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Das Korn und der Hangman’s Martini

Das Korn in einem Hangman's Martini.
Das Korn in einem Hangman's Martini.

„Korn“ ist unter allen Bränden auf Getreidebasis wahrscheinlich der altbackenste und uncoolste. Whiskey ist unter alten Leuten und Hipstern schon lange hip, Wodka ist bei den Partypeople ohnehin beliebt und diverse Hersteller arbeiten auch in Sachen Bildungstrinken daran, ihren Platz in den Barregalen der Welt auszubauen. Aber Korn? Der steht weiterhin tapfer seinen Mann als Basis für hausgemachte Liköre und Sidekick im Herrengedeck der Eckkneipe. Könnte man zumindest denken. Denn auch, wenn die Craft-Bewegung beim deutschen Kornbrand nicht ganz so große Ausmaße annimmt wie bei Rum, Gin oder Wodka, gibt es auch hier seit über 10 Jahren eine Qualitätsbewegung. Einer der frühen Frontmänner: Das Korn.

Die Flasche für dieses Tasting wurden uns von Haromex, dem Vertrieb von Das Korn, zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels. 

Die Story hinter Das Korn

Hinter Das Korn steht zum einen die Preussische Spirituosenmanufaktur in Berlin, zum anderen ein Mann namens Theo Lighthart. Falls es bei dem Namen bei euch klingelt, seid ihr entweder leidenschaftliche Verehrer von Experimentalfilmen und viel in der deutschen Kunstszene unterwegs oder habt zuletzt im Zusammenhang mit seinem Baby Freimeisterkollektiv – einer Kooperative hochklassiger vor allem deutscher BrennerInnen – oder im Zusammenhang mit der von ihm organisierten Destille Berlin von ihm gelesen. Vor diesen spannenden und hochangesehen Projekten startete er 2008 Das Korn – als Kunstprojekt, bei dem er sich mehr als Künstler denn als Unternehmer sieht, aber wohlgemerkt beides sein will. Nein: ist.

Das Korn in einer Skinny Bitch mit Soda und nix.
Das Korn in einer Skinny Bitch mit Soda und nix.

Um Wikipedia zu zitieren: „Ziel dabei ist, ebenso die Gesetze des Kunstmarktes wie auch den Anspruch der Kunst auf Autonomie zu thematisieren und zu hinterfragen.“ Das Unternehmertum als Kunstform quasi und es passt, dass er sein Produkt in diesem Zusammenhang sehr, sehr ernst nimmt. Entsprechend optimierte er mit dem Team der Spirituosenmanufaktur ausgiebig an Weizensorten, Herkunft und Brennverfahren, um einen Korn zu brennen, der diesem Namen auch gerecht wird, der sich nicht vor der großen Tradition dahinter zu verstecken braucht. Zugegeben: das klingt in seiner Gesamtheit ein bisschen drüber. Was den künstlerischen Ansatz wohlgemerkt nur unterstreicht, genau wie die für Korn extrem aufgehipsterte Flasche. Aber selbst wenn einem das nicht zusagt: am Ergebnis, das sechs Monate in Steingutgefäßen lagert, bevor es abgefüllt wird, gibt’s wenig zu maulen:

So schmeckt Das Korn

Kristallklar, schwer und mit einem ansehnlichen Vorhang aus Nasen am Glasrand schwenkt sich der Korn und gibt dabei ein spannendes Potpourri an Aromen frei: Roggen und Weizen, Birnen und ein leiser Hauch Zitrusfrüchte zeigen sich, flankiert von einer unscheinbaren, aber vorhandenen Alkoholnote. Lässt man ihn eine Weile stehen, zeigt der Korn auch sanfte Aromen von grünem Apfel und Heu – das Bouquet gewinnt merklich, wenn er eine Weile atmen darf.

Nase: Roggen, Weizen, Birnen, Zitrusfrüchte, Grüner Apfel, Heu

Mund: Birne, grüner Apfel, Orange, Weizen, Honig, Roggen

Als er auf der Zunge aufschlägt, präsentiert er sich unerwartet fruchtig: Birne und grüner Apfel zeigen sich spannenderweise als erstes, obendrein ein Hauch von Orange. Erst auf dem Weg zum Gaumen kommen leicht süßliche Weizennoten, etwas Honig und im Abgang dann auch Roggen auf. Eine leichte Schärfe und tatsächlich auch ein etwas alkoholischer Nachgeschmack bleiben kurz, machen aber schnell wieder den eher fruchtigen Noten Platz.

Das Korn in einem Dirty Martini.
Das Korn in einem Dirty Martini.

Das Korn pur und in Cocktails

Pur ist der Korn eine tolle Mischung aus alter und neuer Welt: Man merkt durchaus, dass man hier Alkohol trinkt und hat auch diese wärmende, leichte Schärfe, die man von Opas Lieblingskorn noch als ätzendes Hardcore-Brennen kennt. Trotzdem ist Das Korn ein filigraner, vielseitiger Brand mit viel Handwerk, der auch fantastisch in Cocktails funktioniert. Die unerwartet fruchtigen Geschmacksnoten erlauben auch Spielereien, die mit ähnlich gelagerten Kornbränden eher anstrengend werden. Eine Skinny Bitch zum Beispiel, klassisch die Mischung aus Wodka und Wasser, macht als Korny Bitch eine gute Figur. Das Ding ist immer noch unauffällig süffig – aber es schmeckt jetzt wenigstens nach was und das auch noch gut.

Auch den zweifelhaften Klassiker Cola Korn haben wir im Test wiederbelebt: Zusammen mit der Organics Cola von Red Bull (klingt bezahlt, ist aber wahr: die ist gut) kommen die Korn-Noten schön raus. Der Drink wird dadurch nicht unbedingt komplex, aber auf jeden Fall spannender als 98% aller anderen Colamischen, die uns jemals untergekommen sind. Ausgepressten Limettenschnitz nicht vergessen! Und weil Wodka & Korn mit echtem Getreidegeschmack unsere heimlichen Martini-Lieblinge sind, mixen wir auch hier mit Wermut – allerdings nach Art eines Gehängten garniert mit einer Sardelle. Klingt eklig, ist aber Foodpairingporn.

Hangmans Martini

  • 6 cl Korn
  • 3 cl Trockener Wermut

Alle Zutaten auf Eis rühren und in ein gefrostetes Martiniglas abseihen. Mit einer Sardelle garnieren. Trinken

Das Korn im Hangman's Martini mit Sardelle.
Das Korn im Hangman’s Martini mit Sardelle.

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Fazit: Ein spannender Korn, der auch wirklich intensive und komplexe Noten von Getreide mitbringt und auf einer geschmacklichen Linie (und Augenhöhe) mit einigen der besten modernen Craft-Wodkas spielt.

Daten:  38 Prozent, Deutschland, 0,7 Liter, um 30 Euro

Der Deutsche Vertrieb von Das Korn, die Haromex Development GmbH, hat uns die Flasche für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

Du hast deine eigene Meinung zu Das Korn?

 

JohannTrasch

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