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Wir testen 7 Fertigcocktail-Marken von "Kenn' ich aus dem Supermarkt!" bis Fass-veredelt.
Wir testen 7 Fertigcocktail-Marken von "Kenn' ich aus dem Supermarkt!" bis Fass-veredelt.

Fertigcocktails im Test: Sind sie wirklich so schlecht, wie alle sagen?

„Schmecken diese Fertigcocktails aus dem Supermarkt eigentlich? Kann man die trinken?“ Wir werden das vergleichsweise häufig gefragt – von Lesern wie Freunden. Und warum auch nicht? Ein gut gemachter Drink ist etwas tolles – und wenn man den für 3 Euro und ohne Arbeitsaufwand zu Hause aus dem Kühlschrank zaubern kann, warum sollte man es dann nicht machen? Ja, wir hören an dieser Stellen einen Teil der Hobby-Mixologen und Gastronomen schreien: „Cocktails aus dem Kühlregal, Whisky-Cola aus der Dose, vorgemixter Gin Tonic, giftgrün leuchtende Swimming Pools aus der Flasche – das kann doch alles gar nichts taugen ohne frische Säfte und niemals so geil schmecken wie frisch vom Brett!“

Die Produkte für diesen Artikel wurden uns von den Herstellern auf Anfrage zur Verfügung gestellt. Mehr Infos dazu am Ende des Textes.

Jetzt könnten wir diese Argumentation einfach mal mitgehen, schließlich haben wir oft genug abgefüllten Zitronensaft gegen frischen getestet, um zu wissen: das ist einfach nicht dasselbe. Wir haben sogar recht lange überlegt, ob wir diesen Artikel überhaupt machen sollen. Von wegen Street Cred und so. Aber auf Produkte einzudreschen, ohne sie je probiert zu haben – das ist dann kein kritisches Nachhaken mehr, sondern blanker Snobismus. Vor allem aber hatte uns selbst die Neugier gepackt. Wir glauben: Wer über Whisky, Rum und Gin für 30 bis 80 Euro schreibt, der sollte auch wissen, wie Übersee-Rum, Aldi-Gin oder Bourbon aus der Literflasche für 12 Euro schmeckt, um Qualitätsunterschiede beurteilen zu können. Und wer über Cocktails aus Deutschlands besten Bars schreibt und selber gelegentlich mal über sich als Hobby-Bartender spricht, der sollte auch wissen, wie das Zeug schmeckt, das sich jeden Freitagabend Tausende Cocktail-Fans in ganz Deutschland aus dem heimischen Kühlschrank holen.

Also haben wir uns aus dem mittlerweile recht großen Feld der Prebatched-Drinks sieben Fertigcocktail-Marken recherchiert und getestet. Darunter sowohl bekannte Marken aus dem Supermarkt als auch Start-Ups und kleinere, regionale Hersteller. Manche industriell abgefüllt, andere in Handarbeit. Manche für den Genuss pur aus der Flasche, einige zum Trinken auf Eis, andere zum sippen wie eine hochwertige, pure Spirituose. Wir wollten wissen: Was können die, die man kennt und was gibt es sonst noch an Möglichkeiten, wenn man sich den nächsten Cocktail genauso gemütlich auf der Couch in den Hals schütten will wie das nächstbeste Bierchen?

Unsere Test-Kriterien

Die hier vorgestellten vorgemixten Cocktails unterscheiden sich teils sehr stark in Grundidee, Rezeptur und Zielgruppe. Oaked Cocktails beispielsweise bestehen fast ausschließlich aus Alkohol und werden in Fässern nachgereift, Marc & Philipp-Drinks dagegen bieten besonders beliebte Cocktails mit starkem Fokus auf unkomplizierten Genuss für anspruchsvolle Cocktail-Genießer und Cocktail Plant setzt auf süßere, knalligere moderne Klassiker wie den Swimming Pool, die bei den Fans von Oaked-Drinks wahrscheinlich eher ein Kopfschütteln verursachen. Nur müssen Sie deshalb noch lange nicht schlecht sein. Für uns ergibt es durch die starken Unterschiede schlicht und ergreifend keinen Sinn, die einzelnen Cocktail-Marken und -Sorten untereinander zu vergleichen – sie sind zu unterschiedlich.

