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Cocktail-Party ohne Stress oder: Sei ein Schnaps-Nerd, kein Arsch!

Richtig krasse Cocktails mixen ist cool - solange du selbst und vor allem deine Gäste dabei Spaß haben.
Richtig krasse Cocktails mixen ist cool - solange du selbst und vor allem deine Gäste dabei Spaß haben.

Egal ob du dich Hobby-Mixologe, Freizeit-Bartender, Schnaps-Nerd oder Connaisseur nennst: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hast du schon einmal festgestellt, dass Partyplanung wesentlich anstrengender geworden ist, seit du dich diesem Hobby verschrieben hast: Statt Chips, Bier und der obligatorischen Kombi aus Gordon’s und Schweppes kaufst du plötzlich acht verschiedene Sorten Tonic Water und brauchst einen extra-Einkaufswagen für Zitrusfrüchte. Muss ja alles zu deiner exquisiten Auswahl an Premium-Gins passen und jede Kombi braucht ein ganz eigenes Garnish. Die perfekten Sets aus Gin, Filler und Obst druckst du später noch auf großen Karten aus, damit sich die Amateure unter deinen Freunden auch ja nicht vertun. Zitrone im Hendrick’s – pfrzt, Amateure! Aber damit bist du noch nicht einmal bei den richtigen Drinks.

Für die fängst du zwei Tage früher als sonst mit der Partyvorbereitung an, schließlich musst du noch Infusionen und Sirups vorbereiten (von denen du bereits ahnst, dass die Hälfte übrigbleiben wird, weil wieder keiner versteht, dass die guten Sachen so bitter/sauer sein MÜSSEN). Du verbringst ungefähr vier Stunden damit, einen Behälter zu konstruieren, mit dem du kristallklares Eis in deinem winzigen Kühlfach herstellen kannst (das du auf der Party selbst nur mit viel Glück in sehr hässliche Brocken zerteilt kriegst, ohne dir die Finger zu zerhacken). Für den Fall dass es besonders gut läuft, brauchst du auch noch 12 neue Martini-Gläser – du hast zwar eigentlich genug, aber die sind alle unterschiedlich. Was sollen denn da die Leute denken?

Wir verraten dir jetzt ein kleines Geheimnis: die denken sich gar nix. Und du spinnst.

Lerne von echten Bartendern

Richtige Bartender, Gastronomen also, die von dem leben, was du und auch wir als Hobby betreiben, die predigen seit deutlich über 100 Jahren immer wieder dasselbe: Es geht um den Gast. Nicht um die Drinks und nicht um dich. Gut, zugegeben: Bei deiner eigenen Party geht es ein bisschen um dich. Trotzdem: Wenn du mehr darauf achtest, dass es deinen Gästen gut geht, dass jeder irgendetwas zu trinken und zu futtern findet, dass ihn ein kleines bisschen glücklich macht, dann wird deine Party wahrscheinlich ein großer Erfolg. Wenn du den ganzen Abend versuchst, der armen Ilse, die sonst nur Hugo trinkt, furztrockene Genever-Martinis anzudrehen, vielleicht nicht.

Wer daheim ein guter Gastgeber sein will, schaut sich möglichst viel von den professionellen Gastgebern ab - und zwar nicht nur Mix-Techniken.
Wer daheim ein guter Gastgeber sein will, schaut sich möglichst viel von den professionellen Gastgebern ab – und zwar nicht nur Mix-Techniken.

Wie die echten Bartender müssen auch wir Küchen-Mixer irgendwann lernen, dass wir anbieten und beraten können, aber niemals aufdrängen sollten. Wir haben da allerdings auch einen gewaltigen Nachteil gegenüber den professionellen Tresen-Virtuosen: An fünf von sieben Tagen lernen die am Gast, was wem schmecken könnte und wie man ohne überheblich zu wirken erklärt, dass in einen Daiquiri gar kein Erdbeersirup gehört. Unser gewaltiger Vorteil aber: Wir kennen unsere Pappenheimer. Wir wissen, was sie mögen, können uns darauf vorbereiten und eins drauflegen. Und für die zwei anderen Schnapsnasen im Bekanntenkreis ein oder zwei Leckerlis zaubern.

Biete das an, was getrunken wird – und das, worauf du Bock hast

Du kennst deine Leute und du weißt, was sie mögen. Wenn deine  halbwegs so sind wie unsere, wird Bier im Zweifel sogar besser laufen als Cocktails, also sei dir um Himmelswillen niemals zu schade, zwei, drei gute Kästen hinzustellen, nur weil du seit zwei Jahren im siebten Mixology-Himmel schwebst. Wenn deine Crew Hugo und Aperol Spritz feiert, dann solltest du entweder das anbieten oder etwas, das genau in diese Richtung geht. An der Stelle ein kleines Geheimnis, so unter uns Klosterschwestern: Weil die ganze Hugo-Suppe in den meisten Läden, die sie anbietet, aus der Fertigflasche kommt, bist du im Zweifel schon der Bartender-Papst, wenn du halbwegs brauchbaren Sekt auf St. Germain kippst und frische Minze reinsteckst. Und für die Aperol-Gang bietest du einen Americano an: Campari, roter Wermut, Soda. Bäm, Bitter mit Wasser ausgeschenkt und Gesicht gewahrt.

