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Trester Reserve – der Tresterbrand von den VollKorn-Machern

Der Trester Reserve vom Weingut Schmidt in einem Trester Espresso Martini.
Der Trester Reserve vom Weingut Schmidt in einem Trester Espresso Martini.

Trester, das kennen die meisten Menschen hierzulande als Grappa. Auch, wenn eigentlich nur Tresterbrände aus Italien so heißen: Grappa kennt man, das hat man schon gehört, Trester eher nicht. Man trinkt ihn im Italienurlaub nach dem Essen, aus dem Obstler-Glas und ein bisschen angewidert, weil die Touristenpizzeria halt keinen guten Stoff da hat. Ist aber wurscht, weil Urlaub. Und „Grappa“, das klingt so schön mediterran. Trester klingt hart, kantig, deutsch und bezeichnet eigentlich die Traubenreste bei der Weinproduktion: Stängel, Schalen, Matschepampe.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller auf unsere Anfrage zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Das destilliert man und heraus kommt Tresterbrand – oder in Italien eben Grappa. Der kann erstaunlich gut schmecken und so ganz anders als der Fusel aus Toni’s Touriria. Legt man den Brand dann eine Weile in ein Holzfass, hat man einen Trester Reserve. Lässt man das dann noch die Brüder Schmidt vom Weingut Schmidt am Bodensee machen, bekommt man eine Spirituose, die so weich, besonders und aromatisch ist, dass man den nächsten Italien-Urlaub am Bodensee verbringen will. Die Schmidts kennt ihr vielleicht schon – Maximilian und Sebastian brennen auch den fantastischen VollKorn. Weil wir im Artikel dazu auch schon praktisch alles Erwähnenswerte zu den beiden geschrieben haben, steigen wir hier direkt in die Verkostung ein:

So schmeckt der Trester Reserve

Im Glas schimmert er rotgolden, warm und fließt leicht ölig ins Glas. Die Nase ist intensiv und wahnsinnig fruchtig. Traube steht ein wenig im Vordergrund, aber danach kommen Honigmelone, Aprikosen und Birnen. Im Hintergrund meinen wir, Himbeeren wahrzunehmen und warme Orangen-Noten. Erst, als wir ihn eine Weile stehen lassen, bemerken wir auch die Lager-Aromen, ein wenig Holz und etwas Karamell.

Nase: Traube, Honigmelone, Aprikose, Birne, Himbeere, Orangen, Holz, Karamell

Zunge: Trauben, Birnen, Haselnüsse, Holz, Vanille, Mandarinen, rote Beeren, Honigmelone

Im Mund fällt als allererstes auf, wie absurd weich dieser Trester ist. So mild und sanft, ohne irgendein alkoholisches Brennen. Stünde nicht 40% auf der Flasche, könnte man fast meinen, man trinkt irgendeine besonders leckere Sorte Saft. Geschmacklich schieben sich hier die Lager-Noten etwas nach vorn, dominant bleiben für uns aber Trauben und Birnen. Danach kommen Holz und Haselnüsse, begleitet von Vanille. Im Nachgeschmack bleibt ein wahres Potpourri aus fruchtigen Eindrücken: Mandarinen, rote Beeren und wieder die Honigmelone.

Der Trester Reserve pur und in Cocktails

Anders als der VollKorn, den die Gebrüder Schmidt nicht nur aber auch mit Blick auf Bars und Cocktails gebrannt haben, ist dieser Tresterbrand eigentlich ein ganz klarer Kandidat für den Pur-Genuss. Er ist vielseitig, intensiv, er schreit danach, dass man jeden einzelnen Schluck ganz bewusst erlebt und dieses Destillat bis in die letzte Ecke erforscht. Gleichzeitig ist er aber so weich und mild, dass man ihn saufen kann wie Wasser. Irre gefährliches Zeug also.

Der Trester Reserve vom Weingut Schmidt in einem Old Fashioned.
Der Trester Reserve vom Weingut Schmidt in einem Old Fashioned.

Trotzdem haben wir natürlich herumprobiert und diverse Drinks mit dem Trester Reserve ausprobiert. Lange haben wir gehadert, die meisten Drinks fühlten sich an wie Verschwendung. Den grandios klingenden The Conqueror von Matthias Friedlein konnten wir aufgrund von Zutatenmangel noch nicht ausprobieren. Matthias war es dann aber auch, der uns auf die eigentlich naheliegende Idee brachte, den Trester als Old Fashioned zu probieren. Ein simpler Cocktail mit wenigen Zutaten, der der Spirituose viel Raum gibt. Was sollen wir sagen: das Ding war der Wahnsinn. Und durch die große Menge an Schmelzwasser in diesem Drink besteht auch keine Gefahr, dass wir versehentlich innerhalb einer Stunde mit leerer Flasche und vollem Kopf dasitzen.

Der Trester Reserve vom Weingut Schmidt in einem Trester Espresso Martini im vorgekühlten Glas.
Der Trester Reserve vom Weingut Schmidt in einem Trester Espresso Martini im vorgekühlten Glas.

Unser bisheriger Lieblingsdrink mit dem Trester Reserve ist aber der Grappa Espresso Martini. Der Name sagt es: ein Espresso Martini mit Trester statt Wodka. Es klingt aber stilvoller, wenn man so tut, als hätte man das Cocktail-Rezept vom Caffé Coretto abgeleitet: italienischem Kaffee mit Schuss. Ja gut, so stilvoll ist das auch nicht. Tatsache aber: ein Espresso Martini mit diesem Trester ist ein wahres Erlebnis. Vor allem, wenn ihr statt Espresso Cold Brew Coffee nehmt. Der ist von Haus aus weniger bitter und stattdessen fruchtig-schokoladig, was sich perfekt ergänzt. Inzwischen kann man diese Art Kaffee auch online bestellen, auch Cold Brew-Geräte gibt es ab 50 Euro. Ach ja; der Cocktail mixt sich so:

Das Rezept für den Trester Espresso Martini

  • 6 cl Trester Reserve
  • 2,25 cl Kahlúa
  • 2,25 cl Cold Brew Coffee
  • 1,5 cl Zuckersirup

Alles zusammen auf Eis hart shaken und in ein vorgekühltes Martiniglas oder eine Coupette abseihen. Trinken.

Den Trester Reserve gibt’s zum Beispiel bei gustls.de!

Fazit: Der vollmundigste, spannendeste, vielseitigste und handwerklich vollkommenste Tresterbrand, den wir je verkosten durften. Sowohl pur als auch in Cocktails ein Fall für den festen Platz in der Hausbar.

Daten: 40 Prozent, 0,5 Liter, Deutschland, 43 Euro

Für dieses Tasting hat uns Maximilian von Vollkorn freundlicherweise eine Flasche zur Verfügung gestellt. Darüberhinaus hat er aber weder Ansprüche an den Artikel gestellt, noch versucht, auf das Tasting Einfluss zu nehmen. Wir bedanken uns für die partnerschaftliche und unkomplizierte Zusammenarbeit 🙂

JohannTrasch

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