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Die 10 größten Cocktail-Fehler (die wir alle mal gemacht haben)

Für manche Mixing-Fehler braucht man Übung - der Rest lässt sich vermeiden.
Für manche Mixing-Fehler braucht man Übung - der Rest lässt sich vermeiden.

Wir sind große Freunde positiver Artikel. Wir sagen immer viel lieber „Pass mal Obacht, wir machen das so“ als „So wie du das machst, ist’s kacke“. Weil Ersteres viel freundlicher ist als Zweiteres, selbst wenn beides manchmal dasselbe bedeutet. Und weil uns jahrelanges Abmühen am Shaker Demut verliehen hat. Wir wissen selbst manchmal gar nicht genau, ob wir diese oder jene Cocktail-Technik überhaupt selber beherrschen. Eigentlich sogar viel öfter als wir zugeben wollen.

Im Falle der folgenden zehn Punkte sind wir uns aber absolut sicher: das läuft in den meisten Home Bars von Cocktail-Deutschland falsch. Vor allem in unseren eigenen, zumindest früher – an vielen Stellen hätten wir einfach gerne deutlich früher klare Tipps gekriegt oder – so ehrlich müssen wir sein – selber mal für 10 Cent mitgedacht. Damit ihr’s zu Beginn eurer Home Bar-Karriere mal besser habt, präsentieren wir euch hier die 10 schlimmsten Cocktail-Fehler überhaupt und wie man sie vermeidet. Alle erfahrenen Hobby-Mixologen und richtigen Bartender scannen kurz die Zwischenüberschriften und packen dann die schlimmen Sünden, die wir vergessen haben, direkt in die Kommentare – schließlich lernen wir selber auch immer noch dazu.

1. Ihr benutzt viel(!) zu wenig Eis

Es ist vor allem eine deutsche Krankheit, allzu viel Eis im Drink zu monieren und am besten noch mit einem genervten „Das verwässert doch alles“ aus dem Glas zu fischen. Stellen wir das mal klar: Liegt euer Drink auf einem fetten Batzen Eis, hält sich die Nummer lange kalt, wodurch das Eis auch langsamer schmilzt. Die drei popeligen Eiswürfel in eurem halben Liter Disco-Mojito schmelzen innerhalb von vier Minuten und kühlen euren Drink in dieser Zeit um ein halbes Grad. Gilt übrigens auch und gerade für’s shaken von Drinks – wer nur ein paar müde Eiswürfelchen in den Shaker packt, kann auch gleich ein Stamperl Leitungswasser reingießen.

Natürlich gibt’s Drinks wie einen Martini oder einen Manhattan, die ohne Eis serviert werden. Bei allen Cocktails on the rocks könnt ihr aber davon ausgehen, dass das Glas mit Eis voll sein sollte. Gut gemachte kräftige Drinks profitieren sogar von etwas Schmelzwasser.

2. Ihr benutzt das falsche Eis

Crushed Ice ist eine dermaßene Seuche, dass noch heute mancher verdiente Bartender der 90er schweißgebadet nachts aufwacht und „Würfeleis in die Caipirinha!“ brüllt. Doof nur: Crushed Ice schmilzt bedingt durch die größere Oberfläche im Vergleich zu Würfeln tatsächlich deutlich schneller – es kühlt schneller, verdünnt den Drink aber auch schneller. Wenn wir so drüber nachdenken kommt daher vielleicht diese deutsche Angst , in Gaststätten Geld für gefrorenes Wasser auszugeben.

Generell gilt: Shortdrinks mit viel Alkohol wie ein Old Fashioned profitieren enorm von großen Eiswürfeln, am besten nur einem einzigen großen – der bleibt lange kalt und gibt nur ganz geruhsam Schmelzwasser ab. Crushed Ice lohnt sich immer dann, wenn ihr einen sehr Schnaps-lastigen Drink möglichst frisch und im Bestfall noch etwas leichter wirken lassen wollt. Bestes Beispiel ist der Mai Tai. Richtig gemixt ist der sehr kräftig und Rum-lastig, bedingt durch das Crushed Ice wird er massentauglicher. Für Drinks mit Filler wie einen Gin & Tonic oder einen Mojito mit Soda solltet ihr beim Würfeleis bleiben. Die sind bedingt durch Sprudel und nichtalkoholischem Anteil leicht genug.

