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West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey

West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey im Old Fashioned.
West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey im Old Fashioned.

Wer guten Whiskey mag, mag meist auch guten Rum. Gut, vielleicht wissen viele gar nicht, dass sie Rum mögen, weil sie nur das transparente Zeug aus dem Supermarkt kennen. Aber guter Rum ist ähnlich aromatisch wie guter Scotch oder – wie in diesem Fall – Irish Whiskey. Was also liegt näher als einen Whiskey einfach mal in einem Rum-Fass zu finishen? Genau das wurde beim West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey gemacht – weshalb der zu seinen Single Malt-Aromen eine gute Portion Melassebrand mit sich rumträgt.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom deutschen Vertrieb zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

„Finishen“, dass bedeutet, dass ein Whiskey nur 6 bis 12 Monate in einem bestimmten Fass gelagert wird, ganz zum Schluss des Reifeprozesses. Die Spirituose bekommt so noch einen letzten geschmacklichen Kick, bevor es in die Flasche geht. Ihr kennt das von anderen Whiskeys und Whiskys wahrscheinlich von Port und Sherry Cask Finishes, die sind gebräuchlicher. Trotzdem ist West Cork natürlich nicht die einzige Distillerie, die das macht, auch Bruchladdich oder Balvenie hatten da bereits Varianten im Angebot. Aber heute geht’s nicht um die, sondern um …

Die West Cork Distillery

Die Distille liegt ganz im Süden Irlands im beschaulichen Örtchen Skibbereen und ist gerade einmal 13 Jahre alt. 2003 gründete John O’Connell das Unternehmen zusammen mit zwei Freunden; Fischern, die sich mangels schlechter Zeiten etwas neues suchen mussten. Zwei Seemänner und ein Lebensmittelfachmann gehen also in eine Bar. Heraus kommt kein peinlicher Witz, sondern die West Cork Distillery – die übrigens so heißt, weil Skibbereen im Westen der Grafschaft Cork liegt. Wer wissen will, wie es vor Ort aussieht, liest den Vor-Ort-Bericht von Kirsch Whisky.

Von Anfang an setzt man auf frisches Quellwasser und Weizen und Gerste, statt gemischter Getreidesorten. Man entscheidet sich gegen Farbstoff im Whiskey – und das ist selbst bei den großen und alten Distillen eher selten der Fall. Man entscheidet sich aber auch für eine große Produktpalette, für’s Herumprobieren. Bringt einen 10 jährigen Whiskey heraus, einen NAS-Blend (NAS = No age statement), einen Blend in doppelt ausgebrannten Bourbon-Fässern und letztes Jahr auch eine 12jährige Variante in drei verschiedenen Versionen: einen Port Cask Finish, einen Sherry Cask Finish und einen Rum Cask Finish – und weil letzter wohl besonders gut ankam, gibt es nun auch die Variante ohne Alters-Verifikation.

Gut, an der Stelle mault jetzt wahrscheinlich jemand: „Mimimi, die Whisk(e)y-Brennereien haben das ganze alte Zeug verkauft, jetzt hauen sie den halbfertigen Fusel raus.“ Könnte man jetzt ausführlich darüber debattieren, aber die Pfade der No-Age-Statement-Diskussion sind so ausgetreten wie der Weg von meiner Couch zu meiner Hausbar und die Aussicht auf diesem Weg ist eher fad. Natürlich ist uns auch nicht egal, ob ein Whiskey jetzt 5 Jahre alt ist oder 15. Aber solange die Qualität auch ohne Jahrzehntelange Lagerung stimmt und der Preis fair bleibt, wird hier nicht gemeckert, sondern getrunken. Apropos:

So schmeckt West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey

Das Etikett der Flasche, das sich nur unterhalb der aufgedruckten Banderole in die irische Küstenlinie verwandelt, könnte man kitschig finden. Aber wenn man in einem irischen Fischer-Städtchen mit 2.500 Einwohnern nicht kitschig sein darf, wo bitte dann? Trotz des Verzichts auf Farbstoffe und des wahrscheinlich jungen Alters ist der West Cork Rum Cask Whiskey vergleichsweise dunkel, im Glas liegt er irgendwo zwischen Bernstein und üppigem Weißwein. Statt Beinchen bildet er nach dem Schwenken dicke Tropfen von monströser Schwere, die erst langsam volllaufen und dann wuchtig zurück ins Glas fallen.

