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Finest Spirits 2017 – die Spirituosen-Messe in München

Der Bar Truck der Whiskey Union auf der Finest Spirits 2017 in München.
Der Bar Truck der Whiskey Union auf der Finest Spirits 2017 in München.

Wir waren auf der Finest Spirits 2017 in München – einer Spirituosen-Messe. Ein Mysterium von Veranstaltung, bei der sich bekannte Bartender, Spirituosen-Produzenten und Schnaps-Genießer aus ganz Deutschland und der Welt im Münchner MVG-Museum versammeln, um gemeinsam neue Geschmackswelten zu entdecken, zu fachsimpeln und – ja auch das -, vorzuglühen. Die Finest Spirits war unsere erste Cocktail-Messe. Wer Cocktailbart.de eifrig liest, weiß: wir sind selbst noch relativ neu in der Welt gehobener Trinkkultur und dokumentieren hier eigentlich nur unseren Lernprozess – so auch in diesem Fall. Daher ist dieser Artikel nicht nur ein Artikel über die Finest Spirits – sondern auch einer über Spirituosen-Messen an sich.

Die Finest Spirits 2017: Klein, aber oho!

Die Finest Spirits fand im Münchner MVG-Museum statt – einem Museum für die 130 Jahre Nahverkehr in München. Die in der Halle verlegten Gleise nebst U-, Tram- und S-Bahnen passen erstaunlich gut zum Ambiente, die ganze Halle ist gemütlich, familiär. Wer „echte“ Messehallen gewohnt ist, findet’s klein. Nach den ersten 20 Minuten am erstbesten Whisky-Stand, in dem man abwechselnd den Bartendern, Brennern, Herstellern und Importeuren gelauscht, selber diskutiert oder einfach nur gerochen und probiert hat, wird aber klar: Wäre der Laden größer, käme hier niemand lebend wieder raus.

Denn am Ende geht es hier nicht nur um gute Gespräche unter Gleichgesinnten sondern darum, sich möglichst vielfältig durch das Angebot zu trinken. Das funktioniert so: Ihr bekommt zum Auftakt ein Verkostungsglas geschenkt, mit dem ihr euch an den Ständen einschenken lassen könnt. Damit ihr nicht überall dasselbe Glas benutzen müsst, tauscht ihr euer benutztes Glas zentral gegen ein frisches – oder wascht es einfach mit dem Gratis-Trinkwasser aus, das in Kühlschränken und Wasserspendern bereitsteht. Bei 20 Euro Eintritt ist aber sonst nicht viel mit Freigetränken und die vier Verkostungs-Gutscheine zum Ticket taugen zum warm werden, bergen aber keine Highlights. Für die müsst ihr zahlen. Auf der Messe-Seite wird das mit „Ab 2 Euro für 2 cl!“ angekündigt, das haben wir in der Praxis aber nur bei wenigen Ständen erlebt.

Das kosten Spirituosen-Messen

Zugegeben: Ein paar Stände, etwa der der Rum Nation halten sich akribisch an die 2 cl = 2 Euro-Vorgabe, andere Stände rufen Bar-Preise auf. So kostet so manches Gläschen Ardbeg deutlich über 10 Euro. Gerade kleinere Brennereien und Produzenten geben Ihre Spirituosen auch gratis raus, darunter etwa die sympathischen Jungs vom Heiland Bierlikör. Ferrand mit seinem gewaltigen Portfolio an Plantation und Clement-Rum kassiert einmalig 3 Euro und lässt euch dafür die ganze Palette probieren – dann natürlich nicht mit vollen 2 cl pro Probe. Der immense Vorteil: Dank fachkundiger Beratung und direktem Feedback – schmeckt, schmeckt nicht – könnt ihr euch so an eure Lieblings-Spirituose aus dem Angebot herantrinken.

