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Sex on the Beach: Der Cocktail aus Wodka, Cranberrysaft und … Liebe

Ein klassischer Sex on the Beach mit Wodka, Pfirsichlikör, Orangensaft und Cranberrysaft.
Ein klassischer Sex on the Beach mit Wodka, Pfirsichlikör, Orangensaft und Cranberrysaft.

Anmerkung: dieser Artikel über den Sex on the Beach und seine Ursprünge in den 1980er Jahren wird Ihnen viel mehr Freude bereiten, wenn sie dazu Take on me von a-ha in Dauerschleife hören. Wir haben da mal was vorbereitet.

Die 80er. Turmhohe Frisuren, weiße Tennissocken, kalter Krieg, John Hughes. Hohe Barkultur macht gerade Urlaub, Martinis sind Zeug, das nur James Bond trinkt. Cocktails, das bedeutet Saft und Fusel, Hauptsache bunt. Genau jetzt trägt irgendwo in den USA jemand ein Hawaiihemd und schenkt einen Cocktail aus Wodka, Pfirsichlikör und Cranberrysaft aus. Er nennt ihn Sex on the Beach. Weil Beischlaf am Strand aus der Sicht vieler junger Menschen a) wünschenswert und b) lustig ist, wird das Ding ab da stellvertretend und/oder vorbereitend für echten Sex bestellt wie nichts Gutes. Auch an Orten, an denen es den Drink gar nicht gibt, bei Bartendern, die noch nie davon gehört haben.

Die Folge: Für den Sex on the Beach sind heute Dutzende Rezepte in Umlauf, auch wenn sich die allgemeine Bartenderschaft im Wesentlichen auf zwei Varianten geeinigt hat, die als die „echten“ gelten. Ihnen allen gemein: Wodka als Basis-Spirituose und außenrum ganz viel Likör und Cranberrysaft. Auch, wenn der anspruchsvolle Connoisseur des Jahres 2017 beim puren Gedanken daran schon Pickel auf der Zunge bekommt, lasst euch einfach mal darauf ein. Auf Grand Slam-Siege von Boris Becker. Auf Taaaake oooon meeee. Auf Schulterpolster. Auf 2er Golf und die Schachtel Zigaretten für 4 Mark. Auf Taaaaake meeeeee oooon. Auf jüngere Cocktail-Geschichte.

Die Story hinter dem Sex on the Beach

Die Schnaps-Historiker sind sich uneins, wann und von wem genau der Sex on the Beach erfunden wurde, die meisten sehen aber den DeKuyper Peachtree als Ausgangspunkt. Diese neue Variante des „Peach Schnapps“ erschien 1984 in den USA und 1986 in Deutschland und war damals binnen kürzester Zeit extrem beliebt. Zwei der beliebtesten Peachtree-Cocktails waren der Fuzzy Navel („Der fusselige Bauchnabel“) mit Pfirsichlikör und Orangensaft und der Hairy Navel („Der haarige Bauchnabel“) – eine Variante mit Wodka.

Addiert man zum Hairy Navel nun Cranberrynektar, hat man auch schon einen Sex on the Beach. Zumindest eine der beiden geläufigen Versionen und wohl auch die deutlich stärker verbreitete: Pfirsichlikör, Wodka, Orangensaft, Cranberrysaft, all das ist leicht zu bekommen und ergibt einen irre unkomplizierten Drink. Lässt man den ohnehin geschmacksneutralen Wodka weg, bekommt man eine nahezu gleichwertige Virgin-Version – hurra, alle sind an Bord. Da Cranberrysaft im Deutschland der 80er zugegeben nicht ganz so leicht aufzutreiben ist wie zeitgleich in den USA, hilft man sich hier mit Grenadine oder laut Augenzeugenberichten mit „irgendwelchen roten Säften, die gerade da sind“.

Ende der 80er entsteht ein zweites Rezept, dessen Ursprünge ebenfalls im Dunkeln liegen, das aber vor allem von der amerikanischen Restaurantkette TGI Fridays etabliert wird. Es besteht aus Chambord, Midori, Wodka, Ananassaft und Cranberrysaft und ist damit für die meisten Bars dieser Zeit und vor allem für jede normale Hausbar praktisch unmöglich zu rekonstruieren. Entstanden ist es wahrscheinlich, weil anspruchsvollere Bartender einen Sex on the Beach anbieten wollten, ohne sklavisch dem doch recht simplen Originalrezept ohne echten Wiedererkennungswert zu folgen. Da der Sex on the Beach wie viele Cocktails dieser Ära einen eher schlechten Ruf unter Freunden der gehobenen Bar besitzt , existiert er in unseren Breitengraden leider fast ausschließlich in den Varianten: In „Wodka mit irgendeinem Saft“ und in „Willst du nicht lieber was richtiges?“. Deshalb, für alle, die schon immer wissen wollten, wie man einen Sex on the Beach wirklich mixt:

Das Cocktail-Rezept für den klassischen Sex on the Beach

  • 4 cl Wodka
  • 2 cl Pfirsichlikör
  • 4 cl Orangensaft
  • 4 cl Cranberrynektar

Alle Zutaten in ein Highball-Glas voller Eiswürfel geben. Umrühren. Mit einer Orangenscheibe garnieren. Trinken. Für einen Tequila-Sunrise-Effekt könnt ihr den Cranberrysaft auch erst zum Schluss nach dem Umrühren hinzugeben.