Trotzdem wollen wir das ganze natürlich kritisch angehen: Wir schauen im Test daher sowohl auf Qualität und Zutaten, natürlich auf den Geschmack und die Optik, aber vor allem auch auf die Usability: Wer einen Fertig-Cocktail möchte, der will es unkompliziert und möglichst einfach, aber trotzdem nicht auf gewohnt gute Drinks verzichten. Ist Vorbereitung notwendig oder zusätzliche Zutaten, kann ich mir den Drink schließlich auch gleich selber mixen. Was wir uns im Zuge dessen nicht angeschaut haben: die Alkoholfreien Varianten, wo vorhanden. Nicht unsere Baustelle. Jetzt, wo das geklärt ist: Los geht’s!

Shatler's stellt uns für den Test die sechs Sorten Tequila Sunrise, Havanna Special, Pina Colada, Mai Tai, Sex on the Beach und Long Island Iced Tea zur Verfügung.
Shatler’s stellt uns für den Test die sechs Sorten Tequila Sunrise, Havanna Special, Pina Colada, Mai Tai, Sex on the Beach und Long Island Iced Tea zur Verfügung.

Shatler’s Cocktails

Shatler’s ist wahrscheinlich eine der bekanntesten Marken in diesem Segment: Wer gelegentlich in Metro oder Edeka unterwegs ist, kennt die dosenförmigen Behältnisse, die ähnlich aufgebaut sind wie ein Tetrapack. Die Dosenform ist es dann vielleicht auch, die so manchen Genießer abschreckt; schließlich verbindet man damit die Gin-Tonic– und Whisky-Cola-Dosen von der Tankstelle, die nun so gar nicht zum Bild eines genussorientierten  Prebatched-Drink-Konzepts passen. Tatsächlich aber sollen die recycelbaren CartoCans einfach für weniger Flaschen-Verbrauch sorgen und durch das blickdichte Behältnis den Cocktail im Inneren besser konservieren.

Wie die meisten anderen Hersteller auch, erklärt Shatler’s auf seiner Webseite, dass nur hochwertige Spirituosen und Mixer in den Drinks zum Einsatz kommen, nennt diese aber nicht explizit. Daher muss man sich auf den geschmacklichen Eindruck verlassen, um die Qualität zu überprüfen. Wirtschaftlich vielleicht ein nachvollziehbarer Schritt, allerdings in Sachen Transparenz ein kleines Manko. Wohlgemerkt aber eins, dass Shatler’s mit anderen Herstellern teilt. Kommen wir also lieber mal zu den Test-Kriterien, die die Drinks unterscheidbarer machen.

Shatler's-Cocktail sollen in Gläsern mit 400 ml Fassungsvermögen und mit 200g Crushed Ice zubereitet werden.
Shatler’s-Cocktail sollen in Gläsern mit 400 ml Fassungsvermögen und mit 200g Crushed Ice zubereitet werden.

Usability: Shatler’s Drinks sind für den Einsatz in einem Glas mit exakt 400ml Füllmenge und 200 Gramm Crushed Ice vorgesehen. Das ist so erstaunlich präzise formuliert, dass es uns erstmal etwas einschüchtert. Wir wissen rein zufällig bei einigen unserer Gläser die Füllmenge, der Durchschnitts-Zuhause-Genießer aber eher nicht. Eis abwiegen wäre aber auch für uns neu. Zur Entwarnung: In ein 400ml-Gefäß passen auch tatsächlich ungefähr 200 Gramm Crushed Ice hinein. Trotzdem erstmal umständlich – zum Glück funktionieren die Drinks aber natürlich auch mit etwas mehr oder weniger Eis. Eiswürfel haben sich im Test aber tatsächlich als kleiner Geschmacks-Nachteil erwiesen. Hier hilft etwas eiskaltes Wasser über dem Drink. Für den Genuss beim Zelten, auf dem Festival oder schlicht für unterwegs sind Shatler’s bedingt durch die Eis-Abhängigkeit etwas unpraktisch.

Geschmack: Unerwartet nahe an den originalen Drinks. Man merkt im Geschmack je nach Sorte deutlich, dass Shatler’s versucht, etwas anspruchsvollere Genießer und den Wald-und-Wiesen-Cocktail-Reinschütter unter einen Hut zu bekommen. So hat der Tequila Sunrise tatsächlich klar erkennbare Agaven-Noten, der Mai Tai schmeckt nach Rum und Orgeat, statt nach weißem Bacardi mit Saft, wie man es hätte erwarten können. Der Havana Especial fällt etwas zu süß aus, der Long Island Iced Tea hat etwas von Zitronentee, die Pina Colada ist enorm Ananas-lastig und etwas dünn. Insgesamt sind die Drinks kein Ersatz für frisch gemixte Varianten aus gehobenen Bars – aber tatsächlich sind Sorten wie Mai Tai und Tequila Sunrise merklich besser als die meisten Drinks, die wir bisher an irgendwelchen Stadtstränden oder im All-Inclusive-Urlaub serviert bekommen haben. Und deutlich günstiger.

