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Revolte Overproof Rum: 60 Prozent geballte Rum-Power aus Deutschland

Revolte Overproof Rum in einer Pina Colada, serviert in einer Ananas, garniert mit einem Ananas-Schnabeltier.
Revolte Overproof Rum in einer Pina Colada, serviert in einer Ananas, garniert mit einem Ananas-Schnabeltier.

Revolte war nicht der erste deutsche Rum, trotzdem sagt man ihm nach, die „Deutsche Rum-Revolution“ des letzen Jahres überhaupt erst so richtig ins Laufen gebracht zu haben. Wer ihn einmal probiert hat, versteht im Normalfall auch warum. Gebrannt wird er von einem jungem Mann namens Felix Georg Kaltenthaler in Westhofen bei Worms, mit Melasse aus Papua-Neuguinea, ganz viel Leidenschaft und einer ursympathischen Portion Starrsinn. Kein Lifestyle-Gedöns sollte Revolte sein, sondern ein ehrliches, handwerklich hochwertiges Produkt für saugute Cocktails zum für alle Beteiligten fairen Preis.

Am Ende wurde der Revolte Rum so gut, dass er deutlich mehr wurde als einfach nur ein hervorragender weißer Mix-Rum. Das Zeug kannst du auch pur hervorragend trinken. Weil Kaltenthaler aber ein Arbeitstier ist (und es ihm nicht reicht, nebenbei noch den ebenfalls hochgelobten Amato Gin zu brennen), gibt es die Schwarzbrenner-Linie. Spezielle Rum-Varianten des Revolte Rums. Die erste davon: Revolte Overproof Rum.

Die Story hinter Revolte Overproof Rum und Overproof Rum an sich

Wer mehr über den Revolte Rum und Felix Kaltenthaler wissen will, dem legen wir unseren Revolte-Artikel ans Herz, mit dem Hinweis: Ja, auch knapp ein Jahr später finden wir diesen Rum immer noch genau so hammermäßig. Schon damals ein Thema: Fassgelagerte Variante und geheime Experimente hinter verschlossener Tür. In der Destille Kaltenthaler probiert man gerne Neues aus, wagt Experimente. Das erste davon, dass es in den Handel geschafft hat, das ist eben der besagte Revolte Overproof Rum.

Revolte Overproof Rum in einem Melony Snicket-Cocktail mit Buttermilchschaum und Melonenlikör.
Revolte Overproof Rum in einem Melony Snicket-Cocktail mit Buttermilchschaum und Melonenlikör.

Dahinter verbirgt sich tatsächlich „einfach nur“ eine hochprozentige Variante des „ganz normalen“ Revolte Rums. Um zu verstehen, warum das trotzdem eine irre spannende Sache ist, hier ein kurzer theoretischer Exkurs: Alkohol ist ein natürlicher Geschmacks- und Aromenverstärker. Spirituosen mit mehr Alkohol machen daher nicht einfach nur blöder, sondern schmecken meist auch intensiver und komplexer. Weil das mehr an Sprit aber je nach Qualität gleichzeitig dafür sorgt, dass der Spaß nicht mehr so einfach zu trinken ist und gerne auch mal brennt, verdünnt man Spirituosen normalerweise mit Wasser auf „Trinkstärke“. Abgesehen vom Alkoholbrennen sind zu komplexe Spirituosen oft auch einfach nicht massenkompatibel.

Das „Overproof“ im Namen bedeutet, dass der Rum über 57 Prozent Alkohol hat – die Bezeichnung stammt aus dem Großbritannien der Seefahrerzeit, als Spirituosen auf See so stark sein mussten, damit das Schwarzpulver noch brannte, wenn jemand Schnaps drüberkippte. Under Proof bedeutet in dem Zusammenhang „brennt gar nicht“, 100 Degrees Proof entsprechen exakt 57 Prozent. Die amerikanische Proof-Skala, die das europäische Volumenprozent ersetzt, hat damit nichts zu tun, hier gilt: 0,5% Vol. = 1 Degree Proof. Diese Skala kommt zum Beispiel beim 151 Overproof Lemon Hart Rum zum Einsatz, der exakt 75,5 Volumentprozent mitbringt. Aber das nur zur Erklärung, den eigentlich geht’s ja um den Revolte Overproof Rum – wie schmeckt der denn?

