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Antigua Distillery Heavy Traditional Rum und der Kennedy Manhattan

Antigua Distillery Heavy Rum in einem geräucherten Rum Old Fashioned Cocktail.
Antigua Distillery Heavy Rum in einem geräucherten Rum Old Fashioned Cocktail.

Antigua ist eine Insel in den Antillen, Teil des Staates Antigua und Barbuda und liegt direkt ums Eck vom französischen Überseedepartement Guadeloupe. Und während letzgenannte Insel praktisch jeder, der sich etwas ausführlicher mit Rum beschäftigt, auf dem Zettel hat, ist das winzige Antigua für viele ein schwarzer Fleck. Mit der Antigua Distillery gibt es hier zwar nur einzige Destille, aber dieser Umstand tut auch der Berühmtheit von Trinidad, Guyana oder Haiti keinen Abbruch. Die bekannteste Marke der Brennerei ist dann allerdings wohl den meisten ein Begriff: English Harbour.

Darunter finden sich im Normalfall gute bis hochklassige Rums zu fairen Preis, die allerdings nur selten auf irgendwelchen Hypewellen in die Fachgeschäfte reiten. Dies Abfüllung über die wir heute reden, der  The Antigua Distillery Heavy Traditional Rum ist da eine kleine Ausnahme; allerdings weniger wegen der Antigua Distillery selbst, sondern wegen eines Mannes namens Luca Gargano, der als Kopf des italienischen Abfüllers und Vertriebs Velier wie kaum ein zweiter für immer unverfälschte und oft sehr kantige Rums steht. Unseren heute verkosteten Schatz entdeckte Gargano auf der Suche nach einem Schmankerl zum 70. Geburtstag von Velier.

Die Geschichte der Antigua Distillery

Die Geschichte beginnt allerdings lange vorher, sogar noch vor der Gründung von Velier: Im Jahr 1932 schließen sich acht Rum-Händler auf Antigua zusammen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Damals gab es genau zwei Sorten Rum auf der Insel: gereiften und ungereiften. Beide wurden unter der Marke Caballero vertrieben. In den 70ern taufte man die Marke in Cavalier um – die gibt es noch heute, sie steht für stabile Mix-Rums. Die exklusivere Sipping-Marke English Harbour führte die Antigua Distillery dann erst in den 90er-Jahren ein.

Benannt ist sie nach dem größten Naturhafen der Karibik ganz im Süden der Insel. Die Herstellung von English Harbour erfolgt allerdings nach denselben Grundprinzipien wie bei Cavalier: Melasse aus Guyana wird offen fermentiert, auf einer kupfernen Column Still gebrannt, in Ex-Bourbon Casks gereift und in Eichenbottichen geblendet, die schon 1932 hier standen. Bei der Destille selbst sollte man festhalten, dass die fast schon legendäre Savalle Still des Hauses 1991 durch eine modernere ersetzt wurde – vielerorts liest man, die Savalle wäre noch im Einsatz.

26 großartige Fässer und ein verliebter Luca

English Harbour steht insgesamt für spannende, aber eher leichte Rums – während Velier da zwar auch das eine oder andere im Fundus hat, kennt man die Italiener dann doch eher für kräftige Destillate. Als Luca Gargano im Juni 2017 die Antigua Distillery besucht, entdeckt er insgesamt 27 Fässer, die nicht ganz so zum eher leichtfüßigen Stil der Destille passen wollten – sie hatten einen erhöhten Congeners-Gehalt von 218 gr/hlpa. Congener sind „unerwünschte“ Alkohol-Verbindungen die bei der Fermentation oder Destillation entstehen, sie sind der Alkohol-Anteil, der kein reines Ethanol ist. Die vielzitierten Ester fallen darunter und sorgen, genau wie andere Congener, für besondere geschmackliche Ausprägungen. Deshalb „unerwünscht“ in Anführungszeichen.

Diese Zahl erscheint angesichts so mancher Ester-Auszeichnung auf Jamaika-Rums fast etwas klein – trotzdem reicht es, um dem Rum den Stempel Heavy zu verpassen. Gut, bei 66% darf man damit rechnen, dass der Rum so oder so ein Brett ist. Mit gerade mal sechs Jahren Reifezeit zwischen 2012 und 2018 erscheint er zwar noch recht jung, aber das muss nichts heißen. Die Variante, die wir hier verkosten, ist ein Blend aus 26 der Fässer, die Luca Gargano 2017 eingekauft hat – das 27. Fass hat er zum Geburtstag von Velier als Single Cask abgefüllt. Ein Direktvergleichs-Tasting findet sich zum Beispiel bei Flo von Barrel Aged Thoughts. Wir widmen uns hier und heute „nur“ dem Blend.

