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Hudson Baby Bourbon und der Bitter Corn in Jerez Cocktail

Hudson Baby Bourbon in einem Old Fashioned mit Bananenlikör.

Bourbon stammt aus den USA, meistens aus Kentucky, und er besteht zu mindestens 51% aus Mais. Der Rest stammt von Roggen und andere Getreidesorten. Obendrein ist selbst guter Bourbon meistens ein ziemliches Massenprodukt. Gut, dass letzterer „Fakt“ sich im Wandel befindet, das wisst ihr als fleißiger Cocktailbart-Leser schon. Craft boomt, auch im American Whiskey-Bereich. Was in den kleinen 350ml-Flaschen der Tuthilltown Distillery lagert, zerbricht aber gleich noch ein paar andere Vorstellungen, die man von amerikanischem Mais-Whiskey hat.

Die Flasche für dieses Tasting wurde uns von Campari Deutschland zur Verfügung gestellt, Bedingungen an den Artikel gab es nicht. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels. 

Zum Beispiel gibt es hier nicht diesen eingangs erwähnten „Rest“. Kein Roggen, kein Weizen – einfach nur 100% Mais finden sich im Hudson Baby Bourbon, um den es hier heute gehen soll. Er wird in kleinen Chargen produziert und in winzigen 2-Gallon-Casks gereift, die ihm seinen Namen geben und gerade mal knapp 7 Liter fassen. Zum Vergleich: das Standard American White Oak Cask fasst 53 Gallons, knapp um die 200,5 Liter. Die Berührungsfläche zwischen Whiskey und Holz ist dadurch hier um ein Vielfaches größer als sonst. Aber fangen wir vorne an:

Die Story hinter Hudson und Tuthilltown Spirits

Die Tuthilltown Distillery wurde 2003 von zwei Kerlen gegründet, die davor beide als Berater für Tech-Unternehmen tätig waren. Gemeinsam entschieden Sie sich, in die Tuthilltown Gristmills zu investieren – eine Getreidemühle im Hudson Valley im Bundesstaat New York, die sonst eigentlich ausschließlich Mehl produziert. Ralph Erenzo und Brian Lee richten sich stattdessen in einem der Kornspeicher eine Micro Distillery ein. Seit dem Ende der Prohibition wird damit zum ersten Mal wieder in diesem Staat destilliert.

2005 legen die beiden mit Wodka los – aus alten Apfelresten. Den produzieren sie auch heute noch, genauso wie damals aus Äpfeln, die im Umkreis von fünf Meilen angebaut werden. Regionalität ist hier Kernprinzip, auch der Mais für den Baby Bourbon kommt von Farmen aus maximal zehn Meilen Umkreis. Ein irre kleiner Einzugsbereich, wenn man bedenkt, das es in diesem Land durchaus üblich ist, vier Stunden mit dem Auto zu fahren, um die Wocheneinkäufe zu erledigen.

Obwohl die Tuthilltown Distillery 2017 von William Grant & Sons gekauft wird (dem drittgrößten Anbieter von Scotch weltweit), bleibt das Unternehmen Craft. Die Batches sind klein und jede Flasche wird per Hand abgefüllt, etikettiert und verschickt. Angesichts der beträchtlichen Anzahl an Preisen, die der Bourbon bekommen hat, wäre das wohl auch kontraproduktiv. Ob dann allerdings die Beschallung der Fässer mit Lautsprecher (kein Scheiß) wirklich wie erhofft die Interaktion zwischen Whiskey und Fass erhöht, wissen wir nicht. Aber wie der Baby Bourbon schmeckt, schon:

Hudson Baby Bourbon in einem Old Fashioned mit Bananenlikör von Tempus Fugit und Bitters von Dr. Sours.
Hudson Baby Bourbon in einem Old Fashioned mit Bananenlikör von Tempus Fugit und Bitters von Dr. Sours.

So schmeckt Hudson Baby Bourbon

Der fuchsrote Bourbon schwenkt sich schwer, zieht aber kaum Nasen an der Glaswand. Der Duft ist würziger, als man von 100% Mais erwarten würde. Das liegt aber vor allem an der intensiven Eichennote, die von Vanille und Karamell begleitet wird. Je länger er steht, desto mehr meint man, an frischgeschnittenem Holz zu schnuppern. Ein wenig Rauch lässt sich ebenfalls feststellen, dazu etwas Getreide und ein wenig Kakaobutter.

