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Mint Julep – Whiskey, Minze, Zucker, Crushed Ice: einfach frisch

Ein Mint Julep mit Whiskey, Minze und Zuckersirup - sonst nix. Quelle: Fotolia.com © sauseyphotos
Ein Mint Julep mit Whiskey, Minze und Zuckersirup - sonst nix. Quelle: Fotolia.com © sauseyphotos

Mint Julep, das kennt man. Oder man hat’s zumindest schon mal irgendwo gehört. Oder in einem Film gesehen. Was mit Agenten. Dunkel klingelt da noch was mit Kentucky Derby. „Klassiker also – muss ja dann wohl gut sein.“ Und dann so: Bourbon – Crushed Ice – zerstoßene Minze. Drei Sachen, bei denen Cocktail-Freunde, die diesen Drink noch nie probiert haben, plötzlich pingelig werden und in Gedanken schon herumtwisten, den geistigen Scotch auspacken, die 5×5-Eiswürfel und die Minze nur anklatschen. Oh, guck mal: Wir haben versehentlich einen Old Fashioned gemacht und mit Kräutern garniert.

Ne; nicht heute, nicht mit uns. Wir werfen heute einen Blick auf eines der vielleicht simpelsten Cocktail-Rezepte überhaupt, auf das Original, das aufgrund der fehlenden Zitronensäure tatsächlich noch simpler ist als ein Whisky Smash. Der ist im Prinzip dasselbe, nur mit Zitronensaft und normalen Eiswürfeln. Doch während der sich im Zuge des durch den Gin Basil Smash angefachten Smash-Trends inzwischen wieder über Beliebtheit freuen darf, trinken den Mint Julep fast immer noch nur Kenner – und Leute, die gerne an der Bar stehen und James Bond: Goldfinger zitieren. Ändern wir heute!

Rezept für den Mint Julep

  • 6 cl Bourbon Whiskey
  • 1 Teelöffel Zuckersirup
  • 20 Blätter Minze

Minzblätter und Zuckersirup in ein Glas geben und sanft muddeln – so, dass die Blätter nicht zerreißen, es sollen nur die Öle austreten. Blätter ein bisschen den Rand hochschieben, dass sie den Boden wie eine grüne Schüssel benetzen. Crushed Ice drauf, bis das Glas etwa halb voll ist und rühren, bis das Glas kalt ist und zumindest die Minze mit Wasser bedeckt. Glas mit Crushed Ice vollmachen, Bourbon drauf – mit Minzezweig garnieren. Trinken.

Die Story des Mint Julep

Der Mint Julep ist verstörend alt – er entsteht um das Jahr 1800 herum und damit lange vor den goldenen 1920ern, der Cocktail-Hochzeit. Wie jede Darreichungsform von Schnaps aus dieser Zeit galt er zunächst als Medizin, wurde später dann aber zum Status-Symbol für den Südstaaten-Adel der USA. Der gab mit seinem supercoolen Crushed Ice an, damit, dass er Schnaps hatte und Silberbecher, aus denen man das Zeug dann trinken konnte.

Aus dieser Zeit stammt auch der Mint Julep-Becher – klassischerweise aus Silber, heutzutage aber auch in Edelstahl erhältlich. Erklärter Sinn und Zweck: In die Welt hinauszubrüllen „Ich hab Silber und Schnaps und Eis, ihr Loser!“ Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich der Mint Julep zum Trendgetränk entwickelt, Varianten mit Genever und Brandy machten die Runde. Dass der Drink bis heute niemals aus den Rezeptbüchern verschwand, verdankt er aber wohl dem Kentucky Derby, einem amerikanischen Pferderennen, das während des nach ihm benannten Kentucky Derby Festivals stattfindet. Seit 1938 ist der Mint Julep das offizielle Getränk der Veranstaltung, wird teilweise sogar in Goldbechern ausgeschenkt – für 1.000 Dollar aufwärts. Aber was soll der ganze Trubel eigentlich?

Wieso Mint Julep?

Ein Whisky Smash ist Erfrischung pur, mit der Mischung aus Minze und Zitrone, ergänzt durch euren Lieblingswhisky. Ein Mint Julep ist erstmal dasselbe nur in wässrig und mit dem Gefühl, dass irgendwas fehlt. Dabei ist es gerade die Einfachheit, die den Drink so spannend macht: wie ein gut gemachter Old Fashioned hebt er den Whiskey, mit dem er gemacht wird stark hervor, nur eben nicht in die männerliche Don-Draper-Richtung. Der Bourbon oder Scotch oder Rye in diesem Drink wird zu einem Träger totaler Erfrischung und milder Süße. Nur richtig machen muss man ihn.

Behandelt die Minze gut!

Die Minze im Mint Julep ist der Dreh- und Angelpunkt unzähliger Barkeeper-Diskussionen: Mixt man den Mint Julep jetzt mit selbstgemachten Minze-Sirup, lässt man die Minze zehn Minuten im Bourbon einweichen, muddelt man sie? Minze-Sirup fehlt unserer Meinung nach etwas die Frische und die Nummer mit dem Einweichen machen wir entweder komplett falsch oder sie ist tatsächlich für weniger minzlastige Juleps gemacht – die Minze ist hier schlicht zu mild für unseren Geschmack.

Wir muddeln also. Und da geht der Spaß los: Wer hier einfach drauflosquetscht, presst die Bitterstoffe aus dem frischen Kraut und hat später die Minzefetzen im Mund. Bäh. Wir muddeln so sanft wie es nur geht, pressen im Prinzip nur leicht an, damit der Geschmack rausgeht. Weil wir technisch nicht so versiert sind wie ein guter Bartender, nehmen wir entsprechend auch richtig ordentlich Minze, unter 20 Blättern fangen wir nicht an. Ein Profi mit mehr Gefühl kommt wahrscheinlich mit weniger aus.

Der richtige Whiskey

Bourbon. Wir sind sonst große Fans davon, alle Whisky- und Whiskey-Cocktails mit Rye und Islay-Rauchfabriken zu mixen, aber in Kombination mit der Minze hat sich der Bourbon einfach als der bessere Partner für uns herausgestellt. Die feinen Vanille- und leichten Fruchtnoten harmonieren erstaunlich gut und nerven nicht. Dabei gilt wie bei allen stark spirituosenlastigen Drinks: Nehmt den Whiskey, der euch schmeckt. Seid ihr so gar keine Bourbon-Fans, fahrt ihr mit einem milden Scotch aus der Speyside oder den Highlands ähnlich gut.

Crushed Ice muss sein – Garnitur auch!

Dieser Drink ist stark, aber gleichzeitig erfrischend. Damit das Ding süffig ist und wirklich ein bisschen frischen Minz-Atem in eure Schnapsfahne packt, muss es tatsächlich ein wenig verwässern. Vor allem, weil ihr hier nichts schüttelt oder mit frischem Eis aufgießt. Auch der Minz-Zweig als Garnitur ist irre wichtig, selbst wenn ihr nicht auf Schnickschnack steht: Er gibt dem Drink noch eine Duftnote mit, die einfach für des Erlebnis Mint Julep sehr viel ausmacht.

Brauche ich dafür einen Mint Julep-Becher?

Nö. Das Prinzip ist ähnlich wie beim Moscow Mule und seinem Kupferbecher: Das Mundgefühl vom Metall ist spannender als das vom Glas, der Drink kühlt insgesamt besser. Auch hat der Silberbecher natürlich mehr Stil. Aber notwendig ist er für den Genuss nun wirklich nicht.

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JohannTrasch

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