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Plantation Rum Fiji 2009 Vintage Edition und der Nabukelevu

Der Plantation Fiji 2009 im Nabukelevu, einem Negroni-Twist.
Der Plantation Fiji 2009 im Nabukelevu, einem Negroni-Twist.

Welches der Folgenden ist ein Rum aus dem Inselstaat Fiji:

A) Samaroli

B) Marcho & Blanco

C) Old Toby

D) Bucca

Hätten wir diese Frage bei „Wer wird Millionär“ gestellt bekommen, hätten wir uns aller Wahrscheinlichkeit nach ziemlich blamiert – wir hätten aus dem Stand nicht nur keinen einzigen Fiji-Rum nennen können, auch hätte uns keiner der Namen in der Liste was gesagt. Gut: Hätten wir aus purer Verzweiflung einen unserer Nerd-Telefonjoker angerufen, wäre ihm per Ausschlussprinzip eventuell aufgefallen, dass B, C und D Hobbits aus dem Herrn der Ringe und der zugehörigen Begleit-Literatur sind.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von Ferrand Deutschland zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels.  

Bei Plantation Rum will man allerdings nicht darauf warten, dass Günther Jauch seine Kandidaten auf guten Rum hinweist, sondern spielt höchstselbst den Botschafter für die Zuckerrohrdestillate des kleinen Inselstaates. Zusammen mit dem Peru 2004 erschienen, wedelt auch der Plantation Rum Fiji 2009 Vintage Edition mit der Fahne der Transparenz – zeigt aber natürlich vor allem, für welche Art Rum der Inselstaat im Südpazifik steht.

Die Story hinter Plantation Fiji 2009 Vintage Edition

Plantation müssen wir an dieser Stelle wahrscheinlich nicht noch einmal neu einführen – falls ihr die Marke des französischen Spirituosen-Unternehmens Cognac Ferrand noch nicht kennt, empfehlen wir die Lektüre unseres Artikels zum Barbados 5 oder eines anderen Plantation-Rums, den wir hier verkostet haben. Mit der Vintage-Serie (auch davon haben wir schon einige Flaschen probiert) widmet sich das Unternehmen dem Terroir jeweils einer Rum-Nation, sprich seinem spezifischen Aroma und Geschmack. Gleichzeitig veredelt man den Rum aus dem jeweiligen Land dann mit einer zweiten Reifezeit in den eigenen Ex-Cognac-Fässern und einer Dosage in Form von etwas zugesetztem Zucker.

Der Plantation Fiji 2009 in einer Last Word-Variante mit Rum.
Der Plantation Fiji 2009 in einer Last Word-Variante mit Rum.

Beim Plantation Fiji hat man diese komplett weggelassen – genau wie kurze Zeit später beim Xaymaca Extra Dry. Plantation entfernt sich damit langsam ein wenig von der Praxis des Nachzuckerns von Rums, wohl weil das in der Connaisseurs-Community eher mittelmäßigen bis schlechten Rums zugesprochen wird, die das dann auch noch verschleiern. Nun, Plantation Rum steht keineswegs für schlechte Rums und ganz sicher auch nicht für irgendwelche Verschleierungs-Taktiken (die Dosage wurde stets offen kommuniziert), trotzdem freuen wir uns natürlich über unverfälschte Produkte – und die große Menge an Infos, die wir dem Etikett entnehmen können.

So gibt Plantation seit diesem Jahr die Destillen der Vintage-Serie mit an, in diesem Fall die South Pacific Distillery. Die steckt häufig dahinter, wenn unabhängige Abfüller wie Kill Devil, Bonpland oder Compagnie des Indes1 einen Fiji-Rum abfüllen. Nach etwa 5 Tagen Fermentation wird die Melasse in Pot und Column Stills destilliert und reift anschließend zuhause in Fiji 7 Jahre in Ex-Bourbon und dann 2 Jahre in Cognac-Fässern auf dem Château de Bonbonnet in Frankreich. Wir tun uns zwar immer noch schwer, all zu viele Rum-Marken aus Fiji aufzuzählen – aber wenigstens können wir jetzt beschreiben, wie der Schnaps von dort schmeckt:

So schmeckt der Plantation Fiji 2009

Der bernsteinfarbene Rum schwenkt sich ölig und zieht dicke Beinchen an der Glaswand. Sein Duft ist eine zunächst erstaunliche Mischung aus fruchtigen Ester-Noten und weißer Schokolade: Etwas Nagellack vom Ester trifft Weißwein, Karamell und Butter. Mandeln und Orangenschale runden diesen ausnehmend schönen Duft ab. Lässt man den Rum eine Weile stehen, sind es vor allem Schokoladen- und Karamell-Töne, die sich festsetzen.

