas rinnen. Das gibt dann auch ein paar Extrapunkte für guten Stil.

Warum Crushed Ice?

Der Swimming Pool sollte wirklich sehr, sehr kalt sein und verträgt selbst nach intensivem Shaken rein von der Konsistenz her noch ein wenig Extra-Schmelzwasser. Eiswürfel brauchen für beides ein bisschen länger, was zur Folge hat, dass man an einem Eiswürfel-Swimming Pool im Regelfall nur fünf Minuten lang trinkt und dabei auch noch weniger Spaß hat, weil die sahnige Pampe einem eigentlich noch viel zu dickflüssig ist. Auch, wenn wir Crushed Ice sonst eher verteufeln – hier hat es durchaus seine Berechtigung.

Das richtige Glas mit der richtigen Deko

Klassisch serviert man den Swimming Pool in einem Fancy-Glas. Das sind die geschwung-bauchig-hohen Cocktail-Gläser, die ihr zum Beispiel auch vom Tequila Sunrise oder dem Sex on the Beach kennt. Die unterstützen den altbackenen Anstrich des Cocktail-Rezepts aber zusätzlich – deswegen kann man beim Swimming Pool schon viel rausreißen, wenn man ihn einfach in ausgefalleneren oder stilvolleren Gläsern serviert. In einem Tumbler oder Lowball-Glas (siehe Bild ganz oben) haut er auch nicht ganz so wuchtig rein und ist vielleicht sogar eine hervorragende Ergänzung zum Dessert.

Bei der Deko greift man normalerweise zu Maraschino-Kirschen und Ananas. Beides ergibt geschmacklich Sinn, auch von der Aromenunterstützung in der Nase her ist das eine spannende Sache. Weil eure Gäste die Deko aber in diesen Fällen mitessen, solltet ihr nochmal ein bisschen Liebe in den Drink bringen, Schritt 1: Nehmt echte Maraschino-Kirschen statt den hellroten Ekelzuckerdingern. Die schmecken auch nach was. Um die Ananas zu pimpen könnt ihr sie kurz karamellisieren. Das ist Drink für Drink aber ein Riesen-Aufwand. Ergo müsst ihr eure Freunde dazu zwingen, alle gleichzeitig Swimming Pools zu trinken. Oder ihr feiert einfach mal eine stilvolle 90er-Party. Ja, da mussten wir jetzt selber kichern.

Die Amazon.de-Einkaufsliste für den Swimming Pool

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Übrigens: eine durchaus spannende und moderne Neu-Interpretation des Swimming Pools gibt’s im Link unten. Der Swimming Pool 2.0 hat faktisch nix mit dem Swimming Pool zu tun – ein geiler Drink ist er aber allemal:

Überarbeitet und neu befüllt, der Swimming Pool

JohannTrasch

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