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Elg Gin aus Dänemark: Wacholder, Koriander, Karotte – sonst nichts

Elg Gin in einem Gin Basil Smash.
Elg Gin in einem Gin Basil Smash.

Wenn ein neuer Gin dieser Tage auffallen will, muss er immer noch eine Schippe drauflegen. Sollte man zumindest denken. Noch mehr oder exotischere Botanicals, Gold auf oder in der Flasche, besondere Flaschenformen oder wenigstens Etiketten, die eine geheime Schatzkarte zum sagenumwobenen Schatz des legendären Piratenkapitäns Wunderbeppo offenbaren, wenn man sie über eine Kerze hält – das richtig geile Marketing halt. Eine etwas andere Möglichkeit: Ein schlichtes Etikett, eine schlichte Flasche und genau drei(!) Botanicals: Wacholder (Pflicht!), Koriander (hat jeder) und … Möhren (wtf?). So macht es Elg Gin.

Die Flasche für dieses Tasting wurden uns von Haromex, dem deutschen Vertrieb des Elg Gin zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels. 

Die Story hinter Elg Gin

Elg Gin ist das Baby von Master Distiller Henrik Elsner, der auch die schon etwas weiter verbreiteten Aquavitae D Aurum und D Argentum verantwortet. Entsprechend sind die Stone Grange Craft Distillery in der der Gin hergestellt wird, auch rein zufällig im selben Gebäude untergebracht (sprich: baugleich mit) der Den Ny Spritfabrik, in der die D-Kümmel gebrannt werden. Vom Namen „Spritfabrik“ darf man sich dabei aber nicht irritieren lassen; das ist schlicht das dänische Wort für Brennerei.

Elg Gin in einem Gin Tonic.
Elg Gin in einem Gin Tonic.

Mit dem Elg Gin wollte Elsner einen sehr reduzierten Gin entwickeln, der zeitgleich ein vollkommen neues Element mitbringt: Karotten. Klingt erstmal bescheuert, andererseits schnippelt sich genau jetzt, während ihr das lest, jemand Salatgurken in seinen Gin Tonic. Das ist nicht viel verrückter, wenn man darüber nachdenkt. Den Namen hat das Destillat dann übrigens auch von seinem Destillateur: Elg, zu Deutsch „Elch“ ist sein Spitzname. Unter dieser Flagge hat er inzwischen sogar drei weitere Gins auf den Markt gebracht, mit ähnlich reduzierten Rezepturen und zur Benennung schlicht durchnummeriert.

Nummer 2 ist ein Old Tom Gin (sprich: süß), Nummer 3 ein Navy Strength Gin, Nummer 4 baut auf dasselbe Grundrezept wie Nummer 1, die wir hier verkosten. Mit dem Unterschied, dass man violette statt gelbe Möhren zur Destillation verwendet, was dem Zeug eine … sagen wir mal „spannende“ Farbe verleiht. Recht viel mehr Hintergrundstory hat der Elg dann auch nicht. Einerseits recht wenig, andererseits wäre eine Marketing-Story über Geheim-Rezepte, Piraten und sonstigen Unfug auch fehl am Platz bei so einem reduzierten Produkt. Also kommen wir zum wichtigstem: dem Geschmack.

Elg Gin in einem Martini.
Elg Gin in einem Martini.

So schmeckt Elg Gin

Im Glas wirkt der Elg zwar fast ein wenig flüssig, zieht aber ansehnliche Beinchen. In der Nase ist er dann weder überbordend noch schüchtern. Mit angemessener aromatischer Kraft hebt sich der Wacholder hervor, dahinter wartet etwas Pfeffer mit Zitrusfrüchten. Den Koriander nimmt man wahr, die Karotte scheint als schwer zu fassende mineralische Note durch, bleibt aber im Hintergrund. Naheliegend: Schließlich ist auch das Gemüse selbst nicht besonders dominant.

Nase: Wacholder, Pfeffer, Zitrusfrüchte, Koriander

Mund: Zitrone, Koriander, Wacholder, Pfrisichblüten, Ackerboden

Im Mund kommt der Gin extrem cremig und mild an (hat der wirklich 47,2 Prozent?), aber auch aromatisch sehr zurückhaltend. Nur langsam machen sich eine leichte Bitterkeit und Noten von Zitrone, Koriander und Wacholder breit. Am Gaumen entfaltet sich ein paar florale Geschmäcker breit, wie von Pfirsichblüten. Zurück bleibt ein leicht mineralischer Eindruck von Ackerboden. Wohlgemerkt: das muss man alles suchen und finden wollen. Schluckt man den Gin einfach hinunter, spült er durch den Hals wie eine sehr leise Wacholder-Rakete.

Der Elg Gin in Gin Tonic und anderen Cocktails

Selten ist es uns so schwer gefallen, einen Gin ordentlich zu kombinieren wie diesen hier. Das Problem ist: er ist handwerklich hervorragend gemacht. Klar, reduziert, eindeutig im Geschmack, wahnsinnig weich – dabei aber nicht besonders auffällig oder intensiv. Man kann ihn mit nahezu jedem Tonic Water kombinieren, weil er sich hervorragend anschmiegt; Wacholder wird immer durchscheinen, wenn man ihn mixt, seine mineralischen Noten untermalen vor allem Kräuternoten schön. Aber zumindest wir werden niemals einen G&T probieren und uns denken „Das kann nur Elg Gin sein!“ Damit eignet er sich eigentlich hervorragend für den Pur-Genuss, der bei Gin hierzulande aber eher wenig verbreitet ist.

Keine Frage: Er macht einen ansehnlichen Gin Basil Smash und einen absurd weichen Martini – generell gibt er einen tollen Gin für Shortdrinks. Das tun viele andere allerdings auch. Wir machen uns aber bekanntlich nur dann die Mühe, einen Artikel zu schreiben, wenn wir auch das passende Einsatzgebiet für eine Spirituose finden. Die richtige Lücke. Beim Elg Gin finden wir sie an einem Ort, den wir normalerweise nur für unsere Gäste betreten: dem Bierfach. Durch seine Sanftheit bei gleichzeitig geschmacklicher Eindeutigkeit ist er (zumindest für uns) ein toller Kandidat für ein Herrengedeck (kein Scheiß jetzt!).

Elg Gin in einem Herrengedeck mit italienischem Birra Morreti.
Elg Gin in einem Herrengedeck mit italienischem Birra Morreti.

Zugegeben: da sind wir auch nur drauf gekommen, weil wir zur BCB das Boilermaker-Tasting (Boilermaker = englisches Herrengedeck) der recht bekannten Spirituosen-Koryphäen Sven Sudek und Andrej Busch besucht haben und mittelschwer begeistert waren, was man da rausholen kann. Dazu allerdings an anderer Stelle ein eigener Artikel. Für diesen hier soll genügen: Wir kombinieren einen Shot vom Elg Gin mit 0,2 Liter Birra Moretti, einem eher herben italienischem Lager – und sind ziemlich schwer begeistert.

Elg Gin gibts es zum Beispiel bei Whisky-Fox.de!

Fazit: Ein handwerklich nahezu perfekter Gin, der seinen Minimalismus leider auf die Zunge trägt. Das macht ihn allerdings zu einem großartigen Begleiter für ein (kein Spaß jetzt!) hochanspruchsvolles und hochgeiles Herrengedeck.

Daten: 47,2 Prozent, Dänemark, 0,5 Liter, um 30 Euro

Der Deutsche Vertrieb des Elg Gin, die Haromex Development GmbH , hat uns eine Flasche des Elg Gin für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

 

JohannTrasch

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