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Revolte Rum: die deutsche Rum-Hoffnung

Eine Flasche Revolte Rum mit einem Penny Cloud-Cocktail.
Eine Flasche Revolte Rum mit einem Penny Cloud-Cocktail.

Revolte ein weißer Rum aus Deutschland. In einem Land, das mit „Weißer Rum“ noch immer den Nagellackentferner mit der Fledermaus drauf verbindet und mit „Deutscher Rum“ ein braunes Weizendestillat mit Rumaroma zum Kuchenbacken, ist das eine schlechte Ausgangsposition. Weil der Revolte aber in anderen Reviews so hervorragend abschnitt, legten wir uns schon mal ein paar Floskeln zurück: „Für einen deutschen Rum herausragend.“; „Ein weißer Rum, der sich vor fassgelagerten Melasse-Destillaten nicht verstecken muss.“ sowas halt. Tja, blöd gelaufen: Das ganze dumme, wohlwollende Geschwafel ist uns direkt nach dem Öffnen der Flasche im Hals steckengeblieben, so hammermäßig riecht und schmeckt der Revolte. Aber wir fangen schon wieder hinten an. Worum geht’s eigentlich?

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller auf unsere Anfrage zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Die Story hinter Revolte

Der Macher hinter Revolte Rum heißt Felix Kaltenthaler, ist 24 Jahre alt und kommt aus einer Familie von Leuten, die sich gut mit Alkohol auskennen: der Papa ist Winzer, der Onkel Brenner, macht edle Brände, Liköre und Whisky. Felix aber steht auf Rum. „Mit meinem Hintergrund war es dann wohl einfach nur eine logische Konsequenz, dass ich jetzt meinen ersten eigenen Rum brenne.“ sagt er im Interview mit Drink-Syndikat.de. Also importiert er literweise verschiedene Melasse-Sorten, probiert bis zum Exzess herum, entscheidet sich für ein Produkt aus Indonesien, entwickelt mit seinem Vater eine eigene Hefekultur und bringt zwischen dualem Studium und Brenner-Ausbildung den Revolte Rum auf den Markt. Nachdem er ihn noch flott für 6 Monate in Steingutfässern zum abrunden gelagert hat.

Aber wieso heißt das Zeug jetzt so? Erklärt Felix selbst, im Interview mit about-drinks.de: Martin Luther war’s, der ihn inspiriert hat, als er 1521 auf dem Reichstag in Felix‘ Heimatstadt Worms  mit „Hier stehe ich und kann nicht anders!“ der katholischen Kirche den Kampf angesagt hat. „Diese Geschichte hat mich als Wormser während meiner gesamten Jugend begleitet und gleichzeitig auch sehr inspiriert, da sich jemand „Kleines“ gegen etwas „Übermächtiges“ auflehnt und sich dabei nicht von seinem Weg abbringen lässt. Genau das wollte ich auch mit meinem Rum erreichen.“ Spoiler: Hat er geschafft. Und das nicht nur, weil der Rum jetzt Revolte heißt und das rote R auf der Flasche einem so merkwürdig bekannt vorkommt.

So schmeckt Revolte Rum

Schon beim Öffnen schieben sich die Aromen von Zuckerrohr und Früchten aus der Flasche. Im Glas ist der Revolte klar und ölig, nach dem Schwenken wollen die unzähligen Beinchen nur schwerfällig zurück zum Rest ins Glas. In der Nase ist er kraftvoll an, mit einem ganzen Schwall von Trauben und leicht alkoholischen Grappa-Noten. Was dann ganz entfernt an Klebstoff erinnert, nennt sich Ester, kommt von der Melasse und zieht ein ganzes Brett süßer Bananen hinter sich her. Mit einigen Minuten Abstand und Gewöhnung wandelt sich diese Komposition erst in Richtung Grapefruit und gibt zum Schluss saftige Limetten frei.

Nase: Trauben, Ester, Bananen, Grapefruit, Limetten

Zunge: Trauben, Honig, Bananen, Zwetschgen

Auf der Zunge dann kommen wieder zuerst die Trauben, mit einer würzigen Honigsüße und etwas Pfeffer im Abgang. Ein bisschen Alkohol schwingt hier noch mit, der aber nicht weiter stört. Auch wenn der Revolte Rum am Gaumen zunächst nicht so komplex wirkt wie in der Nase, auf den zweiten und dritten Schluck offenbaren sich die fehlenden Früchte und positionieren sich irgendwo zwischen Banane und vollreifen Zwetschgen. Wärmt man ihn in der Hand, schmeckt man sanfte Vanillenoten. Das ist alles so weich und rund, dass wir den Revolte auch problemlos pur genießen würden – aber weißer Rum ist nun mal vorrangig was zum mixen. Also tun wir unsere Pflicht.

Revolte Rum in Cocktails

Revolte Rum im Piña Colada
Revolte Rum im Piña Colada.