Preis: 2,99 pro 200 ml Drink. Guter Deal.

Wo gibt’s das: Im Netz unter shop.shatlers.de und in gehobenen Supermärkten

Unsere Tasting-Fläschchen von Oaked mit den Drinks Vesper, El Presidente, Old Toms Port. Skye Fashioned und Old Fashioned.
Unsere Tasting-Fläschchen von Oaked mit den Drinks Vesper, El Presidente, Old Toms Port. Skye Fashioned und Old Fashioned.

Oaked Cocktails

Diverse Cocktailbars probieren sich derzeit an der Fassreifung nicht nur eigener Spirituosen, sondern ganzer Cocktails: „einfach“ alles in größerer Menge vormixen und dann im kleinen Eichenfass nachreifen lassen. Oaked Cocktails macht genau das auch, aber im großen Stil und mit einer ganzen Palette an Drinks, die aus technischen Gründen natürlich alle fast ausschließlich aus Alkohol bestehen. Der Endkunde kauft sich eine 0,5-Liter-Flasche und entscheidet sich zu Hause, ob er seinen fassgereiften Sazerac, Old Fashioned oder El Presidente nun pur wie eine einzelne Spirituose oder klassisch auf Eis genießen möchte.

Auch Oaked gibt die genauen Hersteller und Marken seiner Zutaten nicht an (die Zutaten an sich allerdings sehr wohl), aber weil die Drinks aber rein aus alkoholischen Zutaten bestehen und auf der Webseite zu jeder Sorte ein etwas ausführlicherer Text zu finden ist, bekommt man zumindest eine grobe Ahnung von dem, was man da in der Flasche hat. Etwas mehr Transparenz wäre trotzdem gerade bei so gehobenen Drinks schön – vor allem weil der Anteil der Kunden, die sich selbst ein Eichenfass kaufen und die Drinks nachbauen würden, im Promillebereich liegen dürfte. Wahrscheinlich sogar darunter.

Usability: Flasche auf, Drink ins Glas, fertig. Manche der Sorten funktionieren besser auf Eis, andere lassen sich eher zimmerwarm genießen. Ein Schluck direkt aus der Flasche wie bei Cocktail Plant oder Marc & Philipp kommt allerdings nur für die ganz Harten infrage. Bedeutet im Umkehrschluss aber auch: für den richtigen Genuss braucht man ein Nosing-Glas oder einen Whiskybecher inklusive Eiswürfeln. Das ist beim Genießen zu Hause freilich nur selten ein Problem, Outdoor-tauglich sind die Drinks damit aber nur bedingt. Also gut, für uns schon, weil wir nicht ohne Nosing-Glas zelten gehen. Damit sind wir aber wohl eher ein Sonderfall.

Geschmack: Die vier Varianten die wir probieren durften, zeigten jeweils starke Ähnlichkeiten mit ihren Basis-Spirituosen. Weil wir hier nur Samples hatten, konnten wir zwar nicht viel herumprobieren, waren jedoch mit den „Zubereitungs-Arten“ unserer Fertig-Drinks zufrieden: den Vesper rührten wir wie einen „richtigen“ Martini auf Eis und tranken ihn aus dem vorgekühlten Martiniglas – schönes Ding, sehr rund und samtweich. Der Old Fashioned, den wir auf Eis trinken, hat eine ganz leichte Klebstoffnote, die aber schnell verfliegt – danach ist auch er schön rund. Der Skye Old Fashioned ist genau richtig rauchig, der Old Tom’s Port (Gin, Port, Triple Sec, Zucker, Bitters) zum aufgießen mit Tonic Water ist ein trocken-fruchtig-spritziger Kontrast. Insgesamt sind die Drinks durchaus auf Augenhöhe mit guten Bars und durch die Fasslagerung insgesamt etwas bekömmlicher und weicher. Dadurch sind sie deutlich mehr als nur ein Ersatz, weil man Samstagabend keine Hose mehr anziehen will.

Preis: 36 Euro für 500 ml, den Old Tom’s Port gibt’s für 29. Das wirkt teuer, ist aber bedingt durch die Fasslagerung und den reinen Alkohol-Mix gut begründet. Vor allem aber sind Oaked-Cocktails das wert.

Wo gibt’s das: Auf oaked.de.

Marc & Philipp schickten uns die Sorten Vodka Lemon, Moscow Mule, Gin Tonic, Sie nannten ihn Mücke und Dark and Stormy zum Probieren.
Marc & Philipp schickten uns die Sorten Vodka Lemon, Moscow Mule, Gin Tonic, Sie nannten ihn Mücke und Dark and Stormy zum Probieren.