So schmeckt Revolte Overproof

Vorab: einen Vergleich zum normalen Revolte Rum gibt’s weiter unten, dieser Verkostungs-Abschnitt soll auch für jene verständlich bleiben, die die andere Variante nicht kennen. Im Glas ist der Overproof leicht ölig, zieht recht schwere Beinchen, bleibt aber unauffällig. In der Nase dagegen überrascht er: Aromen von vergorenen Früchten und sehr viel Ester lassen ihn zunächst eher wie einen sehr kräftigen Obstbrand wirken denn wie einen Rum. Grapefruit und Birnen nehmen wir wahr, erst dahinter kommen die typischen Rumnoten von Zuckerrohr mit einem Hauch von gerösteten Gewürzen.

Nase: Vergorene Früchte, Ester, Grapefruit, Birnen, Zuckerrohr, Geröstete Gewürze

Zunge: Zuckerrohr, Grapefruit, dunkler Karamell, Teer, gegrillte Limetten, Trauben

Im Mund überrascht er ein zweites Mal: was in der Nase noch fruchtig war, das wirkt auf der Zunge kräftig, wuchtig und sehr trocken. Wir schmecken herbes Zuckerrohr und leichte Bitternoten in Kombination mit Grapefruit, dazu sehr dunklen Karamell und im Abgang ein wenig Teer. Im Mund zurück bleiben gegrillte Limetten und ein leichter Anklang von Trauben. Als wir mit diesen Eindrücken noch einmal tief ins Glas hineinriechen, wirkt auch das Aroma jetzt deutlich trockener, zu unseren Ersteindrücken gesellt sich jetzt noch etwas Tabak.

40 Prozent versus 60 Prozent

Dass die Verkostungsnotizen zum Overproof etwas detaillierter wirken als die zum klassischen Revolte liegt weniger am Produkt selbst, als daran, dass wir seit der Entstehung des ersten Artikels einfach mehr Übung im „schmecken“ haben und dazu neigen, wirklich jede Nuance, die wir bemerken mit in die Verkostung zu bringen. Tatsächlich ist der normale Revolte etwas fruchtiger und breiter, bringt dafür aber weniger Ecken und Kanten mit. Alle eher dunklen Geschmacksrichtungen sowie den leichten Anklang von Teer und Tabak im Overproof finden wir dort nicht ansatzweise wieder. Dafür ist der klassische Revolte natürlich eindeutig milder und weicher mit seinen 40 Prozent – was nicht heißen soll, dass wir bei der 60-Prozent-Variante groß alkoholische Anklänge hätten. Ein sanftes Pfefferbrennen, klar, aber weder schmeckt er nach Alkohol, noch stört das Brennen beim Genuss.

Revolte Overproof Rum in einem Respberry Mojito.
Revolte Overproof Rum in einem Respberry Mojito.

Müssten wir euch eine Variante empfehlen, wäre es die normale – die ist massentauglicher und bringt in den Drinks etwas mehr Frucht mit. Trotzdem lohnt sich eine Flasche Overproof im Regal. Einen Sonderweg geht Helmut von Schlimmerdurst.net und verdünnt bei Bedarf den Overproof-Revolte auf 40 Prozent. Das Ergebnis wirkt – wie von ihm beschrieben – im Direktvergleich durchaus etwas intensiver als der normale Revolte Rum. Im Alltag könnte das für den Durchschnitts-Hobby-Mixologen allerdings etwas kompliziert werden, trotzdem ist der Schritt durchaus lohnenswert. Der Autor dieses Artikels stellt sich beide Flaschen ins Regal – weil er den Overproof für seine rohe Kraft und den Standard-Revolte für die fruchtig-intensiven Noten schätzt und zur Faulheit neigt. Außer wenn es darum geht, den Revolte Overproof Rum in Drinks zu testen:

Revolte Overproof in Cocktails

Der Rum funktioniert hervorragend in allen Rezepten, die einen Overproof Rum verlangen, darunter diverse Tikis wie der Zombie. Hier gibt er einen wunderbaren, kraftvollen Tanzpartner – aber den Part könnten auch viele andere Rums spielen. Wir setzen ihn daher auch in diversen normalen Drinks ein, wo er seine Aromen deutlich besser ausspielen kann. Was dabei auffällt: er kann genauso gut mit fruchtigen Drinks wie der Standard-Revolte, aber gibt ihnen eine andere Richtung. Er macht sie reifer, erwachsener und natürlich auch stärker – aufpassen beim Mixen! Vor allem bei so fruchtigen Feelgood-Drinks wie der Piña Colada oder einem erfrischenden Raspberry Mojito.

Genau wie schon beim originalen Revolte haben aber auch beim Overproof einige Bartender ganz spezielle Rezepte für das Destillat entwickelt. Die Signature Drinks des Originals sind absurd gut. Der Molotow (Rezept gibt’s etwa auf Trinklaune.de) aus Revolte, hausgemachtem Ananassirup, süßem Wermut, Limette und Absinth passt zur rohen Kraft des Rums, kann uns aber nicht ganz so begeistern wie dereinst etwa der Hypodromo. Nichtsdestotrotz ein Hammer-Drink, einer zum mal-wieder-mixen.

Daneben testen wir in auch in zwei Eigenkreationen, eine eher fruchtig-frisch, die andere … muss man mögen. Variante 1 ist der Melony Snicket, ein sanftrosa Drink mit rotem Melonenlikör, der zwar ein wenig nach Maoam schmeckt, aber genau deswegen irre viel Spaß macht:

  • 2 cl Melonenlikör
  • 4 cl Revolte Overproof Rum
  • 2 cl Limettensaft
  • 1 cl Zuckersirup
  • 2 cl Buttermilch

Alles zusammen auf Eis shaken und in eine vorgekühlte Coupette abseihen. Mit einem Melonenlikör-Buttermilch-Espuma (1 cl Melonenlikör auf 5 cl Buttermilch im Sahnesiphon) auffüllen und mit einem Basilikumzweig garnieren. Trinken.

Revolte Overproof Rum in einem Hidden Treasure - einer Art deutschem Tiki-Drink mit Moor-Birne und Smokecraft Wodka.
Revolte Overproof Rum in einem Hidden Treasure – einer Art deutschem Tiki-Drink mit Moor-Birne und Smokecraft Wodka.

Der Hidden Treasure: Tiki auf Deutsch

Der Hidden Treasure ist ein purer Zufallsdrink, entstanden aus dem Grundgedanken: „Schütt‘ mal rein, was dazu passen könnte.“ Zufällig war der Drink dann ganz okay und nach ein wenig Feintuning sogar ziemlich gut – zumindest fanden wir das. Nach bester Tiki-Art schmeckt er nach Frucht, Rum und ganz viel Lebensfreude, knallt allerdings ziemlich rein. Mehr als zwei davon solltet ihr euch nur gönnen, wenn ihr’s morgen früh langsam angehen lassen könnt. Der Name kommt übrigens von der zugegeben sehr eigenen Deko. Wir fanden Birne mit Plastik-Schwertern drin ein sehr treffliches Symbol für deutschen Tiki (der Hubertus-Rat könnte das vollkommen zurecht natürlich anders sehen).

Alles außer dem Ginger Beer auf Eis hart shaken und in ein Double Old Fashioned Glas voll frischem Eis abseihen. Mit dem Ginger Beer auffüllen- nicht wundern, wenn davon nicht mehr so viel reinpasst. Mit einer Birnenspalte garnieren. Plastikschwerter nicht vergessen. Trinken.

Revolte overproof Rum gibt’s zum Beispiel bei 4finespirits.de.

Fazit: Revolte Overproof hält, was der Name verspricht und bringt uns einen kantigeren, aber etwas flacheren Revolte Rum, der in Drinks aber ähnlich viel Spaß machen kann wie die normale Variante. Als Overproof-Rum der Wahnsinn, als Rum an sich eine Bereicherung für die Hausbar.

Daten: 60 Prozent, ca. 39 Euro für 0,5 Liter, Deutschland

JohannTrasch

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