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Liquid Director Gin-Abo: Zwischen Foodbox und Wacholder-Wundertüte

Die neue Suedmarie von Applaus Gin im Gin Tonic mit Schweppes Dry Tonic und Knalle Popcorn - der Inhalt der Liquid Director Box im Oktober 2017.
Die neue Suedmarie von Applaus Gin im Gin Tonic mit Schweppes Dry Tonic und Knalle Popcorn - der Inhalt der Liquid Director Box im Oktober 2017.

Gin-Abos gibt’s inzwischen wie Sand am Meer: Manch eine versendet einfach ohne Schnickschnack den Gin des Monats, andere versenden 0,1-Liter-Samples im Fünfer-Pack als Tasting-Sets mit bestimmten Themen. Die Box von Liquid Director geht einen etwas anderen Weg: Neben Gin und Tonic liegen der Box auch Tools, weitere Limonaden, Edel-Barfood oder Spirituosen-Samples bei – mal sinnvoll (ein Spiralschneider für Gurken-Garnishes in der August-Box), mal abgedreht (Gin-Socken – in der Oktober-Box; ohne Scheiß jetzt). Aber reicht das, um Abo-Gegner vom Gegenteil zu überzeugen und Abo-Freunde von ihrer Stammbox wegzuholen? Schauen wir’s uns an.

Die Box für diesen Beitrag wurden uns vom Liquid Director Club zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels. 

Was ist der Liquid Director Club und wie funktioniert er?

Die Abo-Box existiert seit Ende 2016 und auch wenn das Logo, der schnieke Auftritt und die Bezeichnung „Club“ recht edel klingen: Im Grunde verbirgt sich dahinter eben eine Gin-Abo-Box mit einigen besonderen Beigaben: Monatlich versendet Liquid Director ein Paket mit vorher nicht bekanntem wacholderlastigem Inhalt. Für die zahlt man pro Box den Festpreis von 49 Euro – oder nur 45 (dauerhaft!), wenn man den aktuell laufenden Rabbat-Code „gin4me“ benutzt (sollte man!). Zwar kann man sich aussuchen, wie oft man die Box nach Hause bekommen möchte – monatlich, zweimonatlich oder dreimonatlich – am Preis für das Einzel-Paket ändert sich dadurch aber nichts mehr. Lustig: Verschenkt man das Abo, wird der Preis je nach Abo-Länge durchaus geringer. Statt 294 Euro zahlt man dann für sechs Boxen 270 Euro (also so viel wie mit dem Gutschein), die Einzelbox (bei Geschenk-Option eine zufällige aus den bisherigen) kostet aber genauso 49 Euro.

Das man beim Kauf eines einzelnen Liquid Director-Pakets mal kräftig ins Klo greift, danach sehen die bisherigen Boxen nicht aus. Mit Gins wie dem Aquamarin, Breaks oder dem fabelhaften B my Gin beweist das Team einen recht guten Riecher für (noch) nicht allzu weit verbreitete Marken, die ihr Geld allerdings wert sind. Bei den Tonics setzt man mit Namen wie Thomas Henry, Fever Tree oder 1724 auf Sicherheit, nur gelegentlich kommt da ein spannender Querschläger wie das Weisswange Cucumber-Tonic oder die Balis-Basilikum-Limonade. Der Food-Anteil ist natürlich immer Geschmacksfrage – genau wie die Gins auch. Trotzdem lösen die bisherigen Barfood-Ideen wie Wacholder-Bonbons, Erdbeerschokolode und Beef Jerky zumindest ein recht starkes Will-ich-probieren-Gefühl aus.

Die gelegentlichen Gimmicks wie ein Diamant-Eiswürfelmacher, ein Basilikum-Anzuchtset oder ein Spiralschneider für Gurken sind zwar nichts, worauf man wirklich wartet oder sogar hofft – aber all das sind Sachen, die wir trotzdem sofort benutzen würden, wenn wir sie in der Box finden würden. Genauso, wie wir auch unsere Applaus-Gin-Socken aus dem aktuellen Paket tatsächlich tragen (also ich, der Autor; wir teilen keine Socken, wir sind nicht diese Art Freunde). Apropos aktuelles Paket: Zeit, dass wir mal reingucken.

