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ESCUBAC und der „That Esculated Quincely“-Cocktail

Escubac mit Quittenlikör und Portwein im That esculated quincely-Cocktail.
Escubac mit Quittenlikör und Portwein im That esculated quincely-Cocktail.

„Jeder andere macht Gin, also haben wir etwas anderes gemacht.“ liest man auf der Webseite von Sweetdram, den Herstellern von Escubac. Gut, sooo weit weg ist die Grundidee erstmal nicht: Man nimmt Basis-Alkohol, mazeriert darin Kräuter und Gewürze, brennt den Spaß nochmal und füllt ihn ab. „Etwas anderes als Gin“ ist in diesem Fall im Wesentlichen ein „Botanical Spirit“ ohne Wacholder, dem einzigen Pflicht-Botanical, das für einen Gin vorgeschrieben ist.

Die Flasche für dieses Tasting wurden uns von Bottle Rocket, dem deutschen Vertrieb von Escubac zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels. 

Genau dieser Ansatz hat aber etwa bei BIRDS schon hervorragend funktioniert – und ist etwas, das wegen uns ruhig öfter passieren könnte. Oder wie oft habt ihr euch in den letzten Monaten gedacht: „Schon geil das Zeug – aber wäre das ohne Wacholder nicht vielleicht noch besser?“ Wohlgemerkt gilt das aber natürlich nicht für Vollblut-Gins wie einen Juniper Jack, Tanqueray London Dry oder Cotswolds. Wohl aber für diverse (und längst nicht alle) New Western Dry Gins, die den Fokus auf andere Botanicals legen. Escubac geht allerdings einen Schritt weiter, als einfach nur den Wacholder wegzulassen. Aber von vorn:

Die Story hinter Escubac

Hinter dem Schnaps mit dem seltsamen Namen steht Sweetdram: drei Briten namens Andrew, Daniel und Vangeli, die in ihrem Workshop in East London im Wesentlichen eins tun: Einzelne Botanicals mazerieren und brennen. Sie basteln quasi an einer Bibliothek von Auszügen und Kräuter-Spirituosen, die sie später zu fertigen Produkten verblenden. Neben einigen spannenden Limited Editions, für die sie auch mal Demerara Rum als Basis-Alkohol benutzen, ist der Escubac ihr wichtigstes Destillat, das Flagschiff von Sweetdram.

Escubac mit Tonic Water, garniert mit frischem Ingwer.
Escubac mit Tonic Water, garniert mit frischem Ingwer.

Wenn man sich den aus der Nähe betrachtet, wirkt er erstmal ein wenig abstrus. Zu den Botanicals gehören Kümmel, Kardamom, Muskat und Zitrusfrüchte – die Auszüge daraus brennen die drei noch einmal auf einem antiken Destilliergerät in Frankreich in der Distillerie Combier. Das machen sie wohlgemerkt wirklich selbst – für jeden Batch Escubac reisen die Briten nach Frankreich und besetzen die Distille . Wir haben zu wenig Ahnung von Destillier-Technik, um auch nur zu erahnen, ob das alte Dingen tatsächlich notwendig ist, um die Spirituose genau so hinzubekommen. Aber hey, wenn die Jungs nur für eine Marketing-Story die ganze Zeit zwischen dem hektischen East London und einer französischen Kleinstadt hin- und hergondeln, dann ist das eine ziemlich gute Story.

Was den Escubac neben dem Fehlen von Wacholder noch weiter vom Gin unterscheidet, ist das Finale seiner Herstellung: der fertige Brand wird mit Vanille, Rosinen und einer kleinen Menge Zucker gesüßt und mit Safran gefärbt. Von der reinen Süße liegt er damit auf der Zunge sogar hinter einem normalen Old Tom Gin, ist aber merklich süßer als ein Dry Gin. Und so wirkt sich das insgesamt auf den Geschmack aus:

So schmeckt Escubac

Die Farbe ist mit einem sehr hellen gelbgrün recht ungewöhnlich, aber wie gesagt ohnehin durch den Safran entstanden. Escubac schwenkt sich leicht, zieht aber sehr ansehnliche Beinchen an der Glaswand. In der Nase kommt zunächst ein sehr weihnachtlicher Duft an: Zimt, Orangen, danach wird es erdiger. Kümmel und Brotgewürz, mit ein wenig Anis. Lässt man ihn eine Weile stehen, wird der Duft heller: Heu und Zitronenzesten gesellen sich dazu.

