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Smokecraft Vodka: Wodka mit Rauch macht spannendere Wodka-Cocktails!

Smokecraft Vodka macht sich in vielen Cocktails gut - hier zum Beispiel in einer Bloody Mary.
Smokecraft Vodka macht sich in vielen Cocktails gut - hier zum Beispiel in einer Bloody Mary.

Smokecraft Vodka – rauchiger Wodka. Das  klingt wie der nächste langweilige Hipster-Coup nach Rauchwein, Rauchbier und Rauch, der eigentlich nur Dampf ist. Aber es ist deswegen so spannend, weil Wodka und Rauch-Spirituosen in der weiten Welt des Geschmacks an zwei entgegengesetzten Enden liegen. Wer einen Whisky oder Mezcal mit Rauch in seinen Cocktail schüttet, der drückt dem Drink damit unweigerlich den Rauch-Stempel auf. Das Ding mag so geil schmecken wie es will, für einen Teil der Menschheit „riecht das halt jetzt nach Medizinschrank mit Aschenbecher“.

Guter Wodka ist in den meisten Fällen neutral. Mild und weich, mit leichten Anklängen von Vanille oder Getreide, wenn man sich ganz dolle konzentriert. Klar, da gibt’s die (gute, wichtige und vor allem: geile) Gegenbewegung mit dem fassgelagerten Kartoffelwodka von Windspiel oder dem gschmackigen Roggen-Monster FREIMUT Wodka – aber auch von denen ist keiner so weit weg von „neutral“ wie der Smokecraft, mit dem der Berliner Robert Köcke seit fast zwei Jahren Extreme vereint. Die Frage also: Lohnt sich’s, geschmacklich von Islay nach Berlin zu fliegen?

Die Story hinter Smokecraft Vodka

Wenn man Robert Köcke zum ersten Mal sieht und seine Vita liest, muss man glauben, dass die ganze Hipster-Bewegung nur entstanden ist, um diesen Mann zu kopieren: Prächtiger Vollbart, Hosenträger. Geboren in Berlin, Textilkaufmann gelernt, die Welt bereist, Veranstaltungskaufmann gelernt, in einer Kochschule gearbeitet, in Spanien als Streetworker gearbeitet. Die Idee für Smokecraft Vodka hatte er, als er beim Kürbiskerne rösten seine 60er-Jahre Siebträger-Espresso-Maschine angeguckt hat. Auch, wenn’s nach Kreativer-aus-Berlin-Baukasten klingt – wer der Facebook-Seite von Smokecraft und Köcke selbst folgt, der merkt schnell: der isso. Alles echt.

Wie er da so steht, beim Kürbiskerne rösten, überlegt er sich, dass man damit doch auch Spirituosen geiler machen könnte. Also will er Wodka rösten, weil der als besonders reine Spirituose enorm davon profitiert. Auch wenn er erstmal keine Ahnung hat, wie das gehen soll. Das kann Köcke aber nicht aufhalten – nach diversen Versuchen entwickelt er ein Verfahren, bei dem er zunächst Flaschen über Echtholz räuchert und den Wodka dann darin „einlegt“, bevor er ihn durch Zellulose, Hanf und Baumwolle filtert und abfüllt. Alles in Handarbeit, auf Kugelgrills, und alles alleine.

Wobei Köcke nie müde wird, zu betonen wie dankbar er für die Hilfe von Familie, Freunden und auch Geldgebern ist. Mit seinem Unternehmen Hatchanegg will er auch karitativ tätig werden, Verantwortung übernehmen. Smokecraft Vodka ist außerdem Teil von Handmade in Germany 2016, einer Art weltweiter Wanderausstellung für Produkte, die in Deutschland in Handarbeit hergestellt werden – das der rauchige Wodka mal in einer großen Fabrik-Anlage hergestellt wird, ist also eher unwahrscheinlich. Klingt ja alles gut. Aber wie schmeckt er denn jetzt eigentlich?

Das Tasting zum Smokecraft Vodka

In der Flasche schwimmen wenige kleine, schwarze Partikel – Naturprodukt, ick hör‘ dir trapsen. Im Glas ist er ölig-schwer, hellgelb-schmutzig. Die erste Nase ist der Hammer. Wir rechnen mit einer Mischung aus Getreide mit malzigem Torfrauch – weil das eben der Rauch ist, den wir aus Spirituosen gewohnt sind. Stattdessen sitzen wir am olfaktorischen Lagerfeuer, riechen original brennendes Holz. Scheiße, als wir lange genug die Augen schließen, hören wir das Feuer sogar knistern. Auf unserer Flasche steht mit rotem Stempel „Buche“ und wir meinen, auch Buchenrinde zu erschnuppern. Nach einer Weile kommen etwas feinere Aromen, ein leichter Karamell und doch noch etwas Torf.

