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Don Ruffin Rum

Don Ruffin Rum aus Norddeutschland.
Don Ruffin Rum aus Norddeutschland. Quelle: Feingeisterei

Wer nach Don Ruffin googelt, der findet einen Künstler, der 1977 gestorben ist, einen Hollywood-Stuntman und einen Rum aus Norddeutschland, genauer gesagt vom Gut Basthorst. Benannt ist der Rum nach dem Besitzer des Gutshofes, Enno Freiherr von Ruffin. Gebrannt haben den Rum aber Martina Rohrwasser-Pflughaupt und Fabian Rohrwasser, die die Brennerei betreiben und dort sonst eigentlich Obstbrände, Nussbrände und feine Geister herstellen.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller auf unsere Anfrage zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Spirituosen die gerade im Aufschwung sind – aber die Rohrwassers hatten wohl keine Lust zu warten, bis der Trend zu ihnen kommt. Oder wahrscheinlicher: sie sind einfach sehr experimentierfreudig. Deshalb gibt’s von der Feingeisterei seit einiger Zeit auch den 5 Continents Gin, den Wahrer Wodka und Don Ruffin Rum. Und weil genau der in letzter immer wieder erwähnt wird, wenn es um Die neue deutsche Rum-Welle geht, haben wir ihn uns einmal näher angeschaut.

Die Geschichte hinter Don Ruffin Rum

Ja, wir wissen dass viele da draußen bei „Deutscher Rum“ an Pott und Strohrum denken. Zeugs, das wir nicht einmal in unseren Kuchen kippen würden. Aber was deutsche Brenner wie Fabian Rohrwasser mit dem Don Ruffin oder Felix Georg Kaltenthaler mit Revolte Rum derzeit anschieben, hat damit wenig bis gar nichts zu tun: die setzen auf richtigen Rum mit richtiger Melasse. Hohe Qualität, viel Geschmack, ganz viel Liebe. Und ohne jetzt das Tasting (oder das Revolte-Tasting) spoilern zu wollen: sie machen das so gut, dass man sich fragt, warum deutsche Brenner da nicht schon früher drauf gekommen sind. Ach ja: bei uns gibt’s kein Zuckerrohr. Das muss man importieren, in diesem Fall aus Paraguy.

Beim Don Ruffin setzt die Feingeisterei auf eine komplexe Abfolge in der Fasslagerung: erst amerikanische Weiß-Eiche, danach Limousin-Eiche und zum Abschluss noch ein Aufenthalt in Sherry-Fässern. Was klingt, als würde der Rum hier ganze Dekaden hinter sich bringen, dauert eigentlich nur zwei Jahre. Eine vergleichsweise kurze Lagerung, bedenkt man wie lange andere Rum-Sorten in ähnlichen Preis-Kategorien (um 60 Euro für 0,7 Liter) normalerweise in Fässern herumliegen oder im Solera-Verfahren rotieren. Bleibt also die Frage: Wie schmeckt der Don Ruffin nach zwei Jahren in drei verschiedenen Fässern?

So schmeckt Don Ruffin

Im Glas ist der Rum bernsteinfarben und scheint förmlich zu strahlen. Er ist vergleichsweise flüssig, kommt nur sanft ölig daher. Die Beinchen nach dem Schwenken sind dafür zahlreich. In der Nase schlägt einem der Don Ruffin kräftig süß und fruchtig entgegen. Zuerst undefinierbar aber sehr angenehm, nach einer Weile riecht man dann klar Orange heraus. Es folgt ein wenig Stroh und getrocknetes Gras. Lässt man das Glas eine Weile stehen, riecht man warmes, harziges Holz.

Nase: Frucht, Orange, Getrocknetes Gras, Holz

Zunge: Pfeffer, Apfel, Orange, Trauben, Melasse, Heu

Auch im Mund startet der Don Ruffin mit einer fast mystischen süß-fruchtigen Undefinierbarkeit, bleibt in der Konsistenz aber sehr blass weil vergleichsweise dünn. Sehr bald danach erfüllt scharfer Pfeffer den Mund und zwar sehr intensiv – im Abgang des ersten Schlucks bleibt viel Apfel zurück, der zusammen mit dem Pfeffer etwas leicht verstörendes ergibt. Der zweite Schluck kommt dann um ein vielfaches runder daher: der Pfeffer unterstützt nur noch und bringt eine Komposition aus Melasse-Süße, Orange, Trauben/Grappa und einem Hauch Heu hervor, die uns rundum gefällt.

Don Ruffin Rum im Tasting-Fläschchen.
Don Ruffin Rum im Tasting-Fläschchen.

Wie trinkt man diesen Rum?

Für das Tasting haben uns Martina und Fabian Rohrwasser netterweise ein Tasting-Fläschchen Don Ruffin zur Verfügung gestellt, aber ansonsten natürlich keinerlei Einfluss auf diesen Artikel oder das Tasting genommen. Das Fläschchen hat hervorragend gereicht, um den Rum ausgiebig pur zu testen, aber nicht für Cocktail-Tests – wobei uns das in diesem Fall nicht wirklich stört, obwohl wir sonst nach Möglichkeit jedes Destillat vermixen: Die Aromen des Don Ruffin sind enorm zahlreich und vielseitig – aber sehr sanft, sehr fein, sehr nuanciert.

Anders gesagt: Pur ist dieser Rum echt irre lecker – aber wir glauben, er ist zu schüchtern, um seine Vorteile in ein komplexes Cocktail-Rezept mitnehmen zu können. Seine Fruchtigkeit und seine Obstler-Herkunft merkt man ihm ein bisschen an und das ist in diesem Fall etwas Tolles. Weil nicht nur wir den Don Ruffin gut finden, sondern auch Leute, die sich auskennen, hat der Rum der Feingeisterei dieses Jahr auch gleich mal Doppelgold bei den China Wine & Spirits Awards abgeräumt.

Don Ruffin Rum direkt auf der Webseite der Feingeisterei kaufen!

Fazit: Fantastischer Rum und für den puren Genuss ein ganz großer – in Rum-Cocktails solltet ihr aber einen mit weniger Tiefe und mehr BÄM nehmen.

Daten: 43 Prozent, 60 Euro für 0,7 Liter, Deutschland

JohannTrasch

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