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In 10 (oder mehr) Cocktails durch: Regensburg

Im Storstad genehmigten wir uns uns die Cocktails 5 bis 8.
Im Storstad genehmigten wir uns uns die Cocktails 5 bis 8.

Cocktail 5 bis 8: Storstad

Die zweite Station unseres Cocktail-Abends führt uns ins Storstad. Ein Sternerestaurant mit asiatisch-deutscher Fusionküche und schwedischem Namen. Mit – natürlich, sonst wären wir ja nicht hier – einer Bar. Das Ding ist das genaue Gegenteil vom Marple and Stringer, was Bekanntheit, Lage und Ausrichtung angeht: Gelegen in einer Seitenstraße in einem Wohnhaus, erreichbar nur über einen Aufzug. Drinnen durchgestylt von vorne bis hinten, aber dabei schlicht – von der Graffiti-Wand mit der Toiletten-Geheimtür mal abgesehen (kein Scheiß, die siehst du nicht!).

Als wir reinkommen – ich geb’s zu – sind wir fast schüchtern. Was, wenn man unseren schicken Anstrich durchschaut? Was, wenn einer auf uns zeigt und brüllt: „Guck dir die komischen Typen an, die sind nur zum Saufen da!“ War natürlich nicht so. Auf eine unglaublich herzliche Begrüßung folgt ein kurzer Ausflug auf die atemberaubende Terrasse, von der man zumindest in Regensburg schon gehört hat: Fantastische Aussicht über die Dächer der Stadt, irre gemütliche Sitzgelegenheiten und eine Außenbar, die aber leider noch geschlossen war. Also wieder rein, direkt an die Bar. Der erste Blick geht auf die Karte: 8,50 für das günstige Barfood-Gericht, Cocktails zwischen 10 und 12 Euro. Hätten wir uns in einem Sterneschuppen jetzt teurer ausgemalt.

Was gibt’s hier zu trinken?

Die Bar ist ungelogen 1,50 Meter breit, Schnaps und Zutaten in der Mitte aufgebaut und aneinandergereiht – deswegen kommt einer der beiden Barkeeper auch außenrum zu uns. Mit einer Schale (kein Schälchen: Schale!) des leckersten Popcorn, das jemals jemand zubereitet hat und stillem Wasser mit Kamille-Orangen-Aroma. Selbstgemacht natürlich, beides. Noch vor unserer ersten Bestellung fühlen wir uns ein bisschen verwöhnt. Apropos Bestellung: In der ersten Runde gibt’s einen Alarmed Bison und einen Matanuki.

Der Alarmed Bison kommt mit Büffelgraswodka, Birnenpüree, Zitronensaft und selbstgemachtem Chili-Nelken-Zimt-Sirup daher, als Garnitur Birnenspalten. Das Ding hat ein Aroma, dass dir der Hut wegfliegt – der Sirup geht geschmacklich und olfaktorisch voran, klar – aber in Kombi mit Birne und dem leichten, frischen Bisongraston ist dieser Drink ganz großes Kino. Der Matanuki mit Jasminteewodka, Sake, Lycheelikör, Cranberrynektar, Limettensaft und Lima Juice ist lecker – hat aber das gewaltige Problem, dass das Bison nebendran zwei Liegen weiter oben spielt, was Raffinesse und Intensität angeht.

Die zweite Runde im Storstad

Als wir die zweite Runde bestellen (und dazu frisches Wasser und mehr Popcorn bekommen – Service, Alter!), werden wir freundlich gewarnt: Diese Bloody Mezcal Mary, die sei schon verdammt rauchig. Finden wir gut. Zumindest einer von uns. Der andere wird sich in exakt vier Minuten über den fürchterlichen Geruch beschweren, während er an seinem Yellow Bamboo (Kubanischer Rum, Vanillelikör, Rohrzucker, Limette, Mangopüree und Orangensaft) nippt.

Den Yellow Bamboo hatten wir bestellt, weil wir noch etwas in Richtung des Alarmed Bisons erleben wollten – und auch wenn der Bamboo lecker war, fällt er im direkten damit deutlich ab. Der Bamboo ist deutlich weniger fein und raffiniert. Das sind zwar Sachen, die man an dieser Stelle auch der Bloody Mezcal Mary vorwerfen könnte (eine Bloody Mary mit rauchigem Mezcal statt Wodka) – aber die wurde auch nicht für Fans filigraner Aromen gemixt. Am besten beschreibt man sie mit der Originalreaktion: „Woah! Woah, Fuck. Woahahahaha. Boah. Alter! Ich verreck. Krass. Genau meins.“ Klartext: Wer auf Rauch und scharfes Essen steht, wird diesen Cocktail lieben. Wer nicht auf Rauch steht,  sollte sich wenigstens drei Meter von jedem wegsetzen, der dieses krasse Zeug säuft.

Warum ins Storstad?

Vier Cocktails auf hohem Niveau und davon zwei so intensiv und kraftvoll, dass wir noch jetzt daran arbeiten, sie zu Hause nachzubauen (Alarmed Bison-Rezept coming soon!). Guter Schnitt. Vor allem, wenn man den fantastischen Service bedenkt: Das Storstad strahlt Luxus aus und lässt die Gäste Luxus erleben, aber wirkt in keiner Sekunde abgehoben oder elitär, sondern stattdessen ehrlich, offen und herzlich. Das alles bei fairer Preispolitik und mit einer Terrasse, auf der man zum Sonnenuntergang Liebe machen will. Mit oder ohne Mezcal Mary.

JohannTrasch

Ein Kommentar

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Ich stimme zu.

  • Sehr informativ geschriebener Artikel und schöne Bilder! Ich wohne ebenfalls seit einigen Jahren in Regensburg, aber kannte noch nicht alle aufgelisteten Etablissements. Diese kann ich nun, dank des Beitrags, mit meinen Freunden abarbeiten. Mal schauen ob eine Bar an unseren bisherigen Favoriten, das Storstad, herankommt.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Christian