Nase: Ester, weiße Schokolade, Nagellack, Weißwein, Karamell, Butter, Mandeln, Orangenschale

Mund: Waldhonig, Weiße Schokolade, Honigbanane, Muskat, Waldboden, Klee, Agavennektar

Im Mund schlägt er etwas flacher und deutlich ernster auf als gedacht, furztrocken und mit einer merklichen Bitternote und Anleihen von Waldhonig (wohlgemerkt aber ohne die Süße – verrückt). Auf dem Weg zum Gaumen hin öffnet er sich jedoch auf eindrucksvolle Weise: Honigbanane und Weiße Schokolade treffen auf Muskat und mineralische Noten von Waldboden, dazu kommt etwas Klee. Eine leichte Initialschärfe ist da, verfliegt aber schnell. Der Nachgeschmack erinnert in seiner Würze etwas an Agavennektar.

Der Rum aus Fiji pur und in Cocktails

Wenn der Plantation Fiji 2009 Vintage für den Rum-Stil dieser Nation steht, dann kann man für den nächsten Urlaub problemlos sein Lieblings-Nosingglas einpacken. Dieser Rum funktioniert pur hervorragend und überrascht durch die spannenden Unterschiede zwischen der Wahrnehmung in der Nase und am Gaumen. Müssten wir ihn mit Rums einer anderen Herkunft vergleichen, würden wir uns auf Guyana festlegen – zumindest hätten wir in einer Blindverkostung wohl auf irgendeinen Single Cask der Diamond Distillers getippt.

Der Plantation Fiji 2009 in Horse's Neck mit Ginger Ale.
Der Plantation Fiji 2009 in Horse’s Neck mit Ginger Ale.

In Cocktails fehlt ihm dagegen ein wenig die Durchsetzungskraft. Nicht, dass man ihn nicht herausschmecken würde – er verliert nur ein bisschen seine Individualität. So schmeckt ein Rum Last Word mit dem Plantation Fiji etwa hervorragend – aber eben leider nicht so ganz nach ebendiesem Rum. Spannenderweise kommt er dagegen in einem Horse’s Neck mit etwas Zitrone und aufgegossen mit Ginger Ale durchaus zum Tragen, für einen Longdrink gerät dieser Cocktail dadurch relativ komplex. In einer Pina Colada-Variante mit der Belsazar Summer Edition funktioniert er top, eben weil er dem Wermut Raum lässt und sich wunderbar einfügt, in den Rum Manhattan mit Mancino Rosso1 verlieben wir uns sofort. Dieser recht simple Drink inspiriert uns zu einem Twist auf einen anderen Klassiker – den Negroni. Wir benennen diesen Drink nach einem Vulkan auf der Fiji-Insel Kadavu:

Nabukelevu

  • 4 cl Plantation Fiji 2009
  • 3 cl Rinomato1 (alternativ: Aperol)
  • 2 cl Revolte Swedish Punch
  • 1 Spritzer Limette

Alles zusammen auf Eis rühren und mit einer Orangenzeste abspritzen und garnieren. Trinken.

(Mit einem * markierte Links sind Affiliate-Links aus dem Amazon-Partnerprogramm. Benutzt ihr diese für euren Einkauf, erhalten wir dafür eine kleine Provision.)

Fazit: Spannender Rum, der durch seine außergewöhnliche Aromen-Kombi vor allem pur für Spannung sorgt und das Rum-Land Fiji in bestem Licht darstellt. In Cocktails fehlt ihm allerdings ein wenig die Durchsetzungskraft.

Daten: Fiji/Frankreich, um 38 Euro, 0,7 Liter, 44,8 Prozent

Ferrand Deutschland hat uns eine Flasche des Plantation Fiji 2009 für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

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Der Plantation Fiji 2009 im Rum Manhattan mit Mancino Rosso und Tabak-Bitters von Dr. Sours.
Der Plantation Fiji 2009 im Rum Manhattan mit Mancino Rosso und Tabak-Bitters von Dr. Sours.

JohannTrasch

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