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Hendrick’s Gin

Hendricks Gin mit einem Gin Tonig mit Gurken-Garnitur.
Hendricks Gin mit einem Gin Tonic mit Gurken-Garnitur.

Hendrick’s Gin kennt jeder: große, schwarze Apothekerflasche, Rosenblätter und Gurke als ausschlaggebende Botanicals, ganz viele Awards, vor allem zu Anfang der 2000er und zuletzt auch 2014. Er gilt als einer der wichtigsten modernen Gins, hat den Gin-Trend wahrscheinlich maßgeblich mitbegründet. Mit etwas über 30 Euro auf 0,7 Liter galt er zu seiner Markteinführung 1999  schon als absoluter Premium-Gin. Gin Tonic mit Hendrick’s war der erste, den man mit Gurke garnierte.

Die Apothekerflasche für den Gin gab es zwar schon vorher – aber Hendrick’s machte sie salonfähig. Und trotz all dieser Merkmale reichen die Meinungen zu Hendrick’s Gin von „Buäh!“ bis „Da ist jeder Award verdient. Weltklasse-Gin!“. Wer Hendrick’s verstehen will, muss sich selbst ein Bild machen – und ein paar Eckdaten kennen.

Die Story hinter Hendrick’s Gin

Auch wenn die Flasche schon sehr klassisch aussieht und auch wenn „Est. 1886“ draufsteht und auch wenn die Produktbeschreibung von Amazon behauptet „Hendrick’s Gin wird seit 1887 vom Familienunternehmen William Grant & Sons hergestellt.“ – den Gin gibt es erst seit 1999. Das schottische Unternehmen William Grant & Sons dagegen ist tatsächlich schon 1886 gegründet worden und machte sich mit Glenfiddich und The Balvenie einen Namen als Whisky-Brennerei. Die Idee zu Hendrick’s Gin hatte dann auch der Whisky-Brenner David Steward, als er – very british – Gurkensandwiches aß. Gurkensandwich, Rosengarten, Gin, Großbritannien – so die ungefähre Schlussfolgerung, die zum Rezept geführt haben soll.

1999 schließlich führte man den Gin als erstes in den USA ein, 2003 folgten auch Großbritannien und Spanien, erst danach der Rest. Naheliegend: Spanien und England sind die Länder, die als erste das Trendpotenzial des Gin Tonic erkannt und angeschoben haben. In Barcelona gab’s schon Bars mit 50 Gins und 20 Tonic Waters, da haben deutsche Barkeeper auf die Frage „Welche Tonics habt ihr?“ noch mit „Das gelbe halt!“ geantwortet. Von da an trat der Hendrick’s Gin seinen Siegeszug an – als einer der ersten New Western Dry Gins. So nennt man ungesüßte Gins, die keine London Dry Gins sind und bei denen der Wacholder in den Hintergrund tritt. Was praktisch jeden hipperen, neuen Gin der letzten 5 Jahre einschließt.

Inzwischen gilt der Hendrick’s als alter Hase und ist mit seinen 30 Euro für 0,7 Liter zwar immer noch Premium, aber schon lange nicht mehr „teuer“. Spätestens als der Monkey 47 für 0,5 Liter 2010 denselben Preis aufrief, ging der Trend in der Hinsicht steil nach oben. Moderne Gins wie der Niemand, diverse Varianten von nginious! oder eben der Monkey 47 haben sich noch weiter vom Wacholder entfernt und auch der Gin Tonic ist inzwischen mehr Standard als hip – neue Gins setzen auf eigene, andere Signature Drinks. Hat der Hendrick’s Gin ausgedient? Doofe Frage. Natürlich nicht. Er wird vielerorts nach wie vor geliebt und natürlich kann man auch aus diesem Gin was anderes mixen als Gin Tonic. Aber wie schmeckt er jetzt eigentlich? Oder genauer: Wie schmeckt er uns?

So schmeckt Hendrick’s Gin

Im Glas ist er absolut klar und extrem ölig. Beim ersten Schwenken entstehen praktisch gar keine Beinchen, die Flüssigkeit bleibt einfach schwer am Glas kleben. Erst beim nachschwenken, zieht sich der Gin langsam und schwerfällig ins Glas zurück. In der Nase ist er recht intensiv, aber nur schwierig einzuordnen.Wir riechen klar Zitrone und Koriander, undefinierte Kräuter und darunter auch ein wenig Wacholder. Nach einer Weile setzen sich klar florale Aromen durch, die wir aber nicht eindeutig als Rose bestimmen können. Ganz zum Schluss kommt dann ein Hauch Gurke durch.

Nase: Zitrone, Kräuter, Wacholder, florale Noten

Zunge: Süße, Pfeffer, Kräuter, Gurke

Auf der Zunge ist der Hendrick’s Gin zunächst süß und floral. Behält man ihn lange in der Mundhöhle, spürt man eine sehr starke Pfeffernote, die man mit ungeschulter Zunge vielleicht für Alkoholschärfe halten könnte. Wer den Unterschied schmecken möchte, braucht nur eine Flasche Korn für unter 10 Euro und Kopfschmerztabletten. Wenn sich der Pfeffer legt, kommt die Zitrone raus und im Abgang eine kräutrige Wacholdernote, die nach hinten weg merklich bitter wird. Auf der Zunge bleibt ein allgemeiner Gin-Nachgeschmack, mit einem leichten Gurken-Ton. Schmeckt uns das alles? Ja – aber weder die Gurke noch die Rose sind so kräftig, dass Sie den Ton angeben und damit ist Hendrick’s Gin erstmal „Gin halt“, wenn auch ein guter.

Hendrick’s Gin in Cocktails und Gin Tonic

Den Gin Tonic kann er gut, der Hendrick’s. Aber ihm fehlt die Power, um ihn zu dominieren – er braucht als Tonic Water etwas, das sich anschmiegt, etwas zartes. Das Fever Tree Mediterranean bietet sich an, mit Thomas Henry bekommt man so etwas wie den Prototypen eines modernen Gin Tonic. Wer das Gurken-Aroma betonen will, greift zu Doctor Polidori’s Cucumber Tonic. Als Garnitur nimmt man für den Hendrick’s fast immer eine Gurke – natürlich auch für die Extraportion Gurken-Power. Aber ehrlich gesagt: Gurken sind als Garnitur ohnehin sehr intensiv. Das ist schon auch ziemlich spannend, wir mögen das. Aber im G&T hat der Hendrick’s noch so wenig eigenes Gurken-Aroma, dass es eigentlich schon egal ist, ob jetzt dieser oder ein anderer Gin im Cocktail ist.

In anderen Gin-Cocktails macht der Hendrick’s eine anständige Figur, Martinis kann er gut, auch im Gin Basil Smash oder in einem Cucumber Frog macht er Spaß. Geschmacklich lässt er sich in diesen Cocktail-Rezepten einsetzen wie ein herberer, floraler Tanqueray No. 10. Nichts spricht dagegen, diesen Gin für sich als Standard zu wählen – nur beim Gin Tonic gehen wir im Jahr 2016 lieber andere Wege.

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Fazit: Ein ordentlicher Gin, der die Gemüter spaltet – wobei wir uns zwischen den Fronten voll feige auf „Geht so“ positionieren. Toll für Cocktails, nur im Gin Tonic gibt es aktuell spannenderes.

Daten: Schottland, 41,4 Prozent, um 30 Euro

 

JohannTrasch

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