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Aquavit

Aquavite oder Aqua Vitae bedeutet schlicht: Wasser des Lebens. Aquavite oder Aqua Vitae bedeutet schlicht: Wasser des Lebens. Das Foto zeigt einen Fluss im Trerikseröt, dem Dreiländereck zwischen Russland, Schweden und Norwegen und stammt von Ville Palmu.

Was ist Aquavit?

Aquavit ist ein aus Getreide und/oder Kartoffeln gebrannter Schnaps, der mit Kümmel und/oder Dill aromatisiert wurde und aus Skandinavien stammt. Getrunken wird er meist eisgekühlt, aus dem Schnapsglas, zu deftigem Essen. Gerne auch danach. Klingt nach Opa-Stamperl, nach Verdauungsschnäppchen – und ist es auch, bis heute. Trotzdem lohnt es sich, fernab aller Hype-Offenbarungen und aller nächsten großen Dinger, dem Kümmel auf’s Korn zu fühlen.

Aquavit ist im Kommen

Die Welt des Aquavit ist vergleichsweise klein, zumindest hier bei uns in Deutschland: Im Norden des Landes gibt es zwar eine große Kümmeltradition und diverse lokale Brennereien, aber in den meisten Supermarktregalen stehen mit Malteser, Bommerlunder, Linie und Aalborg die immer gleichen Marken, die man auch im Tiefkühlfach von Papa und Opa findet. Aber wie wir im Laufe unseres Lebens nur allzu oft lernen mussten: diese verrückten alten Leute haben manchmal halt auch so ein bisschen Rest-Ahnung. Mit den Aquavit-Qualitäten für 15 bis 20 Euro liegt man nämlich schon deutlich im oberen Qualitätsdrittel – und kann damit ziemlich spannende Sachen anstellen. Allen voran: trinken.

Klar: gegen den klassischen gefrosteten Malteser nach dem Essen oder den Shot zum Bier lässt sich nichts sagen, warum auch? Allerdings ist es gerade in Norwegen eher üblich, den Aquavit bei Zimmertemperatur zu trinken, aus dem Nosing-Glas. Traut man sich das einmal, entdeckt man: das Zeug schmeckt nach deutlich mehr als nur Kümmel, sondern baut je nach Qualität und Lagerung eine durchaus breite und spannende Aromatik auf – eine, die sich auch wunderbar in Cocktails widerspiegelt.

Aquavit in Cocktails

In den letzten Jahren wird das Wasser des Lebens – so der übersetzte Name des Aqua Vitae – auch hinter der Bar immer beliebter. Diverse Cocktail-Wettbewerbe und viel Lobby-Arbeit locken die Bartender dazu, mit der nordischen Spirituose zu arbeiten und zu experimentieren. Günstiger Einkaufspreis, innovatives (weil altbackenes) Aroma und eine gute Durchsetzungsfähigkeit gegen andere Zutaten machen das Zeug zu einem guten Tanzpartner für diverse Klassiker und Neu-Kreationen.

Falls ihr euch selbst einmal an einem Aquavit-Drink versuchen möchtet, raten wir zu Old Fashioned– und Manhattan-Variationen. Vor allem die länger gelagerten Aquavite nähern sich (bis auf die Brotgewürz-Note) in der Aromatik durchaus einem Whisky an, sodass sich in dessen Drink-Klassikern durchaus gute Spielarten finden. Setzt für den Anfang auf einen Kümmel-lastigen Aquavit. Die Dill-Varianten sind geschmacklich deutlicher schwieriger einzubauen und nicht Jedermanns Sache.

Die Geschichte dieser Spirituose

Wer einem Produkt gerecht werden will, sollte aber nicht nur lernen, wie man es einsetzt, sondern auch wissen, woher es stammt. Die Kurzfassung – aus Skandinavien – hatten wir ja schon geklärt. Die ganze Sache mit dem „Zum Essen saufen“ auch, die wird im Norden und vor allem in Schweden und Norwegen bis heute eifrig zelebriert, vor allem an Festtagen, allen voran Weihnachten. Dass sich der Kümmel hierzulande, genauer gesagt in Norddeutschland ebenfalls ansehnlicher Beliebtheit erfreut, liegt wohl vor allem daran, dass Schleswig-Holstein bis ins 19. Jahrhundert Teil Dänemarks war und schon lange vorher mit der Herstellung des Kümmel-Schnapses anfing. Einige der dortigen Brennereien lassen sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen.

Ursprünglich entstanden ist der Aquavit wohl auch dort, irgendwann im 16. Jahrhundert, jedenfalls wird er damals zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Allerdings als Medizin gegen Magenbeschwerden und zur äußerlichen Desinfektion. Gut, das galt damals für jedwede Kombination aus Branntwein und Kräutern oder Gewürzen. Aber wie ist das mit denen eigentlich? Muss jeder Aquavit Kümmel oder Dill enthalten?

Was ist drin im Aquavit?

Im Kern ist Aquavit gar nicht so viel anders als Gin: Ein auf Getreide oder Kartoffeln basierender Neutralalkohol wird mit Gewürzen oder Auszügen davon versetzt, anschließend lagert der Spaß dann in Fässern. Laut EU-Verordnung muss er mindestens 37,5 Prozent Alkohol aufweisen (Deutscher Kümmel hat meist deutlich weniger) und primär nach Dill oder Kümmel riechen und schmecken. Bedingt durch die steigende Beliebtheit in der Bar-Welt gibt es zwar inzwischen Varianten, die nicht mehr ganz so intensiv kümmelig duften, der Großteil setzt jedoch nach wie vor darauf – oder eben auf Dill.

Varianten, die dem Dillsamen in der Aromatik den Vorrang geben, sind allerdings seltener und auch deutlich weniger beliebt. Die beiden hierzulande bekanntesten Vertreter sind wohl der Aalborg Dild und der D Argentum. Die Seltenheit ist naheliegend: Während Kümmel im Kraut, im Brot und auf dem Kassler weitgehend anerkannt ist, zieht es der halben Welt bei Dill in der Joghurtsauce die Schuhe aus. Wir geben’s zu: Auch wir müssen uns an Dill-lastigen Aquavit erst rantrinken. Aber schon mit den weiterverbreiteten, Kümmel-lastigen Aquavitae lassen sich irre spannende Drinks mixen. Und auch das geben wir zu: So ein pures Gläschen davon nach der Grillhaxe oder als Feierabend-Dram – da sagen auch wir nicht „Nein“.