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nginious! Smoked & Salted Gin

nginious! Smoked & Salted Gin ist salzig, rauchig, anders, aber lecker!
nginious! Smoked & Salted Gin ist salzig, rauchig, anders, aber lecker!

nginious! Smoked & Salted Gin hat Rauch und Salz, der Name sagt’s. Das klingt nach billigem Marketing-Trick, nach „Wir wollen die ganzen Islay-Whisky-Säufer abschleppen!“ Vielleicht war das auch irgendwann mal der Grundgedanke. Herausgekommen ist aber tatsächlich ein Gin, der heraussticht, den man bei jedem Blind Tasting sofort wiedererkennt. Und ein Gin, der seinen eigenen Charakter so selbstbewusst ins Feld trägt, dass wir jetzt schon wissen: Den werden einige Leute hassen – und einige andere werden im hoffnungslos verfallen. Genau wie Islay Whisky eben.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller auf unsere Anfrage zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Die Story hinter nginious! Smoked & Salted Gin

Gins aus Deutschland werden nicht nur vielzähliger, sondern auch international immer bedeutender. Man darf das in der Gegenwart von Briten nicht laut sagen, aber scheinbar liegt uns Deutschen der Gin im Blut. Da wundert es wenig, dass auch die Schweizer Gin Marke nginious! (Signature Spirit: Swiss Blended Gin) von einem Deutschen gegründet wurde: Oliver Ullrich betreibt in Zürich eine Ginbar und brennt seit 2014 auch Gin. Aber zugegeben: Mit Ralph Villiger ist natürlich auch ein Schweizer am Projekt beteiligt und gebrannt wird selbstverständlich auch in der Alpenrepublik, bei Hans Erismann. Von dem hat man dank hochwertiger Obstbrände auch hierzulande schon mal was gehört.

Genau wie etwa beim Skin Gin werden bei nginious! Einzelbrände destilliert und dann verschnitten, um ein sehr intensives Aroma zu erzeugen. In Kombination mit dem edlen und griffigen Flaschendesign sorgt man so zumindest für Aufmerksamkeit. Speziell für den nginious! Smoked & Salted Gin legt man dann noch eine Schippe drauf: Zu Einzelbränden aus Wacholder, Quitte, Bitterorange, Koriander und Ingwer kommt ein Destillat aus kaltgeräucherten Kastanien(!) und geräuchertem Sel à l’Ancienne, einem Steinsalz aus den Schweizer Alpen. Weil das alles wohl ein bisschen aufwendiger ist, gibt’s von diesem Gin pro Jahr nur 3.000 Flaschen – das passt zum aktuellen Anti-Massenware-Trend.

Wie schmeckt nginious! Smoked & Salted Gin?

„Die Specials sind Kastanien, Rauch und Salz.“ denken wir uns beim Einschenken und fühlen uns gut vorbereitet. Der nginious! Smoked & Salted Gin ist klar, schwer und ölig, und das obwohl auf dem Etikett noch extra steht, dass der unfiltrierte Gin Trübungen enthalten kann. Nach dem Schwenken bildet er erst nach einigen Sekunden Beinchen, die dick am Glasrand zurück nach unten fließen. Im Geruch merkt man klar die Bitterorange und den Wacholder, dazu aber etwas Herzhaftes. Wüssten wir’s nicht, wir wären ehrlich gesagt nicht drauf gekommen, aber so riechen wir klar die geräucherten Kastanien heraus. Ein spezieller Geruch, der nach einer Weile leicht in Richtung Brot abdriftet.

Als wir am Nosing-Glas nippen, wird uns klar: einen Dreck sind wir vorbereitet. An der Zungenspitze lockt der nginious! Smoked & Salted Gin noch für den Bruchteil einer Sekunde mit zitruslastigen Aromen von der Bitterorange, danach füllt eine salzige Mischung aus Maroni, Rauch und Koriander unseren Mund, im Abgang schüchtern begleitet von einem Hauch Wacholder, der sich trotzdem hinter der Maroni versteckt. Der Rauch ist sanft, unterschwellig, nicht wie bei einem Islay-Whisky die bestimmende Komponente, sondern eine ergänzende. Tatsächlich ist die Kastanie viel intensiver im Mund. Auf den dritten und vierten Schluck folgen dann deutlich fruchtigere Aromen.