Nase: Ester, Äpfel, Orangen, Trauben, Eiche, Honig

Mund: Blütenhonig, Melasse, Orangenschalen, Grüne Äpfel, Eiche

In der Nase kommt zuerst ein leichter Ester-Ton an, der aber sofort von Äpfeln, Orangen und Trauben flankiert wird. Lässt man ihn ein wenig stehen, wärmt ihn in der Hand, nimmt man ein leichtes Eichenaroma wahr und was vorher Ester war, verwandelt sich jetzt in der Nase in Honig. Ein bisschen trockenes Gras schwingt zum Schluss noch mit.

Im Mund kommt er pompös an, mit einer starken, herben Süße wie von Blütenhonig. Aus dem wird im zweiten, dritten, vierten Schluck sehr eindeutig die Rum-Süße von Melasse, aber vorher schmecken wir Orangenschalen und wieder die Äpfel. Während die in der Nase noch sehr fruchtig waren, haben sie hier eine klare Säure. Anders gesagt: In der Nase war’s ein roter Apfel, im Mund ist es ein grüner. Bevor wir darüber nachdenken können, wie verkopft wir eigentlich langsam in Sachen Geschmack werden, finden wir die Eiche des Fasses wieder, die zusammen mit der Melasse den Nachgeschmack bildet.

Der West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey im Whiskey Sour, ausnahmsweise ohne Ei.
Der West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey im Whiskey Sour, ausnahmsweise ohne Ei.

Der West Cork Rum Cask Whiskey im Pur-Genuss

Ein schöner, guter, runder Whiskey mit einer erstaunlichen Tiefe, der eindeutig auf der fruchtig-süßen Seite des Lebens zu Hause ist. Das Rum Cask schmeckt man deutlich raus, was draufsteht, findet man wieder. Wenn man so will, ist das ein Strand-Whiskey. Karibischer Strand wohlgemerkt, nicht diese kalten, windigen Dinger da in Irland. Der West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey hat nichts Warmes, nichts Schweres, ist ein Leichtgewicht mit Tiefgang. Im Pur-Genuss macht ihn das tatsächlich zu einer schicken Alternative für Rum-Fans und zu einem super Drink in eher schwülen Nächten. Wer sonst eher auf rauchige Islay-Malts mit Schokoladen-Aromen steht, der könnte bei diesem Whiskey Verständnis-Probleme haben.

West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey in Cocktails

Die Fruchtigkeit, die klaren Zitrusaromen, das alles schreit nach der Kombination in Cocktail-Rezepten mit viel Säure. Dieser Whiskey liebt Zitrus-Säfte, er geht darin auf. Wir mixen uns zunächst einen klassischen Old Fashioned mit Angostura Bitters, ohne Garnitur, weil ist ja Männer-Abend. Fazit: Geht so. Old Fashioned mit Orange Bitters und geknickter Orangenschale: der Hammer. Eine Leichtigkeit und Frische, dass er gegen einen Daiquiri antreten könnte.

Der West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey im Blood and Sand.
Der West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey im Blood and Sand.

Im Whiskey Sour erleben wir etwas ganz Ähnliches, auch wenn hier die Vorzüge nicht mehr ganz so nuanciert zu Tage treten – Spaß macht der Whisky auch in diesem Cocktail. Mit dem Mint Julep fischen wir in Bourbon-Gewässern und da fühlt er sich dann scheinbar auch nicht wohl – obwohl die Süße des Irish Whiskeys hier funktionieren müsste, fehlt der Nummer irgendetwas. Unser absolutes Highlight im Test: ein Blood and Sand. Die Kombination aus Kirschlikör, Orangensaft, rotem Wermut und eben West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey macht so absurd viel Spaß und ist trotz des schweren Likörs so irre erfrischend, dass wir eigentlich den ganzen Abend nichts anderes mehr trinken wollen.

Zu kaufen gibt es den West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey etwa bei Irish-Whiskeys.de.

Fazit: Ein erstaunlicher tiefer Irish Whiskey, bei dem der Aufdruck „Rum Cask“ kein Marketing-Trick, sondern Programm ist. Kann pur viel Spaß machen, wenn man seinen Whiskey frisch und fruchtig mag, funktioniert absurd gut Cocktails mit Zitrussäften.

Daten: 0,7 Liter, Irland, um 29 Euro, 46%

Für dieses Tasting hat uns Kirsch Whisky – The House of Whisky, der deutsche Importeur des West Cork Single Malt Rum Cask Irish Whiskey, freundlicherweise eine Flasche davon zur Verfügung gestellt. Darüberhinaus hat der Importeur aber weder Ansprüche gestellt, noch versucht, auf das Tasting Einfluss zu nehmen. Wir bedanken uns für die partnerschaftliche und unkomplizierte Zusammenarbeit 🙂

JohannTrasch

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