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Dos Maderas Seleccion Triple Aged Rum und der Hemingway goes Nuts

Der Dos Maderas Seleccion Triple Aged Rum in einem Twist auf den Hemingway Daiquiri.
Der Dos Maderas Seleccion Triple Aged Rum in einem Twist auf den Hemingway Daiquiri.

„Ich suche Rum.“ – „Gerne, was für einen?“ – „Was Rum-typisches eben. Wie man ihn kennt“ Wer beruflich oder aus überdurchschnittlicher Leidenschaft heraus viel mit Rum zu tun hat, kennt dieses Gespräch (und wer gelegentlich Rum kauft vielleicht auch). Dieses Ratenmüssen, ob das Gegenüber mit „Rum-typisch“ jetzt Omas Back-Aroma meint oder diese Mischung aus Nagellack und braunem Zucker vom Überseerum oder die urgewaltigen Aromen eines Myer’s aus Jamaica. In den meisten Fällen sind damit Rums von der eher süßen Sorte gemeint: Zacapa, Botucal, Don Papa – oder ein Dos Maderas 5 +5. Und auch wenn letzerer durchaus zu den beliebten Süßen zählt – die spezielle Reifung und der merkliche Sherry-Einschlag machen ihn alles andere als typisch.

Die Flasche für dieses Tasting wurden uns von Haromex, dem deutschen Vertrieb von Dos Maderas zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels. 

Mit dem Dos Maderas Seleccion nehmen die spanischen Brandy-, Sherry- und Rum-Experten der Bodegas Williams & Humbert ihr erfolgreichstes Melasse-Destillat und erweitern es um einen Blend von Rums aus Guyana und Barbados – beides Länder, die man eher nicht auf der Kette hat, wenn man nach allzu süßen Spirituosen Ausschau hält. Man kombiniert quasi die Vorlieben der einen Rum-Fraktion („Süß wär schon gut.“) mit denen der anderen („Furztrocken muss das – und so komplex, dass dir die Butter von der Stulle kullert!“). Aber fangen wir mal vorne an:

Die Story hinter Dos Maderas

Dos Maderas bedeutet zu Deutsch „Zwei Hölzer“ und bezieht sich auf die Verwendung zweier unterschiedlicher Reifungs-Arten: Zunächst wird der karibische Rum von Williams & Humbert für fünf Jahre in seiner Heimat gelagert, in Fässern aus amerikanischer Weißeiche. Anschließend geht es nach Spanien auf die Bodegas, wo er noch einmal im Solera-Verfahren reifen darf. Und anders als inzwischen leider vielerorts üblich wird der Dos Maderas in einer echten Solera verarbeitet, sprich mit Reihen von Fässern voller unterschiedlich alter Destillate, die nach einem bestimmten System miteinander vermählt werden. Dabei bauen die Rums von Dos Maderas aufeinander auf:

Der 5+3 reift nach seinem Karibik-Urlaub im Solera-Verfahren in Ex-Palo Cortado-Fässern. Dabei handelt es sich um eine sehr schwere kräftige Sherry-Sorte. Für den 5+5 nimmt man den 5+3 und solerat in nochmal für zwei Jahre in Ex-Pedro Ximénez-Fässern. Ein sehr süßer Sherry, der an Rosinen erinnert und dem Rum seinen sehr speziellen Geschmack verleiht. Das ist wörtlich zu nehmen: Weil der Sherry-Geschmack der Fässer in der Solera nach und nach abnimmt, wird in die Fässer mit den jüngsten Destillaten (und nur in diese) Sherry mit eingefüllt. Das ist vielen Rum-Freunden ein Dorn im Auge, wenn auch meist hauptsächlich wegen der fehlenden Deklaration, sorgt aber für ein gefälliges und spannendes Produkt, das wie erwähnt vor allem unter Süßrum-Genießern Fans findet.

Der Dos Maderas Seleccion Triple Aged Rum im Rum Old Fashioned.
Der Dos Maderas Seleccion Triple Aged Rum im Rum Old Fashioned.

Auftritt Dos Maderas Seleccion: Für diesen Rum nimmt man nun die – laut eigener Aussage – besten Fässer des Dos Maderas 5+5 und kombiniert sie mit einem Blend aus Guyana- und Barbados-Rums, die 10 Jahre in Ex-Bourbon-Fässern verbringen durften. Weil beide Länder für trockene, komplexe Rum-Sorten bekannt sind, bekommt man so in der Theorie ein Destillat mit dem Besten aus zwei Welten. Aber findet sich dieser Eindruck denn dann auch im Glas wieder?

So schmeckt der Dos Maderas Seleccion Triple Aged Rum

Der Rum ist getaucht in tiefes Rot und zieht nach dem Schwenken eine ansehnliche Menge Beine an der Glaswand. In der Nase wirkt er auf den ersten Schnupperer tatsächlich außergewöhnlich: Ester-Noten treffen auf Rosinen und braunen Zucker treffen auf einen leicht blumigen Rosen-Einschlag. Steht er eine Weile, schieben sich ein wenig Vanille, Eiche und ein paar dunkle Zitrus-Aromen dazwischen, die sich nach einer kurzen Weile zu Orangenzesten wandeln. Das Aroma ist insgesamt nicht überbordend intensiv, aber von einer schönen Breite.

