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Belebende Gojibeere und Feuriger Ingwer aus der Klosterbrennerei Wöltingerode

Feuriger Ingwer und Belebende Gojibeere - beide Liköre sind in unserem Spicy Goi verarbeitet.
Feuriger Ingwer und Belebende Gojibeere - beide Liköre sind in unserem Spicy Goi verarbeitet.

Die Klosterbrennerei Wöltingerode kennen Cocktailbart-Leser wahrscheinlich vom Mundus 45 – einem sehr klassisch angehauchten Gin, der in Zusammenarbeit mit dem Sternekoch Markus Semmler entstanden ist und dem als stilgebendes „Botanical“ eine Portion Tresterbrand innewohnt. Mit dem Gin versucht die moderne Klosterbrennerei neue Wege zu gehen, sowohl was die hauseigenen Spirituosen an sich angeht, als auch im Marketing-Bereich. Wacholder ist schließlich hip, im Gegensatz zu Korn und Magenbitter.

Die Flaschen für dieses Tasting wurden uns von der Klosterbrennerei Wöltingerode zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Dass man aber auch in den klassischen Altherren-Kategorien ganze neue Wege gehen kann, das zeigt die Brennerei mit den Likören Belebende Gojibeere und Feuriger Ingwer. Was klingt wie Salben aus einem Laden für esoterischen Unfug, sind Schnäpse, die so ganz anders sind als die Kräuterliköre, die man in einer Jahrhundertealten Brennerei aus der Mitte Deutschlands erwartet – und mit denen man durchaus moderne Drinks mixen kann. Wer mehr über die Klosterbrennerei an sich erfahren möchte, der springt zu unserem Artikel über den Mundus 45 – hier starten wir direkt mit den beiden Likören.

Gojibeeren-Likör und Ingwer-Likör: Wieso?

Wer an Liköre für Cocktails denkt, der hat Chartreuse und Maraschino im Kopf, Triple Sec und St. Germain. Likör aus deutscher Produktion, den trinkt Oma. Zugegeben: beim Gros der Brennereien mag das noch so sein, aber viele denken um, entdecken neues, füllen Lücken. Wir wissen nicht, was der Grundgedanke hinter Likören aus Gojibeeren und Ingwer war, aber beide Lebensmittel fallen in die Kategorie der Superfoods: Nahrung, die besonders vitaminreich und gesund sein soll. Auch, wenn das bei einer Spirituose flach fällt: Mit diesen beiden Zutaten schwimmt man selbst außerhalb von Powerriegeln, Fitnessstudio und Detox-Wahn im Trend.

Die Belebende Gojibeere als kleines Schmankerl in einem Gin Tonic!
Die Belebende Gojibeere als kleines Schmankerl in einem Gin Tonic!

Diesen Hintergedanken mal außen vorgenommen sind Gojibeeren und Ingwer halt auch einfach mal lecker – gerade Letzterer hat sich dank Ginger Beer und Ginger Ale ohnehin schon lange fest in der Cocktail-Welt etabliert. Mit dem Gojibeeren-Likör dagegen bekommen wir etwas fruchtiges, rotes an die Hand, das – so zumindest die Vermutung nach dem ersten Schnuppern – problemlos als ausgefallener Grenadine-Ersatz herhalten kann. Aber bevor wir mit den ersten Experimenten loslegen, kommt natürlich die Pur-Verkostung.

So schmeckt Belebende Gojibeere

Im Glas erscheint der Likör mit einem warmen Rot, in der Nase kommt er zunächst mit wuchtiger Fruchtigkeit an und frischer als gedacht. Vordergründig riecht er natürlich nach Gojibeere, doch die wenigsten von uns dürften damit ganz klare Aromen verbinden. So ist es dann eher Früchtetee und Hibiskus den wir herausriechen und im Nachgang ein Hauch von Kamille. Nach einer Weile gesellt sich dazu ein wenig sahnige Vanille.

Nase: Gojibeere, Früchtetee, Hibiskus, Kamille, Vanille

Mund: Fruchtbonbon, Kirschen, Himbeeren, Gojibeere, Hibiskus, Rosenblüten

Auf der Zunge wirkt er weniger süß als gedacht, sehr fruchtig und rund. Immer noch zu zuckrig für uns als Likör-pur-Verächter, aber ausnahmsweise würden wir es verstehen, wenn ihn jemand pur trinken möchte. Er hat etwas von Fruchtbonbon, Kirschen und Himbeeren spielen mit. Natürlich ist auch hier wieder die Gojibeere stilgebend. Im Abgang ist es dann wieder ein Hauch von Hibiskus, den wir wahrnehmen.  Auf den zweiten Schluck offenbaren sich dann noch Rosenblüten.