Marc & Philipp

Unkompliziert und ehrlich wollten es die Jungs von Marc & Philipp. Deswegen heißt ihr Unternehmen wie sie und deswegen ist ihnen herzlich egal, ob ihr die Drinks auf Eis genießt oder sie direkt aus der Flasche trinkt. Beide sind Gastronomen (Philipp Bartender, Marc Koch und Metzger) und bieten in Ihrem Startup auch Lohnabfüllungen an, konzentrieren sich aber vor allem auf ihre Prebatched Drinks. Im Programm: die üblichen Longdrink-Klassiker, die man aus der Bar, aber auch von der Konkurrenz von Shatler’s oder Cocktail Plant kennt: Dark and Stormy, Gin Tonic, Moscow Mule, Cuba Libre.

Der Unterschied: Die Jungs stehen selber in der Küche, pressen Zitronen kurz vor der Abfüllung frisch aus und nennen bei den meisten ihrer Drinks die tatsächlich verarbeiteten Spirituosen, darunter Bulldog Gin und Reisetbauer-Brände. Nur bei den Rum-Sorten erfährt man ähnlich wie bei der Konkurrenz lediglich das Herkunftsland. Transparenz, frische Zutaten, Unkompliziertheit, ein leichter Hauch von Hipster-Charme und Gastro-Background – klingt erstmal gut. Jetzt müssen die Dinger nur noch schmecken.

Usability: Wer einen Kronkorken mit Feuerzeug, zweiter Flasche, Bierkasten oder den Zähnen aufmachen kann, der kommt praktisch überall an das Innere seiner Marc & Philipp-Flasche und kann die Cocktails – sofern sie gekühlt waren – auf Wunsch sogar direkt aus der Flasche süffeln. Hier geht die Usability jedoch fließend in den Geschmackstest über: Egal wie kalt die Drinks sind, aus der Flasche schmecken sie allesamt recht intensiv nach ihren alkoholischen Grundzutaten und wirken stärker als sie sind. Das muss man mögen – so oder so finden wir sie im Geschmackstest aber allesamt aus dem Glas auf ein paar Eiswürfeln deutlich angenehmer.

Geschmack: Echt und ehrlich. Der Gin Tonic schmeckt nach Gin Tonic, der „Sie nannten ihn Mücke“ – eine Whisky-Cola-Variante mit Earl Grey Tee – ist der absolute Wahnsinn und der Moscow Mule kommt ziemlich gut an einen frisch gemachten ran. Wohlgemerkt, kommt ran, denn: Auch, wenn die Jungs ihre Zitrus-Säfte frisch in die Flasche bringen, zu frischgespresstem Saft ist dann doch nochmal ein Unterschied. Das ist hier aber Meckern auf ganz hohem Niveau (vor allem, weil in der Praxis kaum jemand am See, beim Campen oder im Garten wirklich Limette in seinen Mule packt). Der Dark and Stormy hätte ein schärferes Ginger Beer vertragen, das dem intensiven Rum etwas entgegenhält, aber auch das ist Geschmackssache. Die Drinks sind rund und selbst für verwöhnte Barbesucher eine tolle Option für unterwegs und einen kleinen Vorrat für den Feierabend, wenn man zu faul zum mixen ist.

Preis: Marken-Spirituosen und kleine Produktionsmengen machen sich im Preis bemerkbar – zwischen 4,65 und 5,15€ müsst ihr für einen Marc & Philipp rechnen. Das entspricht ungefähr dem Happy Hour-Preis in einer Bar, die dann recht sicher keine so guten Drinks mixt. Lohnt sich also .

Wo gibt’s das? Auf marcundphilipp.de.

Von kukki probieren wir alle Cocktail-Sorten, namentlich Boston, Ladykiller, Mule, Sex on the Beach und El Presidente.
Von kukki probieren wir alle Cocktail-Sorten, namentlich Boston, Ladykiller, Mule, Sex on the Beach und El Presidente.

kukki Cocktails

Wer Readymade-Cocktails auf Eis genießen will, muss es zu Hause haben oder mitnehmen. Das war den Jungs von kukki aber zu kompliziert, zu viel Voraussetzung. Und weil die beiden aus dem Maschinenbau und der Elektronik kommen, können Sie nicht anders, als etwas zu erfinden, dass das Problem löst: Tiefgefrorene Cocktails in Flaschen – mit Eis. Klingt verstörend, ist aber die Wahrheit: Taut man kukki Cocktails auf, bleiben längliche Eiswürfel in der Flasche und kühlen euren Drink weiter, wenn der eigentliche Cocktail schon aufgetaut ist. Dadurch, dass das eigentliche Cocktail-Eis stärker verdichtet ist, als der umgebende Cocktail, taut es viel langsamer auf.

