Cocktailbart » News & Guides » Von Highball bis Sour: Cocktailsorten erklärt

Von Highball bis Sour: Cocktailsorten erklärt

Cocktails in verschiedenen Größen, Farben und Formen.
Cocktails kommen in allen Größen, Farben und Formen.

„Highballs haben eine lange Tradition, fängt ja beim Old Fashioned an. Ich bin ja eh so der traditionelle Typ, auch wenn du mich mit einem guten Crusta natürlich kriegst. Einen Cobbler? Ne, lass stecken. Ich hab‘ heute schon gegessen?“ Wenn ihr dieses Gespräch an der Bar belauscht und grob wisst, dass es um Cocktailsorten geht aber mehr auch nicht, dann seid ihr nicht allein.

Wer gerade erst in die Welt der feinen Spirituosen und des Mixens einsteigt, kennt meist nicht mehr als die Standard-Rezepte und kann ein bisschen Buzzword-Bingo mitspielen, wenn’s um Drinks aus Mad Men geht. Das ist absolut okay, dafür muss man sich nicht schämen – aber irgendwann will man ja mal mitreden können. Deshalb erklären wir euch in diesem Artikel die wichtigsten Cocktail-Kategorien.

Grenzen zwischen den Cocktailsorten

Die Welt der Cocktails und Drinks ist nicht in starre Grenzen unterteilt: Ein Cocktail kann mehreren Kategorien angehören: Highballs sind meistens auch Longdrinks, ein Sling ist streng genommen ein Cobbler, sobald man ihn mit einer Ananas dekoriert und und ein Old Fashioned ist sowohl ein ganz spezieller Cocktail, als auch eine Unterkategorie von Shortdrinks.

Je nachdem, wen ihr fragt und was derjenige macht (saufen, klugscheißen, sein Geld als Barkeeper verdienen) werdet ihr leicht unterschiedliche Antworten auf eure Fragen nach Cocktailsorten bekommen – und auch wir wissen nur, was wir uns angelesen haben. Entsprechend erhebt dieser Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und auf Deutungshoheit. Aber er bietet einen guten Schnitt durch die Welt der Cocktails. Also steigen wir mal ein:

Longdrinks vs. Shortdrinks

Die einfachste Variante, Cocktails auseinanderzuhalten, weil sie sich an der Größe des Getränks orientiert. Kurz gesagt sind Shortdrinks alles, was ihr in einem Cocktailbecher (Martiniglas) serviert bekommt, das geht im Normalfall so bis 15 cl. Die Dinger bestehen meist fast komplett aus Schnaps und sind teilweise auch eisfrei, werden jedoch auf Eis gemixt. Old Fashioneds und Wodka Martini fallen in diese Kategorie.

Ein leckerer Margarita aus Tequila.
Ein leckerer Margarita aus Tequila.

Ein Longdrink ist der Logik folgend alles, was kein Shortdrink ist wird aber im Standard-Sprachgebrauch für alles verwendet, was in hohen Gläsern serviert wird. Eine andere Definition grenzt den Longdrink vom „richtigen“ Cocktail ab: Longdrinks sind demnach alle Mischgetränke, die nur aus einer Spirituose und einem Filler bestehen (Dekoration ausgenommen) – zum Beispiel also ein Whisky Cola oder ein Gin Tonic.

Shooter Cocktails

Der Shooter- Cocktail B52.
Der Shooter- Cocktail B52.

Cocktails, die in einem Schnapsglas angerührt werden, nennt man Shots oder Shooter. Auch, wenn ihr Ruf eher zweifelhaft ist, kann man in einem Schnapsglas doch eine ordentliche Geschmacksexplosion entfachen. Meistens geht es dabei aber eher um die Schicht-Optik. Beispielhaft sind hier der B52 (Rum, Irish Cream, Kaffeelikör) oder der French Kiss (Wodka, Blue Curaçao, Grenadine). Das Gegenbeispiel dazu ist der Kamikaze: Zitronensaft, Triple Sec und Wodka geben einen sauren Schuss ins Gesicht, der nach nichts aussieht, aber einem alles wegbrennt.

Sours

Ein Sour ist jeder Cocktail, der aus Schnaps, einem sauren Zitrus-Element und Zucker besteht. Das Zitrus-Element ist fast immer Zitronensaft, im Ergebnis schmeckt ein Sour also sauer – welche Überraschung. Der Vorteil dieser Whisky-Kategorie: Ihre klassischen Vertreter tragen den Titel direkt mit im Namen, bekanntester Vertreter ist wohl der Whisky Sour.

Ein Sour-Cocktail mit Strohhalmen darin.
Ein Sour-Cocktail mit Strohhalmen darin.

Fizz und Collins

Gießt man einen Sour mit Sprudelwasser auf, erhält man einen Fizz oder einen Collins. Was genau davon jetzt was ist, das ist je nach Getränkekarte, Buch oder Blog unterschiedlich. Generell lässt sich aber festhalten: Collins sind meistens größer, werden in Longdrink-Gläsern und mit viel Eis serviert. Einen Fizz bekommt man oft im Tumbler oder teilweise sogar in kleinen Tulpengläsern und zwar straight up, also ohne Eis. Auch diese beiden Cocktail-Sorten tragen ihren Ursprung aber meist im Namen, beste Beispiele sind der Gin Fizz und ein Tom Collins aus Old Tom Gin. Collins tragen darüberhinaus meist Spitznamen, statt sich mit ihrer Spirituose zu schmücken, so ist der Sandy Collins ein Aufgespritzter mit Scotch Whisky.

Highballs

Highballs sind im Wesentlichen Longdrinks: Cocktails aus Spirituose und Filler, viel Eis, hohes Glas. Wer sich einen Longdrink bestellt und ihn als Highball bezeichnet, macht im Normalfall nichts falsch. Verwirrend ist das bei Spezialgetränken, die eben nicht im typischen Glas serviert werden: Ein Moscow Mule (Wodka, Ginger Beer) kommt zum Beispiel in einem Kupferbecher daher. Lassen Sie sich nicht verwirren – auch das ist ein ganz klassischer Highball – aber gehört gleichzeitig eben zur Unterkategorie der Bucks.

Bucks und Mules

Ein Buck ist ein Cocktail, der aus Spirituose, Limettensaft und Ginger Beer oder Ginger Ale besteht. Der bekannteste darunter ist wohl der Moscow Mule, der in den letzten Jahren auch in Deutschland immer bekannter wurde. Wegen ihm wird diese Cocktail-Kategorie manchmal auch „Mule“ genannt.

Crustas und Cobblers

Sekt + Obst = Cobbler.
Sekt + Obst = Cobbler.

Die Cocktail-Kategorie für alle, die gerne Obst essen: Ein Crusta ist ein Sour mit einem Zuckerrand ums Glas, meist mit der Schale einer Zitrusfrucht garniert und bei den meisten Barkeepern etwas süßer als der Sour. Werden gerne mit viel Obst garniert. Crustas kennt kaum jemand, wenn Sie einen bestellen, machen Sie dem Barkeeper eine Freude. Das gilt auch für Cobblers: Das sind im Wesentlichen Crustas mit noch mehr Obst, die statt aus einer Spirituose oft aus Sekt oder je nach Bar auch aus Champagner bestehen. Werden mit Löffel für den Deko-Obstsalat geliefert.

Slings und Punsch

Den Singapore Sling kennt jeder – Gin, Kirschlikör und ganz viel Saft. Eigentlich fällt er damit schon eher in die Kategorie Punch (wie zum Beispiel der Planters Punch) oder zu deutsch einfach: Punsch. Klassische Slings setzen statt auf Fruchtsaft, auf Bitters und Zitruszesten und sind damit zwar ebenfalls recht fruchtig, aber nicht so übersüßt wie der durchschnittliche Punch.

Geht im Urlaub immer: Singapore Sling.
Geht im Urlaub immer: Singapore Sling.

Tiki Cocktails

Wenn jemand in einem Film nach Hawaii fährt und dann einen Cocktail in die Hand nimmt, dann ist das ein Tiki-Cocktail. Die Dinger zeichnen sich – wenn man sie sehr ernst nimmt – durch beeindruckende Gläser aus, die an das ursprüngliche polynesische Kunsthandwerk erinnern sollen. Lässt man diese Gläser weg, bleiben noch Cocktails auf Rumbasis (zumindest meistens) mit jeder Menge verschiedenen Säften und Sirups (immer).

