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Absinthium Bohemicum und der Cocktail „Bourgeoises Laster“

Absinthium Bohemicum, Fever Tree Smokey Ginger Ale und Grand Marnier bilden den Cocktail Bourgeoises Laster.
Absinthium Bohemicum, Fever Tree Smokey Ginger Ale und Grand Marnier bilden den Cocktail Bourgeoises Laster.

Absinth verkosten ist eine harte Nummer – selbst für uns als Cocktail– und Spirituosen-Blogger. Das liegt nicht mal unbedingt (aber auch) am hohen Alkoholgehalt dieser Spirituose. Es liegt zum Beispiel daran, dass der Einstieg auch für uns viel schwieriger ist als in die Welten von Rum, Whisky oder Gin, in die man sich langsam hineintrinken kann. Es liegt auch daran, dass man Absinth, wenn man ihn als Cocktail-Zutat begreift, fast nur in homöopathischen Dosen einsetzt. Entsprechend hält so eine Flasche Absinth irre lang, das erschwert das durchprobieren, wenn man nicht gerade einen der wenigen beinharten Absinth-Fans kennt.

Die Flasche für dieses Tasting wurden uns von Haromex, dem deutschen Vertrieb von Absinthium Bohemicum zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels. 

Absinth ist eine ganz eigene Welt, in die wir uns ab heute aber viel öfter wagen wollen – denn genau wie etwa der geschätzte Kollege Helmut von schlimmerdurst.de sind wir große Fans erfrischender Anis-Aromen im Sommer. Den Anfang unserer kleinen Reise machen wir mit dem tschechischen Absinthium Bohemicum. Ein natürliches Produkt, das ohne Farbstoffe oder Zusätze auskommt, mit einem Etikett, dessen obskures Design direkt einem Absinth-Albtraum entsprungen sein könnte. Bevor wir aber ausprobieren, ob die 70% auch bei uns solche Episoden auslösen, hier der Background-Check:

Die Story hinter Absinthium Bohemicum

Absinthium Bohemicum ist ein in Tschechien hergestellter Absinth von der österreichischen Brennerei Albert Michler in Bristol, England. Ja, das hat uns auch verwirrt – also fangen wir vorne an: 1863 gründete ein Mann namens Albert Michler die Destillerie Albert Michler’s in Buchsdorf . Das lag damals in Österreich-Schlesien, heute liegt der Ort in Tschechien. Der Magenbitter des Mannes war so irre gut, dass man ihn kurzerhand zum österreichischen Hoflieferanten ernannte. Außerdem begann man hier schon sehr früh, Jamica-Rum nach Europa zu importieren und versorgte auch die österreichische Armee damit. Der dadurch begründete Ruhm und Erfolg hielt bis zum zweiten Weltkrieg, dessen Ende auch das Ende für die Brennerei Albert Michler bedeutete.

Absinthium Bohemicum in einem Absinthe Martini.
Absinthium Bohemicum in einem Absinthe Martini.

Das Unternehmen Albert Michler Distillery in Bristol ist damit quasi eine Neuauflage des altehrwürdigen Vorgängers und als solche hauptsächlich für die Michler’s und Austrian Empire Navy Rums bekannt, die wiederum vor allem unter Fans süßer Rums sehr beliebt sind. Die Distillery kokettiert recht offensiv mit der eigenen, slesisch-österreichischen Geschichte. Mit dem Absinthium Bohemicum besinnt man sich dann auch auf seine Herkunft und setzt auf Natürlichkeit: Kräuter werden in Feindestillat mazeriert, der Spaß wird destilliert und anschließend wird der Absinth noch einmal mazeriert – das verleiht ihm seine gelbliche Farbe. Doof nur: Außer Beifuß und Wermut (ohnehin klar bei einem Absinth) sind von den benutzten Kräutern keine bekannt.

Der leichte Info-Mangel liegt vielleicht auch darin begründet, dass Texte und Design der offiziellen Michler’s-Webseite von einer Agentur erstellt worden sind, die Teile der Inhalte (und ursprünglich wohl auch das Design) schlicht beim Konkurrenten Zufanek abgekupfert hatte . Nachzulesen etwa unter den Shares zu diesem Facebook-Posting der Alber Michler Distillery. Problematisch, kann aber leider schon mal vorkommen, wenn man der falschen Agentur zu sehr vertraut. Die Frage ist jetzt nur: Kann der Eindruck im Glas den Mangel an Informationen wettmachen?

So schmeckt Absinthium Bohemicum

Im Glas schwenkt er sich leicht und geschmeidig, zieht an der Wand brauchbare Beinchen. Die Nase ist, wie man sich sich wünscht: Intensiver Anis, ein leicht gemüsiger Fenchel-Einschlag, dahinter der Wermut. Zitronenzesten, ein Hauch von Piment. Wiesenkräuter. Die 70 Prozent riecht man nicht. Wenn man intensiv nach Alkoholnoten sucht, kann man sie höchstens erahnen. Wir verdünnen mit Eiswasser, erst einige Tropfen, dann nach und nach auf das Verhältnis 1:1 und bekommen einen viel frischeren, lebhafteren Duft, viel Wald-Noten, Zedern.

