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Barsol Pisco Primero Quebranta: der Peruaner für Einsteiger und Pisco Sour-Fans

Barsol Pisco Primero Quebranta in einem Pisco Punch. Für den braucht man eigentlich einen Italia-Pisco - schmecken tut er trotzdem.
Barsol Pisco Primero Quebranta in einem Pisco Punch. Für den braucht man eigentlich einen Italia-Pisco - schmecken tut er trotzdem.

Pisco ist unter den Spirituosen-Kategorien so etwas wie der ausgewanderte Cousin zweiten Grades: Die Familie erzählt sauwitzige Geschichten über ihn und man kennt ihn als den irre sympathischen Kerl von dieser einen Hochzeitsfeier von vor fünf Jahren, aber so richtig beschäftigt hat man sich nie mit ihm. Der Traubenbrand ist das Nationalgetränk in Chile und Peru und die Haupt-Zutat in weltbekannten Drinks wie dem Pisco Sour und dem Pisco Punch, aber mehr auch nicht – anders als bei Mezcal, Genever oder Korn spricht bei Pisco keiner davon, dass er „das nächste große Ding“  wäre. Anschauen sollte man sich den Weinbrand trotzdem mal – und mit dem Primero Quebranta bietet Barsol Pisco dafür einen unkomplizierten und bezahlbaren Einstiegspunkt.

Die Story hinter Barsol Pisco

Barsol Pisco stammt aus Peru und wird damit nach den sehr strikten Regelungen des südamerikanischen Landes produziert, sprich: handwerklich, mit mechanischen statt industriellen Pressen und ohne irgendwelche Zusätze. Unter „Zusätze“ fällt in Peru anscheinend sogar Trinkwasser, weswegen die Brennmeister von BARSOL den Pisco mit sehr viel Fingerspitzengefühl brennen müssen, um auf die 41,3 Volumenprozent Alkohol zu kommen, die der Primero Quebranta hat.

BARSOL wird auf der Bodega San Isidro gebrannt, im Ica-Tal. Hier findet der größte Teil der Pisco-Produktion Perus statt, seit dem frühen 20. Jahrhundert ist auch die Bodega daran beteiligt, seit 2004 unter dem Namen BARSOL. So richtig groß wurde die Destille aber erst mit der Übernahme durch Diego Loret de Mola und Carlos Ferreyros 2002, knappe 11 Jahre nachdem Peru angefangen hatte, die Pisco-Produktion aus Qualitäts-Gründen zu reglementieren. Sie modernisierten Unternehmen und technische Ausstattung rechtzeitig, bevor der Traubenbrand endgültig zum Exportschlager wurde.

Auch, wenn die Bodega noch weitere Pisco-Marken produziert, ist BARSOL das klare Zugpferd – die Marke macht 10 Prozent des gesamten Pisco-Exports Perus aus und ist damit drittgrößter Spirituosen-Exporteur des Landes. Und auch, wenn das Unternehmen eine große Bandbreite teils sehr komplexer Traubenbrände auf den Markt stellt: den Großteil davon stellt wohl der Primero Quebranta, der ausschließlich aus der Quebranta-Traube gebrannt wird und als die perfekte Variante für den Pisco Sour gilt. Testen wir. Aber vorher wollen wir wissen: Wie schmeckt er pur?

So schmeckt der Primero Quebranta

Im Glas ist der Pisco klar und vergleichsweise leicht. Obwohl er von der Viskosität her fast schon wässrig wirkt, zieht er aber ansehnliche, dicke Beinchen. In der Nase kommen zunächst sehr tropische, fruchtige Noten an, die fast schon an Rum-Ester erinnern, aber viel leichter und frischer wirken. Die Trauben riecht man klar heraus, das verwandelt sich mit der Zeit aber in säuerliche Weißwein-Aromen. Lässt man ihn eine Weile stehen, wird dieser BARSOL etwas schärfer und ein sanfter Ingwer-Ton kommt zur Geltung.

Nase: Tropische Früchte, Trauben, Weißwein, Ingwer

Mund: Früchte, Zitrone, Erdbeere, Traube, Fruchtbonbon, Birne

Im Mund kommt er sehr mild an mit einer schönen, fruchtigen Süße und etwas Zitrone. Auf dem Weg nach hinten wird er wärmer und dunkler, hat für einen kurzen Moment einen Hauch Erdbeere und dann wieder sehr deutlich die Traube. Im Nachgeschmack bleibt zunächst ein mildsüßer Hauch von Fruchtbonbon, der sich aber recht schnell verflüchtigt. Ein zweiter Schluck offenbart erdigere Frucht-Noten, vor allem die Birne wirkt sehr präsent.

