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L.N. Mattei Cap Corse Grande Reserve Quinquina Blanc: Cap Mattei im Tasting

Cap Mattei Quinquina Blanc in einem Mulled Martini.
Cap Mattei Quinquina Blanc in einem Mulled Martini.

Ein Quinquina das ist sowas ähnliches wie ein Wermut, nur ein wenig bitterer. Der Kina Lillet, mit dem James Bond seinen berühmten Vesper Martini mixt, ist zum Beispiel ein Quinquina. Oder besser: war. Denn der moderne Lillet hat mit dem irre bitteren Produkt, das seit Ende der 1980er nicht mehr hergestellt wird, wenig zu tun. Damals entschied man, dass zu bitteres Zeug einfach keine Zukunft hat – es war die Zeit der ultratrockenen Martinis praktisch ohne Wermut. Doch mit dem Erstarken des aufgespriteten Weins und mit Sommertrends wie dem Martini Tonic kommt auch der Quinquina wieder zurück in die Bars und Hausbars – zum Beispiel der L.N. Mattei Cap Corse Grande Reserve Quinquina.

In den Varianten Blanc und Rouge – sprich: weiß und rot – erhältlich, ist es vor allem der weiße in der Flasche mit dem blauen Label, den man inzwischen auch hierzulande gelegentlich in Bars entdeckt – als „Ersatz“ für trockenen Wermut, als Spritz und als Longdrink. Auch der Autor dieser Zeilen erwärmt sich in den letzten Jahren zusehends für aufgespritete Weine – und stolperte dann aus beruflichen Gründen (siehe letzter Absatz) über den „Cap Mattei Blanc“ – und war erstaunt, wie irre viel Spaß man mit dem bitteren Tropfen haben kann.

Die Story hinter L.N. Mattei Cap Corse Grande Reserve Quinquina Blanc

Was wir über Korsika, die Heimat des Mattei, wissen, das haben wir aus „Asterix auf Korsika“. Demzufolge nimmt man hier Familie und Essen sehr, sehr ernst – was irgendwie hervorragend zu einer französischen Mittelmeerinsel passt, die eigentlich näher an Italien als an der französischen Küste liegt. Was sich auch in einer sehr speziellen, dialektgeprägten Sprache niederschlägt. Genau hier erfindet im Jahr 1872 ein Mann namens Louis Napoleon Mattei den „Cap Mattei“, wie ihn die Einheimischen nennen.

Cap Mattei Blanc in einem Quinquina Tonic.
Cap Mattei Blanc in einem Quinquina Tonic.

Seitdem gehört der Quinquina auf Basis von Mistelle-Weinen und Chinarinde (die auch die Bitterkeit bringt) auf Korsika dazu – er ist ein Traditionsprodukt, das einige von euch vielleicht sogar schon aus dem Urlaub kennen. Er ist bitterer und gleichzeitig süßer als Wermut und genau deshalb zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber spannend. Seit einiger Zeit arbeitet die Marke unter jüngerer Führung an der Ausbreitung in Europa und der Welt. Dafür setzt man auf altbewährte Rezepte und paradoxerweise altbewährtes Marketing: Webseite und Anzeigen wiederholen Motive aus den 20ern, 40ern, 60ern und verleihen L.N. Mattei einen enorm klassischen Anstrich. Aber weil gutes Marketing allein nicht reicht, schauen wir jetzt besser mal ins Glas:

So schmeckt Cap Mattei Blanc

Der Quinquina Blanc fließt mit der Farbe gelblichen Weißweins ins Glas und wirkt für seine 17% etwas zähflüssiger als erwartet. In der Nase wirkt er zunächst undefiniert kräutrig. Mit ein paar Sekunden Zeit offenbaren sich Honig und Holunder, Weißwein und etwas Zimt. Nach einer Weile sind es zudem Trauben und etwas komplexere, aber schwer zu fassende florale Aromen, die wir in die Nase bekommen.