Wer sich von den komplett überteuerten Sachen fernhält, muss auf dieser Messe keine Unsummen ausgeben, um neue Eindrücke zu sammeln. Wer sehr spezifisch auf eine Spirituosen-Sorte steht, fährt darüberhinaus gut mit den Masterclasses: Tasting-Runden mit je um die 5 Spirituosen, die stündlich stattfinden, mit versierten Brand Ambassadors, die alles Wissenswerte darüber erklären. Die 20 bis 30 Euro sind meist gut investiert, etwa beim Raritäten-Tasting mit Maggie Miller oder beim Testen der extrem rauchigen Bruichladdich-Whiskys mit Ewald Stromer.

Die Spirituosen-Bandbreite auf der Finest Spirits

Wer sich von einer Spirituosen-Messe besonders exotische neue Eindrücke erhofft, wurde auf der Finest Spirits ein bisschen enttäuscht. Das Bild bestimmten jede Menge Whisky und Whiskey (den dafür in jeder Ausprägung von japanisch bis schwedisch), vergleichsweise viel Rum, eine gute Portion Gin und gelegentlich Wodka. Das Thema des Jahres auf der Messe waren Liköre und Bitters, die aber gefühlt auch etwas unterrepräsentiert waren (Highlight: Heiland!). Dafür boten sie Underdogs wie „Bienenhof Pausch“ und generellen kleinen Herstellern eine tolle Präsentationsfläche.

Wer nach den Spirituosen suchte, die seit Jahren auf der „Wird bald ganz groß“-Liste stehen, muss genau hinschauen, wird aber fündig: Tequila, Mezcal, Pisco, Cachaça, Arrak, all das gibt es, aber auch nur in den seltensten Fällen häufiger als auf der einer ganz normalen, gut sortierten Barkarte. Die größte Auswahl südamerikanischer Spirituosen findest sich am Stand von Perola, die man hauptsächlich für den Compagnie des Indes Rum kennt, der natürlich ebenfalls in allen Varianten vertreten ist.

Lohnt sich der Besuch für mich?

Bevor wir aufgebrochen sind zur Finest Spirits hatten wir diverse Fragen, die leider weder die offizielle Webseite noch die gängigen Blog-Einträge dazu beantworten konnten – die entstanden entweder noch beim eher gemütlichen Pressrundgang (zu dem wir’s aus beruflichen Gründen leider nicht geschafft haben) oder als gemütlicher Tagesbericht mit dem Fokus auf einzelne Erlebnisse. Natürlich könnten wir euch jetzt erzählen, welcher Rum und welcher Whisky uns am besten geschmeckt haben – aber das holen wir lieber in umfangreichen Tastings nach. Viel spannender: Wir beantworten euch jetzt genau die Fragen, die wir im Vorfeld hatten – oder zumindest den Teil, der nicht schon im Text beantwortet wird:

Q: Wann sollte ich auf der Messe vorbeischauen?

A: Wer auf einen eher ruhigen Plausch mit Herstellern und Bartendern aus ist und keine Lust auf Gedränge hat: möglichst früh, zwischen 14.00 und 18.00 Uhr. Von 18.00 bis 22.00 Uhr ist’s zwar immer noch lustig, aber dann driftet die Sache vom Genießen langsam ins Vorglühen ab.

Q: Kann ich da auch Spirituosen kaufen?

A: An den meisten Ständen ja und in vielen Fällen auch mit mal mehr mal weniger großen Rabatten.

Q: Kann ich an den Ständen mit Karte zahlen?

A: Flaschen-Einkäufe in den allermeisten Fällen schon, ausgeschenkte Spirituosen nicht.

Q: Gibt’s da auch Cocktails?

A: Jip, alle paar Stände steht einer in Form einer Bar, um Filler oder Mix-Spirituosen in ihrer natürlichen Umgebung zu präsentieren.

Q: Wie verhindere ich, dass ich nach der ersten Stunde probieren umfalle?

A: Was essen: Die Futterstände auf der Finest Spirits waren okay, die Preise ange-Messe-n. Was trinken: Wasser gab’s gratis an jeder Ecke. Und was für später einpacken: Profis nehmen Fläschchen samt Etiketten mit und füllen ihre 2 cl-Proben ab, um daheim in Ruhe zu probieren.

Q: Fahrt ihr nächstes Jahr wieder hin?

A: Aber sichi, das.

JohannTrasch

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