Cocktailbart / Spirituosen: Die Schnaps-Datenbank / Gin / Heinrich von Have Prototyp London Dry Gin 2.0 und der Blue Moon Cocktail

Heinrich von Have Prototyp London Dry Gin 2.0 und der Blue Moon Cocktail

Heinrich von Have Prototyp 2.0 London Dry Gin im Blue Moon Cocktail.

Heinrich von Have, den Namen kennt man als Freund hochwertiger Spirituosen aus handwerklicher Herstellung, als Hamburger oder natürlich als aufmerksamer Cocktailbart-Leser. Schon mehr als einmal haben wir hier Produkte aus der Hamburger Spirituosen-Manufaktur und Weinkellerei vorgestellt – heute allerdings zum ersten Mal einen Gin, den Prototyp 2.0. Der erste Eindruck könnte eine Marketing-Nummer vermuten lassen: Auffällige, blaue Flasche, ein Preis deutlich über dem, was von Have sonst pro Flasche aufruft und hach, schon wieder ein Gin, weil der doch voll im Trend ist.

Die Flasche für dieses Tasting wurden uns von Heinrich von Have zur Verfügung gestellt, Bedingungen gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Aber: Nö. Also: ja, die Flasche ist für den eher schlichten Auftritt der Manufaktur schon sehr auffällig. Und ja, dass sie knapp 40 Euro kostet, ist zwar auf dem aktuellen Gin-Markt nichts, was groß negativ auffällt, in einem von Preis-Leistungs-Krachern zerfurchten Portfolio wie dem von Heinrich von Have zumindest mal erwähnenswert. Von Marketing oder Zug-Aufsprungs-Phrasen sind wir aber weit entfernt – schließlich entstammt der Gin einem Rezept aus dem Jahr 1958 – und wurde damit wahrscheinlich direkt und ausschließlich für die Queen produziert, denn außer der hat damals laut Zeitzeugen wirklich niemand Gin getrunken.

Heinrich von Have Prototyp 2.0 London Dry Gin in einem Martini.
Heinrich von Have Prototyp 2.0 London Dry Gin in einem Martini.

Die Story hinter dem Prototyp 2.0

Am 10.12.1958 wurde im Hause von Have zum ersten mal ein Gin gebrannt, das Rezept dazu wurde dokumentiert. 2014 grub man es aus und erweiterte damit das Gin-Portfolio der Manufaktur um einen besonders kantigen Vertreter: mit 47,5% ist der Prototyp 2.0 alles andere als ein Leichtgewicht. Seinen Namen trägt er übrigens, weil sich bei von Have keiner so ganz sicher war, ob bei dem Testlauf auch etwas Trinkbares herauskam – schließlich waren 1958 die Ansprüche an einen Wacholderbrand noch etwas … anders. Das große Glück: der Versuch gefiel den Machern. Das große Pech: das Rezept halten sie seitdem geheim, außer Wacholder ist kein Botanical bekannt.

Was man weiß: alle benutzten Zutaten, inklusive des Basis-Alkohols stammen aus Bio-Qualität. Das in Kombination mit der durchaus aufwendigen Flaschen (knallblau, auf dem Etikett die Kräuter-Brennblase, auf der 1958 das Ur-Destillat gebrannt wurde) und dem immensen Alkoholgehalt „rechtfertigen“ durchaus den Preis. Wobei man sich angesichts des aktuellen Gin-Markts bei unter 90 Euro für den Liter eh nicht  groß rausreden müsste. Vor allem gilt aber ohnehin nach wie vor: Was zählt, is‘ im Glas.

So schmeckt der Heinrich von Have Prototyp London Dry Gin 2.0

Eine fast schon ölige Viskosität und ein schöner Vorhang aus Beinchen, der nach dem Schwenken die Glaswand hinunterläuft, machen Lust auf mehr. Die Nase ist sehr zitruslastig, Zitronen- und Orangenschalen schieben sich ganz nach vorne, gefolgt von Wacholder und ein wenig Ingwer, könnte aber auch Galgant sein. Je länger der Gin steht, desto mehr zeigt sich auch noch eine schöne Koriander-Note.