Das sieht übrigens nicht viel anders aus, wenn’s etwa um einen Cuba Libre geht. Wenn du zwischen Cola und Rum noch einen dicken Spritzer frische Limette kriegst, bist du ganz offiziell in den oberen drei Prozent deutscher Großraumdisco-Bartender, Gratulation. Die Leute verlangen Mojito? Weil du für die Hugolinos eh Minze und guten Sekt kaufen musst, bietest du stattdessen einfach einen Old Cuban an. Gut, in den gehört eigentlich Champagner. Aber so gut befreundet seid ihr ja jetzt auch nicht. Worum’s am Ende des Tages geht: Gib den Leuten genau das, was sie wollen – und überrasche sie dann. Jetzt musst du nur noch aufpassen, dass der Abend auch für dich persönlich ein Spaß wird.

Ein Moscow Mule im Schluckspecht zu Bamberg.
Ein gut gemachter Moscow Mule macht deine Gäste meistens glücklicher als jeder Pancake-Fatwashed-Mezcal-Old Fashioned.

Keep it simple, aber geil: deine Cocktail-Karte

Klar willst du deine Gäste ein bisschen mit deinem Fachwissen und deinen hart antrainierten Amateur-Fähigkeiten beeindrucken. Je nachdem wie groß deine Fete wird, musst du aber aufpassen, dass du dich nicht übernimmst. Wenn du mehrere Drinks anbieten willst und am Ende auch möchtest, dass die Leute sie trinken, schreib eine Karte. Bei aller Effizienz, ein bisschen angeben muss schon sein. Generell gilt für deine Drink-Zusammenstellung aber wieder: Schau dir echte Bartender an – und übernimm ein paar ihrer Regeln.

  1. Arbeite kosteneffizient! Wenn du 30 Gäste erwartest, solltest du keine Whiskey Sours mit teurem Michter’s Bourbon mixen – greif zu guten, aber bezahlbaren Alternativen wie Four Roses oder Bulleit. Der teure Stoff ist für’s nächste Connaisseur-Meeting unter 10 Augen und die Gäste, die interessiert nachfragen.
  2. Arbeite schnell und sauber! Wenn du auf einen Schlag fünf Zombies in deiner Küche mixt, sieht sie danach wahrscheinlich aus wie ein Schlachtfeld und du bist eine Viertelstunde am Schaffen. Wenn irgendwas mehr als fünf Zutaten hat, schreibe es nicht auf deine Karte. Und gerührte und im Glas gebaute Drinks sind schneller und einfacher gemixt als alles, was du shaken musst.
  3. Kurze Karten sind besser als lange! Drei sehr unterschiedliche und extrem geile Drinks sind einfach sexier als zehn Cocktails, von denen du vier nur draufgeschrieben hast, damit du sie halt auch da hast. Das gilt übrigens auch beim Gin & Tonic: Zitronenzesten und Gurken als Garnish, zwei Tonic Waters, die Gins die du im Zweifel eh da hast, wenn dich dieser Artikel anspricht – mehr braucht echt keine Sau. Du feierst eine Party, kein Tasting.
  4. Der Drink muss dem Gast schmecken, nicht dir. Du probierst seit Monaten oder gar Jahren die absurdesten Cocktails und dein Gaumen hat sich an bittere, saure und rauchige Geschmacksnoten gewöhnt. Deine Gäste denken bei „Cocktail“ aber im Zweifel an süße Säfte. Das solltest du im Hinterkopf haben, wenn du deine Rezepte ausbalancierst – und sei dir nie zu fein, einen Drink nachzujustieren, wenn er dem Gast nicht schmeckt.
  5. Sei vorbereitet! Dieser Punkt braucht einen eigenen Absatz, so wichtig ist er:

Vorbereitung ist alles: Einkauf und Mis en place

Ein guter Gastronom kann grob abschätzen, welcher Drink wie gut geht und was der Abend bringt. Je nach Größe deiner Party musst du mit einem Plusminus von bis zu 10 Leuten arbeiten – und je nachdem wie gut du deine Freunde und Freudnesfreunde kennst, kannst du dir nie so ganz sicher sein, welcher Cocktail heute abend am besten ankommt. Weil du kosteneffizient, aber auch schnell und sauber arbeiten willst, musst du einerseits möglichst viel vorbereiten, willst aber andererseits möglichst wenig wegschmeißen. Beides erleichterst du dir, wenn du Drinks mixt, die bei aller Unterschiedlichkeit auf ähnliche Zutaten setzen. Plane beispielsweise nur Minze und Limetten als frische Zutaten ein, dann musst du keinen ganzen Kräutergarten anlegen. Finanziell lohnt sich das auch noch, weil du größere Packungen kaufen kannst.