Das Cocktail-Rezept für den komplexeren Sex on the Beach

  • 2,5 cl Wodka
  • 2,5 cl Melonenlikör (Midori)
  • 2,5 cl Chambord
  • 4,5 cl Ananassaft
  • 4,5 cl Cranberrynektar

Alle Zutaten in ein Highball-Glas voller Eiswürfel geben. Umrühren. Mit einer Orangenscheibe garnieren. Reinpicheln. Wieder gilt: Für einen Tequila-Sunrise-Effekt könnt ihr den Cranberrysaft auch erst zum Schluss nach dem Umrühren hinzugeben.

Unser Lieblingsrezept und die richtigen Säfte und Liköre

Wir schreiben niemandem vor, was er zu mögen hat, aber wir sind eindeutig eher Fans der zweiten Variante – geschmacklich ist sie spannender, die Ananas gibt dem ganzen Drink noch einen tropischen Kick. Er wirkt wie ein Virgin Tiki, da man zwischen all den Likören und Säften natürlich nur recht wenig bis gar keine Spirituosen schmeckt. Vorausgesetzt natürlich, ihr nehmt jetzt nicht den billigsten Wodka aus dem Supermarkt-Regal.

Das gilt im Übrigen auch für die anderen Zutaten: Orangensaft und Ananassaft sollten frisch sein, auch wenn Letzteres bedeutet, dass ihr einen Entsafter braucht. Der Unterschied zwischen einem Sex on the Beach mit frischen Säften und einem mit Tetrapack-Suppe ist frappierend. Beim Cranberrynektar habt ihr aber leider meistens keine große Wahl: frisch findet man die roten Beeren nur sehr selten, sodass wir keine Entsaftungs-Testreihe veranstalten konnten, wir schätzen aber, dass das Ergebnis sehr sauer und herb wird. Also müsst ihr den Cranberrysaft kaufen – und weil es den sogenannten „Muttersaft“ der Beeren ebenfalls nur schwer zu bekommen gibt (und meist zu Mondpreisen) bleibt’s hier beim Nektar.

Je nach Rezept braucht ihr also noch Melonen- oder Pfirsichlikör und Chambord, einem französischen Himbeerlikör. Da die jeweiligen Original-Produkte der Rezepte durchaus brauchbar sind, geht unsere Empfehlung mit Blick auf die Authentizität zu den authentischen Spirituosen. Wer allerdings bereits Liköre vom örtlichen Obstbrenner oder gängigen Likör-Marken wie Bols oder eben DeKuyper zu Hause hat, kann guten Gewissens auch zu denen greifen. Nur die kräutrig-himbeerige Aromatik des Chambord ist recht schwierig zu kopieren.

Sex on the Beach? Voll altmodisch. Wir machen stattdessen einen Bum Bum on the Beach!
Sex on the Beach? Voll altmodisch. Wir machen stattdessen einen Bum Bum on the Beach!

Bum Bum on the Beach: Unser Twist auf den Sex on the Beach

Gefühlt alle 10 Jahre geht a-ha wieder mit Take on me auf Tour und die Band erfindet sich samt ihrem einzigen relevanten Lied noch einmal neu. Das funktioniert immerhin so gut, dass ihr wahrscheinlich gerade mitsingt, falls ihr unserer Empfehlung eingangs gefolgt seid. Diese Unnachgibigkeit im Altmodischen ist Inspiration genug für uns, um auch dem Sex on the Beach nochmal einen neuen Anstrich zu verpassen. Mit unserem Twist auf den 80er-Cocktail wollen wir einerseits das Rezept ein wenig modernisieren, andererseits dieses bunte Lebensgefühl der Ära aufgreifen. Dafür benutzen wir als Garnitur einen anderen Klassiker der 80er – das nach Boris Becker benannte Bum Bum-Eis. Durch das Tonic wird der der Drink etwas herber und gleichzeitig weniger drückend-saftlastig. Er wird frischer, verliert aber nicht an Frucht. So geht’s:

  • 3 cl Wodka
  • 3 cl Melonenlikör
  • 4 große Brombeeren
  • 4,5 cl Ananassaft
  • 4,5 cl Cranberrynektar
  • Holunder-Tonic (wir nehmen Fever Tree)
  • Minze und ein Bum Bum für die Garnitur

Die Brombeere mit dem Löffel ein wenig andrücken und zusammen mit allen anderen Zutaten außer dem Tonic Water auf Eis hart shaken. In ein Hurricane-Glas mit frischen Eiswürfeln abseihen.  Mit Holundertonic aufgießen und noch einmal umrühren. Mit der Minze und dem Bum Bum garnieren. Googeln, ob das Bum Bum wirklich wegen Boris so heißt. Dabei trinken.

JohannTrasch

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