Nase: Lagerfeuer, Holz, leichte Noten von Karamell, Buchenrinde und Torf

Zunge: Rauch, Karamell, Kohle, Leder, Vanille

Was dem Smokecraft Vodka in der Nase an Tiefe fehlt, holt er im Mund dann nach. Klar kommt auch hier zunächst der Rauch wuchtig und mit der gleichen Lagerfeuerstimmung, doch direkt danach macht sich eine karamellige Süße breit und ein Kohle-Aroma mit Leder-Anklängen. Im ersten Schluck bemerken wir noch ein leicht alkoholisches Brennen, dabei bleibt der Wodka auf der Zunge jedoch weich. Im Abgang schmeckt man eine leichte Vanillenote, bevor sich im Nachgeschmack dann wieder vor allem Rauch absetzt, der jedoch hier deutlich kälter wirkt. Im Vergleich zum ersten wunderbaren Feuer hat dieser Nachgeschmack jetzt leider wirklich ein bisschen was von Aschenbecher. Dagegen hilft dann nur der nächste Schluck.

Smokecraft Vodka in Cocktails

Der Smokecraft Vodka funktioniert pur schon hervorragend – aber nur, wenn man ausdrücklich auf Rauch steht. Für Smoke-Fans ist er praktisch Pflichtprogramm, allein schon weil es spannend ist, die Unterschiede zu rauchigen Whiskys im Direktvergleich zu erleben. Über Torffeuer geröstetes Malz auf der einen, unbehandeltes Naturholz pur auf der anderen Seite. Wer sich schwer tut, aus dem Smokecraft mehr Aromen herauszuschmecken, dem empfehlen wir ihn als Wodka-Soda, ohne Eis. Das ist wie pur trinken mit mehr Geschmacksknospen.

Dank Smokecraft Vodka wird aus klassischen Drinks wie dem Vodka Martini ein Smokey Vodka Martini.
Dank Smokecraft Vodka wird aus klassischen Drinks wie dem Vodka Martini ein Smokey Vodka Martini.

Diese feingliedrigen, fragilen Aromen um den Rauch herum gehen in Cocktails freilich unter. Klingt negativ, ist aber vollkommen okay: der pure Rauch in Verbindung mit dem schüchternen Wodka erlaubt einem, rauchige Cocktails zu mixen, in denen nicht zusätzliche Agaven-Aromen vom Mezcal oder Whisky-Nuancen hängen. Klar will man die auch oft genug, aber Smokecraft Vodka ist wie natürlicher Flüssigrauch, mit dem man Cocktail-Rezepte in genau dem Maß einräuchern kann, wie man es für richtig hält. Eine Bloody Mary wird damit zu einer feurig-rauchigen Nummer, zu der man am liebsten Bohnen essen würde. Ein Vodka Martini wird damit von Sprit mit Wermut-Geruch zu einem rauchig-süßsäuerlichen Abenteuer.

Spannend: Im Espresso Martini ist der Rauch nur ein Nachklingen und alles andere als dominant. Im direkten Vergleich mit der „normalen“ Variante schmeckt er aber vollmundiger, als wäre der Kaffee stärker geröstet worden. Normalerweise gehen wir an der Stelle auch auf die Signature Drinks einer Spirituose ein – nur sind für die Signatures von Smokecraft absurd viele verschiedene Bitters nötig, die wir nicht zu Hause haben. Sobald wir da mal aufgestockt haben, holen wir das nach – bis dahin sind wir aber auch schon damit zufrieden, dass dieses kleine Rauchwunder die guten alten Wodka-Klassiker mal ordentlich wachrüttelt und starten ganz nebenbei sicher noch eigene Experiment-Reihen.

Fazit: Ein wahnsinnig spannendes Produkt, mit noch vielen unerforschten Einsatzmöglichkeiten – das aber auch pur ziemlich gut funktioniert, wenn man schon immer mal ein Lagerfeuer austrinken wollte (ja – wir wollten das schon immer). Der Literpreis tut weh – aber wer Handarbeit und Natürlichkeit will, darf nicht auf Discounter-Preise hoffen.

Daten: 40%, Deutschland, 0,5 Liter, um 45 Euro

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JohannTrasch

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