Wenn du Säfte vorher presst, sparst du dir später Zeit (und Limettensaft wird über die nächsten Stunden eh erstmal besser, bevor er schlechter wird), aber plan besser eher mit der halben Menge und press später noch einmal nach, wenn du eine ruhige Minute hast. Irgendwer wird eh deine Zitruspresse ausprobieren wollen, den kannst du dann einfach mit der Kiste Limetten stehenlassen. Vorher abgezogene Limettenzesten für die Garnitur halten sich im Kühlschrank in der Tupperdose zumindest ein paar Stunden. Bietest du Drinks an, die ausschließlich aus Alkohol bestehen, kannst du auch die in einer sauberen Flasche vormixen – Martini, Martinez, Negroni, Bouelvardier – all das hält sich in der Flasche, auch ungekühlt und nach deiner Party.

Geht besser mit einem leichten Schwips (aber nicht mehr): Cocktailkarte schreiben.
Geht besser mit einem leichten Schwips (aber nicht mehr): Cocktailkarte schreiben.

Was würden wir anbieten?

Jetzt ist dieser Artikel für dich eventuell ein humoriger Weckruf oder ein guter Lacher, wenn du den überkandidelten Hobby-Bartender aus deinem Freundeskreis darin wiedererkennst – aber außer der Ansage „Sei kein Arsch und übernimm dich nicht!“ fehlt es noch an ganz konkreten Tipps. Die sind alleine schon deshalb schwierig, weil wir deinen Freundeskreis nicht kennen. Was wir machen können: dir sagen, was wir auf einer Party anbieten würden:

  • Old Cuban (Rum, Limettensaft, Zuckersirup, Angostura Bitters, Champagner – da tut’s aber auch ein guter Sekt, bevorzugt Winzersekt); Shaked
  • Broken Bird (Wodka, Trockener Wermut, Gurkensaft, Ginger Beer, Limettensaft, Ferdinand Bitters – Rubinette Apple – Lemon Thyme); Built in glass; Alternativ:
  • Moscow Mule (Wodka, Ginger Beer, Limette, Minze), Built in glass
  • Gin Tonic (Gins, was halt grade da ist; Gentleman’s Tonic und Fever Tree Indian als Tonic Water, Gurken und Limettenzesten als Garnish); Built in glass
  • Curaçao Ginger Ale (Triple Sec – bevorzugt solcher mit Cognac in der Rezeptur, Limettensaft, Ginger Ale); Built in glass
  • Auf Nachfrage: Old Fashioned, Martini & Negroni (alle gerührt)

Warum sieht die Karte so aus, wie sie eben aussieht? Mit dem Old Cuban haben wir nur einen geschüttelten Drink auf der Karte – ergo müssen wir den Shaker nicht nach jedem Cocktail ausspülen, aber können unsere sexy Moves zeigen (wir nennen die nur so – da ist nix, aber auch gar nix sexy dran, wie wir das machen). Der Broken Bird ist ein Drink, der in unserem Kreis zufällig gut geht, der Moscow Mule ist aber simpler und kommt wirklich überall gut an. Bei den Gin & Tonics kommt das Gentleman’s aus unserer Region – damit kann man überraschen. Das Fever Tree kennen und mögen die meisten. Die Kombi aus Triple Sec und Ginger Ale ist ein wahnsinnig gefälliger Longdrink, den kaum einer kennt – und der höchstens so kompliziert ist wie Gin Tonic und Moscow Mule. Das beste: Für alle Drinks auf unserer Karte braucht man nur Limettensaft, keine Zitrone, keine Orange; ergo müsst ihr keinen halben Obstkorb kaufen.

Weil wir aber selbst generell dazu neigen, uns im Laufe des Abends mal einen etwas stärkeren, klassischen Drink zu mixen (Schlag 19:45 Uhr!), stellen wir das Rührglas sowie ein paar Zitronen und Orangen für die Zesten bereit. Wenn wir mit den spannenden Sachen anfangen, springen nämlich erfahrungsgemäß entweder die zwei anderen Bildungstrinker aus dem Bekanntenkreis auf oder Menschen, „die schon immer mal einen Negroni trinken wollten“. Und im Rührglas (oder einfach einem großen Glas mit viel Eis) lassen sich Gerührte Drinks auch in dreifacher Ausführung zubereiten. Trotzdem muss man für diese kleinen Extras normalerweise nicht netzweise Zitrusfrüchte einkaufen, schließlich brauchen wir nur die Zesten – und die Spirituosen haben wir eh zu Hause. Wenn das bei euch nicht der Fall ist: Mixt euch Old Fashioned-Varianten mit eurer Lieblingsspirituose. Das geht faktisch immer – genau wie gute Gastfreundschaft.

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Der bekannte Bartender Jeffrey Morgenthaler mixt für seine Kumpels gerne mal kanisterweise Margaritas vor. Kann man machen – aber der darf auch oft genug hinter Tresen glänzen und muss nicht mehr angeben.

 

JohannTrasch

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