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The EARL Spirit

The Earl Spirit im Earl Old Fashioned.
The Earl Spirit im Earl Old Fashioned.

Wenn Menschen sich zusammen betrinken, reden sie viel und schmieden Pläne. Erfinden Bar-Konzepte, Cocktail-Blogs und einige träumen den großen Traum vom eigenen Schnaps. Unter den wenigen, die den Schritt weitergehen, die einfach mal machen, machen die meisten später Gin. Kennt jeder, mag jeder, muss man nicht jahrelang lagern, bevor man Gewinne rausholt. Der Machen-wir-jetzt-selber-Gin ist ziemlich oft ziemlich gut, aber eben immer Gin. Immer Wacholder mit Irgendwas. Damit das nicht langweilig wird, kann man den Wacholder-Anteil einfach drosseln – oder auf das „Gin“-Label  pfeifen und einfach genau das zusammenbrennen, worauf man Bock hat – zum Beispiel den Tee-Schnaps auf Getreidebasis The EARL Spirit.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller auf unsere Anfrage zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Zugegeben, der Earl ist nicht die erste Spirituose in den letzten Jahren, die auf diesen Trichter gekommen ist. Der BIRDS – Weißbrand etwa wirbt sogar ganz offensiv mit dem Slogan „Sorry, not another Gin.“ Lustige Zwischen-Info: Menschen, die sich ganz bewusst entscheiden, eben keinen Gin zu brennen, entscheiden sich anscheinend auch bewusst dafür, bei der Namensgebung die Caps-Taste gedrückt zu halten. Zurück zum Thema: Auch, wenn The EARL Spirit die Rebellion nicht erfunden hat – mit Zitronengras, Schwarztee mit Bergamotte (daher der Name Earl – von Earl Grey)  und Ingwer ist seine Botanical-Auswahl (und damit auch sein Geschmacksprofil) derzeit einzigartig.

Die Story hinter The EARL Spirit

Der Earl stammt von den beiden Berlinern Devran Sömnez und Fabian Fuchs, die den jungen Brand seit 2014 herstellen. Zuerst in einer Mini-Charge, die innerhalb kurzer Zeit ausverkauft war und seit Kurzem auch in größerem Stil. Sympathisch: Auf den Facebook- und Instagram-Kanälen des Earls kann man den beiden beim Bekleben und Einpacken der Flaschen zugucken. Außer dem eigentlichen Brennvorgang findet die ganze Produktion samt Marketing in einem heimeligen kleinen Ein-Zimmer-Büro mit Lager statt. Voll Start-Up, voll Berlin. Diesen Aufbruchsgeist trinkt man auch gefühlt ein bisschen mit.

Zu sowas gehört natürlich immer auch eine Geschichte – welche Spirituose kommt heutzutage schon ohne aus? Die Idee für eine Schwarztee-Spirituose haben die beiden aus dem unveröffentlichten Manuskript zu einem Agentenroman, den ein Verwandter Fabians irgendwann mal angefangen, nie beendet und auf dem Dachboden liegen lassen hat. „Ost-James Bond“ nennen die beiden das, was sie da lesen durften – und so richtig begeistert waren sie von der Story wohl nicht. Wohl aber vom Lieblingsgetränk des Ostblock-Spions: Schwarztee mit Schnaps. Also haben Sie sich Partner für den Brennvorgang gesucht und einfach mal losgelegt. Normalerweise sind wir da ja skeptisch, bei solchen Herkunftsgeschichten. Allein schon beim Wort „Dachboden“ verdrehen wir inzwischen leicht die Augen. Aber die Nummer ist plausibel und das Wort „Geheimrezept“ kommt auch nicht drin vor. Also glauben wir das jetzt einfach.

So schmeckt The EARL Spirit

Im Glas ist der Earl rotbraun und sehr dunkel – er hat die Farbe von Tee, der etwas zu lange gezogen hat. Beim Schwenken erkennt man die recht dicke Konsistenz, sie erinnert beinahe schon an Likör. Entsprechend sind die Beine, die danach ins Glas zurücklaufen, recht zahlreich und schwer. In der Nase riecht der Earl vor allem erstmal wirklich wie Earl Grey: starke, frisch wirkende Tee-Aromen mit einem Hauch Bergamotte und Zitronengras. Lässt man ihn ein paar Minuten stehen, riecht man auch den Ingwer durch und die Bergamotte wandelt sich ein wenig ins blumige, geht fast schon in Richtung Flieder.

