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Mezcal Local – vegetarischer Pechuga im Pur- und Cocktail-Test

Mezcal Local im Cocktail Two of Hearts.

Mezcal ist selbst für Spirituosen-Liebhaber immer noch großes Neuland. Der große Bruder des Tequila, hergestellt aus einer Vielzahl teils wilder Agaven-Arten, ist geschmacklich mit „schwer zugänglich“ eher sanft umschrieben. Rauch, manchmal Teer und immer eine ungekannt intensive Agaven-Kraft machen Mezcal zur Liebhaber-Spirituose für Fortgeschrittene. Das gilt insbesondere für eine Mezcal-Unterart, die kaum einer richtig begreift: Pechuga.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns vom deutschen Importeur Dr. Sours zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.

„Pechuga“ ist spanisch für „Brust“ und heißt so, weil bei der Destillation dieser Mezcal eine Putenbrust in der Destille hängt. Im Erstkontakt mit Mezcal bekommt man diesen Satz gerne mal als Info vor die Füße geworfen, einfach nur, damit auch jeder im Raum begreift wie abgefahren die Kategorie genau ist. Dass beim Pechuga auch Früchte im Destillierapparat landen, deren Auswirkung auf’s Endprodukt weit spannender ist, und dass diese Mezcals oft zu den liebevoll produziertesten und geschmacklich rundesten gehören, das fällt dabei meist unter den Tisch. Mezcal Local ist ein Pechuga, lässt aber nirgendwo seine Brüste reinhängen. Das macht ihn zum vegetarischen Pechuga, was allein schon reichen würde, um ein bisschen Spannung aufzubauen. Ab da schlummert noch mehr …

Die Story hinter Mezcal Local

Hinter Mezcal Local stehen zwei Mexikaner, die ursprünglich aus dem Marketing stammen: Eduardo Carreño und Jeronimo Dorbecker. Beide setzen natürlich ihre Erfahrungen aus der Marken-Kommunikation für den Vertrieb ihres flüssigen Babys ein, längst aber haben sie ihr Herzensthema Mezcal und die Erhaltung der zugehörigen Kultur zum Hauptberuf gemacht. Die Destillation überlassen sie trotzdem einem Profi: Maestro Mezcalero Leonel Hernández, Brenner in dritter Generation. Er stellt den Local im ländlichen San Pablo Villa de Mitla, Oaxaca her – handwerklich und nur mit selbst gezüchteten Plantagen vom eigenen Feld. Zehn Jahre hütet „Don Gil“ seine Espadin-Agaven, wie der Maestro Mezcalero genannt wird, bevor  die geernteten von Blättern befreiten Piñas drei Tage lang im Erdofen mit Flussgestein und Holz gekocht werden (das ist der Punkt, an dem Mezcal sein rauchiges Aroma erhält). Anschließend werden sie mit der Esel-betrieben Mühle gemahlen.

Mezcal Local in einer Tommy's Margarita, wohlgemerkt ohne Eis.
Mezcal Local in einer Tommy’s Margarita mit Bloody Maria Bitters, wohlgemerkt ohne Eis.

Nach 10 Tagen Fermentation in offenen Holzfässern wird der Mezcal Local doppelt auf der Copper Pot Still gebrannt, dabei kommen Äpfel, Pfirsiche, Bananen und Orangen mit in die Destille. Vor allem aber haben jetzt auch die gekochten Piñas, die Agavenherzen noch einen letzten Auftritt. Auch sie kommen mit in die Destille, was dem Endprodukt ein noch intensiveres Agavenaroma verleiht. Auch diese Piñas heißen in Mexico übrigens „Pechuga“. All das macht den Local am Ende zum Pechuga de Maguey. Der landet in der wuchtigen Flasche und gelangt über das Team von Dr. Sours dann zu uns nach Deutschland. Jetzt bleibt natürlich die Frage: Was kann so ein Pechuga-Style Mezcal?

So schmeckt Mezcal Local

Der kristallklare Mezcal fliegt federleicht durch’s Glas, zieht aber beachtlich viele Beinchen am Glasrand. Der Duft schlägt einem schon auf Abstand entgegen: Angenehmer Rauch, nicht so brachial wie bei anderen Mezcals und auch merklich feingliedriger mit Noten von Tabak, verbranntem Holz, Leder und herben Kräutern, darunter ein Hauch Eukalyptus. Dazu ein Anklang von Teer, aber auch kräftige Früchte, allen voran Papaya.