So schmeckt Feuriger Ingwer

Der Feurige Ingwer wirkt im Glas etwas trüb, hat ansonsten die Farbe sehr hellen Weißweins mit einem leichten Gelbstich. In der Nase ist er so eindeutig Ingwer, wie es nur möglich ist, allerdings noch ohne das versprochene Feuer. Dahinter schieben sich nach einer Weile noch etwas frisch geschnittenes Gras und ein Hauch von Getreide, allerdings sonst nichts mehr. Damit bleibt er milder und vor allem weniger breit als gedacht – zumindest olfaktorisch.

Nase: Ingwer, frischgeschnittenes Gras, Getreide

Mund: Wacholder, Grapefruit, Holz, Trauben, Zitronenzesten, Pfirsichblüten

Auch dieser Likör ist etwas weniger süß als erwartet, vor allem ist er auf der Zunge aber endlich feurig. Frisch-scharf kommt der Ingwer bei uns an und gleitet mit einem angenehmen Brennen den Rachen hinunter. Neben dem vordringlichen und sehr natürlichem Ingwer schmecken wir Honig und ein wenig Holz. Wer schon mal kandierten Ingwer gegessen hat, fühlt sich sofort daran erinnert. Ein Hauch von Karamell schwingt dann auch mit, zusammen mit leichten, sehr angenehmen Bitternoten. Auch auf der Zunge ist der Feurige Ingwer nicht überragend breit – aber liefert dafür vollen Ingwer.

Belebende Gojibeere und Feuriger Ingwer in Cocktails

Beide Liköre bringen etwas sehr eigenes mit, das wir in dieser Form noch nicht in Drinks verarbeitet haben. Also fangen wir mit dem einfachsten denkbaren Einsatzgebiet an: Wir veredeln damit unseren Gin Tonic. Das Ergebnis ist sogar noch besser als gedacht: Mit der Gojibeere bekommt der G&T einen sanftrosa Einschlag und eine zurückhaltende Fruchtigkeit ohne den Drink komplett ins Tal der Übersüßtheit abstürzen zu lassen. Mit dem Ingwer wird der Longdrink ein wenig veredelt, die Schärfe geht jedoch nahezu komplett verloren. Schade.

Im nächsten Schritt wagen wir etwas ausgefallenere Experimente, zunächst mit dem Feurigen Ingwer. Ein Experiment im Gurkeneiswürfel-Gin-Vermouth-Drink sieht spannend aus, aber hat noch zu viele Fehler, als dass wir auf das Rezept eingehen möchten. Im Negroni Blanco mit weißen Vermouth und Gin dagegen funktioniert der Likör hervorragend, behält sogar einen angenehmen Teil seiner Schärfe. Werden wir wieder servieren.

Als spannender erweist sich jedoch der Goji-Likör, der auch als Hauptzutat eine leckere Nummer ist. Aufgegossen mit Ginger Beer als Goji Mule kommt er vor allem bei den Ladys absurd gut an. Auch hier gibt es jedoch ein fehlgeschlagenes Experiment – dieses Mal mit  Balsamico-Essig, Gin, Minze und Honig. Schmeckte besser als es aussah, aber das ist auch keine große Kunst. Was wir dabei aber herausfinden: Gojibeeren-Likör, guter Balsamico und Senf ergeben zusammen ein Salatdressing, dass es dir den Vorspeisen-Vogel raushaut.

Für den Spicy Goji kombinieren wir die Liköre am Ende dann sogar:

  • 2 cl Belebende Gojibeere
  • 2 cl Belebender Ingwer
  • 2 cl Mundus 45
  • 2 cl Zitronensaft
  • 1 Eiweiß

Alles zusammen auf Eis hart shaken, anschließend einmal abseihen und noch einmal ohne Eis schütteln, damit sich eine Schaumkrone bildet. In ein vorgekühltes Coupette-Glas abseihen und mit Minze garnieren. Trinken.

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Fazit: Runde Liköre mit außergewöhnlichen Geschmacksrichtungen zu sehr fairen Preisen. Kreative Cocktail-Köpfe werden hieran ihren Spaß haben.

Daten: je 25 Prozent, Deutschland, 0,5 Liter, 12 Euro

Die Klosterbrennerei hat uns eine Flasche des Feurigen Ingwers und der Belebenden Gojibeere für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

JohannTrasch

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