So schmeckt der Antigua Distillery Heavy Traditional Rum

Er schwenkt sich schwer, schimmert bernsteinfarben und zieht einen prächtigen Vorhang aus schweren Nasen an der Glaswand. Der Duft ist  kraftvoll und auf den ersten unvorbereiteten Schnupperer auch ein wenig scharf. 66 Prozent sind 66 Prozent. Mit etwas Zeit zum Atmen kommen dann aber Noten von Butter, Toffee, Ahornsirup, Dunkler Schokolade und Gewürzen hervor. Noten, die man tatsächlich eher von leichteren Rums kennt, aber mit einer schönen Intensität. Dazu kommen nach längerer Wartezeit noch Trockenfrüchte und ein Hauch Kaffee.

Nase: Butter, Toffee, Ahornsirup, Dunkle Schokolade, Gewürze, Trockenfrüchte, Kaffee

Mund: Ahornsirup, Karamell, Vanille, Eiche, Kaffee, Zartbitterschokolade, Banane, Pflaume

Im Mund spielt er seine 66 Prozent mit großer Kraft aus, besitzt dabei aber kaum Schärfe. Ahornsirup, Karamell und Vanille sind sofort da, sanftbittere Eichen-Noten und am Gaumen wieder ein wenig Kaffee und Zartbitterschokolade. Erst der Nachgeschmack (der irre lange hält) und der zweite Schluck offenbaren ein paar estrige Anklänge, etwas Banane und angegorene Pflaumen, was mit jedem weiteren Schluck deutlich an Präsenz gewinnt.

Der Rum pur und in Cocktails

Kollege Sepo von Galumbi.de empfiehlt den den Antigua Heavy Rum mit ein paar Tropfen Wasser und wir verstehen durchaus, wieso: Die Aromen werden etwas breiter, er lässt sich deutlich leichter im Mund behalten, mit der Zunge umschmeicheln. Wir sind allerdings eher Fans seiner puren Kraft – was daran liegen mag, dass wir uns den Rum nicht unwesentlich wegen der Aufschrift „Heavy Rum“ besorgt haben. Wohlgemerkt: Wer einen English Harbour mit der Kraft einer Velier-Hampden-Abfüllung erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Wer aber weniger einen Rum zum dazulernen sucht und mehr die Wuchtbrumme mit Herz zum liebhaben, der ist hier goldrichtig.

Seine schöne Mischung Karamell- und – vor allem in der Verdünnung – Frucht-Noten macht ihn aber auch zu einer hervorragenden Cocktail-Basis. Old Fashioneds damit sind ein Gedicht, auch in einer geräucherten Variante wie oben auf dem Aufmacherbild gezeigt. Wir verwenden ihn außerdem ihn zwei Instagram-Cocktailwettbewerben und für einen Drink, den wir bei den Kollegen von bar-vademecum.de entdeckt haben und der seitdem zu unseren absoluten Lieblings-Cocktails gehört:

Kennedy Manhattan (Carl Wrangel)

  • 6 cl Gereifter Rum
  • 2 cl Weißer Wermut
  • 4 Dashes Peychaud’s Bitters (im Original Dr. Adam Elmegirab’s Boker’s Bitters)
  • 0,5 cl Ahornsirup

Alles zusammen auf Eis rühren und in eine gefrostete Coupette abseihen. Trinken.

Burnt Flowers

  • 2,25 cl Amaro Montenegro
  • 2,25 cl Blutwurz
  • 2,25 cl Antigua 2012 Heavy Rum
  • 3 cl Roter Wermut

Auf Eis rühren und mit Buchenholz räuchern, mit einer Cocktailkirsche garnieren. Trinken.

The Burnhard

  • 4,5 cl Antigua Heavy Rum
  • 3 cl Plantation Xaymaca
  • 1,5 cl Pampelle
  • 1.5 cl Frangelico
  • 1,5 cl Ananasessig
  • 1,5 cl Limettensaft
  • Eine halbe Banane
  • Eine getrocknete Scheibe Ananas,  getränkt in Overproof Spiced Rum

Alles außer der Ananas sehr kräftig auf Eis shaken. In einen Tiki Mug abseihen, mit der Ananas garnieren und anzünden. Auspusten. Trinken.

Antigua Distillery Heavy Rum im The Burnhard., einem Tiki-Cocktail.
Antigua Distillery Heavy Rum im The Burnhard., einem Tiki-Cocktail.

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(*Johann arbeitet für die Perola GmbH, wurde aber weder zu diesem Shopping-Link aufgefordert, noch bekommt er eine Provision dafür.)

Fazit: Ein kräftiger, niemals überladener Rum irgendwo zwischen leichtfüßigen Karamell- und Vanillenoten und estrigen Obst-Anklängen, der pur und in Drinks gleichermaßen Freude macht. Auch, wenn das „Heavy“ im Namen leicht überzogene Erwartungen schüren kann, landet der Antigua Rum allein schon wegen des irren Preis-Leistungs-Verhältnisses auf unserer Kaufpflicht-Liste.

Daten: Antigua und Barbuda, um 55 Euro, 0,7 Liter, 66 Prozent

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JohannTrasch

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