Nase: Zitronenschale, Orangenschale, Wacholder, Galgant, Koriander

Mund: Zitrone, Koriander, Wacholder, Orange, Kräuter, Fichtennadel, Ingwer

Der Ersteindruck ist klar von Zitrone geprägt, dazu kommt hier viel deutlicher der Koriander und danach erst der Wacholder. Orange macht sich vor allem im Abgang bemerkbar, dazu kommen ein paar kräutrige Einschläge und ein bisschen Fichtennadel. Der Nachgeschmack wird von ebendieser in Kombination mit Ingwer bestimmt. Die 47,5% sind gut eingebaut – klar merkt man ein Prickeln auf der Zunge, wenn man den Gin länger im Mund hält, aber er besitzt keinerlei störendes Brennen.

Der von Have Prototyp pur und in Cocktails

Die Zitrus-Note ist durchaus dominant, pur erinnert der Prototyp 2.0 fast ein bisschen an ein Zitronenbonbon oder entfernt einen gut gemachten Limoncello. Wer da drauf steht, findet in ihm auch einen tollen Drink für den Pur-Genuss – wir zielen aber wie so oft bei Gin insgesamt mehr auf den Einsatz in Cocktails. Sommerliche Gin Tonics mit Zitronenzeste und einem leichten, frischen Tonic Water wie dem Fever Tree Mediterranean oder dem 1724 funktionieren top, selbiges gilt für einen eiskalten Martini mit der obligatorischen Zitronenzeste. Spannend allerdings: auch in einem Dirty Martini mit Olivenlake oder in einem Gibson mit Silberzwiebel (vor allem in dem) gibt er eine Top-Figur ab: die Drinks bekommen durchaus die gewünschte herzhafte Komponente, bleiben aber erfrischend. Ein Effekt, den schon viele (inklusive uns) mit einer Kombo aus Zitronenzeste und Olive erzeugen wollten – ohne Erfolg.

Die frische Aromatik passt aber auch wunderbar zu eher blumigen Duftnoten – im Aviation mit Violet Liqueur macht der von Have Prototyp entsprechend ebenfalls eine gute Partie – so sehr, dass wir auch einem Gin Tonic damit ein cl der blauen Suppe gönnen. Das Ergebnis weiß zu gefallen, optisch wie geschmacklich. Also setzen wir auch in unserem eigenen Drink auf eine ähnlich ausgelegte Kombination.

Blue Moon

  • 5 cl Prototyp 2.0 Gin
  • 3 cl Belsazar Summer Edition
  • 1 cl Supasawa
  • 1 cl Zuckersirup
  • 1 cl The Bitter Truth Violet liqueur

Alle Zutaten zusammen auf Eis rühren und in eine gefrostete Coupette mit einem Hibiskuszucker-Rim abseihen. Trinken.

Der Blue Moon Cocktail mit Heinrich von Have Prototyp 2.0 London Dry Gin.
Der Blue Moon Cocktail mit Heinrich von Have Prototyp 2.0 London Dry Gin.

Von Have Prototyp London Dry Gin 2.0 online kaufen!

Fazit: Zitruslastiger London Dry Gin, der, bedingt durch den hohen Alkoholgehalt, sein spannendes Aroma auch in Cocktails und Longdrinks halten kann und der trotz der kühlen, eismeerblauen Flasche vor allem in sommerlichen Gin & Tonics Freude bereiten sollte.

Daten: 47,5% Prozent, Deutschland, 0,5 Liter, um 40 Euro

Heinrich von Have hat uns eine Flasche des Gins für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

Du hast deine eigene Meinung zum Heinrich von Have Prototyp London Dry Gin 2.0?

Dann lass uns doch eine Bewertung da - keine Anmeldung nötig:
[Gesamt:0    Durchschnitt: 0/5]

 

Das Logo von Cocktailbart.deCocktailbart wird vier! Und zum Geburtstag haben wir uns jede Menge vorgenommen - wir wissen nur nicht was genau. Nimm an unserer Umfrage teil und finde es gemeinsam mit uns raushttps://www.surveymonkey.de/r/9K7D5MM

Johann

Cocktailbarts Archmage of Content bei Nacht, stolzer Familienvater / Texter / Konzepter / Kreativarbeiter bei Tag.

Kommentar hinzufügen

Klicke hier um einen Kommentar hinzuzufügen

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu.