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Sidecar: das Cocktail-Rezept für den Cognac-Klassiker

Ein Sidecar-Cocktail aus Zitronensaft, Cointreau und Cognac, garniert mit einem Zuckerrand und einer Orangenzeste.
Ein Sidecar-Cocktail aus Zitronensaft, Cointreau und Cognac, garniert mit einem Zuckerrand und einer Orangenzeste.

Wer an klassische Cocktails denkt, der denkt meist an Gin und Whisky. An trockene Martinis und Old Fashioneds. Vielleicht denkt so mancher noch an Rum und Wodka, obwohl deren großen Zeiten eigentlich erst nach der Prohibition anbrachen. Aber Weinbrand? Cognac hat kaum einer auf dem Schirm und auch wir haben ihn bisher sträflich vernachlässigt. Dabei beruhen diverse bekannte Klassiker auf Brandy und Co – mit dem Sidecar sogar einer der bekanntesten Cocktails überhaupt.

Der Sidecar ist einer jener Drinks, von denen jeder schon gehört hat, aber von dem nur die Liebhaber wissen, was eigentlich genau drin ist: Weinbrand, Zitronensaft, Cointreau. Je nach Rezeptur dann noch garniert mit einem Zuckerrand am Glas. So manch einer behauptet, damit wäre er ein Daiquiri-Twist, tatsächlich gehört er damit aber zur Gruppe der New Orleans Sours: Sour-Cocktails, die mit Orangenlikör gesüßt werden. Dazu noch der Zuckerrand und man hat eigentlich eher eine stilvolle Variante des Margarita als einen Daiquiri. Aber wo genau hat er denn eigentlich seine Ursprünge?

Die Geschichte des Sidecar

Der Sidecar entsteht zu Beginn des ersten Weltkriegs und wie jeder Drink, der kurz vor, nach oder während der Prohibiton erfunden wird, gibt es mindestens zwei Leute, die ihn erfunden haben wollen. Im Falle dieses Drinks sind das zum einen ein unbekannter Soldat in Paris (laut dem Bartender David A. Embury), dagegen nennt Harry MacElhone aus der weltbekannten Harry’s New York Bar in seinem Buch Harry’s ABC of Mixing Cocktails den Bartender Pat MacGarry als Erfinder des Drinks, kehrt ihn aus unbekannten Gründen in späteren Ausgaben aber unter den Tisch, um sich selbst zum Erfinder zu krönen.

Es ist noch immer unklar, wer von den beiden hier jetzt Recht hat, auch wenn die meisten eher zu MacElhone tendieren. Klar sind dafür andere Dinge: Ursprünglich entstand der Sidecar aus der Brandy Daisy, einem sehr ähnlichen Cocktail ohne Cointreau, dafür mit Zuckersirup und Chartreuse. Außerdem ist klar: Der Sidecar ist nach dem Beiwagen eines Motorrads benannt und wird in den ersten Rezepten im Verhältnis 1:1:1 gemischt – „French School“ nennt sich diese Variante. Die später hinzukommende „Englisch School“ verdoppelt den Anteil an Cognac. Der Zuckerrand kam für beide Varianten dann irgendwann in den 1930ern dazu, ist aber auch heute noch häufig ein Streitpunkt – schließlich ist die Deko für einen klassischen Cocktail schon sehr verspielt. Aber wie mixt man denn nun eigentlich einen Sidecar?

Das Cocktail-Rezept für den Side (Englisch School)

  • 4 cl Cognac
  • 2 cl Cointreau
  • 2 cl Zitronensaft

Alles zusammen auf Eiswürfeln in einen Shaker packen und ordentlich durchschütteln. In ein vorgekühltes Martiniglas oder eine Coupette abseihen. Mit einer Orangenzeste garnieren. Wer Wert legt auf den Zuckerrand: Infos dazu unten im Text.

Der optimale Weinbrand

Wir mixen diesen Drink mit einem Remy Martin VSOP und sind ziemlich zufrieden – wir mögen diesen Cognac. Das Problem dabei ist: Wir sind keine Cognac-Experten, unsere Auswahl ist begrenzt. Zum Glück sind wir aber nicht die einzigen Spirituosen-Blogger auf der Welt: Schaut einfach bei den Kollegen aus unserer Blogroll und lasst euch dort einen guten Cognac empfehlen, falls euch Remy Martin als einziger Vorschlag nicht genügt.

Der Sidecar ist vielleicht der berühmteste Brandy-Cocktail der Welt.
Der Sidecar ist vielleicht der berühmteste Brandy-Cocktail der Welt.

Ist Cointreau Pflicht?

Ja. Zugegeben: Wir sind sonst immer der Ansicht, dass man im Cocktail praktisch keinen Unterschied zwischen Cointreau und einem guten Triple Sec schmeckt. Aber hier tut man es – er ist eine von nur drei Zutaten und muss sich gegen Zitrone und jede Menge Cognac durchsetzen, in einem Shortdrink ohne Eis. Geschmacklich ergibt der Einsatz von Cointreau hier also absolut Sinn. Vor allem weil sämtliche Rezepte tatsächlich nach genau ihm verlangen. Das bedeutet wohlgemerkt nicht, dass ihr euch nicht auch mal heimlich einen Sidecar mit Triple Sec mixen dürft – der wird immer noch der Hammer. Nur eben nicht der Oberhammer!

Zuckerrand und Zitronen

Ihr legt Wert auf den Zuckerrand? Dann reibt zunächst den Glasrand mit Zitrone ein und drückt den Glasrand dann in einen Teller voller Zucker. Achtung: Funktioniert natürlich nur, BEVOR ihr den Cocktail ins Glas schüttet. Wir sagen das nicht, weil der Autor das im Test (mehrmals!) verpeilt hätte. Sondern nur so. Unabhängig davon: Hat das Glas einen Deko-Rand solltet ihr besonders vorsichtig eingießen – sonst schwappt es euch den ganzen schönen Zucker weg. Wir finden ihn übrigens gut – die French School-Variante (1:1:1) wird damit aber zu süß.

Was die Zitronen angeht: Nein, es gibt keine Alternative zu frischgepresstem und nein, Limetten tun’s nicht. Damit wird der Drink zu sauer-karibisch – wir möchten aber eben das Mondäne aus ihm herauskitzeln, das Zurückhaltende. Denn das macht diesen Drink aus: Er ist so erfrischend-belebend wie eine Margarita oder ein Daiquiri, dabei aber erwachsener, ernster. Und das sogar mit Zuckerrand. Man kann ihn trinken, während man ein gutes Buch liest oder sich über Schachzüge unterhält und will dazu kein bisschen tanzen. Naja. Höchstens ein bisschen.

Die Amazon.de-Einkaufsliste für den Sidecar

JohannTrasch

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