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Burgen Korn: Gelagerter Kornbrand für die deutsch-französische Freundschaft

Burgen Korn im Old Fashioned. Ein milder aber schöner Cocktail.
Burgen Korn im Old Fashioned. Ein milder aber schöner Cocktail.

Korn kommt. Zugegeben: weg war Korn nie, keine anständige Eck-Kneipe hätte sich davon überzeugen lassen das klassische Herrengedeck von der Karte zu nehmen, nur weil irgendwelche selbsternannten Connoisseure lieber Gin und Whisky saufen. Also anders: Korn kommt in die Hausbars genau dieser Gin- und Whisky-Säufer, er kommt in die „echte“ Bar und und er kommt auch in den einen oder anderen spannenden neuen Drink. Um von Korn-Flut und Korn-Hype zu reden ist es zu früh. Aber über Korn an sich reden, das sollten wir trotzdem – und heute eben über Burgen Korn.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von Burgen Drinks zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Die Story hinter Burgen Korn

Der Burgen Korn ist der Bruder des Burgen Gin, einer jungen Marke der Schlitzer Destillerie aus Hessen. Die ist – laut eigener Aussage – die „wohl älteste Destillerie“ Europas und gehört den Städten Schlitz und Hünfeld. Während die Marke in Hessen durchaus bekannt ist, hat man den Namen im Rest Deutschlands wohl bisher nur in Liebhaber-Kreisen gehört. Mit der Burgen-Reihe wagt die Brennerei nun den Weg in die Bars und hin zu einer insgesamt jüngeren Zielgruppe – mit Gin, Wodka und eben Korn.

Burgen Korn in einem Twist des klassischen Sidecar mit Korn statt Cognac. Dolles Ding.
Burgen Korn in einem Twist des klassischen Sidecar mit Korn statt Cognac. Dolles Ding.

So fantastisch wir es finden, wenn Traditions-Brennereien ihr Know-How an genau die Theken bringen, an denen manchmal auch das Marketing mehr zählt als die Handwerkskunst: Genau wie beim Burgen Gin fehlt es uns auch beim Korn ein wenig an der Geschichte zum Produkt. Der Burgen Korn ist eigentlich ein Kornbrand-Cuvée und lagerte in französischen Limousineiche- und deutschen Akazienholzfässern. Mehr Infos gibt es leider nicht oder zumindest konnten wir trotz intensiver Recherche keine auftreiben. Rohstoff, Lagerzeit, Ursprung der Fässer – alles, woraus jeder Agency-made-Gin eine eigene virtuelle Dia-Show machen würde, lässt man bei Burgen Drinks unter den Tisch fallen. Aber wie uns Frontmann Kai Hofmann versichert hat, arbeitet man da an was. Da freuen wir uns drauf – aber bis dahin muss der Korn für sich sprechen:

So schmeckt Burgen Korn

Auch, wenn er in der Flasche recht dunkel wirkt, erscheint der Burgen Korn im Glas sehr hell, mit der Farbe von Weißwein. Er schwenkt sich recht leicht, hinterlässt aber einen schönen Vorhang aus Schlieren. In der Nase ist er sehr mild und zurückhaltend. Leichte Noten von Getreide und ein sehr schmaler Hauch von Zitrone sind zunächst das einzige, was wir wahrnehmen. Nach einer Weile schieben sich leichte Noten von Holz und Früchten dazu, die sich mit ein wenig Konzentration als Äpfel herausstellen.

Nase: Getreide, Zitrone, Holz, Apfel

Zunge: Äpfel, frisches Gras, Getreide, Eiche, Leder, Zitrone

So unscheinbar wie er noch in der Nase wirkt, so spannend wird der Burgen Korn im Mund. Sehr fruchtig kommt er auf der Zunge an, mit einer sehr milden Fruchtsüße von Äpfeln, dazu frischgeschnittenes Gras und Getreide. Am Gaumen besitzt er leichte Bitternoten, Eiche schmecken wir und ein wenig Leder. Im Nachklang finden wir dann auch die Zitrone wieder, auch wenn sie hier nur noch sehr schwach zu merken ist. Bemerkenswert ist die Weichheit des Burgen Korn: Er ist sehr rund und besitzt praktisch kein störendes Brennen.

Der Burgen Korn pur und in Cocktails

Dieser Korn ist ziemlich gut, sogar hervorragend, aber anders als manch andere moderne Interpretation dieser Spirituosen-Kategorie keine Rampensau. Burgen Korn spielt safe und das auf hohem Niveau. Wer also gerne ganz klassisch seinen Korn Pur trinkt, als Begleitung zum Bierchen im Herrengedeck, als Digestif, als Absacker, der wird hier seine Freude haben. Wer einen Schnaps sucht, mit dem er abgefahrene neue Drinks mixen kann, der könnte hiermit seine Probleme haben. Cocktail-Tests etwa in einem Korn & Stormy mit Ginger Beer, als Korn & Tonic oder andere Longdrink-Varianten scheitern.

Im Dark and Corny macht der Burgen Korn leider keine gute Figur. Genauer gesagt: Man schmeckt ihn nicht.
Im Dark and Corny macht der Burgen Korn leider keine gute Figur. Genauer gesagt: Man schmeckt ihn nicht.

Was dagegen recht schön funktioniert: Shortdrinks, in denen der Burgen Korn dank großem Anteil am Gesamtrezept ein wenig mehr zeigen kann. Im Old Fashioned etwa ist er sehr fruchtig und mild – kein Drink, der dir das Gesicht wegbläst, aber einer für den gemütlichen Leseabend. Unser Liebling aber: ein Sidecar mit Korn. In Kombination mit dem Cointreau entwickelt er beinahe Cognac-Töne, wirkt fruchtig und leicht herb. Ein toller Drink, der die richtigen Noten aus dem schüchternen Korn kitzelt. Schönes Ding – und schmeckt im Test auch Leuten, die mit Sidecars, Weinbrand und vor allem Korn nix anfangen können.

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Fazit: Burgen Korn ist ein hervorragender Kornbrand mit einem sehr schönen aber schüchternen Eigengeschmack – das macht ihn schwierig in Cocktails einsetzbar. Für den Pur-Genuss und schnapslastige Shortdrinks ist er aber eine tolle Sache. Jetzt fehlt uns nur noch ein bisschen Hintergrundgeschichte.

Daten: Deutschland, 34,95 Euro, 0,5 Liter, 38 Prozent

Burgen Drinks hat uns eine Flasche des Burgen Gin für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

JohannTrasch

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