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Spitzmund Gin Limited Editions: Sherry Cask Reserve und Gin Rosé

Die Limited Editions des Spitzmunds Gins: ein fassgelagerter Gin und einer mit frischen Erdbeeren.
Die Limited Editions des Spitzmunds Gins: ein fassgelagerter Gin und einer mit frischen Erdbeeren.

Der Spitzmund Gin präsentierte sich bei uns vor einigen Monaten als Prototyp eines New Western Dry Gins, der sich vom Wacholder abwendet (auch wenn er noch zu schmecken ist) und den Fokus auf weniger klassische Botanicals lenkt. In diesem Fall waren das Pflaume und Haselnuss – generell sollte die Aromen-Kombi vor allem mit roten Säften funktionieren. Tat und tut er auch. Auch bei den Zusatz-Editionen geht Andreas Werner, Bartender und der Mann hinter Spitzmund, eigene Wege.

Statt wie andere Gin-Hersteller für neue Ideen jetzt auf Navy Strength-Varianten oder einen Sloe Gin zu setzen, setzen seine Limited Editions auf Holz- und Erdbeer-Aromen: Der Sherry Cask Reserve Gin reift in einem Oloroso-Fass nach, der Gin Rosé wird mit Bio-Erdbeeren angereichert. Man könnte jetzt einfach mal unterstellen, dass eine dieser Limited Editions klar auf Männer als Zielgruppe abzielt und der andere mit seinem rosa Glanz und den fruchtigen Aromen eher auf die Damen. Aber wir haben schon 140-Kilo-Männer Appletinis trinken und die zierlichsten Damen die rauchigsten Torfbomben saufen sehen. Sowas hilft gegen Sexismus.

Die Story hinter den Spitzmund Gin Limited Editions

Wer etwas zur grundsätzlichen Hintergrundgeschichte des Spitzmund wissen möchte, wirft lieber direkt einen Blick in unseren Artikel zum Signature-Spirit von Spitzmund. Hier und jetzt kümmern wir uns einzig und allein um die beiden Spezial-Gins. Die haben dann zugegeben keine ellenlange Hintergrundgeschichte – ihre Entstehung haben sie wohl ihrem experimentierfreudigen Macher zu verdanken, der in seiner Kieler Bar auch gerne mal in Richtung Molekularküche denkt. Den Zusatz Limited Edition verdanken Sie der geringen Auflage Ihres ersten Batches: 450 Flaschen beim Gin Rosé und gerade mal 85 beim Sherry Cask Reserve Gin.

Beide Limited Editions hat uns Andreas Werner als Probe-Fläschchen zusammen mit der Flasche Spitzmund für unser Tasting vor einigen Monaten zukommen lassen (dabei aber natürlich keinerlei Einfluss auf’s Tasting zu nehmen versucht). Jetzt war’s eben allerhöchste Zeit, sie auch mal ausgiebig zu probieren. Auch wenn wir bedingt durch die Größe der Fläschchen keine ausführlichen Cocktail-Tests machen konnten, reicht’s natürlich locker für einen ersten Eindruck. Vor allem, weil sich (Achtung, Spoiler!) beide auch hervorragend zum Pur-Genuss eignen.

So schmeckt der Spitzmund Gin Rosé

Im Glas scheint der Gin Rosé hellrosa und freundlich, erinnert tatsächlich an einen klassischen Pink Gin (Gin mit Angostura Bitters). In der Nase findet sich zuallererst die Erdbeere, dann folgt ein kleiner Schub Wacholder. Nach einem kleinen Schwenker erscheint eine angenehme Champagner-Note, für einen kurzen Moment riecht der Gin Rosé wie eine erfrischende, natürliche Erdbeer-Limo. Hinten raus legt sich eine leichte Schwere wie von Rotwein, die aber von einem Hauch Zitronenschale wieder aufgefangen wird.