Das Konzept ist erfolgreich, wird regelmäßig in den Medien aufgegriffen – das Startup funktioniert durch den jugendlichen Charme außerdem hervorragend in den sozialen Medien. Inzwischen finden sich kukki Cocktails dann sogar in diversen Edeka- und Kaufland-Märkten. Mitbewerber in der sehr speziellen Nische? Bisher Fehlanzeige, vorher bleibt das Eis im Fertigdrink Alleinstellungsmerkmal. Beste Voraussetzungen. Also schauen wir uns das mal an:

Usability: Kauft man die kukkis im Shop und nicht im Laden, werden sie in Trockeneis geliefert, mit dem man Spaß haben kann, aber aufpassen muss. Will man die Flaschen nicht sofort austrinken, braucht man jetzt Platz im Eisfach – und da wird’s in der durchschnittlichen Studenten-WG oder Single-Bude schon schwierig. kukki-Partys feiert ergo nur, wer einen Eisschrank oder eine Tiefkühltruhe hat. Will man einen der Cocktails trinken, nimmt man ihn aus dem Kühlfach, packt ihn in warmes Wasser und schüttelt ihn ein paar Minuten später kräftig, wenn er Slushy-Konsistenz erreicht hat. Wer kein Wasserbad einlässt, wartet etwas 40 Minuten auf seinen Drink. Trinken lassen sich die kukkis dann nur mit dem Strohhalm – wer an der Flasche nippt, riskiert, sich an den länglichen Eisstäbchen zu verschlucken. Für Partys sind die Cocktails damit vielleicht etwas unpraktisch. Für einen Tag am See mit einer guten Kühltasche oder um auf den Spontanbesuch von Freunden oder der versoffenen Oma vorbereitet zu sein, sind die kukkis aber top!

kukki Cocktails brauchen nach der Zeit im Eisfach erstmal ein warmes Bad.
kukki Cocktails brauchen nach der Zeit im Eisfach erstmal ein warmes Bad.

Geschmack: Ähnlich wie Shatler’s versucht augenscheinlich auch kukki, zwischen Fans unkomplizierter Saft-Cocktails und eher Bar-orientierten Genießern zu vermitteln. Der El Presidente hat merkliche Rum-Noten, ist schön herb, nicht zu süß und angenehm fruchtig, der Boston aus Gin, Säften und Grenadine fruchtig, aber noch nicht überkandidelt.  Der Sex on the Beach schmeckt wie purer Saft, der Ladykiller nach Wodka-O – beides im Ehefrauentest irre lecker, aber nicht unser Fall. Der Mule dagegen ist wirklich etwas arg bitter und hat kaum Ingwer – er fällt leider raus. Geschmacklich sind die kukkis damit aber im Schnitt ordentlich. Weil man hier auf Party-Rezepte setzt, ist der Vergleich mit der gehobenen Bar schwierig – aber wer generell auf Boston und Sex on the Beach steht, wird hier keinesfalls enttäuscht. Den Gesamteindruck trüben nur die genau abgezählten Mengen Beeren und der Gurkenfetzen im Mule – das wirkt zu effizient und kühl für ein Produkt, das laut eigener Aussage auf frische Zutaten setzt und eher hip unterwegs ist. Vor allem, weil das Potemkinsche Beeren-Dorf auch kaum einer vermissen würde, wenn es ganz fehlte.

Preis: Um die 3 Euro für einen Cocktail mit frischem Eis zum mitnehmen an den See sind absolut fair – und die kleine Varianten-Auswahl trotzdem so breit gefächert, dass jeder was findet. Wer mit einem „Dem Connoisseur ist nichts zu schwör!“ an den See fährt, muss den anderen halt die El Presidentes wegsaufen.

Wo gibt’s das? Im Edeka oder Kaufland in eurer Nähe.

Cocktail Plant schickt uns für den Test die Sorten Swimming Pool, Zombie, Sex on the Beach, Swimming Pool, Long Island Iced Tea, Gin Tonic, Moscow Mule und Caipirol.
Cocktail Plant schickt uns für den Test die Sorten Swimming Pool, Zombie, Sex on the Beach, Swimming Pool, Long Island Iced Tea, Gin Tonic, Moscow Mule und Caipirol.