Nase: Bitterorange, Wacholder, Kastanien, Rauch

Zunge: Salz, Maroni, Rauch, Wacholder, nach einer kurzen Gewöhnung zitruslastige Fruchtaromen

Während zwei Gin-Fans im Gruppen-Tasting erstmal nur ein halbwegs positiv besetztes, grüblerisches  „Hm.“ in den Raum werfen, urteilt der bekennende Gin-Verächter mit „Woah. Der is fei gut.“ Was macht man jetzt mit so einem Ergebnis? Ist nginious! Smoked & Salted „der Gin für Leute, die keinen Gin mögen“? Vielleicht auch, aber das wird dem spannenden Produkt nicht gerecht.

Wir lassen uns Zeit, probieren über Tage verteilt immer wieder ein Schlückchen. Und freunden uns mit der Maroni-Geschmacksnote des Gins an, bis er zu einem guten, süffigen Kumpel wird. Genauso wie man nicht nach einem Glas sofort Fan der schottischen Rauchbomben Laphroaig und Lagavulin wird (jedenfalls wir nicht), ist auch der nginious! Smoked & Salted etwas, an das man sich rantasten, auf das man sich einlassen muss. Außer man hasst Gin – dann freut man sich einfach, dass er nicht so richtig danach schmeckt.

nginious! Smoked & Salted im Gin Tonic

Was wir nach dem ersten Tasting nie vermutet hätten: Der nginious! Smoked & Salted ist ein fantastischer Tanzpartner für ein gutes Tonic Water: Mit zurückhaltenden Varianten wie dem Fever Tree Mediterranean wird er ein wenig fruchtiger und aromatisch geöffnet, durch die Salz-Note bieten sich Rosmarin oder Thymian als Garnitur an. Auch wenn wir sonst kein Fan von Botanical-Suppe sind: In dieser Kombi lohnt es sich, ein paar rote Pfefferbeeren mit in den Gin Tonic zu kippen.

Mit einem intensiven, floralen Tonic wie dem Fentimans 19:05 Herbal Tonic oder dem Schweppes Dry Tonic bastelt ihr einen Gin Tonic, der wegen der Maroni vordergründig an eine sehr fruchtige Entenfüllung erinnert – zumindest, wenn man sich Brot und Fett wegdenkt. Klingt vielleicht absurd – ist aber irre gut. Hier unbedingt mit grünen Apfelspalten garnieren, um die Frucht-Salz-Maroni-Komponente hervorzuheben.

Gin Tonic in verschiedenen Gläsern mit Gin Botanicals.
Gin Tonic in verschiedenen Gläsern mit Gin Botanicals.

Auch im Gin Fizz macht sich der nginious! Smoked & Salted Gin hervorragend, der Zitronensaft bringt auch die Quitte und Bitterorange etwas besser hervor, das Salz hebt die Süße nach oben. Ein Versuch, den nginious! Smoked & Salted Gin in einen Martini zu packen, scheitert gnadenlos. Die Kombination aus Eis, Wermut und Oliven verwandelt den Cocktail in etwas, das im besten Fall wie Olivenwasser aus dem Glas schmeckt. Aber ein Gin muss nicht in jeden Gin-Cocktail passen – das nennt man Charakter.

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Fazit: Ein besonderer Gin, an den man sich erst gewöhnen muss, und den viele nie lieben lernen werden. Aber geschmacklich eine Bereicherung – für die Welt der Cocktail-Rezepte an sich und für den Gin Tonic im Besonderen.

Daten: 42%, um die 50 Euro, Schweiz

Für diesen Test haben uns die Macher von nginious! Smoked & Salted Gin freundlicherweise auf Nachfrage eine Flasche zum Tasting zur Verfügung gestellt, dafür aber weder eine Gegenleistung verlangt, noch versucht, auf das Tasting oder den Artikel Einfluss zu nehmen. Dafür – und für einen Gin, den wir noch mit vielen Tonics testen werden – vielen lieben Dank!

JohannTrasch

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