Der BARSOL Pisco Primero Quebranta in Cocktails

Der Primero Quebranta ist angenehm süffig und unkompliziert, dadurch aber pur auch ziemlich unspannend ab dem dritten Schluck. Für den Pur-Genuss gibt es deutlich komplexere Traubenbrände, aber dieser Einsteiger-Pisco ist ohnehin klar als Cocktail-Zutat konzipiert. In Kombination mit Limette, Zuckersirup, Eiweiß und Cocktail Bitters mixt man daraus in wenigen Minuten einen absurd fruchtigen Pisco Sour, der unglaublich leicht und gleichzeitig vielschichtig wirkt. Als Cocktail-Zutat blüht der Traubenbrand regelrecht auf.

Wir verwenden ihn auch im Pisco Punch, obwohl man dafür eigentlich einen Italia-Pisco bräuchte – verratet’s also bitte keinem. In Kombination mit dem frischen Ananassaft kommen vor allem die tropischen Aromen nach vorne, er wirkt deutlich exotischer als noch der intensive, aber erdige Pisco Sour. Schönes Ding, haben wir in Bars aber tatsächlich schon deutlich tiefgründiger getrunken – was wohl tatsächlich am fehlenden Italia liegen dürfte.

Der BARSOL Pisco Primero Quebranta in einem erfrischendem Chilcano mit frischen Erdbeeren.
Der BARSOL Pisco Primero Quebranta in einem erfrischendem Chilcano mit frischen Erdbeeren.

In Peru selbst trinkt man den Pisco vor allem auch als Chilcano – ein Longdrink mit Ginger Ale, im Prinzip also ein Pisco Buck. Er gilt zuweilen auch als Arme-Leute-Drink, weil man dafür oft den günstigen auffindbaren Pisco nimmt und ihn obendrein mit allen möglichen Früchten versetzt – teils als Infusion, teils einfach als Punsch. Wir nehmen passend zur Saison Erdbeeren, mit denen wir den Pisco im Sahnesiphon Druck-infusionieren. Der Erdbeer-Pisco an sich ist schon ein geiles Zeug – der Chilcano eine unglaublich erfrischende Wucht. Wohlgemerkt aber eine, die immer noch hauptsächlich nach Ginger Ale schmeckt – wirklich komplex ist der Drink nicht. Soll er aber auch gar nicht sein.

Unser Rezept für den Piscumber-Cocktail

Weil wir gerade noch Gurkensirup übrig haben und der fruchtigen Pisco so wirkt, als könnte er zu Gurke passen, kombinieren wir beides und entdecken nach zwei, drei Testläufen einen Drink, den wir mangels besserer Namensideen den Piscumber nennen – ein beißend-frischer Cocktail, in dem der Traubenbrand unerwartet stark zur Geltung kommt. Wohlgemerkt aber nur, wenn ihr den Drink im Tumbler serviert – im Longdrink-Glas mit zu viel Ginger Beer geht er hoffnungslos unter.

  • 6 cl Pisco
  • 2 cl Gurkensirup
  • 3 Spritzer Ferdinand’s Rubinette Apple Lemon Thyme Bitters
  • Ginger Beer

Pisco, Gurkensirup und Bitters auf Eis shaken, in einen Tumbler mit frischem Eis gießen und mit Ginger Beer aufgießen. Mit Minze garnieren. Trinken.

Der Piscumber, unser eigener BARSOl Pisco Primero Quebranta-Drink mit Gurkensirup und Ginger Beer.
Der Piscumber, unser eigener BARSOl Pisco Primero Quebranta-Drink mit Gurkensirup und Ginger Beer.

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Fazit: Ein toller, unkomplizierter Pisco, der Einsteiger und Pisco Sour-Fans rundum zufriedenstellt. Für Fans komplexer und vielschichtiger Spirituosen hat er aber deutlich zu wenig Kanten. Wer komplexeres gewohnt ist, stürzt sich lieber direkt in einen explosiveren Mosto Verde-Pisco.

Daten: 41,3 Prozent, Peru, 0,7 Liter, um 19Euro

Der Autor dieser Zeilen arbeitet hauptberuflich für die Perola GmbH, den deutschen Importeur von BARSOL Pisco. Trotzdem entstand dieser Artikel nach bestem Wissen und Gewissen: Weder Vorgesetzte noch Kollegen haben Einfluss auf mich genommen, der Artikel wurde vor der Veröffentlichung niemanden zur Überprüfung vorgelegt. Cocktailbart.de ist zudem von der üblichen Nebentätigkeits-Klausel in meinem Vertrag ausgenommen. Sprich: Dieser Artikel entsteht so unabhängig wie es unter den Umständen möglich ist. Auch beim Tasting selbst war ich so objektiv wie sonst auch. Natürlich schwingt bei einem Produkt, an dessen Vertrieb man bald selbst beteiligt ist, ein wenig Stolz mit – solltet ihr also das Gefühl haben, ich hätte Details über den BARSOL Pisco vergessen oder ignoriert, die ihn in ein anderes Licht rücken: Meldet euch in den Kommentaren und wir reden darüber!

JohannTrasch

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