Nase: Kräuter, Honig, Holunder, Weißwein, Zimt, Trauben

Mund: Holunder, Kamille, Honig, Wermut, Thymian, Trauben, Bergamotte, Zitronenzesten

Im Mund ist der Quinquina geradezu überbordend süß, zumindest gemessen an dem, was man nach seinem Duft erwartet, und enorm bitter. Holunder, Kamille und Honig rasen über unsere Zungen und schlagen sehr kräutrig am Gaumen auf. Wermut (obwohl gar nicht mitverarbeitet) kommt auf, ein Hauch Thymian, mit einem fruchtigen Trauben-Einschlag am Ende. Der zweite und dritte Schluck werden zitruslastiger, Bergamotte und Zitronenzesten schmecken durch. Im Mund ist der Cap Mattei Blanc deutlich komplexer als in der Nase – eine tolle Überraschung.

L.N. Mattei Cap Corse Grande Reserve Quinquina Blanc in Cocktails und Longdrinks

Pur macht der Cap Mattei nur wenig Spaß, zumindest uns . Zu bitter, zu kräutrig, etwas zuckrig. Bei aller aromatischen Abenteuerlust ist das in der Form nicht gerade der höchste Genuss. Der Cap Mattei Blanc ist eine Mix-Spirituose; wie Wermut eben auch. Während wir uns aber selbst bei gutem trockenem Wermut mit Tonic-Longdrinks schwer tun, sind wir bei diesem Quinquina sofort ein bisschen verliebt: Bittersüß und kräutrig kommt der Quinquina Tonic daher, mit kräutrigen Noten, wie von einem sehr speziellen Gin – irre lecker, süffig, aber aufregend. Wir nehmen dafür im Test das Standard-Fever-Tree.

In Erinnerung an den klassischen Kina Lillet mixen wir uns obendrein einen Vesper Martini mit Wodka und Gin – ebenfalls eine schöne Nummer. Der absolute, mediterrane Voll-Wahnsinn allerdings: ein Martini aus Apostoles Gin, Cap Mattei Blanc und The Bitter Truth Olive Bitters. Da möchtest du dich einfach nur reinlegen. Damit ist für uns endgültig klar: den L.N. Mattei kann man bedenkenlos wie einen sehr besonderen Wermut verwenden – was wir in Zukunft auch tun werden. Zum Beispiel in diesem sehr winterlich-gewürzigem Martini, den wir uns bei ein paar Grad weniger auch in einer warmen Variante vorstellen könnten:

Der Martini für den Winter: Mulled Martini

  • 5 cl BIRDS Weissbrand
  • 3 cl Cap Mattei Blanc
  • 1 cl Italicus

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und in ein vorgekühltes Martiniglas abseihen. Trinken.

Cap Mattei Blanc mit BIRDS Weissbrand und Italicus im Mulled Martini.
Cap Mattei Blanc mit BIRDS Weissbrand und Italicus im Mulled Martini.

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Fazit: Wer schon alle trockenen Wermuts durch hat und das Besondere sucht, einen Low-ABV-Longdrink (Cocktail mit wenig Alkohol) mit Gin-Tonic-Flair möchte oder einfach gerne gelegentlich 0,3 Liter Korsika-Urlaub braucht, der sollte diese Flasche im Regal haben.

Daten: 17 Prozent, Frankreich, 0,75 Liter, um 25 Euro

Der Autor dieser Zeilen arbeitet 2017 hauptberuflich für die Perola GmbH, den deutschen Importeur von L.N. Mattei. Trotzdem entstand dieser Artikel nach bestem Wissen und Gewissen: Weder Vorgesetzte noch Kollegen haben Einfluss auf mich genommen, der Artikel wurde vor der Veröffentlichung niemanden zur Überprüfung vorgelegt. Cocktailbart.de ist zudem von der üblichen Nebentätigkeits-Klausel in meinem Vertrag ausgenommen. Sprich: Dieser Artikel entsteht so unabhängig wie es unter den Umständen möglich ist. Auch beim Tasting selbst war ich so objektiv wie sonst auch. Natürlich schwingt bei einem Produkt, an dessen Vertrieb man bald selbst beteiligt ist, ein wenig Stolz mit – solltet ihr also das Gefühl haben, ich hätte Details über den L.N. Mattei Cap Corse Grande Reserve Quinquina Blanc vergessen oder ignoriert, die ihn in ein anderes Licht rücken: Meldet euch in den Kommentaren und wir reden darüber!

JohannTrasch

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