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Spitzmund Gin

Spitzmund Gin soll vor allem in Cocktails mit Fruchtsäften funktionieren - tut er auch.
Spitzmund Gin soll vor allem in Cocktails mit Fruchtsäften funktionieren - tut er auch.

Spitzmund Gin kommt in einer tiefschwarzen Flasche daher, mit einem dicken, fetten Anker drauf. Eine Flasche, die förmlich danach schreit, dass man sich mit dem Inhalt versehentlich einen Grog mixt und auf Piraten-Kreuzfahrt geht. Die Optik kommt nicht von ungefähr: Das Ding kommt aus Kiel, wird in Schleswig-Holstein gebrannt. Und trotz der maskulin-maritimen Optik will dieser Gin dann vor allem roten und rosa Säften gefallen. Kann das zusammenpassen? Klar, wenn ihr mal aufhört in bürgerlichen Junge-Mädchen-Kategorien zu denken, ihr Spießer!

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller auf unsere Anfrage zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Die Geschichte zum Spitzmund

Die Botanicals: Pflaume, Haselnuss, Koriander, natürlich Wacholder und noch diverses andere soll dafür sorgen, dass der Gin sich besonders gut an besagte Fruchtsäfte anschmiegt. Red Gin nennt sich diese Kombi aus Spitzmund und Cranberry-, Trauben- oder Grapefruitsaft, die zeigen soll, dass man Gin nicht nur mit Tonic aufschütten kann. Ausgedacht hat sich das Barkeeper Andreas Werner, der zusammen mit Brenner Ralf Stelzer in kleinen Batches von jeweils 700 Flaschen produziert. Er legt Wert auf Handarbeit, darauf, einen „handcrafted“ Gin zu produzieren. Und hat damit durchaus Erfolg – überwiegend positive Reviews und inzwischen auch erste Preise sprechen für sich.

Spitzmund pur im Nosing-Glas.
Spitzmund pur im Nosing-Glas.

Werner ist experimentierfreudig, veröffentlicht zuletzt einen Sherry Cask Reserve Gin aus dem Oloroso-Fass und den Gin Rosé mit Erdbeeren, limitiert auf 500 Flaschen. Wir geben’s zu: Ersterer macht uns heiß, Letzterer entlockt uns erstmal nur eine hochgezogene Augenbraue. Tastings folgen demnächst natürlich trotzdem zu beiden. Aber während die Limited Editions eher für den Pur-Genuss konzipiert wurden, setzt der originale Spitzmund vor allem (aber nicht nur) auf den Einsatz als Mix-Spirituose. Wir starten trotzdem erstmal mit dem Pur-Tasting.

So schmeckt Spitzmund New Western Dry Gin

Im Glas ist der Spitzmund klar und hell, ölig. Die Beinchen nach dem Schwenken sind schwer, sehr langsam. Anders als das Label New Western Dry Gin (ein Label für weniger wacholderlastige Gins) und der Fokus auf rote Säfte vermuten lassen, ist das Aroma eher klassisch, nicht übertrieben fruchtig. Noch bevor die Pflaume durchsticht, erreichen Wacholder und Orangenschalen die Nase. Der erste Duftschwall geht über zu einer eher zitronigen Note mit Gewürz-Noten von Piment und Muskat und warmen Birnen.

Nase: Wacholder, Orangeschale, Pflaume, Piment, Muskat, Birnen

Mund: Pfeffer, Bitterkeit, Wacholder, Muskat, Piment, Haselnuss

Im Mund ist der Spitzmund sehr warm, eine erste leichte Pfefferschärfe spült Bitternoten und viel Wacholder auf die Zunge. Muskat, Piment und Zitrusnoten kommen nach, verfolgt von der Haselnuss, die wir in der Nase noch suchen mussten, zusammen mit einer herben Obstler-Fruchtigkeit. Erst, als wir den Gin lange im Mund lassen und einspeicheln, finden wir auch hier die Pflaume wieder, beim normalen Trinken fehlt sie und. Ähnliche Effekte erreichen wir, als wir einige Tropfen Wasser ins Glas geben. Schönes Ding – das aber erstmal mehr zur tiefschwarzen Seefahrer-Flasche passt als zur Saft-Agenda.

