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Finch Single Malt Whisky und der After the Fire Cocktail

Finch Single Malt Whisky im Boulevardier mit rotem Wermut und Aperitivo.

Wenn man an Highland-Whisky denkt, hat man Schottland im Kopf, klar. Jetzt ist aber auch die schwäbische Alb de facto „Hochland“, sprich: ein Stück Land weit über dem Meeresspiegel und der Zufall will es so, dass ein gewisser Hans-Gerhard Fink hier seit 1999 Whisky brennt. Man darf in diesem Fall also – trotz des zugegeben hohen Erklärungsbedarfs – durchaus von einem deutschen Highland-Whisky sprechen. Der Whisky macht aber nicht nur bei der Herkunft ein paar Sachen anders als die Kollegen aus Schottland. Aber fangen wir von vorne an.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von Mack & Schühle, dem Vertrieb von Finch Whisky zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels. 

Die Story hinter Finch Single Malt Whisky

Finch Whisky entsteht wie einige andere spannende Destillate der letzten 10, 15 Jahre: Jemand kommt durch Zufall an eine Brennerei und legt halt einfach mal los. Hans-Gerhard Fink heiratet in den 90ern, darf sich in der zur Ehefrau gehörigen Obstbrennerei austoben und verliebt sich in das Handwerk. Und das, obwohl er vorher schon eines gelernt hat: der Mann ist Landwirt und bewirtschaftet 400 Hektar schwäbische Alb. Das Getreide von dort kommt allerdings noch ein paar Jahre ins Brot, der Fokus liegt auf Obstbränden und -Geisten. Ein Geschäftszweig, den er nach seinen ersten Gehversuchen an der Brennblase schnell ausbaut. ’99 dann der große Moment: der erste Grain Whisky aus eigenem Weizen und Gerste kommt ins Fass.

Trotzdem dauert es noch 13 Jahre, bis die Marke „Finch“ offiziell eingetragen wird – zeitgleich nimmt man im stark gewachsenen Team die größte Pot Still Deutschlands in Betrieb, der Whisky ist inzwischen Hauptgeschäft des Familienunternehmens. Weil es bis zu diesem Punkt unzählige Experimente mit dem Getreide aus eigenem Anbau und diverse Fass-Testversuche gab, hat man hier auf der Alb deutlich mehr als nur einfach „den einen Finch Whisky“ in den Regalen stehen. Was wir uns heute ins Glas gießen ist zwischen Exoten wie dem Dinkel Whisky aus dem Port-Fass und einem Grain Whisky aus dem Barrique fast noch Mainstream: der Single Malt des Hauses, ganz aus Gerstenmalz von den eigenen Feldern und im Sherry-Fass gereift. Wohlgemerkt: nicht nur gefinished: Ganze fünf bis sechs Jahre verbringt der Brand in den spanischen Casks – aber wie wirkt sich das jetzt auf den Geschmack aus?

Finch Whisky in einem Manhattan mit rotem Vermouth.
Finch Whisky in einem Manhattan mit rotem Vermouth.

So schmeckt Finch Single Malt Whisky

Mit der Farbe von sehr hellem Bernstein liegt der Finch im Glas und schwenkt sich angemessen und mit einer ansehnlichen Tröpfchenwand. Der Duft ist angenehm malzig, die Gerste ist sofort da, ohne allzu aufdringlich an Korn zu erinnern. Dahinter finden sich Birnen und Orangen sowie ein Hauch von Honig und Eiche. Nach ein wenig Zeit zum Atmen nehmen wir dann auch den Sherry wahr.

Nase: Gerste, Birne, Orange, Honig, Eiche, Sherry

Mund: Birne, Zitrone, Karamell, Holz, Orange, Rote Früchte

Der Single Malt kommt angenehm weich auf der Zunge an, mit deutlich frischeren Anklängen als noch in der Nase. Birne ist wieder vorne mit dabei, dazu eine Zitronen-Note und ein sehr eindeutiger Karamell-Anklang, der auf dem Weg nach hinten holziger wird und spätestens im Abgang auch wieder der Orange Platz einräumt. Im langen aber nicht aufdringlichen Nachhall finden sich dann Noten von roten Früchten wieder.

Der Whisky pur und in Cocktails

Die Gerstenmalz-Note in der Nase ist für uns das klare Alleinstellungsmerkmal, auch wenn wir sie in anderen Tasting-Notizen für das Produkt nicht wiedererkennen. Um dieses Aroma herum tummelt sich ein milder Gesamteindruck von klassischen Whisky-Noten mit einem schön fruchtigen Einschlag. Der Whisky trinkt sich pur hervorragend und verträgt auch einen oder zwei Eiswürfel, ohne in die aromatische Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, auch wenn wir die Nosing-Glas-Variante bevorzugen. Wer Whisky also bevorzugt außerhalb eines Cocktails genießt, fühlt sich hier wohl.

In Drinks hat er ein ähnliches Problem wie der eine oder andere schottische Highland Malt, er geht im Zweikampf mit allzu sauren oder generell extremem Zutaten ein wenig unter. Als Old Fashioned oder Manhattan oder ganz generell gesagt: in den meisten klassischen Shortdrinks macht er hingegen eine hervorragende Figur. Ein Boulevardier damit – normalerweise aus American Whiskey gemixt – profitiert von der leichten Getreide-Note zwar, aber das Gesamt-Ergebnis fällt ein klein wenig flach aus, wenn man nicht mit dem Aperitivo-Likör etwas zurückgeht. Eine eigene Drink-Kreation haben wir natürlich auch in petto – und in der haben wir versucht, den Finch Single Malt mit kräftigen, aber eher ergänzenden Noten zu umgarnen. Das Ergebnis hat uns durchaus gefallen:

After the Fire

  • 6 cl Finch Single Malt Whisky Sherry Cask
  • 2 cl Doktorenhof Halali Steinpilzessig
  • 1 cl Ahornsirup
  • 2 Dashes Angostura

Alle Zutaten zusammen auf Eis shaken, in einen Tumbler mit frischem Eis abseihen und mit einem kleinen Teller mit frisch geflämmten Haselnüssen in Schale und Gestrüpp servieren. Bei Letzterem geht es um einen verkohlt-nussigen Duft, der zu nah an Aschenbecher war, wenn wir direkt das Glas damit geräuchert hatten.  

Der After the Fire Cocktail mit geflämmten Haselnüssen.
Der After the Fire Cocktail mit geflämmten Haselnüssen.

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Fazit: Ein spannender und besonderer Whisky, der seinen eigenen, kantig-malzigen Stil pflegt, ohne sich anzubiedern. Fantastisch vor allem für Shortdrinks, die die besonderen Noten auch transportieren können.

Daten: Deutschland, um 50 Euro, 0,5 Liter, 42 Prozent

Mack & Schühle  hat uns eine Flasche des Produkts für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

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Johann

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