Nase: Anis, Fenchel, Wemut, Zitruszesten, Piment, Wiesenkräuter, Zedern

Mund: Anis, Wemut, Akazienhonig, Pinien, Orangen

Den Geschmack testen wir zunächst unverdünnt: Im Mund machen sich die 70 Prozent dann selbstverständlich bemerkbar. Aber ganz ehrlich: Da hatten wir schon schlechtgebrannte 38prozentige Spirituosen, die mehr Feuer in den Rachen gebracht haben. Anis macht sich breit, eine irre Kräutermischung, die Zunge umspült ein angenehm bitteres Schauspiel aus Wermut und Akazienhonig. Mit einigen Tropfen Eiswasser verdünnt kommen die Zedern aus der Nase zurück, mit einem Hauch Orange. Während wir das schön finden, schmeckt die 1:1-Mischung mit Eiswasser dann im Vergleich etwas zu frisch, ein wenig seifig fast – trotz des großartigen Dufts.

Der Absinth pur und in Cocktails

Was den Pur-Genuss von Absinth angeht, sind wir keine Experten, daher werden wir uns hüten, hier den Anis-Spezialisten irgendwas vorzuschreiben. Für Menschen wie uns, die wir gelegentlich gerne mal einen guten Absinth verkosten, gilt aber: Weniger Eiswasser ist hier mehr. Pur ist der Bohemicum allerdings definitiv etwas hart. Aber wir wollten damit ohnehin ja hauptsächlich erstmal Cocktails mixen – also auf geht’s.

Absinthium Bohemicum in einem Hemingway Breakfast.
Absinthium Bohemicum in einem Hemingway Breakfast.

Der wohl bekannteste Absinth-Cocktail ist der Sazerac – im Prinzip ein Old Fashioned mit Rye Whisky, bei dem man zuvor das Glas mit Absinth ausgespült hat. Die Hardcore-Variante des eh schon nicht zimperlichen Old Fashioned also. Und ein Drink, der mit dem Bohemicum hervorragend funktioniert. Genauso übrigens wie das Hemingway Breakfast – ein aufwendiger Daiquiri-Twist, bei dem das Glas ebenfalls nur mit Absinth gewaschen wird, der aber sehr eindeutig zeigt, was die Anis-Note in der Nase wirklich bringt. Die Kombi aus Rum, Falernum, Orangenmarmelade und Limetten profitiert davon enorm.

Bei der Recherche nach diesem Drink stoßen wir dann auch auf den Absinthe Martini – ein klassischer Martini mit einem Schuss Absinth. Wir verwenden in unserer Variante neben dem Absinthium Bohemicum den fruchtigen B my Gin und klassischen Noilly Prat und bekommen einen trocken-komplexen Martini mit ziemlich interessanten Noten. Kurz gesagt: Wer normale Martinis schon nicht mag, wird das hier hassen. Wer sie liebt, könnte mit dieser Variante ein kleines Highlight entdecken.

Absinthium Bohemicum im Sazerac.
Absinthium Bohemicum im Sazerac.

Das sind alles irre gut Drinks, aber wir möchten am Ende des Tages einfach mehr vom Absinth haben – und auch ein bisschen Anis-Sommerfrische mitnehmen. Also probieren wir ein wenig mit verschiedenen Fillern herum und landen beim Ginger Ale – genauer gesagt beim Smokey Ginger Ale von Fever Tree. Das funktioniert vor allem durch die leichte Rauch-Note in Kombi mit dem Absinth irre gut. Ein wenig Grand Marnier dazu, für ein bisschen Frucht und Komplexität. Fertig ist:

Das Bourgeoise Laster

  • 2 cl Absinthum Bohemicum
  • 2 cl Grand Marnier
  • Saft einer halben Zitrone
  • Fever Tree Smokey Ginger Ale zum aufgießen

In einem Longdrink-Glas Absinth, Grand Marnier und Zitronensaft über Eis eingießen. Mit Ginger Ale aufgießen. Zitronentwist dazu oder nicht, vollkommen egal – Sommer, gute Laune. Trinken!

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Fazit: Runder, gemessen an der Prozentzahl schön weicher Absinth, der sich für praktisch alle gängigen Cocktails eignet und auch pur Spaß macht.

Daten: 70 Prozent, Tschechische Republik, 0,7 Liter, um 45 Euro

Der Deutsche Vertrieb von Absinthium Bohemicum, die Haromex Development GmbH, hat uns eine Flasche für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

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JohannTrasch

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