Nase: Ester, Rosinen, brauner Zucker, Rosen, Vanille, Eiche, Orangenzeste

Mund: Honig, Rosinen, Trauben, Tropische Früchte, Marzipan, Rosen

Auf der Zunge erscheint der Dos Maderas Seleccion Triple Aged Rum mit einer Fülle an Honig und Rosinen. Aber auch mit einer leichten Pfefferschärfe. Auf dem Weg durch den Mund wird er merklich fruchtiger, als man es noch in der Nase vermutet: Trauben, tropische Früchte und im Abgang ein paar Marzipan-Noten, aus denen im Nachgeschmack auch nochmal ein paar Rosen-Anleihen zu erschmecken sind. Auch auf der Zunge eine schöne Breite, die aber als kleines Manko leider nicht besonders lange nachhallt.

Der Dos Maderas Seleccion im Vergleich mit dem 5+5

Der Seleccion ist im Schnitt etwas 4 bis 8 Euro teurer als der 5+5 und die meisten werden ihn sich für den Purgenuss kaufen. Die spannende Frage ist also jetzt: Lohnen sich die Mehrkosten? Kurze Antwort: Ja. Um das zu bestätigen muss man eigentlich nur einmal kurz die Nase ins Glas halten. Im Direktvergleich wirkt der 5+5 geradezu flach, lediglich ein bisschen Nuss und ein paar florale Aromen lassen sich erahnen, nachdem der deutlich intensivere Seleccion die Nase zugemacht hat. Auch am Gaumen fällt er im Vergleich geradezu unauffällig aus.

Deutlich weniger Körper und auch eine etwas präsentere Süße. Was im Seleccion als Ester durchscheint, das ist im 5+5 fast schon alkoholisch. Nicht, dass wir an dieser Stelle den unkomplizierten, aber ordentlichen Dos Maderas 5+5 schlechtreden wollen würden – aber für den Gaumen, der nach komplexeren Erfahrungen sucht, ist er jeden Cent mehr wert. Und falls euch der 5+5 eh schon immer zu flach war ist diese Variante hier vielleicht erste Wahl, um nochmal einen Blick zurück auf die Marke Dos Maderas zu werfen – es könnte sich lohnen.

Dos Maderas Seleccion Triple Aged Rum in Cocktails

In Cocktails bringt der Seleccion ziemlich genau dasselbe mit wie ins Nosing-Glas: Die Süße und Wärme des klassischen 5+5 in Kombination mit der gesteigerten Komplexität der Rums aus Guyana und Barbados. In dieser Funktion eignet er sich für alle gängigen Drinks, die einen braunen Rum voraussetzen, inklusive der meisten Tiki-Varianten. Den meisten Spaß bringt er allerdings in Shortdrinks und Sours, in denen er sein ursprüngliches Aroma voll entfalten darf. Extra-Bonus gibt’s für die Kombination mit nussigen Aromen – da geht der Dos Maderas Seleccion Triple Aged Rum ab wie Schmidts Katze.

Der Dos Maderas Seleccion Triple Aged Rum im Fangelico Sour.
Der Dos Maderas Seleccion Triple Aged Rum im Fangelico Sour.

Wir testen ihn beispielsweise in einem Frangelico Rum Sour (1 Teil Rum, 1 Teil Frangelico, 1 Teil Limette, 0,75 Teile Zuckersirup, Eiweiß) und sind hart begeistert. Auch schön: ein Rum Old Fashioned mit The Bitter Truth Drops and Dashes Nut. Wahnsinnig runder, weicher Drink, von dem man schnell auch mal versehentlich einen zweiten Mix. Nach einigem Ausprobieren vergreifen wir uns für einen eigenen Drink am klassischen Hemingway Daiquiri:

Hemingway goes Nuts

  • 6 cl Dos Maderas Seleccion
  • 0,75 cl Maraschino
  • 2 cl Limettensaft
  • 1 cl Zuckersirup
  • 3 Dashes The Bitter Truth Drops and Dashes Nut
  • 2 Dashes Peach Bitters

Alle Zutaten zusammen auf Eis shaken und in eine vorgekühlte Coupette doppelt abseihen. Mit einem Limettentwist garnieren.

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Fazit: Ein spannender Rum-Blend, der die Vorzüge des Dos Maderas 5+5, auf dem er basiert, mitnimmt, aber einiges an Komplexität hinzufügt. Funktioniert in Cocktails besonders hervorragend mit nussigen Aromen!

Daten: 42 Prozent, Spanien (Guyana, Barbados, Karibik), 0,7 Liter, um 45 Euro

Der Deutsche Vertrieb von Dos Maderas, die Haromex Development GmbH, hat uns eine Flasche des Dos Maderas Seleccion für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

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JohannTrasch

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