Spitzmund New Western Dry Gin in Cocktails und Gin Tonic

Sehen wir der Sache ins Auge: die meisten von euch werden sich den Spitzmund kaufen, um sich einen Gin Tonic damit zu mixen. Dieser Gin harmoniert mit den meisten Tonics ziemlich gut, die schönsten Ergebnisse erzielen wir aber mit Elderflower Tonics von Thomas Henry und Fever Tree. Der Holunderton funktioniert gut mit den Gewürznoten, hebt sie noch ein wenig hervor,. Mit klassischen „normalen“ Tonic Waters wie dem Thomas Henry Tonic Water oder auch einem Schweppes Indian Tonic Water fahren wir aber auch gut, wobei man damit nicht dünner als 3:1 mixen sollte, um den Gin nicht zu erschlagen.

Eher milde Tonics wie das Fever Tree Mediterranean sind für unseren Geschmack vergleichsweise fad. Was die Garnitur angeht, schlägt Spitzmund ganz innovativ eine Grapefruit-Zeste vor oder je nach Tonic Water auch Gurke oder Rosmarin. Funktioniert alles drei zwar super – aber gerade in Kombi mit klassischen Tonics hat uns dann doch eine Zimtstange als Garnitur am meisten begeistert.

Spitzmund Gin im Gin Tonic.
Spitzmund Gin im Gin Tonic.

Die hatten wir nämlich noch vom Hot Spitzmund übrig – einer heißen Eigenkreation, die wohl eher auf die Wintermonate ausgerichtet ist, aber dann hervorragend funktioniert. Spitzmund Gin stellt auf der eigenen Webseite neben diesem Gin-Tee auch diverse andere Drinks  vor, darunter auch einige Signatures. Auch den nach der Spirituose benannten Spitzmund mit Grapefruitlikör, Triple Sec, Gin, Zitronensaft und Zuckersirup. Ein fein austariertes Cocktail-Rezept, das sich geschmacklich genau in die Mitte zwischen Frucht und Gewürzen legt. Der Spitznut dagegen fällt bei uns im Test ein wenig ab – der Cocktail aus Traubensaft, Haselnusslikör und Grapefruitsaft krankt im Test an der unaufhaltbaren Übermacht der Traube. Unter den beiden getesteten Red Gin-Varianten mit Traube und Cranberry ist es dann auch genau die Traube, die uns mit einem „Mäh.“ zurücklässt. Dafür zaubert uns eine eigene Komposition mit Grapefruit ein breites Grinsen ins Gesicht und wir sitzen mit unseren rosa Drinks im Kreis wie glücklich schweigende Deppen.*

In den Gin-Cocktail-Klassikern wie Martini und Gimlet funktioniert der Spitzmund, sogar gut. Vor allem das Zusammenspiel mit Wermut ist ein Volltreffer, auch wenn das Ergebnis natürlich vom eher schweren, warmen Spitzmund fast schon ein bisschen weihnachtlich wirkt. Wer glaubt, das macht im Sommer sicher keinen Spaß, sollte einen solchen Martini mal nachts um 2 am Lagerfeuer genießen. Der wärmt dann von innen – und zwar stilvoll.

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Fazit: Schöner Gin, hat je nach eurem persönlichen Geschmack auch das Potenzial zum Lieblingsgin – vor allem in den Red Gin-Kombis ist er stark. Für den Pur-Genuss ist er zwar durchaus geeignet, wir sehen ihn aber eher als Bandleader denn als Solokünstler.

Daten: 47 Prozent, um 35 Euro für 0,5 Liter, Deutschland

Andreas Werner hat uns freundlicherweise eine Flasche Spitzmund für Tasting und Cocktail-Experimente sowie einen ganzen Packen zusätzlicher Infos zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf den Artikel noch das Tasting an sich Einfluss zu nehmen versucht. Danke dir für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit 🙂

* In einer früheren Variante des Artikels sprachen wir von der Kombi Spitzmund + Grapefruitsaft als einem der drei Red Gins – da haben wir uns vertan. Neben Cranberry und Traube ist Rhabarber der Red Gin III – den haben wir bisher zugegeben auch noch nicht getestet. Unsere Grapefruit-Variante ist zwar lecker, aber kein offizieller Red Gin. 

JohannTrasch

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