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Black Forêt: Das Cocktail-Wunder aus Weizen- und Obstbrand

Der Obstbrand-Cuvee Black Forêt funktioniert herausraged gut in Sour- und Fizz-Cocktails.
Der Obstbrand-Cuvee Black Forêt funktioniert herausraged gut in Sour- und Fizz-Cocktails.

Obstbrand hat diese Aura von „dat Zeug, wat bei die Omma steht“. Dabei ist ein gut gemachter Obstbrand dank gewaltiger Aromentiefe und -breite eine Hammer-Basis für einen Cocktail. Hunderte leidenschaftliche Brenner und Bartender mühen sich Tag für Tag ab, ihren Kunden genau das klar zu machen. Gefühlt wird das auch langsam was und mehr und mehr Genießer wissen gehobenes Kulturtrinkertum und gut gemachte Obstbrand-Drinks zu schätzen – trotzdem prangt immer noch das Alte-Leute-Stigma auf diesen Cocktail-Rezepten. Deswegen macht die Destillerie Kammer-Kirsch den Ninja und versteckt ihre Obstbrände mit Black Forêt seit Ende 2015 im Hipster-Mantel.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller auf unsere Anfrage zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Wer steckt hinter Black Forêt?

Black Forêt ist ein Weizendestillat, das mit drei Obstbränden verschnitten wurde. Das klingt zwar jetzt, als hätte jemand eine Flasche Korn genommen und Kirsch, Zwetschgenwasser und Willy reingeschüttet, ist aber tatsächlich ein ziemlich anspruchsvoller Cuvee aus edlen Bränden. Mit denen kennt man sich in der Destillerie Kammer-Kirsch in Karlsruhe aus, hier werden diverse Obstbrand-Varianten produziert, ebenso wie Whisky, Sahneliköre und ein Apfelwodka. Mit dem Black Forêt springt das Unternehmen jetzt auf den jüngeren Mixology-Trend auf, legt sich eine neue Marke mit stilvollen Web-Auftritt, einen Brand Ambassador und einen erfolgreichen Bartender namens Anton Röder als Aushängeschild zu:

Dabei bleibt man aber der Kernkompetenz – Obstbränden – und der Heimat – dem Schwarzwald – treu. Ein ganz ähnliches Konzept verfolgte man beim Black Forest Dry Gin, wenn auch gefühlt halbherziger und mit weniger klarer Markenbotschaft. „Worlds most mixable spirit“ prangt auf dem Etikett um den Hals einer tiefschwarzen Flasche mit einem Uhu namens Blacky darauf. Weil wir nirgendwo Infos dazu haben, welche drei Obstbrände jetzt genau drin sind und das Rezept laut der offiziellen Webseite von Waldgeistern gesegnet und vom Uhu bewacht wird, müssen wir’s wohl selbst erschmecken. Aber vorher mussten wir herausfinden, wie man den französischen Teil des Namens jetzt ausspricht. Nämlich so:

Wie schmeckt Black Forêt?

Weil bei uns der schwarze Deckel des Korkens abgeht, sind wir erstmal ein wenig maulig. Mit dem Korkenzieher kann man hier nicht ran, also ist das Öffnen der Flasche ein tierisches Gepopel. Passiert aber bei jedem Destillat irgendwann mal – kann also keiner was dafür. Außerdem entschädigt der  Black Forêt uns mit seinem klaren und hell strahlendem Erscheinungsbild und einem fantastischen Duft: Volle, reife Früchte, die von einer sanften, leicht medizinischen Esternote begleitet werden. Wir meinen etwas Kirsche und Zwetschge herauszuriechen, bevor ein floraler Duft und eine spritzige Champagner-Note das Aroma abrunden. Als wir den Black Forêt in der Hand erwärmen, kommt ganz leicht das sommerliche Getreide durch.

Nase: Reife Früchte, Ester, Kirsche, Zwetschge, Champagner

Mund: Zwetschgen, Mirabellen, Aprikose, Kirsche, Champagner

Im Mundraum entfacht der Black Forêt ein mittelschweres Feuerwerk an Frucht-Noten: Warm und reif kommen sie daher, die Zwetschgen, Mirabellen, Aprikosen, ein Hauch Kirsche und wieder dieser leichte Champagner, alles auf einmal, so dass es einen förmlich übermannt. Im Nachgeschmack bleibt eine intensive, spannende Fruchtnote und nach dem vierten oder fünften Schluck schmeckt man tatsächlich auch den Weizen. Dieser Frucht-Wucht (Sorry.) fehlt es an Tiefe, zugegeben. Dafür kommt sie mit einer intensiven Breite daher, die diesen Obstbrand-Cuvee tatsächlich zu einem mächtigen Cocktail-Werkzeug macht. Also richten wir unseren Blick auch darauf.

