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Bloody Mary: Mehr als Wodka und Tomatensoße – das Cocktail-Rezept

Bloody Mary mit Bacon und Sellerie. Quelle: Fotolia © Jeff
Bloody Mary mit Bacon und Sellerie. Quelle: Fotolia © Jeff

Bloody Mary – das klingt nach Hollywood-Film, nach Sellerie-Zweitverwertung, nach Kater-Gegenmittel. Kalte Tomatensuppe mit Konter-Alkohol, das macht sicher wach, oder? (Spoiler: Nö.) Bei der Recherche nach der perfekten Bloody Mary wurden wir von der Bandbreite an Rezepten regelrecht überrollt, bis auf die Hard Facts – Tomatensaft, Wodka, Zitronensaft, ein paar Spritzer Tabasco und Worcestershire-Sauce – kocht hier jeder Barkeeper sein eigenes Süppchen.

Ach, was sagen wir: Nicht mal die sind sicher. Manche greifen zur pürierten Dosentomate, nehmen statt stinknormalem Schnaps eine Variante, die mit Speck angereichert wurde, greifen statt zum Zitronensaft zur Limette und aus ein bisschen Tabasco im Drink wird eine halbe Tasse Barbecue-Sauce. Eben wegen dieser Bandbreite sind wir uns diesmal nicht ganz sicher, dass wir wirklich das perfekte Cocktail-Rezept gefunden haben. Aber falls unsere fortlaufenden Experimente neue Erkenntnisse liefern, aktualisieren wir natürlich auch diesen Artikel.

Das perfekte Rezept für Bloody Mary

  • 12 cl Tomatensaft
  • 6 cl Wodka
  • Saft einer Viertelzitrone
  • Saft einer halben Limette
  • 2 Spritzer Tabasco
  • 1 guter Esslöffel Worcestershiresauce
  • Selleriesalz
  • Pfeffer
  • 1 dicke(!) Scheibe knuspriger Bacon

Gewürze mit Schnaps und Zitrussäften auf Eis ordentlich shaken. Dann Tomatensaft, Tabasco und Worcestershiresauce dazu und nochmal shaken. Alles in ein Glas mit frischem Eis gießen und mit der Baconscheibe garnieren. Trinken.

Was soll das eigentlich mit dieser Bloody Mary?

Der Drink entstand in den 1920ern, zunächst allerdings als Red Snapper mit Gin. Dem widmen wir uns an anderer Stelle einmal genauer, aktuell hatten wir genug damit zu tun, die ganze Sache mit dem Saftund den Gewürzen zu balancen. Zurück geht der Drink sehr wahrscheinlich auf den Barkeeper Fernand Petoit, allerdings beanspruchen den Ruhm für die Erfindung der Bloody Mary auch andere Mix-Virtuosen für sich.

Genauso unklar ist übrigens der Ursprung des Namens. Mal geht er auf die blutrünstige englische Königin Elizabeth die erste zurück, ein anderes Mal soll ein Stammgast Petoits die Idee dafür gehabt haben; den erinnerte der Cocktail an eine Kellnerin namens Mary und die arbeitete in einer Bar namens Bucket of Blood. Bucket. of. Blood. Egal was wahr ist, wir glauben an diese Geschichte, weil der Barname so unglaublich cool ist, dass die Star Wars-Cantina daneben aussieht wie das Smalland. Jetzt wo das geklärt ist, kommen wir zu den wichtigen Sachen. Den Zutaten:

Der perfekte Tomatensaft für die Bloody Mary

Stellt euch eine Bloody Mary nicht wie einen Cocktail vor, behandelt sie auch nicht so. Dieser Drink ist eine kalte Tomatensuppe mit Schnaps drin. Entsprechend könnt ihr sie würzen wie ihr wollt und auch die Einlagen nach Lust und Laune wählen – aber erstmal braucht ihr anständige Tomatenpampe. Im Prinzip habt ihr drei Möglichkeiten: Tomatensaft, wie ihn 99% aller Menschen verwenden, Dosentomaten oder ihr macht ihn einfach selbst.

Verschiedene Tomaten auf dem Markt.
Verschiedene Tomaten auf dem Markt.

Letzteres bedeutet unglaublich viel Arbeit: Ihr müsst die Dinger überbrühen, abziehen, dann stundenlang köcheln lassen, damit ihr in die Geschmacksregionen von Dosentomaten kommt, zu denen selbst Profiköche gerne mal greifen, allein wegen des Zeitfaktors. Kauft ihr wirklich gute Dosentomaten und gießt die ab, erhaltet ihr einen ziemlich dicken, aber leckeren roten Saft, der aber noch ein paar Prisen Zucker braucht, um das Tomatenaroma hochzuholen. Beim Tomatensaft ist der schon drin. In unserem Test haben wir keine deutlich schmeckbare Verbesserung durch Dosentomaten festgestellt – und der Saft macht weniger Arbeit. Also entscheiden wir uns bei unserer Bloody Mary für Saft.