Nase: Eiche, Vanille, Karamell, frischgesägtes Holz, Rauch, Getreide, Kakaobutter

Mund: Holz, Karamell, Vanille, florale Noten, Eiche, Rauch, Toffee, Bittermandel

Im Antrunk ist er zunächst noch vergleichsweise flach, da ist einfach nur Holz, Holz, Holz. Schnell ergießt er sich dann aber geschmacklich einmal komplett über die Zunge, mit viel Karamell, Vanille und auch dieser merklichen Bourbon-Süße. Im Abgang kommen sanfte, florale Noten dazu und wieder die Eiche mit etwas Rauch. Der zweite Schluck offenbart sahniges Toffee und etwas Bittermandel. Der Nachgeschmack lässt viel Rauch stehen. Ein spannender Bourbon, aber aufgrund der Holz-lastigkeit in Verbindung mit Rauch auch ein sehr spezieller.

Der Hudson Baby Bourbon pur und in Cocktails

Wenn man Bourbon als „den Mais-Whiskey“ sieht und entsprechend dem Mais diese süße Cremigkeit des Bourbons anlastet, dann rechnet man hier eigentlich mit einer ziemlich süßen und gefälligen Nummer. Stattdessen bekommt man ein vergleichsweise kraftvolles und aromatisch besonderes Getränk, das mit Holz und einem merklichen, aber nie vordergründigen Rauch ein bisschen unser Whiskey-Klischeedenken durcheinanderwirbelt. Pur ist der Hudson Baby Bourbon dann passenderweise eher auch was zum erforschen und aktiv genießen, in Cocktails dagegen räumt er vor allem bei Bekanntem ab:

Hudson Baby Bourbon im Fifty Miles north of Manhattan mit Bitters, rotem Wermut und Maraschino.
Hudson Baby Bourbon im Fifty Miles north of Manhattan mit Bitters, rotem Wermut und Maraschino.

Manhattan und Old Fashioned rockt er mit Leichtigkeit, mit kleinen Twists holen wir da aber noch einmal etwas mehr heraus. Der Fifty Miles North of Manhattan beschreibt nicht nur die Lage der Destillerie, sondern fügt dem Drink aus Whiskey und Wermut noch verschiedene Bitters und Maraschino hinzu. Ein grandioser Drink aus dem The Devil’s Advocate in Edinburgh. Für einen eigenen Old Fashioned-Twist nehmen wir Bananenlikör statt Zucker und garnieren mit einer getrockneten Banane. Das ergänzt sich hervorragend mit den leicht rauchigen Noten. Für unseren eigenen Drink testen wir, ob sich die Holz-Power im Baby Bourbon auch nicht von mehreren Zutaten einschüchtern lässt. Tut sie nicht.

Bitter Corn in Jerez

  • 4 cl Baby Bourbon
  • 2 cl Oloroso Sherry (Williams & Humbert Walnut Brown)
  • 1 cl Edmund’s Liköre Bitterfürst
  • 2 Dashes Peychaud’s bitters
  • 2 Dashes The Bitter Truth Drops & Dashes Nut

Alle Zutaten auf Eis rühren, in eine vorgekühlte Coupette abseihen und mit einer Zitronenzeste abspritzen und garnieren. Trinken.

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Fazit: Ein spezieller American Whiskey, den man nicht nur, aber auch, probiert haben sollte, um zu wissen, wie eine 100% Mais-Mashbill schmeckt. Davon abgesehen ist der Bourbon aber auch so ein Wucht, vorausgesetzt ihr mögt Holz, Holz, Holz und einen Hauch von Rauch und seid nicht knapp bei Kasse – der Literpreis ist hier nämlich ziemlich happig.

Daten: USA, um 40 Euro, 0,35 Liter, 46 Prozent

Campari Deutschland  hat uns eine Flasche des Produkts für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt, danach aber weder auf Art noch Umfang eventueller Artikel, noch das Tasting Einfluss zu nehmen versucht. Wir sagen Danke für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit.

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Johann

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