Cocktail Plant

Neben Shatler’s ist Cocktail Plant wahrscheinlich die bekannteste Ready-to-drink-Cocktail-Marke in Deutschland und lässt sich ebenfalls in vielen Supermärkten und beim Großhändler finden. Kleine Glasflaschen in oft  bunten Farben mit massentauglichen Klassikern wie Mai Tai, Zombie, Swimming Pool und Long Island Iced Tea. Weil die Marke zur Niehoffs Vaihinger Fruchtsaft GmbH gehört, betont man auf der Webseite zwar die Bedeutung der qualitativ hochwertigen Mix-Zutaten, verliert aber kaum ein Wort über die Spirituosen im Drink. Die spielen hier nur eine Nebenrolle, es geht um Feiern, Spaß und Gute Laune.

Entsprechend breit gefächert ist hier die Produkt-Palette, auch die Virgin Drinks haben hier einen sehr hohen Stellenwert. Die sind zwar nicht unser Fachbereich, aber wer nach ihnen sucht, ist bei Cocktail Plant gut aufgehoben. Der Facebook-Auftritt irgendwo zwischen Pick-Up und Innocent Smoothie lässt dann endgültig auf ein insgesamt eher jüngeres Publikum schließen. Untermalt wird das vom Youtube-Channel von Cocktailplant, der so wenige Besucher hat, dass man ihn dort wohl nie richtig beworben hat. Das könnte einen Grund haben …

Usability: Es geht um schnelle, unkomplizierten Cocktails ohne Vorbereitung. Cocktail Plant empfiehlt zwar den Genuss bei um die 4 Grad Celsius, generell sollen die Drinks aber aus dem Kühlschrank, auf Eis oder nach einer Stunde im Eisfach schmecken. Durch den Drehverschluss braucht man unterwegs nicht einmal mehr einen Flaschenöffner. Auspacken, Deckel drehen, eingießen. Zumindest bei den Longdrink-Varianten empfiehlt sich aber der Genuss aus dem Glas, damit die Kohlensäure mehr zur Geltung kommt. Anders als bei Marc & Philipp nehmen wir aber keine großen Geschmacksunterschiede zwischen Flasche und Glas wahr.

Geschmack: Alkohol lässt sich bei fast allen Cocktail Plants nur vermuten – im Vordergrund stehen stets die Säfte und Mixer. Der giftig-türkise Swimming Pool und der Zombie sind extrem saftlastig und ziemlich exakt so, wie man sie noch aus der Cocktail-Zeit von vor 15 Jahren kennt. Die Pina Colada ist sogar einen Hauch cremig in der Konsistenz, schmeckt schön nach Ananas und Kokos, lässt aber Rum nicht einmal erahnen. Lediglich der Gin Tonic und der Long Island Iced Tea lassen ihre Spirituosen ein wenig durchscheinen. Wohlgemerkt: all diese Drinks schmecken okay, sind trinkbar, solang man nicht besonders empfindlich auf Süße reagiert. Aber dass man hier gerade einen echten Cocktail mit richtigem Alkohol trinkt, merkt man erst, wenn man anfängt zu lallen.

Preis: Um die 2 Euro pro Cocktail sind sind etwas günstiger als der Standard in diesem Bereich, im  Set gibt’s sogar 4 für 6,99 Euro – Schnapper.

Wo gibt’s das? In Supermärkten oder online unter cocktail-plant-shop.de.

Im Probierpaket von Lufthansa Cocktails finden sich ein Negroni, ein Old Fashioned, der Pear Gimlet und der Classic Lufthansa Cocktail.
Im Probierpaket von Lufthansa Cocktails finden sich ein Negroni, ein Old Fashioned, der Pear Gimlet und der Classic Lufthansa Cocktail.

Lufthansa Cocktails

Cocktails vorbereiten und als Prebatched Drinks erst kurz vor dem Servieren zu finishen, diese Technik ist kaum jünger als der Cocktail selbst. Aber die ersten, die im ganz großen Stil Spirituosen vormixten, um sich später Zeit zu sparen, das waren Airlines. In der Mitte des 20. Jahrhunderts war Fliegen grotesk luxuriös und wie wir aus Mad Men wissen, hatte damals jeder, der sich einen Flug leisten konnte, auch praktisch immer ein Glas in der Hand. Um den Bedarf stillen zu können, ohne dass ständig vier Stewardessen mixen mussten, bereiteten die Airlines ihre Drinks vor. Bei der Lufthansa war das so erfolgreich, dass die vorgemixten Drinks auch außerhalb von Flugzeugen in Flaschen verkauft wurden.