Der Black Forêt in Cocktails

Obstbrände werden in der modernen Cocktail-Welt für diverse Drinks eingesetzt, die jedoch meist sehr eng mit der jeweiligen Spirituose verbandelt sind. Klar, Obstbrand ist eben nicht gleich Obstbrand, dafür sind die Ausgangs-Zutaten einfach zu verschieden. Das Drink-Syndikat spielt in seinen diversen Boxen gerne mit Obstbränden und auch Revolte Rum greift für seine diversen Signatures auf Williams-Birne zurück. Auch der Black Forêt muss seinen Drink der Drinks erst noch finden, weshalb bis Ende Juli auch ein Signature Mixing Contest lief. Bis die Ergebnisse davon eintrudeln, müssen wir uns aber an ein paar Standards austoben, die ihr auch auf der offiziellen Webseite von Black Forêt findet.

Black Forêt kommt dank intensiver Frucht-Aromen sogar gegen Ginger Beer an.
Black Forêt kommt dank intensiver Frucht-Aromen sogar gegen gewisse Mengen Ginger Beer an.

Fangen wir mit dem an, was heraussticht: der BF Sour. Oder besser: der BF Fizz, den wir aus dem Sour machen. 2 Teile Black Forêt, 1 Teil Zitronensaft, Zuckersirup und  Eiweiß – weil wir unsere Sours gerne cremig mögen, auch wenn die Variante auf der Webseite ohne Ei auskommt. Das Ergebnis: ziemlich lecker, sehr fruchtig-sauer. Die Kombi aus Obstler-Noten in Verbindung mit der Säure ist durchaus was, das man sich öfter mal bestellen kann. Aber aufgefizzt mit ein wenig Mineralwasser wie im Bild oben – das ist ein einzigartiges Erlebnis. Das Wasser erlaubt dem Black Forêt, sich im Cocktail zu öffnen und gibt zusätzliche Aromen frei, statt einfach den Drink zu verwässern. Nicht, dass wir den Signature Contest in Frage stellen wollen. Aber der BF Fizz ist in seiner Einfachheit so brillant, da wird es schwierig, dagegen anzustinken.

Black Forêt mit Cola, Ginger Beer und als Mojito

Der spannendste Cocktail im aktuellen Arsenal an Signatures von Black Forêt ist der BF Opium – mit Mohntinktur und Tamarindensirup. Weil uns beides fehlt (setzen wir aber an, versprochen), müssen wir mit den simpleren Sachen Vorlieb nehmen: Dem BF Mule mit Ginger Beer und Limette und dem Blacky Cola mit Fritz Kola und Limette etwa. Letzteres ist genau so, wie man sich ein Getränk namen Blacky Cola vorstellt; es erinnert frappierend an die Kirschwasser-Spezi-Mischungen, die wir uns Ende der 90er zusammengemischt haben. Kann man schon irgendwie trinken. Mixen wir aber sicher nicht nochmal. In Kombination mit dem Ginger Beer dagegen, als BF Mule sieht die Sache ganz anders aus.

Damit die Obstbrand-Noten gegen die Ingwer-Schärfe ankommen, solltet ihr maximal 2:1 mixen, aber dann erhaltet ihr einen irre spannenden Mule, gegen den die Wodka-Variante durchaus ein bisschen abstinkt. Vor allem weil der Schwarzwald-Obstler verstörend gut mit Gurke kann. Im BF Mojito kommt zum Black Forêt ein wenig Minze, Limette und Zucker. Das funktioniert – aber hat nicht die Klasse des Mules und bringt nicht dieses Gefühl von „Hier passiert gerade was ganz großes!“ wie im Fizz. Aber man kann ja nicht immer nur die Welt verändern, oder?

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Fazit: Obstbrand hat einen neuen Botschafter. Der Black Forêt vielleicht nicht wirklich „Worlds most mixable spirit“ – aber er ist zumindest nah genug dran, damit das kleine bisschen Extra-Selbstbewusstsein mehr charmant als arrogant wirkt. Wir wollen jedenfalls mehr BF-Cocktails. Und zwar jetzt.

Daten: 40%, um 34 Euro, 0,7 Liter, Deutschland

Kammer-Kirsch hat uns auf Nachfrage eine Flasche Black Forêt für das Tasting zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf den Artikel, noch auf das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle Zusammenarbeit 🙂 

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JohannTrasch

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