Nase: Tabak, verbranntes Holz, Leder, Eukalpytus, Teer, Papaya

Mund: Zitrusnoten, Leder, Tabak, verbrannte Zündhölzer, Papaya, Orange, Minze, Bockshornklee

Auf der Zunge ist er für diese Unmenge an Rauchtönen dann fast schon zahm: Mild und mit einer leicht süßlichen Zitrusnoten prallt er auf der Zungenspitze auf, geht dann in Leder und Tabak über, dazu leicht schwefelige Noten von verbrannten Zündhölzern. Am Gaumen wieder Papaya, etwas Orange. Im leider nicht allzu langen aber angenehmen Nachklang kräutrige Noten von Minze und Bockshornklee. Schönes Ding.

Der Mezcal Local pur und in Cocktails

Typisch Mezcal, aber irgendwie eben auch nicht – die Kräuter- und Rauchnoten wirken vergleichsweise zugänglich und der Local schafft es, präsent zu sein, ohne uns aromatisch umzuwerfen. Ihn deswegen jetzt „Einsteiger“-Mezcal nenne, wäre vielleicht etwas viel. Für die Generation Gin ist praktisch nichts an Mezcal irgendwie „Einsteiger“. Aber doch, ja: Wer einen ersten Schritt in die Welt des Mezcal sucht, der ist hier definitiv nicht falsch. Und auch, wenn man sich schon durch diverse Vertreter der Kategorie probiert hat, ist das Teil noch eine ausdrückliche Empfehlung wert.

Das gilt pur so sehr wie in spannenden Drinks. Unbedingter Mixbefehl: Margaritas. Wir haben uns an die Tommy’s Margarita-Version gehalten, aber klassisch ohne Eis in der Coupette serviert. Weil wir zur Zeit außerdem aus wirklich allem einen Gibson Martini machen, konnten wir uns auch hier nicht zurückhalten – kombiniert mit Giovannoni Vermouth Seco und Dr. Sours Epazote Bitters war da zugegeben nicht mehr viel vom klassischen Gibson übrig – lecker war das trotzdem.

Mezcal Local im Sparkling Sol Cocktail - Old Cuban Style mit Hibiskus statt Minze.
Mezcal Local im Sparkling Sol Cocktail – Old Cuban Style mit Hibiskus statt Minze.

Für einen eigenen Drink hatten sehr schnell eine Idee für einen Old Cuban-style Drink, aber wir mochten die Minze in der Kombination nicht. Von unserer letzten Taco-Party war aber noch etwas mexikanischer #flordejamaica übrig – den kennt ihr wahrscheinlich eher als Hibiskus. Also kam der mit in den Shaker – und es wurde ein ziemlicher pinker, aber geschmacklich fast schon trockener und spannender Cocktail draus. Benannt haben wir ihn nach Sol Sours: wunderbarer Mensch und Mitgründerin von Dr. Sours. Auch wenn es wie ein Klischee klingt, einen rosa Cocktail nach einer Frau zu benennen: Das klang dann einfach zu gut, um’s nicht zu tun:

Sparkling Sol

  • 6 cl Mezcal Local
  • 3 cl Limettensaft
  • 1,5 cl Agavensirup
  • Etwa 6 cl trockener Schaumwein
  • 4 getrocknete Hibiskusblüten
  • Vanilleschote

Alle Zutaten außer Vanilleschote und Sekt auf Eis shaken, doppelt in ein Glas ohne Eis abseihen, mit Schaumwein auffüllen und mit Vanilleschote garnieren. Trinken.

Mezcal Local im Frederico Cocktail.
Mezcal Local im Frederico Cocktail.

Frederico (nach Unbekannt)

  • 4,5 cl Mezcal
  • 3 cl Medium Sweet
  • 1,5 cl Cherry Liqueur
Alle Zutaten auf Eis rühren und in ein gefrostetes Kelchglas abseihen. Mit Maraschino-Kirschen garnieren. Trinken.

Two of Hearts (nach Unbekannt)

  • 1,5 cl Mezcal
  • 4,5 cl Rye Whiskey
  • Aromex Dr. Sours
  • Ahornsirup
Alle Zutaten auf Eis rühren und in einen Tumbler mit frischem Eis abseihen. Mit einer Zitronenzeste abspritzen, aber nicht ins Glas geben. Trinken.

Mezcal Local via Mezcal-tequila.de online bestellen!

Direkt zum deutschen Importeur Dr. Sours

Fazit:  Vegetarischer Pechuga-Style Mezcal, der uns geschmacklich überrascht hat – auf die gute Art. Mezcal Local ist besonders, ohne abgedreht zu sein und schmeckt uns pur mindestens genauso wie in den damit gemixten, ziemlich geilen Mezcal Tommy’s Margaritas.

Daten: Mexiko, um 60 Euro, 0,7 Liter, 42 Prozent

Dr. Sours hat uns eine Flasche des Mezcal Local für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

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Mezcal Local in einer Gibson-Variante mit Epazote Bitters.
Mezcal Local in einer Gibson-Variante mit Epazote Bitters.

Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, stolzer Familienvater / Texter / Konzepter / Kreativarbeiter bei Tag.

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