2015 übernahmen die Spreewood Distillers (Stork Club Whisky, Butterbird Rum) die eingeschlafene Marke und nutzten ihren Bar-Erfahrung, um unter dem Label erneut vorgemixte Drinks zu schaffen, die dank klassischem Design an die Luxuriösität des Fliegens in den 50ern und 60ern erinnern sollen. Weil zu diesem Stil nur schlecht Tiki-Drinks oder Saftbomben passen, bestehen alle Lufthansa-Cocktails ausschließlich aus Alkohol und bewegen sich damit ganz deutlich im Bereich klassischer Drinks.

Usability: Flasche auf, Eis ins Glas, Cocktail rein. Wie fast alle klassischen Drinks sollten auch die aus der Lufthansa-Flasche möglichst kalt genossen werden – also entweder on the rocks getrunken oder wenigstens ausgiebig auf Eis gerührt werden. Anders als etwa bei einigen der Oaked-Varianten empfiehlt sich der Genuss bei Zimmertemperatur eher nicht. Die Aromen sind dann zu kompakt und nicht auf die spaßige Art. Lufthansa-Drinks sind damit also eher was für den gemütlichen Feierabend-Drink zu Hause als für’s Picknick. Zumindest, wenn ihr nicht wie wir zu jedem Picknick Eiswürfel mitschleppt. Einen eiskalten Negroni am heißen Strand können wir nur empfehlen.

Geschmack: Lufthansa Cocktails setzt auf eine Mischung aus Klassikern und klassisch angehauchten Drinks. Der Pear Gimlet mit Birnenbrand ist irre wuchtig, sehr frisch und dabei kräftig, ein toller Drink für Martini-Fans. Der Negroni ist uns im Test ein wenig zu bitter, aber wer schon immer mehr auf der Campari-Seite dieses Klassikers stand, wird ihn lieben. Der Old Fashioned hat einen ausgeprägten Sherry-Duft und ist ein bisschen weit weg vom klassischen Whisky-Cocktail, aber trotzdem sehr angenehmen zu trinken. Das einzige was diesen Drinks fehlt, sind all die Dinge, die man eben nicht mit abfüllen kann. Eine Orangenzeste im Old Fashioned oder Negroni etwa – aber die kann und sollte man dazupacken.

Preis: 25 bis 40 Euro pro Flasche klingen happig, vor allem wenn man nicht weiß, welche Spirituosen verwendet wurden. Aber die Drinks sind weich und qualitativ hochwertig und kommen in der 0,7-Liter-Flasche. Da kann man schlecht meckern.

Wo gibt’s das? Auf lufthansa-cocktail.com und in diversen Online-Shops.

Bottled Cocktails in den Geschmacksrichtungen Bottled Happyness (Ingwer), Bottled Love (Erdbeer) und Bottled Peace (Maracuja).
Bottled Cocktails in den Geschmacksrichtungen Bottled Happyness (Ingwer), Bottled Love (Erdbeer) und Bottled Peace (Maracuja).

Bottled Cocktails

Serial Entrepeneure, Big Player aus der Gastro, Startups ehemaliger Bartender – man könnte meinen, die Welt der Fertig-Cocktails besteht aus denselben üblichen Verdächtigen wie die „normale“ Spirituosen-Branche auch. Also haben wir uns während der Recherche auch auf die Suche nach einem kleineren, eher lokal orientierten Hersteller gemacht. Gefunden haben wir Bottled Cocktails: Kumpels aus Düsseldorf, die neben dem Job genau die Drinks zusammengemixt haben, die ihnen schmecken und die dabei keine Rücksicht darauf genommen haben, ob sich die Drinks jetzt besser verkaufen würden, wenn man ihre Namen schon mal gehört hätte.

Mit den drei Sorten Bottled Love, Bottled Happyness und Bottled Peace geht man trotzdem einen sehr sicheren Weg – die Drinks bestehen jeweils aus Wodka oder Gin, Saft und Limette und sind mit Kohlensäure angereichert. Auch die verwendeten Spirituosen werden wie so oft nicht genannt, laut Webseite kommen dafür frische Säfte und keine künstlichen Aromen oder Konservierungsstoffe in die Flasche. Trotz der simplen Rezepte finden sich in allen anderen getesteten Produkten keine Drinks nach denselben oder ähnlichen Grund-Rezepturen – damit ist Bottled Cocktails vielleicht genau eure Anlaufstelle, wenn bisher nichts für euch dabei war.