Der perfekte Wodka

Fatwashed Cocktails sind der neue geile Scheiß und wohl kaum einer eignet sich dafür besser als die Bloody Mary. Beim Fatwash packt ihr ein tierisches Fett – meistens Bacon-Fett – in Bourbon oder Wodka, packt den Spaß über Nacht in den Kühlschrank, filtert den hart gewordenen Schmodder dann wieder raus und habt dann einen Schnaps mit Bacon-Aroma. Das ist an und für sich leckerer als es klingt und theoretisch passt es auch gut ins Glas.

Bei unseren eigenen Fatwash-Versuchen mussten wir die Spirituose aber praktisch 1:1 mit Baconfett mischen, bevor er einen so penetranten Bacon-Geschmack annahm, dass man das auch noch in der knackigen Bloody Mary schmeckte. Wir raten euch ausdrücklich dazu, damit zu experimentieren – weil das Spaß macht. Aber in der Praxis tut ein Bacon-Streifen als Garnitur im Glas mehr für den Geschmack als der Fatwash. Außer, ihr wollt pro Drink ein halbes Pfund Bacon auslassen. Da tut’s auch ein guter normaler wie der Russian Standard.

Sellerie oder Bacon für die Bloody Mary?

Die Selleriestange im Bloody Mary ist Kult – aber die mag nicht jeder und umrühren muss man den Drink eigentlich auch nicht. Aber Sellerie tut dem Drink geschmacklich gut – deswegen greifen wir auf jeden Fall zum Selleriesalz. Bei der Garnitur setzen wir im Test lieber auf Bacon. Einfach, weil wir auf Fleisch als Suppeneinlage stehen. Doof nur: Der durchschnittliche Frühstücksspeck ist zu dünn, im Glas wird er feucht und bricht ab. Und dann braucht ihr doch wieder einen Staudenselleri, um euren Bacon aus Mary zu fischen.

Bloody Mary mit Baconstreifen
Bloody Mary mit Baconstreifen

Geht zum Metzger und lasst euch richtig schön dicke Scheiben vom geräucherten Bauch schneiden. Die packt ihr zu Hause dann bei 200 Grad in den Backofen, bis sie dunkelbraun sind, anschließend dürfen sie auskühlen. Wer ohnehin Bacon-Vodka machen möchte, brät den Spaß in der Auflaufform, dann kann man das ausgelassene Fett danach mühelos umschütten.

Zitronen und Gewürze

Bei den Gewürzen und Würz-Soßen eskalieren manche Rezepte im Internet komplett – sicherheitshalber mussten wir uns für den Test also an Kombinationen mit Barbecue- oder Süßsauer-Soßen versuchen. Aber nichts davon gab der Bloody Mary etwas, das sie wirklich gebraucht hätte. Wir blieben also bei der Klassiker-Kombo: Tabasco und Worcestershire-Soße. Von der allerdings reichlich, sie verleiht dem Drink mehr Deftigkeit, genauso wie das Selleriesalz. Geräuchertes Paprikapulver sorgte bei uns im Test dagegen für Fehltöne in den Aromen.

Eine Bloody Mary und win Minibierchen.
Eine Bloody Mary und win Minibierchen.

Zitronensaft ist essentiell, weil der die kalte Tomaten-Puppe mit etwas Frische aufpeppt, die ihr dringend braucht, damit die Bloody Mary nicht wirklich einfach nur nach kalter Tomatensuppe schmeckt. Die beste Wirkung erreichten wir dabei mit einer Mischung aus Zitronen- und Limettensaft. Mag sein, dass ein guter Barkeeper die richtige Balance auch mit geheimen Super-Früchten oder über die Saft-Menge geregelt bekommt. Aber wir fahren mit der Zitrus-Kombination einfach am besten.

Die Bloody Mary ist ein Spielplatz für verrückte Cocktail-Wissenschaftler

Das tolle an der Bloody Mary sind die vielfältigen Möglichkeiten, jeder kann sich seine Traum-Mary mixen mit genau den Gewürzen, die er gerne mag. Mit einem Wildgewürz passt Sie zum Beispiel super zum nächsten Hirschgulasch – oder gibt gleich die Vorspeise. Unser nächstes Experiment ist eine klare Variante – nach dem Prinzip einer weißen Tomatensuppe. Wir halten euch auf dem Laufenden, wenn dafür mal Ergebnisse vorliegen, für die wir uns nicht schämen.

Das einzige, was man mit einer Bloody Mary nicht machen sollte: Sie als „Corpse Reviver“ nutzen, als Katermittel. Denn so stilvoll-melancholisch-avantgardistisch es auch aussieht, wenn man mit Augenrändern vor dem vollem, roten Glas sitzt und auf dem Staudensellerie rumkaut – danach will man garantiert noch mehr ins Bett als vorher.

JohannTrasch

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