Nase: Zimt, Orangen, Kümmel, Brotgewürz, Anis, Heu, Zitronenzesten

Mund: Vanille, Honig, Anis, Kümmel, Kardamom, Nüsse, Schokolade, Lebkuchengewürz

Im Mund wirkt er zunächst ein wenig schüchtern, nur ein leichter Anklang von Vanille, Honig und Anis zeigt er an der Zungenspitze. Auf dem Weg nach hinten breitet er sich jedoch aus: Der Kümmel wird präsenter, Kardamom und dunkel geröstete Nüsse zeigen sich am Gaumen. Das Finish hat etwas leicht schokoladiges, im Nachgeschmack bleiben Gras und Lebkuchengewürz. Spannend ist das aus zwei Gründen: Weil der Escubac im Mund schwächer anfängt als in der Nase, aber stärker aufhört. Und weil er diese aromatische Vielfalt mit nur 34% schafft.

Der Escubac pur und in Cocktails

Entsprechend seines Alkoholgehalts kann man den Escubac bedenkenlos pur trinken, er ist ultramild. Zugegeben: Bei 34% hätte man in allen anderen Fällen allerdings auch einen dicken „SCHADE!“-Aufkleber auf die Flasche kleben müssen. Trinkt man ihn pur, wirkt er dank leichter Süße wie eine angenehme Mischung aus Kümmelschnaps und Weihnachts-Likörchen. Wird zugegeben nicht jedem gefallen und auch wir spielen mit dem Sweetdram-Produkt ehrlich gesagt lieber in Cocktails.

Escubac im Overproof Martini mit Revolte Overproof.
Escubac im Overproof Martini mit Revolte Overproof.

Der offiziellen Empfehlung startend mixen wir den Escubac mit Tonic und finden das Ergebnis zwar lecker, aber eben auch nicht mehr. Der Drink erinnert ein wenig an den Pimentlastigen Seedlip & Tonic, nur eben mit Alkohol. Wir geben’s zu: So toll das auch schmeckt, nur dafür würden wir uns den Escubac nicht kaufen. Auch ein Test im Escubac Fizz kommt über das „Lecker“ nicht hinaus. Wir beginnen zu ahnen: da muss was spannenderes her, das dem Produkt und der Innovation auch gerecht wird.

In der ersten Experimentier-Phase widmen wir uns Escubac-Martinis – vergleichsweise immer noch schlicht und vom Gin schon besetzt, aber hier, ohne viel Filler, funktioniert der Escubac besser, wird eigenständiger. Ein Martini mit Escubac und trockenem Wermut, garniert mit Oliven, die mit Blauschimmelkäse gefüllt sind: der richtig geile Spaß. Die Gegensätzlichkeit aus salzigem Käse, würzigen Oliven und dem Escubac macht uns viel Freude, ist aber kein Drink zum einfach gemütlich wegsüffeln. Unser Overproof Martini ( 5 cl Escubac, 2 cl Revolte Overproof, 2 cl White Vermouth) dagegen schon: Immer noch recht kräftig, aber süß und fruchtig und wahnsinnig angenehm.

Escubac im Martini mit Blauschimmelkäse-Oliven.
Escubac im Martini mit Blauschimmelkäse-Oliven.

Der That Esculated Quincely Cocktail

Auf der Suche nach einer eigenständigeren Cocktail-Kreation versuchen wir, den erstaunlich komplexen Escubac in einen ähnlich komplexen Drink einzubauen. Wir experimentieren mit Rum, weil das mit dem Revolte so toll geklappt, wir mixen einen Escubac-Mai Tai und spielen mit Kümmel-Espuma. Geht alles fürchterlich schief. Bis auf einen namenlosen Drink aus Quittenlikör, Portwein und Escubac, den wir mit einem Espuma aus Ingwer und Orangensaft garnieren. Der ist gut, der ist spannend. Aber wir glauben, dass irgendwas fehlt. Wir grübeln, ganz doll – und probieren im Zuge dessen den Drink noch einmal ohne Dekoschaum. Wir stellen fest: Da fehlt nix. Da ist was zu viel. An diesem Abend lernen wir, dass „komplex“ nicht „viele Zutaten“ bedeutet. Tolles Learning, toller Drink:

  • 5 cl Escubac
  • 2 cl Portwein
  • 2 cl Quittenlikör

Alles auf Eis rühren und in einen Cognacschwenker mit einem großen Eiswürfel abseihen (alternativ tut’s auch der Tumbler). Trinken.

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Escubac im Fizz.
Escubac im Fizz.

Fazit: Tolles Produkt für jeden, der Gin mag, aber keinen Wacholder, für jeden, der die Kombi aus Brot- und Lebkuchengewürz spannend findet und für jeden, der wissen will, wie viel Aroma man aus 34% herausholen kann.

Daten: 34 Prozent, England, 0,7 Liter, um 35 Euro

Der Deutsche Vertrieb von Escubac, die Bottle Rocket GmbH, hat uns eine Flasche für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

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JohannTrasch

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