3. Ihr benutzt schlechtes Eis

Jaja, wir sehen schon, dass eure Köpfe vor lauter Eis-Gelaber rot anlaufen. Wie viel kann man mit Eis bitte noch falsch machen, wenn man Würfel und Crushed Ice in ausreichender Menge gebunkert hat? Gar nicht mehr so viel, zugegeben – aber schon noch ein bisschen was. Der eigentliche Anfängerfehler an der Stelle ist meistens die Lagerung: Lasst ihr euer Eis zu lange in der Tiefkühltruhe zwischen Fischstäbchen und gefrorenem Hammel nimmt es den Geruch der Kühlwaren an. Es ist dann schlicht nicht mehr gut. Bar-Nerds meinen mit „schlechtem Eis“ aber meistens schlicht trübes Eis – für echte Perfektionisten gilt nämlich „Nur Klares ist Wahres“. Eis ohne Lufteinschlüsse sieht deutlich schöner aus, splittert nicht so heftig und sorgt insgesamt für noch einen Ticken bessere Drinks. Für das technische Wieso und die Frage nach dem „Woher?“ werft einen Blick rüber zu Clear-Ice-Papst Camper English.

Eis mit Lufteinschlüssen macht die schlechteren Drinks. Sorry, isso.
Eis mit Lufteinschlüssen macht die schlechteren Drinks. Sorry, isso.

4. Ihr mixt mit Zitrussäften aus der Flasche

Frischgepresst ist immer besser. Das gilt schon beim Orangensaft zum Frühstück oder Brunch (und da vor allem in Mimosas) es gilt aber noch viel mehr bei Zitronen- und Limettensaft in euren Cocktails. Gläschensaft ist immer zu sauer, zu wenig sauer oder gerne auch mal zu süß – vor allem schmeckt er im Direktvergleich schal. „Ja, aber der Aufwand?“ hören wir euch stöhnen. Aber sorry, zählt nicht: Limetten- und Zitronensaft lassen sich mit einer Mexican Elbow Press schnellund effizient aus den frischen Früchten quetschen und sind für jede Party hervorragend vorzubereiten. Das Zeug hält im Kühlschrank Minimum einen Tag und erreicht sogar erst nach vier Stunden Ruhezeit überhaupt seinen geschmacklichen Höhepunkt. Sprich: Wer zwei Stunden vor der Party presst, hat keinen Stress und den perfekten Limettensaft zum genießen und angeben. Bonus: frische Früchte vorher schälen und die Schalen in nasse Papiertücher wickeln – dann habt ihr auch gleich Deko auf Vorrat.

5. Ihr rührt oder shaked viel zu kurz und viel zu zaghaft

„Wie lange muss ich shaken?“ ist eine dieser Einsteiger-Fragen, auf die man eigentlich am liebsten mit „Üben, dann hast du’s irgendwann im Gefühl“ antworten möchte, weil’s halt einfach so ist. Doof nur, dass die Antwort zwar nach Zen-Meister klingt, aber geradezu absurd unhilfreich ist. Deshalb der – buchstäbliche – Hands-on-Tipp: fertig gerührt ist, wenn das Rührglas außen richtig schön kalt ist. Fertig geshaked ist, wenn der Metall-Teil des Shakers zu kalt ist, um ihn noch länger in der Hand zu halten.

6. Ihr benutzt den Satz „Zum mixen taugt’s“

Wer beim Anblick einer Flasche Tequila mit rotem Hut stolz verkündet „Zum Mixen passt’s schon“, der müsste im Umkehrschluss auch den nächsten Igel mit den Worten „Für’s Gulasch geht’s“ von der Straße kratzen. Die besten Gerichte kocht man aus hochwertigen Zutaten. Die besten Drinks mixt man aus hochwertigen Spirituosen. Klar: wenn ich einen Whisky vermische, muss er im Normalfall nicht so komplex und nuanciert sein, wie wenn ich ihn mit viel Genuss pur trinken will. Aber das bedeutet nicht, dass er nicht gut sein muss. Faustregel: Was pur gar nicht geht, geht auch im Drink nicht. Freilich – alles, was man eh nicht pur trinken würde, ist von der Regel ausgenommen, etwa Cocktail Bitters oder diverse kräftige Bitterliköre. Qualitativ hochwertig sollten aber auch die sein.

7. Ihr gießt eure Drinks in warme Gläser

Der gewaltigste Fehler, der viel zu oft passiert ist folgender: Ihr shaked auf eurer Party einen Whiskey Sour voller Leidenschaft, seht dabei auch noch richtig gut aus und zieht dann beherzt den frischgewaschenen Tumbler aus der noch warmen Spülmaschine. Eis ins warme Glas, Drink drauf und 20 Sekunden Schüttel-Action für die Katz. Gut, ganz so schlimm ist es meistens nicht, in besagtem Beispiel habt ihr schon Glück, wenn das Glas nicht zerspringt. Aber generell ist es auch schon in kleinerem Rahmen problematisch einen kalten Cocktail in ein zimmerwarmes Glas zu gießen – nicht nur, dass der Drink schneller warm wird, eiskalte Gläser fühlen sich an Händen und Lippen einfach besser an. Grade Shortdrinks, die ohne Eis getrunken werden, profitieren massiv davon, wenn sie in eisgekühlten Gläsern serviert werden. Habt ihr dafür nicht genügend Froster-Space, rührt einfach kurz zwei, drei Eiswürfel im Glas und schüttet sie dann weg.