Zu den gängigen Tikis gehören der Zombie, der Mai Tai und der Hurricane. Sie alle vereint, dass man für ihre Herstellung weißen und gelagerten Rum benötigt. Was am Ende rauskommt, ist zwar meistens lecker, lässt aber nur sehr schwer die Haupt-Spirituose erahnen, weswegen Tiki-Cocktails unter Barkeepern nicht immer den besten Ruf haben.

Old Fashioned

Der klassische Old Fashioned besteht aus Whiskey, Zucker, Wasser, etwas Angosturabitter und einer Zitronenzeste. Was ihn vom Highball unterscheidet ist der Bitter und die Tatsache, dass er meistens im Tumbler serviert wird. Eine eigene Cocktail-Kategorie bekommt der Old Fashioned spendiert, weil es ihn in praktisch allen Spirituosen-Varianten gibt, zum Beispiel als Gin Old Fashioned, Rum Old Fashioned oder Brandy Old Fashioned.

Aperitif und Digestif

Manche Cocktails benennt man noch heute hauptsächlich nach den Anlässen, zu denen Sie früher getrunken wurden. So ist der Manhattan aus Bourbon und Wermut als Aperitif bekannt, weil er eben meist vor dem Essen getrunken wurde. Er fällt aber auch ganz klassisch unter Shortdrink. Das gilt auch für Digestifs, die meist nicht ganz so reinkrachen wie die wuchtigen Aperitis. Kaffelikör-Shortdrinks wie der White Russian (Kaffelikör, Wodka, Sahne) oder der Espresso Martini (Espresso, Wodka, Kaffeelikör) fallen hierunter.

Es muss nicht immer Gin Tonic sein: Ein leckerer Negroni mit Gin.
Es muss nicht immer Gin Tonic sein: Ein leckerer Negroni mit Gin.

Virgin Cocktails

Alkoholfreie Cocktails heißen auf den allermeisten Getränkekarten einfach nur „Alkoholfreie Cocktails“. Will jemand aber einen richtigen Cocktail, nur eben ohne Alkohol, packt er das schöne Wörtchen „Virgin“, also „jungfräulich“ davor. Virgin Mint Juleps zum Beispiel bestehen aus Ginger Ale und Zitronenlimo statt aus Whiskey. Der Virgin Cuba Libre – eine Erfindung der Serie Big Bang Theory – ist eine Cola. Mit Limetten.

Was ist ein Corpse Reviver?

Zu der Cocktail-Kategorie der Corpse Reviver gehören Drinks, die ursprünglich mal wach machen sollten, statt müde und angeheitert. Meistens hört man diesen Begriff in Zusammenhang mit der Bloody Mary, die ursprünglich mal als Konter-Cocktail erfunden wurde. Über Sinn und Unsinn dieser Kater-Strategie kann man streiten, aber zumindest brachte sie ein paar interessante Cocktails hervor.

Die zwei bekanntesten davon – neben der Bloody Mary – sind der Corpse Reviver No.1 und No.2. Nummer 1 besteht aus Cognac, Calvados und süßem Wermut, Nummer 2 aus Gin, Lillet, Cointreau, Absinth und Zitronensaft. Wer sich die beiden zum Frühstück nach einem Kater reinschüttet, ist zumindest wieder voll – das hilft dann vielleicht sogar.

Was sind Fancy Drinks?

Ein Fancy Drink ist ein Cocktail, der in keine bestehende Cocktail-Kategorie passt, oder zumindest keinem der Klassiker wie Sour oder Old Fashioned auch nur im entferntesten ähnelt. Generell fällt im normalen Sprachgebrauch aber auch alles unter Fancy Drink, was ein Schirmchen oder Wunderkerzen obendrauf hat.

Aber was ist mit …

Neben den hier genannten gibt es noch Dutzende kleinere und größere Cocktail-Kategorien, die sich alle in Details oder der Darreichungsform unterscheiden.  Wer sich noch tiefer einlesen will, kann sich entweder das Cocktalian-Buch von den Kollegen von Mixology besorgen oder schaut sich auf der Webseite der International Bartenders Association nach zusätzlichem Wissen um.

Tags

JohannTrasch

Kommentar hinzufügen

Klicke hier um einen Kommentar hinzuzufügen