Nase: Erdbeere, Wacholder, Champagner, Rotwein, Zitrone

Mund: Erdbeere, Pfeffer, Basilikum, Wacholder, Sahne

Im Mund ist der Spitzmund Gin Rosé irre weich und mild und auch hier drängt sich vor allem die Erdbeere nach vorne. Ein leichter Anklang von Pfeffer spült die Erdbeer-Note weg, die bis dahin alles übermannt. Erst jetzt im Nachgeschmack schmecken wir ein Mehr an Aromen, im Mund selbst wirkt der Gin zunächst ein wenig flach. Aber jetzt erleben wir Basilikum, Wacholder, eine leichte Zitrusnote mit etwas Sahne. All das bleibt auch beim zweiten Schluck auf der Zunge, der etwas flache Ersteindruck bestätigt sich also nicht.

So trinken wir den Spitzmund Gin Rosé

Das Rosé ist hier Programm, trotz 44 Prozent Alkohol lässt sich der Gin trinken wie ein leichter Wein, er eignet sich hervorragend als Sipping Gin. Denkbar ist auch eine Variante als tatsächlicher Pink Gin, mit nichts als Angostura Bitters und höchstens noch ein wenig kaltem Wasser. Auch als fruchtiger Martini ist er gut vorstellbar. Bei Cocktails mit komplexeren Aromen ist er aber wohl eher schlecht aufgehoben. Im Gin Tonic würden wir ihn mit einem eher milden Tonic Water wie dem Fever Tree Mediterranean mixen, um der Erdbeere den Platz zu geben, den sie braucht. Garnish-Tipp: ein Basilikumblatt.

So schmeckt der Spitzmund Sherry Cask Reserve

Das sanfte gelb des Sherry Cask Gins macht von der ersten Sekunde an klar, wohin die Reise geht: In der Nase dominieren eichige Holz-Aromen, die sich zusammen mit ein wenig Wacholder fast zu etwas leicht harzigem verbinden. Wer den Gin kurz stehen lässt oder ein, zwei Tropfen Wasser hineingibt, erlebt wie er sich öffnet: Honig riechen wir da, ein winziges bisschen frischgemahlenn Pfeffer und Zitrone, dazu etwas fruchtiges, das Aprikose sein könnte.

Nase: Holz, Wacholder, Honig, Pfeffer, Zitrone, Aprikose

Mund: Zitrone, feuchter Wald, Wacholder, Vanille, Holz, Rosmarin

Im Mund erwarten wir zunächst die holzigen Aromen, aber der Spitzmund Sherry Cask Reserve kommt grotesk frisch daher, mit einer bittersüßen Mischung aus Zitrone, feuchtem Wald und Wacholder. Erst dann schmecken wir eindeutig das Holz, in Kombination mit einer tollen Vanille. In diesem Moment erinnert dieser Gin fast an einen Bourbon. Die Vanille bleibt auch nach dem Trinken im Mund, der Nachgeschmack macht aus Wacholder und Holz dann etwas in Richtung Rosmarin.

So trinken wir den Spitzmund Sherry Cask Reserve

Auch dieser Gin ist pur eine gute Nummer und wir  geben’s ehrlich zu: er trifft mit seinen Holz-Aromen in unserer Runde eher den Massengeschmack, auch wenn beide Limited Editions handwerklich gut gemacht sind. In einem Gin Tonic verträgt er sich wahrscheinlich ziemlich gut mit klassischen, bitteren Varianten wie dem normalen Thomas Henry, wobei wir das Mischverhältnis maximal auf 2:1 setzen würden. Spannend stellen wir uns auch einen Gin Old Fashioned mit der Sherry Cask Reserve vor, generell passt er aber in jedes Cocktail-Rezept, in dem Fassaromen und Gin-Noten gleichzeitig gefragt sind. Was zugegeben wahrscheinlich nicht besonders viele sind.

Fazit: Zwei spannende, besondere Gin-Varianten, mit denen man sicher irre viel Blödsinn anstellen kann und die auch im Pur-Genuss funktionieren. Wären da nicht die gesalzenen Preise: 50 Euro für den Gin Rosé, fast 60 für den Sherry Cask Reserve, das macht Literpreise von knapp unter und deutlich über 100 Euro. Das ist happig.

Daten Sherry Cask Reserve: ca. 60 Euro, 0,5 Liter, Deutschland, 49%

Daten Rosé Gin: ca 50 Euro, 0,5 Liter, Deutschland, 44%

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JohannTrasch

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