Preis schlägt Style

Als wir in unsere Box gucken, fällt uns zunächst vor allem eins auf: das ist recht industriell zusammengepackt. Klar, der Karton ist gebrandet, aber die Flaschen liegen in Luftpolsterfolie ganz oben, Booklet und Socken einfach darunter. Das Booklet ist darüberhinaus auch nur recht knapp mit Infos zum Gin bestückt, für das Tonic liegt eine dicke Schweppes-Broschüre bei, das Knalle Popcorn muss ohne Begleitmaterial auskommen. Schaut man sich dazu im Vergleich etwa die Boxen von Tastillery oder Drink-Syndikat an, wirken die auf den ersten Blick edler. Dieser Pragmatismus lohnt sich aber und zwar nicht zu knapp. Dafür müssen wir nur mal einen Blick auf den Inhalt und seine eigentlichen Verkaufspreise werfen:

Der Inhalt der Box vom Liquid Director Club: Applaus Gin Suedmarie, zwei Flaschen Schweppes Dry Tonic, Applaus Gin Socken, Knalle Popcorn, ein Booklet und
Der Inhalt der Box vom Liquid Director Club: Applaus Gin Suedmarie, zwei Flaschen Schweppes Dry Tonic, Applaus Gin Socken, Knalle Popcorn, ein Booklet und Werbematerial.

Rechnen wir 34,50€ für den Applaus Gin Suedmarie, 4,50€ für Craft-Popkorn Malabar-Pfeffer Meersalz aus der Popkornditorei Knalle in Berlin, 8,45 € für abgefahrene Applaus-Gin Socken, um die 3 Euro für zwei 0,2-Liter-Flaschen Schweppes Dry Tonic – macht um die 50,50 statt der 49 Euro, die die Box kostet – wohlgemerkt versandkostenfrei in Deutschland. Jetzt mag man eine Ersparnis von 1,50 Euro für wenig halten, normalerweise schlagen solche Boxen allerdings dicke Margen drauf, um profitabel zu sein, statt uns Geld zu sparen. Ja, wir finden ein bisschen Chichi  schon auch geil. Aber dass jemand knallhart Preise verhandelt und sie dann ohne Schnickschnack an Endkunden weitergibt, ist mindestens so cool wie Chichi.

Die Oktober-Box: Applaus Gin Suedmarie, Schweppes Dry Tonic, Knalle Popcorn und Socken

Den eigentlichen Inhalt unserer Box finden wir gelungen: Klar, auf die Socken haben wir nicht gewartet – und wir hätten sie uns auch nie bestellt. Aber jetzt wo wir sie haben, finden wir sie geil. Die Suedmarie ist eine gute Wahl für die Box und eine, die wir in nächster Zeit sicher mal in einem eigenen Tasting näher beschreiben wollen – allerdings hätten wir auch nicht drauf rumgehackt, wenn uns der Gin nicht geschmeckt hätte, solange er qualitativ in Ordnung gewesen wäre – schließlich geht’s hier darum, Dinge zu entdecken, die man sonst nicht findet. Und erstmal nicht so sehr um unseren persönlichen Geschmack. Das Schweppes Dry ist ein noch relativ neues, sehr trockenes Schweppes-Tonic, das viele schlicht nicht anfassen wollen, weil Schweppes draufsteht. Ein Fehler, finden wir. Trotzdem ist DAS Supermarkt-Tonic Deutschlands in einer Überraschungsbox erstmal eine kleine Ernüchterung.

Ganz im Gegensatz zum Knalle Popcorn übrigens: Knusprig-lecker, mit einer für Popcorn absurd komplexen Aromen-Kombi aus buttrig, süß, salzig und pfeffrig. 4,50 Euro sind verflucht viel Geld für 100g Popcorn. Aber das Zeug ist das halt definitiv wert. Auch hier macht die Box genau das, was sie soll: Sie knallt uns etwas auf den Tisch, das wir wegen des hoch wirkenden Preises wahrscheinlich vorher nicht angefasst hätten. Braver Liquid Director Club.

Ach ja: Falls ihr Club-Mitglied werden wollt – hier geht’s lang.

Für diesen Artikel hat uns der Liquid Director Club freundlicherweise eine Box zur Verfügung gestellt. Darüberhinaus hat er aber weder Ansprüche an den Artikel gestellt, noch versucht, auf den Test Einfluss zu nehmen. Wir bedanken uns für die partnerschaftliche und unkomplizierte Zusammenarbeit 🙂

JohannTrasch

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