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Windspiel Barrel Aged Potato Vodka

Windspiel Barrel Aged Potatoe Wodka ist ein Sipping Wodka - macht aber auch in Shortdrinks Spaß.
Windspiel Barrel Aged Potatoe Wodka ist ein Sipping Wodka - macht aber auch in Shortdrinks Spaß.

Wodka ist die Basis vieler leckerer Drinks, die fast alle eines vereint: Wodka spielt darin den Nachbrenner, die Dröhnung, den Treibstoff – für tolle Aussicht und guten Geschmack sorgen die anderen Zutaten. Wodka pur, das bedeutet meist eisgekühlte Shots, Genuss geht anders. Diese Meinung kann und darf man freilich vertreten,  doch auch und gerade in Deutschland arbeiten viele leidenschaftliche Leute daran, dieses Bild, das viele noch immer vom Wodka haben, zu drehen.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom Hersteller auf unsere Anfrage zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

All diesen Herstellern ist gemein, dass sie Wodka nicht als etwas sehen, dass man totfiltern muss, bis nur noch Wasser übrigbleibt, das blöd macht – sondern es als etwas eigenes, aromatisches verstehen, das man nicht unterdrücken, sondern hervorheben muss. Smokecraft Wodka mit der geräucherten Flasche. Freimut Wodka mit dem starken Fokus auf seinen Roggen-Ursprung. Und eben der Windspiel Barrel Aged Potato Vodka, von den Machern des preisgekrönten Windspiel Gins.

Die Story hinter Windspiel Barrel Aged Potato Vodka

Der Windspiel-Wodka trägt seine hervorstechenden Charakterzüge direkt im Namen: die Kartoffel und die Fassreifung. Beides eher unüblich – der Durchschnittswodka im deutschen Supermarktregal ist praktisch immer aus Getreide, und eher fünfzehnmal gefiltert als zum Abrunden im Fass eingelagert. Weil einfach nur „Kartoffel“ und „Holz“ zu lapidar klingt, setzt man auf die kaum bekannte aber dafür enorm stärkehaltige Kartoffelsorte Pirol und frische Esche statt der üblichen Eiche für die mehrmonatige Fasslagerung. Beides zusammen in Kombination mit der fünffachen Destillation und dem Verzicht auf chemische Zusätze, all das soll den Wodka besonders rund machen.

Ob das jetzt so viel Unterschied macht, ob man Pirol oder Sieglinde nimmt oder Esche statt Eiche, ob da mehr dahintersteckt als Marketing; um das zu beurteilen, fehlt uns ehrlich gesagt die Expertise. Sicher sind nur zwei Sachen. Erstens: Das vierköpfige Team hinter der Marke zeigt auf der Windspiel-Webseite, dass es sich  ziemlich charmant zu verkaufen weiß. Marketing ist hier kein Fremdwort. Zweitens: Bei Windspiel kennt man sich verflucht gut aus mit Kartoffeln. Landwirt Tobias ist zentraler Teil der Windspiel-Crew, baut die Erdäpfel für den Schnaps selbst an. Schon der Windspiel Gin wird aus seinen Knollen hergestellt und der räumt die Preise und Traum-Reviews derzeit im Dutzend ab. Aber jetzt mal Butter bei die Potacken: Ist das jetzt so alles viel besser als „normaler“ Wodka?

So schmeckt der Windspiel-Wodka

Wir verkosten den sanftgelben Windspiel Barrel Aged Potato Vodka auf zwei Arten – einmal zimmerwarm, einmal mit einem Eiswürfel im Glas. Letzteres ist die offizielle Trink-Empfehlung. Vorweg: Beide Arten haben ihren Reiz, die ungekühlte ist aber etwas schärfer, schwieriger, wuchtiger. Die Kühle und das Schmelzwasser tun dem Kartoffelwodka gut, öffnen ihn und bieten der Nase ein leises, aber beeindruckendes Schauspiel aus Waldboden, nassem Holz, Kartoffelschale und Zitrusfrüchten. Im Nachgang schiebt sich noch eine leichte Note von feuchtem Kartoffelkeller hinterher. Der warme Windspielwodka dagegen hat nicht diese Bandbreite, bleibt eher flach, bringt aber dafür Kakao und Karamell mit rein. Der Duft, er ist ein schöner – und für einen Wodka ein wahnsinnig vielschichtiger.