Minze braucht Liebe. Basilikum braucht Prügel.
Minze braucht Liebe. Basilikum braucht Prügel.

8. Ihr behandelt eure frischen Zutaten falsch

Cocktails sind nicht immer nur Flüssigkeiten, die ineinander geschüttet werden – manchmal sind da auch tatsächlich frische Zutaten im Spiel. Angefangen bei den Zitrusfrüchten. Hier kann man gar nicht mal so viel falsch machen wie die Strunk-Entfern-Apologeten gerne von den Zitrus-Kanzeln predigen, trotzdem ist weniger Mesokarp (das weiße Zeug in Zitronen und Limetten) durchaus erstrebenswert. Das ist nämlich in Masse schon ein bisschen bitter. Viel schlimmer aber: Mit der Schale von gespritzten und gewachsten Früchten hantieren. Das ist ungesund und gibt als Deko im Drink Fehlnoten. Biofrüchte lohnen sich. Die gängigsten Fehler bei anderen frischen Zutaten? Nummer 1: Minze zu hart anpacken. Wer im Mojito allzu hart mit dem Muddler hantiert, bekommt einen bitteren Drink. Seid zärtlich zur Minze. Nummer 2: Basilikum zu sanft behandeln. Der mag’s hart und behält sein Safeword auch für sich, wenn ihr seinem Stiel mit brachialer Gewalt zu Leibe rückt. Wichtig ist das etwa für den Gin Basil Smash, dem er zum Dank ein tiefes grün und viel Geschmack verleiht.

9. Ihr mixt Pi mal Daumen statt mit einem Jigger

Wer ein Cocktail-Rezept präzise nachmixen möchte, sollte auch die Mengenangaben ordentlich hinkriegen. Ja, in den Augen mancher Gäste wirkt der Einsatz der Jigger genannten kleinen Cocktail-Messbecher manchmal etwas geizig und natürlich möchtet ihr in eurer Homebar generös wirken. Aber wenn ein Bartender in der freien Wildbahn einen Drink freepoured (so nennt man das mixen ohne Jigger), hat das einen von zwei Gründen. Entweder, er oder sie hat monatelang trainiert und weiß sehr genau, wie viel cl er oder sie gerade ohne abzumessen in den Shaker gekippt hat. Oder es ist ihm oder ihr wirklich furzegal wie euer Drink schmeckt. Wenn die drei Amaretto Sours für eure drei Kumpels alle exakt gleich schmecken sollen, gibt’s nur also eins: abmessen.

Wer jiggert, mixt die konstanteren Cocktails.
Wer jiggert, mixt die konstanteren Cocktails.

10. Ihr denkt zu viel nach

Irgendwer hat jetzt bestimmt gedacht „ICH denk zu viel nach? Sagt der Typ, der keine Luftbläschen in seinem Eis will.“ und ja, berechtigter Einwand. Trotzdem: Nehmt’s locker und verlasst euch auf euer Bauchgefühl. Komplexe Cocktails genau abzumessen ist das eine, einen Gin & Tonic nur noch mit dem Jigger in der Hand zu mixen, das andere. Wenn der Hütchen-Tequila eh schon im Schrank steht, muss er natürlich auch weg und besser in einer Tommy’s Margarita zwischen Limette und Agavensirup als mit Salz und Zitrone. Und wenn um 2 Uhr morgens das Eis langsam knapp wird, aber alle noch Bock haben, dann sind die Drinks halt ab jetzt ein bisschen wärmer, damit’s noch eine Stunde länger reicht. Perfektionismus ist ein Werkzeug – und wenn wir’s heute abend nicht mehr brauchen, bleibt’s halt in der Kiste.

Bilder: Diverse Künstler via unsplash.com.

Zuletzt überarbeitet am

Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, Familienvater & Texter bei Tag. Lieblings-Drink Martini, Lieblings-Spirituose trotzdem Rum. Wohnt in Franken, kommt aus der Oberpfalz (ist beides in Bayern, tschuldigung). Typischer Satz: "Meinste das wär geiler, wenn man Olivenlake reintut?"

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