Nase: Earl-Grey-Tee, Zitronengras, Ingwer, Flieder

Mund: Ingwer, Schwarztee, Zitrone

Auf der Zunge bemerkt man als erstes den Ingwer – weniger aber im Geschmack, sondern eher von der Frische und der Schärfe, die der Earl in sich trägt. Die drängt sich nicht auf, ebnet den restlichen Aromen aber den Weg, allen voran dem starken Tee-Einschlag. Für einen kurzen Moment denkt man tatsächlich, man trinkt Earl-Grey-Tee mit Alkohol – und das ist ziemlich lecker. Im Abgang schmeckt man dann sehr stark das Zitronengras – wüsste man’s nicht, man würde aber wohl einfach sagen: Das ist Zitrone. Noch lange Zeit bleibt danach der Geschmack von Tee mit Zitrone im Mund. Das ist geschmacklich nicht unbedingt supertief – aber vollmundig und schön.

The EARL Spirit pur und in Cocktails

Der Earl ist mit seiner starken Tee-Aromatik auf jeden Fall ein Kandidat für den puren Genuss, keine reine Mix-Spirituose. Schon zimmerwarm wirkt er erfrischend, gekühlt hat er einen Einschlag von selbstgemachtem Eistee. Wer seinen puren The EARL Spirit ein wenig pimpen will, dem empfehlen wir einen Earl Old Fashioned: 6cl Earl mit einer Zitronenzeste, einem Spritzer Zuckersirup und 2, 3 Spritzern Orange Bitters auf Eis – das schmeck frisch und dank 38 Umdrehungen trotzdem noch wie ein richtiger Old Fashioned mit Dampf auf der Turbine.

Earl als Mix-Spirituose einzusetzen, das ist dank des einzigartigen Geschmacksprofils sehr spannend. Auf der Webseite von The EARL Spirit finden sich einige Cocktail-Rezepte wie der Earl Basil Smash (ein Basil Smash mit Earl statt Gin) oder ein Earlock Holmes – im Wesentlich ein Earl Basil Smash mit Cola. Während Ersteres ziemlich schmackhaft und erfrischend daherkommt, war die Cola-Variante mittelschwer verstörend. Besonders beliebte Longdrinks mit dem Earl sind wohl der Spreegraf (The EARL Spirit + Bitter Lemon, Mix-Verhältnis 3:1) und die Kombi mit Ginger Beer (selbes Mischverhältnis). Vor allem der Spreegraf hat’s uns hier angetan – für uns schon jetzt ein kleiner Geheimtipp für den Sommer. Wer Eistee und Schnaps mag, wird das Zeug lieben.

Ein Spreegraf-Cocktail mit The EARL Spirit und Thomas Henry Bitter Lemon.
Ein Spreegraf-Cocktail mit The EARL Spirit und Thomas Henry Bitter Lemon.


Für unsere eigenen Experimente haben wir den Earl im Wesentlichen behandelt wie einen Tee: Haben uns Earl Grey MarTEAnis nach Audrey Sanders gemixt und einen Black Tea Gimlet – und waren in beiden Fällen leicht unterwältigt. Klassische Tee-Cocktails einfach mit Earl statt Tee mixen haute nicht so hin, wie wir das wollten. Eines unserer Experimente hat uns dann später aber so gut gefallen, dass wir es unbedingt mit euch teilen wollen:

Ein Berlin Bourbon Smash mit The EARL Spirit.
Ein Berlin Bourbon Smash mit The EARL Spirit.

Berlin Bourbon Smash

  • 3 cl The EARL Spirit
  • 3 cl Bourbon
  • 1/3 Zitrone
  • ca. 10 Blätter Minze
  • 2 cl Honigsirup

Zitrone und Minzblätter im Shaker muddeln, restliche Zutaten und Eis dazugießen. Ordentlich shaken und doppelt in einen Tumbler voll Eis abseihen. Mit einem Minze-Zweig garnieren. Trinken.

Angelehnt ist das Rezept an einen klassischen Whisky Smash – nur eben mit The EARL Spirit und Honigsirup, weil der besser zum Tee passt als der langweilige Zuckersirup. Der Drink ist irre minzig, dabei aber schön herb und erdig. Honigsirup stellt ihr her, indem ihr 200 Gramm Honig und 100 ml Wasser in einem Topf unter Rühren erwärmt, bis die Masse homogen ist. Abkühlen lassen, dann ist das Zeug im Kühlschrank zwei Wochen haltbar – um es loszuwerden, müsst ihr halt mehr Berlin Bourbon Smash trinken.

Fazit: Der Earl ist pur schon ziemlich lecker, vor allem auf Eis. Durch den einzigartigen Tee-Geschmack stehen uns hier aber in den nächsten Monaten bestimmt auch diverse Cocktail-Innovationen bevor. Wir freuen uns drauf.

Daten: 38 %, um 26 Euro  (Earl gibt’s hier zu bestellen), Deutschland

Die beiden sympathischen Herren von The EARL Spirit haben uns auf Nachfrage freundlicherweise eine Flasche ihres Spirits und zusätzliche Informationen bereitgestellt. Darüberhinaus haben sie aber zu keinem Zeitpunkt versucht, auf das Tasting oder den fertigen Artikel Einfluss zu nehmen. Vielen Dank für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit!  

JohannTrasch

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