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Cucumis: Limonade aus Lavendel

Cucumis Lavendel in einem sauleckeren Aviation Fizz - ein spritziger Twist des Cocktail-Klassikers.
Cucumis Lavendel in einem sauleckeren Aviation Fizz - ein spritziger Twist des Cocktail-Klassikers.

Lavendel-Limo. Klingt nach Seife und sieht aus wie Alkopops für Mädchen. Wir geben ehrlich zu: Wahrscheinlich hätten wir die lila Limonade gar nicht erst angefasst, wenn sie nicht von Cucumis stammen würde. Den Leuten, die uns schon mit einer grotesk leckeren Gurkenlimonade beglückt haben, die sich auch ohne Chinin wunderbar im Gin Tonic macht. Cucumis Lavendel ist … anders. Pur sehr süß und im Gin Tonic stark vom Gin abhängig. Aber was man damit als Filler in Cocktails anstellen kann – oh là là!

Lavendel in Cocktails

Wer mehr Hintergrund-Story zu Cucumis an sich sucht, findet das in unserem Artikel über die Gurken-Variante. Spannender ist an der Stelle ohnehin die Frage: warum Lavendel? Auch, wenn das duftende Blümchen in der Wahrnehmung vieler Cocktail-Genießer eher eine untergeordnete Rolle spielt: seit dem Beginn der Cocktail-Renaissance taucht Lavendel in immer mehr Drinks wie dem Lavender French 75 (Lavendelsirup, Gin, Zitronensaft, Chamapagner) auf. Lavendel-Produkte für den Cocktail-Markt erblicken das Licht der Welt, etwa Scrappys Lavender Bitters. Lavendel hat seinen Platz in ganz speziellen und besonderen Cocktails. Und das sind keineswegs alles „Mädchen“-Drinks, falls es sowas überhaupt gibt.

Ein Red Snapper (im Prinzip Bloody Mary mit Gin) profitiert in seiner Aromatik enorm von einer leichten Dosis Lavendel, wie wir beispielsweise im Marple and Stringer in Regensburg gelernt haben und knallt trotzdem ordentlich. Geschmacklich, nicht alkoholisch. Sake-Drinks vertragen ebenfalls diesen blumigen Hauch, sind aber zugegeben meist wirklich ein bisschen femininer. Aber genug Theorie: Wie schmeckt Cucumis Lavendel jetzt eigentlich?

Tasting: Cucumis Lavendel

Im Glas kommt das Lavendel-Cucumis mit einer schön anzuschauenden, hellen Fliederfarbe an, bleibt dabei feinperlig zurückhaltend. Schon in der Nase kommt der Filler irre süß daher. Noch bevor man den Duft klar als Lavendel identifizieren kann, erinnert er an Leckmuscheln und Brausebonbons, wirkt dabei leicht künstlich. Sobald dieser erste Schwall verfliegt, kommt die Blumigkeit in voller Pracht. Ganz sanft hintendran erschnuppern wir eine zitronig-herbe Note, die wohl von der Bergamotte stammt, die auch mit verarbeitet wurde.

Nase: Lavendel, Leckmuscheln, ein Hauch Bergamotte

Mund: Lavendel, Zitrone, 2 Kilo Süßigkeiten aus meiner Kindheit

Im Mund erscheinen Lavendel und dieser Hauch von Zitrone mit leichten Earl Grey-Anklängen dann auch gemeinsam und als erstes, bevor die starke, blumige Süße unseren Mundraum einmal komplett ausfüllt und im Nachgang nur noch den Lavendel und eine gewisse Zuckrigkeit hinterlässt. Klingt nach wenig und ist wirklich nicht besonders tief – stört uns aber nicht, sind andere Limonaden auch nicht. Was uns stört, ist die krasse Süße. Spannend aber: Cucumis Lavendel, in einem großen Glas voller Eis, also wirklich verflucht kalt und leicht verdünnt – das schmeckt Hammer, das erfrischt wie Sau. Geschmacksfazit also: Pur eher „Mäh“, gemischt eine tolle lila Nummer – und wenn’s nur mit gefrorenem Wasser ist.

Cucumis Lavendel in Cocktails

Was die Drink-Bandbreite angeht, ist beim Cucumis Lavendel aktuell leider noch nicht viel um: Klar kann man auch die lila Limo genau wie das grüne Cucumis mit Gin mixen und so einen Gin Tonic ohne Tonic, aber mit vielen neuen Aromen erschaffen. Funktioniert bei uns im Test eher durchwachsen – nur mit klassischen, etwas bittereren, intensiven London Dry Gins wie einem Tanqueray London Dry, einem Bombay Sapphire oder dem Juniper Jack kommt da etwas raus, das wir trinken würden. Zu blumige Gins wie ein Monkey 47 oder ein Hendrick’s schmecken in Kombi mit Cucumis Lavendel wie Blumenwasser.

Gewollt und gut ist das dagegen bei Kombinationen mit Champagner oder Sekt wie beim Lavendel-Champagner-Gin-Cocktail der Damen von welovehandmade.at.  Im Prinzip ein Lavender French 75 – nur eben mit Cucumis statt Lavendelsirup. Der Cocktail ist spritzig und frisch, optimal für die nächste Sommerparty. Wenn man auf die Brombeer-Eiswürfel verzichtet und stattdessen tiefgekühlte Rundkopfnägel ins Glas tut, sieht die Sache auch voll männlich aus. Aber der eigentliche Grund, warum wir von jetzt an und vielleicht für immer eine Notfall-Flasche Cucumis Lavendel im Kühlschrank haben, ist der Aviation Lavender Fizz – ein Twist des klassischen Aviation.


Das Rezept für unseren Aviation Lavender Fizz

Der Aviation ist ein Cocktail-Rezept, das der New Yorker Barkeeper Hugo Ensslin Anfang des 20. Jahrhunderts erfand. Ein Shortdrink aus Gin, Maraschino-Likör, Zitronensaft und Veilchenlikör, über den wir hier an anderer Stelle noch mehr schreiben werden. Was ihn auszeichnet: ein fruchtig-blumiges Aroma, das auf die erdige Bitterkeit aus Gin und Maraschino trifft. Etwas ganz ähnliches mit genau der gleichen Farbe erreichen wir mit unserem Aviation Lavender Fizz – für den wir den Veilchenlikör schlicht und einfach durch Cucumis Lavendel ersetzen:

  • 4 cl London Dry Gin
  • 1,5 cl Maraschino-Likör
  • 2 cl Zitronensaft
  • Cucumis Lavendel zum auffüllen

Alle Zutaten außer Cucumis Lavendel auf Eis hart shaken und in eine vorgekühlte Coupette oder einen Weinkelch abseihen. Mit der Lavendel-Limonade auffüllen. Trinken. Wir wollen uns ja nicht selbst loben (vor allem, weil die Idee eigentlich voll billig ist). Aber den haben wir schon gut hingekriegt.

JohannTrasch

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