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B my Gin: New Western Dry Gin aus Konstanz – und er schmeckt nach Bodensee

Der B my Gin in einem sauguten Aviation Cocktail mit Maraschino und Creme de Violette.
Der B my Gin in einem sauguten Aviation Cocktail mit Maraschino und Creme de Violette.

„Kann man den Bodensee trinken?“ oder vielleicht auch „Hätten Sie eventuell eine Flasche Bodensee da?“ – gut möglich dass es genau so eine Frage war, die verantwortlich war für die Entstehung des B my Gin. Mit den Botanicals Apfel, Veilchen, Zitronen, Lavendel, Rosenblätter und Kardamom schickt er sich an, die Geschmackswelt des Bodensees in ein einzelnes Destillat zu pressen. Wer schon mal am Bodensee war, sich zu Wild und Allgäuer Käse durch Weine und Obstbrände getrunken hat mit Blick auf die Insel Mainau, deren Blumenmeer man hier mit ins Glas verfrachten will, der weiß: Leicht wird die Nummer nicht. Wer kommt denn überhaupt auf sowas?

Die Story hinter B my Gin

Hinter B my Gin stehen Thomas Weber, Betreiber des italienischen Restaurants il Boccone in Konstanz am Bodensee, sein Barchef Patrick Braun und Marketing-Fachmann Eugen Schindler.  Weil Braun auch als Flugzeugtechniker und Langstreckenpurser arbeitet, kommt er viel rum in der Welt, vermisst an den internationalen Bars aber den Geschmack der Heimat. Bodensee in Flaschen? Gibt’s nicht, weder in San Francisco, noch im fernen Asien. Also muss er sich selbst drum kümmern – zusammen mit Weber und Schindler entsteht die Idee vom Bodensee-Gin, einem ganz persönlichen Heimat-Lieblings-Gin. Daher auch der Name, das B steht für „Bodensee“, „Braun“, „il Boccone“ – und für „Brennmeister“.

Das Trio deckt nämlich von Gastronomie-Erfahrung über Markenbildung und Vertrieb praktisch alles ab, was man für eine neue Marke braucht – nur eben nicht die Herstellung. Der richtige Mann dafür: Florian Faude. Dessen Brände und spannende Geiste aus Gurken oder Rote Beete entwickelten sich in den letzten Jahren zu Lieblingen von Bartendern in der ganzen Republik und räumen seit 2007 Preise ab. Außerdem wohnt er nur zwei Autostunden von Konstanz entfernt. Mit ihm ist das Team um den B my Gin komplett – aber ist der Gin selbst das auch?

So schmeckt B my Gin

Im Glas ist er hell und klar, wirkt sehr flüssig, zieht aber beachtlich viele und lange Beinchen. Die Nase ist sehr frisch, wir riechen klar die Zitrone, gemischt mit etwas Kardamom. Der leicht holzige Einschlag von Wacholder leitet über zu den floralen Noten, zu Lavendel mit ein wenig frischem Gras. Nur mit ein wenig Warten und Konzentration erschnuppern wir dahinter auch die fruchtigen Noten, allerdings eher zaghaft. In der Nase bleibt er damit etwas schüchtern, aber spannend.

Nase: Zitrone, Kardamom, Wacholder, Lavendel, Frisches Gras, Früchte

Mund: Apfel, Zitrone, Wacholder, Mirabellen, Rosenblätter, Lavendel

Im Mund halten sich Frucht und Frische dagegen wunderschön die Waage: Apfel und Zitrone kommen mit leichter Süße, dann verwandelt sich der Geschmack genau wie in der Nase auf halben Weg in Wacholder. Für einen New Western Dry Gin (so nennt man Gin, in dem andere Botanicals als der Wacholder das Sagen haben) kommt der dann auch im Abgang sehr merklich, aber schön austariert. Der Nachgeschmack ist wunderschön vielseitig und spiegelt tatsächlich ein wenig die Streuobst- und Blumenwiesen des Bodensees wieder: Äpfel und ein Hauch von Mirabelle bleiben auf der Zunge, genau wie Rosenblätter und Lavendel.

Der B my Gin in einem klassischen Gin Tonic mit Zitronenzeste.
Der B my Gin in einem klassischen Gin Tonic mit Zitronenzeste.

Der B my Gin im Gin Tonic

Floral-frisch schmeckt der B my Gin und ist im Pur-Genuss ein schönes, aber sehr sanftes, filigranes Erlebnis. Um die Vielfalt der Aromen zu schmecken, muss man sich ein wenig Zeit nehmen. Das passt ein bisschen zur Story dahinter, schließlich kennt man den Bodensee für vieles, aber nicht für Hektik. Für den B my Gin im Gin Tonic bedeutet das aber, das man ihn mit zu intensiven Tonic Waters oder schlicht zu viel Tonic schnell ersäufen kann. Wer diesen Gin im G&T wirklich genießen und im Drink wiedererkennen mag, der hat – zumindest laut unserem Test – im Prinzip zwei Möglichkeiten:

Man nimmt ein sehr mildes Tonic Water wie das Fever Tree Mediterranean oder das Thomas Henry Slim und mixt sich einen klassischen Gin Tonic – oder man nimmt ein prägnanteres Tonic Water und arbeitet mit einem Mischverhältnis von 1 zu 1. Dann aber am besten im Old Fashioned Glas statt im Copa Balloon. Hier funktioniert er vor allem als sehr trockener Drink mit einem Aqua Monaco Extra Dry oder dem Schweppes Dry. Als Garnitur empfehlen wir eine Zitronenzeste. Spannend aber nicht unser Fall: Die Kombination mit Elderflower Tonics, die die floralen Noten massiv betonen. Das schmeckt mit Fever Tree Elderflower erstaunlicherweise nicht einmal künstlich – aber wirklich sehr blumig. Wir würden diesen Drink mit einer Orchideenblüte garnieren, wenn wir Elfen wären, die in einem Orchideengarten wohnen. Gut vorstellbar auch, dass die Kombination mit Cucumis Lavendel hier nochmal eine Schippe drauflegt.

Der B my Gin in einem fantastischen Gin Basil Smash.
Der B my Gin in einem fantastischen Gin Basil Smash.

Der B my Gin in anderen Cocktails

In Shortdrinks ist der B my Gin ein schöner, aber sehr unaufgeregter Selbstläufer. Als Bodensee-Martini etwa lässt er sich wunderbar nebenbei trinken, setzt aber außer seiner floralen Note wenig Akzente. Im Aviation funktioniert er dank der Symbiose mit dem Veilchenlikör wahnsinnig gut, als wäre er dafür gemacht. Ein Test im Gin Basil Smash ergibt etwas sehr mediterranes, wieder sehr unaufgeregtes, aber schön erfrischendes. Wäre eine tolle Begleitung zum Nachtisch beim Italiener. Obwohl, wenn wir ehrlich sind: Wahrscheinlich würden wir uns schon zu Vorspeise und Hauptgang einen davon bestellen.

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Fazit: Ein spannender aber zurückhaltender Gin, für den man sich ein wenig Zeit nehmen muss. Tut man das, hält er sein Versprechen und zaubert die Genussregion Bodensee auf wunderschöne Weise direkt ins Glas. Außerdem unser neuer Referenz-Gin im Aviation.

Daten: Deutschland, 40%, um 40 Euro, 0,5 Liter

JohannTrasch

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