Das Tasting

Nase: Waldboden, Kartoffeln, Zitrusfrüchte, nasses Holz

Mund: Kartoffeln, Getreide, Vanille, Tannennadeln, Holz

Im Mund erinnert der fassgereifte Kartoffelgeist fast schon an einen milden Weißwein, so weich ist er. Die hervorstechende Note sind Kartoffeln, die etwas getreidiges hinter sich herziehen, auf der Zunge sammeln sich eine leichte Süße und eine milde Vanille. Im Abgang erwartet einen dann eine zitronige Note, die in Tannennadeln umschlägt, im Nachgeschmack bleibt warmes Holz. Schärfe gibt’s nur in der zimmerwarmen Variante und da ist sie viel eher pfeffrig-angenehm als ernstzunehmend alkoholisch.

Insgesamt bietet sich uns eine Komposition, die nicht nur für einen Wodka wunderschön ist, sondern die tatsächlich über die kleinbürgerlichen Grenzen der Spirituosenkategorien hinweg beeindruckt. Nur einlassen muss man sich darauf, sich Zeit nehmen und genießen. Zu fein und nuanciert sind all diese Aromen, als dass man sie noch groß mitkriegen würde, wenn man sich das Zeug einfach reinschüttet. Genau das macht auch den Einsatz in Cocktails eher schwierig.

„Ein Gentleman-Wodka für den Pur-Genuss“

Als solcher wird der Windspiel-Wodka verkauft und beworben und ein bisschen stimmt das auch: Wenn sich die stattlichen 45 Euro für den halben Liter Wodka für euch rechnen sollen, ist der Purgenuss die beste Wahl. Jedes zu starke Gegengewicht verdrängt die feinen Noten, macht sie sprichwörtlich platt und entwertet damit den Wodka. Klar: Auch im Sex on the Beach, erstickt in Cranberry-Nektar, bleibt Windspiel Barrel Aged Potato Vodka ein milder und schöner Wodka. All das Waldboden-, Zitrus-Frucht- und Kartoffel-Gelaber oben ist dann aber für die Katz.

Mixen geht natürlich trotzdem: Überall da, wo sich der Kartoffelschnaps entfalten darf und einen zurückhaltenden Partner zur Seite gestellt bekommt. Im Vodka Martini (6 cl Wodka, 1 cl Wermut, einige Tropfen Angostura Bitters) bleiben seine Wald- und Kartoffelnoten, werden durch die Süße und Säure des Wermuts zusätzlich betont. Immer noch ein Drink, den man aktiv schmecken muss – aber um Längen besser als jeder Wodka Martini mit irgendeinem kaputtgefilterten Getreidebrand. Auch einen Wodka Old Fashioned mixen wir uns – mit Orange Bitters und einer Orangenzeste – und sind begeistert, wie die fruchtig-warme Orange auch die wärmeren Noten des Wodkas herausholt, das gilt vor allem für die Holz- und Karamell-Töne.

Am Ende sind wir uns nicht ganz einig, wie man Windspiels fassgereiften Kartoffelwodka nun am besten genießt. Ob nun pur oder im Drink und wenn ja – in welchem? Nur beim „Wie?“ herrscht Einigkeit: Langsam. Mit Genuss. Und ums Verrecken nicht im Shotglas.

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Fazit: Pur und in Shortdrinks ein Wahnsinns-Wodka – für Shots und Cocktail-Rezepte mit Frucht aber eine Verschwendung vor dem Herrn.

Daten: 42 Prozent, um 45 Euro für 0,5 Liter, Deutschland

Windspiel hat uns freundlicherweise eine Flasche Barrel Aged Potato Vodka für Tasting und Cocktail-Experimente zur Verfügung gestellt, hat danach aber weder auf den Artikel noch das Tasting an sich Einfluss zu nehmen versucht, sondern uns vollkommen freie Hand gelassen. Wir bedanken uns für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit. 

JohannTrasch

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