Wir mixen uns zunächst einen klassischen Mojito – und sind baff, wie viel von seinen eigenen Aromen der Revolte Rum trotz geballter Power von Limettensaft und Minze noch mitbringt. Weil wir in unserer Euphorie keinen Blödsinn labern wollen, machen wir den Gegencheck mit Havana Club 3 Jahre, den wir sonst meistens für Cocktails mit weißem Rum benutzen. Wir wollen ihn an dieser Stelle wirklich nicht schlecht machen (und er ist immer noch ein Preis-/Leistungs-Kracher) – aber was Revolte aus dem Mojito macht, spielt ein paar Ligen weiter oben. Ein Experiment mit Piña Colada verläuft ähnlich. Hier ist der Effekt sogar noch intensiver, zwischen der frischen Ananas und dem Kokos besteht der Revolte als starker Partner, ohne die anderen Geschmacksnoten zu übertünchen.

Weil Felix Kaltenthaler sich aber nicht allein auf Klassiker verlässt, reist er durch ganz Deutschland und versucht, mit einigen der besten Bartendern der Nation das Maximum aus seinem Rum zu holen. Entsprechend blickt der Revolte auf ein Arsenal von ganzen fünf Signature Drinks – sechs, wenn man den Casa Verde mit einrechnet, den es in der aktuellen Box vom Drink Syndikat gibt, der aber noch nicht auf der Revolte-Seite selbst zu finden ist.

Hypodromo und Penny Cloud

Wir testen den Revolte im Hypodromo, einem Rum-Cocktail aus der Manoamano Bar in Wiesbaden. Er besteht aus Rum, Limettensaft, Chocolate Bitters, Rohrzucker, Thymian und Mineralwasser – und ist damit im Wesentlichen ein Mojito mit Thymian statt Minze. Die Idee: verflucht simpel. Der Effekt: der Hammer. Aber es geht ja nicht um den Drink, es geht darum, wie der Revolte darin wirkt – und da fällt die Antwort ähnlich aus wie beim Mojito. Mit dem feinen Unterschied, dass der Thymian tatsächlich besser zum Revolte Rum passt. Das mediterrane, erdige, das steht ihm. Der verantwortliche Barkeeper Gianfranco Amato hat hier alles richtig gemacht.

Paul Sieferle mixt einen El Porto. Quelle: Revolte Rum
Paul Sieferle mixt einen El Porto. Quelle: Revolte Rum

Mit dem Penny Cloud aus dem Münchner Zypher bekommen wir einen Cocktail aus Rum, süßem Wermut, Limettensaft, Minze und Ginger Beer. Spannend: hier geht das Ginger Beer komplett unter, was im Drink bleibt ist eine leichte Schärfe und Frische. Tonangebend sind Minze und Revolte und die machen ihren Job gut. Auch, wenn uns persönlich der Hypodromo mehr geflasht hat – der Penny Cloud ist ein ziemlich gschmackiger Mojito-Twist, den man mal probiert haben sollte. Genauso wie die anderen Signature Drinks des Revolte – deswegen holen wir die in den nächsten Wochen nach. Und ordern vorsichtshalber schon mal eine neue Flasche …

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Fazit: Knapp unter 30 Euro für 0,5 Liter, das mag für weißen Rum teuer wirken. Aber Revolte ist jeden verdammten Cent wert – pur ist er ein geiler Digestif, für Cocktail-Rezepten ein ziemlicher Game Changer, der aus Mojitos Komplexitätsmonster und aus Piña Coladas flüssigen Urlaub macht.

Daten: 41,5 Prozent, ca. 27 Euro für 0,5 Liter, Deutschland

Johanns absolut subjektiver Kommentar zu Revolte Rum

1512135_762945770394681_6558284612128258268_o (1)„Es ist immer wieder schön, wenn man ganze Nahrungsmittelkategorien emotional abschließen kann, weil man seine Referenz gefunden hat.“ sagte der Cocktailbart-Thomas vor Kurzem. Dabei ging’s eigentlich um ein thailändisches Fischgericht, aber jetzt weiß ich endlich, was er meint. Revolte ist intensiv und besonders und hat vom ersten Schluck an einen Stammplatz in meiner Hausbar erobert. Ich könnte das Zeug einen ganzen Abend lang pur in mich reinschütten und mir würde außer einem gelegentlich Zwischenwasser nix fehlen – aber als Mixer ist Revolte wahrscheinlich der beste Rum, den ich bisher getrunken habe. Revolte reißt einen Cocktail an sich, reibt sich zärtlich an alle Kräuter und Filler und Spirituosen darin und macht anschließend heiß und heftig Liebe mit ihnen: Revolte ist der Rocco Siffredi des weißen Rums.“

Ahja: Auf Nachfrage hat uns Felix eine Flasche Revolte Rum zur Verfügung gestellt, aber weder auf den Artikel noch auf das Tasting Einfluss genommen. Außer, dass er uns kistenweise Bilder und Infomaterial geschickt hat, von sich aus angeboten hat „Wenn du Fragen hast, lass uns mal telefonieren!“ und wahrscheinlich der freundlichste Kerl der Welt ist. Oder zumindest in den Top 10. 

JohannTrasch

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