Usability: Deckel aufdrehen, Cocktail eingießen und trinken. Das Grundprinzip kennt ihr jetzt von Cocktail Plant und Marc & Philipp. Anders als letztere kann man Bottled Cocktails aber tatsächlich ganz ordentlich aus der Flasche trinken, ohne dass man von der Wucht der Grundspirituose übermannt wird. Dafür sollten sie allerdings wirklich möglichst kalt sein, für unterwegs packt ihr sie also auf jeden Fall auf viel Eis in die Kühltasche. Und generell gilt: Auch, wenn der Unterschied nicht groß ist, schmecken die Drinks aus dem Glas doch noch ein wenig besser.

Geschmack: Bottled Cocktails sind geschmacklich nicht super-komplex, aber lecker und anders. Der Bottled Happyness (Gin, Ingwer, Limette) ist erfrischend und enthält eindeutig Gin, es fehlt ihm nur ein wenig Ingwerschärfe. Der Bottled Peace mit Wodka und Maracuja schmeckt wie eine leckere Maracujalimo, lässt den Alkohol aber nur erahnen. Überraschender Favorit unter den Bottleds ist der Bottled Love mit Erdbeere und Vodka. Wer sich noch an den Erdbeer-Limes von früher erinnert: hat nichts damit zu tun. Viel weniger süß, genau richtig kräftig, erdbeerig, frisch, spritzig. Richtig schönes, fruchtiges Zeug das.

Preis: 3,50 Euro pro Flasche sind etwas teurer als die Konkurrenz, was wohl den noch kleineren Produktionsmengen geschuldet ist. Insgesamt aber immer noch sehr fair.

Wo gibt’s das? Auf bottleworld.com!

Unser Fazit: Was können Fertig-Cocktails?

Unser Test ergibt relativ eindeutig: Sobald frische Zutaten im frisch gemixten Drinks sind, merkt man einen Unterschied zur abgefüllten Variante, das gilt sogar für Produkte mit ursprünglich frischen Zitrussäften wie Marc & Philipp. Trotzdem sind unter den Prebatched Drinks Highlights, die einen nahezu gleichwertigen Ersatz bilden – und oft sogar weit mehr sind als das. Der „Sie nannten ihn Mücke“ von Marc & Philipp schlägt 98,7 Prozent aller Whisky Colas, die wir je probiert haben, der Moscow Mule ist wahrscheinlich besser als alles, was sich der Durchschnitts-Genießer zu Hause mixen würde. Der Bottled Love ist an einem lauen Sommerabend eine tolle, fruchtige Alternative zum immer gleichen Gin Tonic und endlich ein alkoholischer Erdbeer-Drink, der nicht schon beim angucken Sodbrennen verursacht. Vor allem erfüllen die Drinks aus unserem Test natürlich auch das Kernziel: unkomplizierten Genuss ohne (oder in einigen Fällen: mit wenig) Vorbereitung, ohne mixen, ohne Limettenpressen.

Allerdings merken wir deutlich, dass vor allem große Hersteller eher auf die breite Masse schielen und deshalb Drinks anbieten, bei denen man die Spirituosen eben nicht so stark herausschmeckt. Deutlich wird das vor allem bei Cocktails wie Mai Tai oder Zombie, die im Original geradezu nach Rum „stinken“, den man in der Fertig-Variante dann nur mit Konzentration erkennt. Das ist wirtschaftlich nichts schlechtes – es bedeutet lediglich, dass Fans von „Saft, der zufällig lustig macht“ in diesem Angebot eher fündig werden als Freunde der gehobenen Bar, auch wenn diverse Longdrinks im Test hier aus der Reihe fallen und eben doch spannende Spirituosen-Aromen mitbringen, allen voran bei Marc & Philipp, aber zum Beispiel auch beim Shatler’s Mai Tai. Fans klassischer, starker Shortdrinks dürfen dafür getrost auf Oaked und Lufthansa Cocktails setzen, die klassische Drinks mit Mehrwert bieten, die es durchaus mit den Bar-Varianten aufnehmen können. Vor allem, wenn man ihnen mit ein paar Zitronen- oder Orangenzesten noch einen kleinen Deko- und Frische-Boost verpasst. Also: Orangen einpacken. Und alles wird geil.

Alle hier genannten Hersteller haben uns auf unsere Nachfrage Produkte aus ihrem Portfolio für die Verkostung zur Verfügung gestellt. Die Kooperation entschied ausdrücklich nicht darüber, welche Produkte wir in den Artikel aufnehmen – hätte einer der Hersteller unsere Bitte abgelehnt, hätten wir sein Produkte aus der Redaktionskasse bezahlt, ohne dass das etwas an unserem Urteil geändert hätte. Keiner der Hersteller hat auf Art oder Umfang des Artikels oder das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

JohannTrasch

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